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John McCains Abschiedsbrief ist ein Appell gegen die Spaltung

 
John McCains Abschiedsbrief ist ein Appell gegen die Spaltung
John McCain (19362018) © Chip Somodevilla/Getty Images

Am vergangenen Samstag ist der US-Senator John McCain an den Folgen seines Krebsleidens gestorbens. Mit ihm ging eine starke Persönlichkeit und einer von wenigen Politiker in Washington, die ihre Überzeugungen über Parteizugehörigkeiten stellen und für die Kompromisse keine Niederlagen sind. Die New York Times bezeichnete ihn einmal als Larger-than-life-Figur, von denen es im Senat immer weniger gebe. Seine Charaktereigenschaften prägen auch den Abschiedsbrief des republikanischen Präsidentschaftskandidaten von 2008, den sein Sprecher Rick Davis nun in Phoenix verlas und in dem McCain die Amerikaner dazu aufruft, die Spaltung des Landes zu überwinden.

McCain dankt in dem Schreiben seinen "amerikanischen Landsleuten" und besonders den Menschen von Arizona, denen er "60 Jahre lang diente". Er habe in seinem Leben Fehler gemacht, schreibt McCain, "aber ich hoffe, dass meine Liebe zu Amerika positiv gegen sie aufgewogen wird". Mit großer Sorge blickte der Politiker zuletzt auf die Gräben in der Gesellschaft, die auch sein politisches Handeln zuletzt beeinflussten."Wir schwächen unsere Größe, wenn wir unseren Patriotismus mit Stammesrivalitäten verwechseln. Wir schwächen ihn, wenn wir uns hinter Mauern verstecken, statt sie niederzureißen, wenn wir an der Macht unserer Ideale zweifeln, anstatt darauf zu vertrauen, dass sie die große Kraft für Veränderungen sind, die sie immer waren", schreibt der Republikaner, der als vehementer Kritiker von US-Präsident Donald Trump galt.

Sein Appell an die Bürger seines Landes: "Wir sind 325 Millionen eigensinnige Individuen. Wir streiten laut, und mitunter verunglimpfen wir einander in kontroversen Debatten. Aber wir hatten immer so viel mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Wenn wir uns daran erinnern und uns vergegenwärtigen, wie stark die Liebe zu unserem Land ist, werden wir diese schwierigen Zeiten durchstehen."

Zuletzt hatte sich selbst Trump zu einer Geste der Versöhnung bewegen lassen. Trotz politischer Differenzen respektiere er McCain für seinen "Dienst für unser Land", schrieb Trump in einer Mitteilung. Außerdem ordnete er an, die US-Flaggen an Regierungsgebäuden bis zur Beerdigung seines parteiinternen Rivalen an diesem Sonntag auf halbmast zu setzen. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen, der mehr als fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft verbrachte, verhöhnt. Für ihn sei McCain "kein Held", sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?"

Noch vom Krankenbett aus setzte McCain wenige Wochen vor seinem Tod eine Erklärung mit vernichtender Kritik an Trumps Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin ab. Zudem ließ er verbreiten, dass er Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich Medienberichten zufolge, dass der demokratische Ex-Präsident Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden. Trump habe nun Vizepräsident Mike Pence gebeten, am Freitag auf einer Zeremonie zu Ehren McCains auf dem Capitol Hill zu sprechen, schrieb Trump in seiner Erklärung weiter. Zudem sollen Stabschef John Kelly, Außenminister James Mattis und Sicherheitsberater John Bolton seine Regierung bei Gedenkfeierlichkeiten vertreten.


23 Kommentare

  1.   Heinrich Reisen

    John McCain war ein echter Konservativer, Republikaner.
    Er war mein moderater – aber jemand mit Prinzipien.

    Er hat sich oft entschuldigt wenn er der Ansicht war, das er einen Fehler gemacht hatte.

    Respekt hat er sich durch seine lange Karriere verdient – sein Kriegsgefangenschaft mit Folter hat ihn geprägt – nach kurzer Zeit ist ihm angeboten er können gehen – ohne seine Kameraden da er einen berühmten Vater hatte – was hat er getan?

    Das Angebot zur Freilassung ausgeschlagen und noch jahrelang in Gefangenschaft geblieben. Das zeigt mir mehr als Worte was für ein Mensch er war.

    Im Kontext zu Trump sehe ihn eher noch positiver als vorher, ich glaube das geht vielen so.

  2.   Meister Proper

    Er kann gerne gegen Spaltung schwadronieren, aber McCain hatte sich genauso daran beteiligt wie der Rest seiner Partei. So hatte er z.B. angekündigt, er würde im Falle einer Clinton-Präsidentschaft kategorisch jegliche Ernennung neuer Richter zum obersten Gerichtshof kategorisch zu blockieren.*

    Bei McCain ging es so ziemlich immer nach dem Motto „Mach was ich sage, nicht was ich tue“. So ziemlich immer wenn die Republikaner mit einem neuen menschenverachtenden Plan ankamen war McCain zwar stets „deeply disturbed“, hat dann aber in der Praxis nichts dagegen getan oder hat sogar noch dafür gestimmt.

