‹ Alle Einträge

Ich schenk‘ dir mein Innerstes

 

Etwa 10.000 Menschen warten alleine in Deutschland auf ein Spenderorgan. Alle acht Stunden stirbt hierzulande ein Mensch, der auf einer Warteliste steht. Menschen, die bereit sind, nach ihrem Tod eine Niere, die Leber, ihr Herz oder ein anderes Organ zu spenden, werden dringend benötigt. Zum Tag der Organspende hat deshalb der Verein Junge Helden mit der Berliner Band Laing ein etwas anderes Spendenvideo veröffentlicht, das die Wichtigkeit des Themas deutlich machen – und Ängste nehmen soll.

Im Video ist eine junge Frau zu sehen, die vor vier Jahren ein Spenderherz erhalten hat. Sie beschreibt wie es ist, "zum ersten Mal wieder joggen gehen zu können". Außerdem erzählt Anita Wolf ihre Spendergeschichte, die mit dem Tod ihres Mannes beginnt: "Zuerst überwiegt da natürlich die Trauer. Ich habe mich dann aber dazu entschlossen, aus den Gesprächen, die wir mal geführt haben, dass er bereit wäre, Menschen zu helfen, und deswegen habe ich die Organe freigegeben." Diese Entscheidung hat das Leben von drei Menschen gerettet. Für Anita Wolf ist es ein "schönes Gefühl", dass von ihrem Mann "noch etwas weiterlebt".

Ziel von Junge Helden ist es, Jugendliche und junge Erwachsene über Organspende aufzuklären – und sie zu motivieren, eine Entscheidung zu treffen. Denn in Deutschland fehlt es an Spenderorganen. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gab es in Deutschland 2018 gerade einmal 955 postmortale Organspenderinnen und -spender (11,5 pro eine Million Einwohnerinnen und Einwohner). Das ist zwar ein Anstieg von knapp 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – aber im europäischen Vergleich noch immer sehr wenig. Spanien kommt auf 46,9 Organspenderinnen und Organspender pro eine Million Einwohnerinnen und Einwohner. Das liegt auch daran, dass dort jedem Hirntoten Organe entnommen werden dürfen – sofern nicht er selbst oder seine Angehörigen ausdrücklich widersprochen haben.

Ein ähnliches Verfahren, die sogenannte Widerspruchslösung, schlägt auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Deutschland vor. Doch die Idee ist umstritten. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten um Grünenchefin Annalena Baerbock hat einen neuen Gesetzentwurf eingebracht, der auf ein bewusstes Ja der Bürgerinnen und Bürger setzt.

Fernab politischer Entscheidungen erzählt das Video von Laing und Junge Helden Geschichten von Betroffenen und thematisiert einen Bereich, über den viele nicht gerne sprechen und nachdenken. Untermalt wird die Dokumentation durch ein Lied von Nicola Rost:

Ich schenk dir nach meinem Tod
Alles, was ich habe
Mein Innerstes

Die Laing-Sängerin will ihren Song als "Gebrauchsanweisung mit Augenzwinkern" verstanden wissen. "Trink nicht zu viel, wenn du meine Leber kriegst", singt sie an einer Stelle. "Wär doch schön, wenn du sie irgendwann weitergibst."


19 Kommentare

  1. Avatar  Sonnenschein40

    Aktuell ist Spenderwetter

  2. Avatar  hasepremium

    Kassenpatienten verschenken an Kassenpatienten – Private an Private.
    Wie viel müssen die Hinterbliebenen für die Entnahme eigentlich zuzahlen?
    Wenn diese zwei zentralen Fragen unserer Gesundheitswirtschaft geklärt sind, bin ich dabei.

  3. Avatar  CoMiMo

    Und immer wieder der Versuch der emotionalen Erpressung.

    Es wird Zeit, dass die Menschen aufhören vor dem Tod davonlaufen zu wollen. Der holt am Ende jeden ein.
    Anstatt hier groß Werbung für Organhandel.. sorry, -spende zu machen, sollte man lieber in die Palliativmedizin, in Hospiz und in Forschung Geld stecken.

