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Dieser Rap ist besser als jede Sonntagsrede

 

 

Mit 59 Jahren ist man noch nicht zu alt, um eine Karriere als Rapper zu starten. Das beweist der Bürgermeister von Taipei, Ko Wen Je, in einem Musikvideo. Mit dieser Aktion will er nicht nur unterhalten.

Da ist er, in seinem weißen Hemd und den ordentlich geputzten Schuhen. Zwischen flackernden Bürolampen und unzähligen Aktenschränken läuft ein älterer Mann mit Brille über den Linoleumboden, zwei Kugelschreiber in der Hemdtasche, und beginnt zu rappen: "Do the right thing, do things right." Wie ein Mantra durchzieht dieser Satz den Song: "Das Richtige tun, die Dinge richtig machen."

Normalerweise laufen ältere Menschen, die etwas Neumodisches ausprobieren, Gefahr, sich einer gewissen Peinlichkeit auszusetzen. Wir erinnern uns an Horst Seehofers ersten Versuch zu twittern. Unterstützt wird Ko Wen Je durch Chunyan, einen Rapper der größten taiwanesischen Hip-Hop Crew KOA!INC. Der ist aber nicht der einzige Grund, warum das Video bereits über eine Million Mal auf YouTube angesehen wurde. Die Message des Videos ist simpel: Benehmt euch!

Bürgermeister Ko schrieb in einer Erklärung, dass er mit dem Musikvideo all diejenigen ermutigen will, etwas auszuprobieren, das sie nicht können: "Die Gelegenheit ist für diejenigen reserviert, die bereit sind, es zu versuchen." Und: "Es ist ein langwieriger Prozess, und mir wurde klar, dass die Musikindustrie nicht so einfach ist wie Karaoke zu singen."

Die Form des Musikclips, in der Ko Wen Je diese Nachricht übermittelt, funktioniert besser als jede Sonntagsrede. Dank Aktionen wie dieser wird er als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt – aber auch wegen einer überzeugenden Social-Media-Offensive. Kos Facebook-Auftritt sieht aus wie die Anzeige einer Karaokebar. Er besitzt natürlich einen Instagram-Account.

Das Musikvideo ist nicht die erste ungewöhnliche Aktion des Bürgermeisters, seine Wählerinnen zu erreichen. Um mehr Menschen zu motivieren, aufs Fahrrad umzusteigen, radelte er selbst die ersten 240 Meilen von Taiwans 750-Meilen-Fahrradroute. Der Inselstaat, der in den Achtzigerjahren als "Bicycle Kingdom" bekannt war, ist heute ein Land, in dem Fahrräder hergestellt, aber nicht gefahren werden – Bürgermeister Ko und andere Politiker möchten das gerne ändern. Der ehemalige Chirurg gewann 2014 das Bürgermeisteramt, obwohl er noch keine politische Erfahrung hatte.

 


4 Kommentare

  1. Avatar  Asu B

    Macht einen sympathischen Eindruck der Bürgermeister, ist auch ein netter Bericht.

    Aber was bedeutet „Der ehemalige Chirurg gewann 2014 das Bürgermeisteramt, obwohl er noch keine politische Erfahrung hatte.“ ?

    Wurde das Bürgermeisteramt verlost?

  2. Avatar  sachundlachgeschichten

    Finde ich nicht so schwer zu verstehen. Kann man sich mit schwer tun. Muss man aber nicht.

  3. Avatar  Klongkling

    Komisches Video – ein ehrlicher Politiker dürfte so etwas nicht nötig haben. Politik macht man mit anständigen Reden und Inhalten aber nicht mit billigsten Rap-Moves.

    Dieser unschuldig wirkende Bürgermeister soll ja bei illegalen Organtransplantationen in China mitgeholfen haben – und beste Verbindungen zur kommunistischen Partei Chinas haben. Ein trojanisches Pferd in Taiwan’s Politik…

  4. Avatar  Oliver Schwllbach

    Klongkling… Politik muss dem Leben entsprechen, wenn Ko’s Mittel funktionieren dann ist das besser als was 90 Politiker machen – sich gegenseitig zu kopieren. Der Organhandel Vorwurf wurde offiziel zurück gezogen und als sprachliches Mißverständnis dargestellt. Aßerdem unterstützt Ko eher eine Beijing unabhängige Politik.

 

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