    *https://www.npr.org/2016/10/17/498328520/sen-mccain-says-republicans-will-block-all-court-nominations-if-clinton-wins?t=1535454057692

  3.   LFB

    Ich bin erstaunt darüber, wie der (berechtigte) Respekt für McCains enorm mutiges Verhalten während seiner Kriegsgefangenschaft sowie seine persönliche Gegnerschaft mit Trump zu einer komplett falschen politischen Einordnung McCains politischer Karriere führt. Es ist, als hätte es die drei Jahrzehnte aktiver Politik durch McCain niemals gegeben. McCain hat, neben seiner Unterstützung der Irak- und Afghanistankriege unter anderem gefordert, dass sich die USA militärisch in Lateinamerika „engagieren,“ das er allein verantwortlich für die Drogenhandel in den USA machte. Er hat ähnlich wie Trump während seiner Wahlkämpfe regelmäßig über liberale Medien gewettert. Und war Sarah Palin so viel anders als Trump?

  4.   Alexis Charles-Henri-Maurice Clérel

    Als Pilot im Vietnam-Krieg, bei dem im Übrigen achtmal so viele Zivilisten starben wie im Syrien-Krieg, hat der Herr McCain seinen Anteil an der Vergiftung (Entlaubungsmittel), Verbrennung (Napalm) und Zerfetzung (Explosionsbomben) unzähliger Vietnamesen.

    Sehe keine Veranlassung einen solchen Herrn wegen seiner „Werte“ zu lobhudeln.

  5.   deDude

    „Und war Sarah Palin so viel anders als Trump?“

    Sie glauben doch nicht ernsthaft Sarah Palin wäre McCains „1. Wahl“ als Vize gewesen, oder? Das war der erste Hofknicks der GOP gegenüber den Vollhonks der Teaparty und schon damals konnte man daran erkennen wohin die Reise für die GOP geht…

    Und heute sitzen wir hier mit Trump und einem republikanischen Kongress der seinen Namen nichtmal mehr im Ansatz verdient. Ein Haufen „Ass-Kissers“ würde es eher treffen.

  6.   ZwiebelBaum

    Nirgends wird soviel gelogen,wie auf einer Trauerfeier über den Verstorbenen.
    Da waren sich die Regierungs Chefs westlicher Länder schon mal einig

  7.   hildchen

    McCain hat bei aller berechtigten Kritik an seiner Politik niemals ad hominem kritisiert. Trump entgegnet Kritik an ihm stets mit persönlicher Kritik an den Kritikern, niemals in der Sache. Dieses „belittle“ scheint er erfunden zu haben, es entspricht der Haltung eines kleinen Kindes, es gibt keine Differenzierungen.
    Eines Präsidenten, der das ganze Land zu vertreten hat, ist das unwürdig. Trump ist ein Charakterschwein, McCain war das nicht. Deswegen ist Trump zurecht bei den Trauerfeiern nicht erwünscht.

  8.   SchartinMulz

    Wie ein Mann, der über Jahrzehnte unser politischer Gegner war, plötzlcih zum Heiligen stilisiert wird, halte ich allmählich für grotesk.

    Nur weil er gegen Trump ist.

    McCain war immer ein Hardliner. Er hat alle Kriege unterstützt, gegen die wir hier protestiert haben. Er will Trump nicht bei seiner Beerdigung dabei haben, wohl aber Krisgspräsident Bush.

    Nein, der Feind unseres Feindes muss nicht zwangsläufig unser Freund sein.

  9.   Tiggerente

    Da sind bewusste Verdrehungen drin. Eigentlich ist der Anfang des Artikels in dem der Senator ja ausdrücklich sägte obwohl es deftige Streitigkeiten gab, hätten die Amerikaner immer mehr gemeinsames als Trennendes gehabt nicht in Einklang mit der zweiten meiner Meinung nach bewusst falschen Hälte zu bringen.

    Zunächst wurde Mc Cain von der New York Times wiedergegeben er habe vor seinem Tod mitgeteilt er wünsche nicht, dass Herr Trump auf seiner Beerdigung anwesend sein werde.

    Da ist ein großer Unterschied zu er wünsche, dass Herr Trump an seiner Beerdigung nicht anwesend sein werde.

    Also bewusste Falschnachricht.

    Sicher möchte man nicht seine eigene Beerdigung missbrauchen, jemanden der eigentlich nicht möchte zu kommen.
    Ist aber ein Unterschied dazu jemandem wie der Artikel bewusst falsch darstellt zu untersagen an der Beerdigung teilzunehmen.

    Zu dem Gehirntumor in der Darstellung des Überraschenden Todes erinner ich mich an ziemlich ketzerische Fragestellung als während des Versuchs das Gesundheitswesen zu verbessern ich meine Mc Cain vorgeworfen wurde eine Spezialklinik aufgesucht zu haben.
    Ich vermute vor ca. einem Jahr könnte der Punkt gewesen sein als es aus ärztlicher Sicht relativ sicher feststand das er nicht mehr lange hätte.

    Die Medien stehen ehrlich nicht gut da

  10.   HFLM

    @Tiggerente. Sie wissen natürlich, dass irgendwelche angeblichen Verfehlungen _bewusst_ begangen wurden, oder?

    Ich kann keine Falschnachricht bzgl. seines Wunsches und Willens sehen, dass Trump nicht am Begräbnis teilnimmt. Ich glaube, Sie mißverstehen bestimmte englische Formulierungen?

    „CNN has reported that McCain chose Barack Obama and George W. Bush — the two men who kept him from the White House — to eulogize him and didn’t want the President to attend his funeral. If those plans hold, McCain will be sending a clear final message to Trump, after making clear when he was alive that he saw the President’s demeanor, populist style and global outlook as antithetical to America’s founding values and global role.“

    „and two White House officials said McCain’s family had asked, before the senator’s death, that Trump not attend the funeral services.“ Was ist hieran so missverständlich

 

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