    Ich weiß immer noch nicht, wie man es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, darauf zu hoffen, dass ein anderer Mensch stirbt, damit man selber leben kann. Wie egoistisch man sein muss, um sein Leben über dem eines anderen zu stellen.
    Es ist ja nicht so, dass man einfach ein Kühlfach aufmacht und schwupps da liegt ein Herz oder Leber oder Niere, es muss erstmal ein anderer Mensch sterben, eine andere Familie trauern, damit man selber nicht sterben muss.
    Ich könnte es nicht. Ich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn ich da liege und jeden Tag beten würde, dass ein anderer Mensch stirbt nur weil ich zu feige bin, mich mit dem Tod auseinander zu setzen.

    Und kommt mir nicht mit: Ja, aber du würdest ein Organ annehmen.
    Nein, würde ich nicht.
    Ja, aber wenn dein Kind.
    Abgesehen davon, dass ich keine Kinder habe, würde ich es bei einem Kind so machen wie bei mir auch. Ich würde nicht bettelnd da stehen und hoffen, dass ein andere Kind krepiert. Allein der Gedanke ist schon widerlich

    Eine ordentliche aktive Sterbehilfe wird in Deutschland mit dem Argument: „die Leute würden sich genötigt fühlen ihr Leben ein Ende zu setzen“ abgelehnt, aber was ist mit der Organspende? Hier wird man tatsächlich genötigt gefälligst zu spenden oder man wird von dieser ach so tollen Gesellschaft mit einem Stigma an die Wand gestellt. Aber gut, da steht es sich immerhin noch, während die Gesellschaft sich von der Angst vor dem Tod das Leben diktieren lässt.

    PS: Ich habe ein Organspendeausweis
    PPS: Ich dürfte gar nicht spenden, auch wenn ich wollte. Aber ich will auch gar nicht. Nachher bekommt mein Organ irgendso ein AfD-Spinner. Nein, danke.

  4. Avatar  Fragestellerin

    die Widerspruchslösung ist nur eine weitere Entmündigung der Bürger und die wollen den Nannystaat.

  5. Avatar  Blinkfeuer

    Ich hatte 10 Jahre den Ausweis. Nach Erfahrungen mit VermieterINNen ist der ungültig. Warum antwortet nie jemand der pro- Trommler, wenn ich in der marktkonformen Demokratie nach dem Marktwert frage? Kann also nicht so wichtig sein, wenn man ach- so- Seltenes nicht bezahlen will. Die kommen noch nicht mal mit Christlichkeit oder ähnlichem Unfug- nix sagen die: Parlamentarier, Krankenkassen, Zeitungen… kaufen die im Notfall im Kosovo? Oder warum wurde die Organhändler“republik“ heldenhaft befreit?

  6. Avatar  Olga S.

    Ob die Macher der Dokumentation der Verlogenheit der Organspende-Kampagne bewusst sind, die das Lied von Nicola Rost, offenlegt? Es werden nämlich keinesfalls Organe von Toten entnommen, sondern von Sterbenden.

  7. Avatar  MickyMesser

    Ich bin gegen eine Widerspruchslösung. Was passiert zum Beispiel wenn jemand stirbt, er aber seinen Widerspruchsausweis nicht dabei hat?

    Werden dann seine Organe dann trotzdem entnommen, obwohl dieses klar gegen seinen Willen geht?!

  8. Avatar  Simplicio

    „Die Laing-Sängerin will ihren Song als „Gebrauchsanweisung mit Augenzwinkern“ verstanden wissen. „Trink nicht zu viel, wenn du meine Leber kriegst“, singt sie an einer Stelle. „Wär doch schön, wenn du sie irgendwann weitergibst.“

    Das ist Werbung, leicht irreführend.

    „Heute funktionieren von 100 transplantierten Lebern ein Jahr nach der Operation noch fast 75. Nach fünf Jahren arbeiten noch etwa 55 der Spenderorgane.“

    Das ist Aufklärung.

    https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/lebertransplantation.html

  9. Avatar  Christopher.P

    Ich schenk‘ dir mein Innerstes“
    Genauso würde ich es auch verstehen: „Dir“ nicht irgend jemand.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren