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Betörend mit Leichtigkeit

 

Die wundersamen Schwestern Sierra und Bianca Casady sind als CocoRosie auf Tour und hinterlassen ihren Freunden eine exklusive EP.

Cover
 
CocoRosie – Happy Eyez
 
Von dem Album: Coconuts, Plenty Of Junk Food 2009
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In diesem Blog wollen wir nur Musik besprechen, die im Laden oder wenigstens im Internet erhältlich ist. Welchen Sinn machte es auch, Platten zu loben, die niemand hören kann?

Diese Platte ist erhältlich, ja. Aber man muss sich etwas Mühe geben: Coconuts, Plenty Of Junk Food von CocoRosie wird nur bei Konzerten der Band verkauft. Derer sieben sind in den kommenden fünf Wochen im deutschsprachigen Raum zu erleben. Danach wird das Minialbum nicht mehr regulär erhältlich sein. Flaschenpost vorbeigeschwommen. Ein Konzertbesuch lohnt sich also im doppelten Sinn.

Doppelt, weil die Auftritte der wundersamen Schwestern Sierra und Bianca Casady den Zuschauer fesseln. Und weil die fünf Lieder auf Coconuts, Plenty Of Junk Food kaum weniger betörend sind. Mit welcher Leichtigkeit sie so vieles unter einen Hut bekommen: Kinderlieder, blecherne Beats, dicke HipHop-Rhythmen, Abzählreime, traumwandlerische Lyrik, Flöten, Tröten, ein gepresstes Stimmchen und ein sanftes, ein schwelgendes Klavier, Glockenspiel. Und so vieles mehr. Warum klingt das eigentlich nie aufgesetzt? Warum ist ihre Ausgeflipptheit so selten anstrengend?

Sind das nun Vorboten eines neuen Werks? Oder liegengebliebene Lieder von ihrem letzten Album The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn? Nach Resteverwertung klingt das jedenfalls nicht, da sind weder Albernheiten und Experimente, noch sind die Lieder auch nur einen Deut schwächer als die ihres letzten Albums. Und sollte das nächste Album von CocoRosie so klingen wie Coconuts, Plenty Of Junk Food, dann hätte sich nicht viel verändert.

Ob es ein solches geben wird, steht allerdings in den Sternen. CocoRosies bisheriges Label Touch & Go habe derzeit kein Interesse an einer weiteren Veröffentlichung, erklärt es. Wohl auch deshalb haben sie Coconuts, Plenty Of Junk Food nun in Eigenregie ohne Plattenfirma veröffentlicht.

Konzerte seien der einzige Bereich der Musikbranche, in dem noch richtig Geld verdient würde, heißt es ja. Vom Erlebnis bleibt zu Hause meist nicht viel, den Mehrwert sacken die Konzertveranstalter und die Künstler ein. CocoRosie aber geben den Konzertgängern immerhin einen kleinen Mehrwert mit nach Hause.

Hingehen! Mitnehmen!

„Coconuts, Plenty Of Junk Food“ von CocoRosie ist nur bei Konzerten erhältlich. Etwa hier:

24.06.09 Luzern
25.06.09 Stuttgart
26.06.09 Nürnberg
27.06.09 Dresden
28.06.09 München
31.07.09 Karlsruhe
01.08.09 Dortmund

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Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter www.zeit.de/musik

6 Kommentare

  1.   spieszer

    leute warnung, ich habe die cocorosie-damen life erleben muessen. hoert euch das ganze an, bevor euch dasselbe passiert. es war nur schwer durchzuhalten fuer mich, da mich weder „gesang“ noch „tanz“, sagen wir mal, mitreissen konnten. ich halte das ganze fuer eine seltsame hypefalle.

  2.   Jan Kühnemund

    Hach, so unterschiedlich sind die Geschmäcker. Könnte man ja beinahe drüber streiten 😉

  3.   keinSpiesszer

    Naja – sorry, aber wenn man auf ein Konzert geht ohne die Musik zu kennen, ist da nicht eh Hopfen und Malz verloren (wie man bei uns in Bayern so schön sagt)!? Und dann noch andere mit einem mäßig qualifizierten Statement verwirren… .
    Was ist denn eine Hypefalle !?? Cocorosie sind nach wie vor alles andere als Mainstream (…und das ist gut so).
    Ich empfand die Musik (von CD) als so dermaßen berührend und leidenschaftlich, dass mich ein Konzert der „Macher“ dieser Musik total interessiert hat, obwohl ich eigentlich überhaupt kein Konzertgänger bin. Und meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Der Auftritt der beiden attraktiven Schwestern war in einem gewissen Sinne total unkommerziell (keine Choreographie oder Tanzshow, eigenwilliges Outfit) und der Fokus wird absolut auf die Musik gelegt. Super Stimmen und eine tolle Akustik. Und eine totale Präsenz der beiden Schwestern auf der Bühne. Zudem entwickeln sie ihre Songs immer wieder weiter und diese hören sich live dann ganz anders an (wie auf der CD), keinesfalls schlechter.
    Alles bleibt natürlich Geschmackssache. Aber wer nicht auf gecastete Hühner oder Formatmusik aus dem Radio steht, sondern Wert legt auf intelligente Texte, kreative Musik und Künstler, die ihre Musik selber machen, ist bei Cocorosie goldrichtig.


  4. […] MUSIK: CocoRosie – Betörend mit Leichtigkeit Jan Kühnemund bespricht im Zeit Online-Tonträgerblog die neue EP »Coconuts, Plenty Of Junk Food« von CocoRosie, welche nur auf den Konzerten der ›Band‹ erhältlich ist. […]

  5.   hairdryer peace

    Hype : Ja

    Mainstream : Nein

    Musik : gut

  6.   Lino

    Eindrücke als Unbedarfter vom Stuttgarter Konzert: http://www.gig-blog.net

 

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