So funktioniert Kapitalismus

Die ultimative Dax-Wette zum Sechsten

Von 13. Januar 2008 um 22:29 Uhr

HERDENTRIEB-Leser der ersten Stunde kennen sie schon: die ultimative Dax-Wette. Anfang des Jahres wetten Marcus Rohwetter und ich, wo der Dax am Jahresende steht. Das tun wir nun schon zum sechsten Mal, wenngleich erst zum dritten Mal im Blog.

Und ich muss sagen, dass ich zwar noch nicht erhobenen Hauptes diese Zeilen schreibe, jedoch recht gelassen. Denn – tara-tara – die Pechsträhne scheint beendet! Viermal in Folge hat der Einzelhandelsfachmann der ZEIT den Kapitalmarktexperten geschlagen, im vergangenen Jahr habe ich gewonnen! Jetzt bin ich zwar nicht mehr offiziell Kapitalmarktexperte, sondern kümmere mich auch um stinkenden Fisch, genmanipulierte Kartoffeln und anderes, aber doch nur – wie für Chefs üblich – recht oberflächlich. Dafür hat die Rundschau natürlich auch ihren Experten – und was für einen!

Anyway lasst uns zur Wette kommen: Marcus sagt den Jahresendstand im Dax von sage und schreibe 8.250 Punkten voraus. Ich halte mit 7.200 dagegen. Ja, Sie haben richtig gelesen: Dieses Jahr geht’s bergab. Das erste Mal seit 2003, dass ich fallende Kurse erwarte. What goes up, must come down. Und dieses Jahr ist es soweit.

Warum? Weil fast alle großen Märkte schon längst in der Konsolidierung stecken. Schauen Sie sich mal die Jahresvergleiche an! Der Dax gibt ein völlig schiefes Bild ab mit seinen noch immer gut 15 Prozent Plus im Jahresvergleich. Der Rest dümpelt irgendwo zwischen minus drei und plus einem Prozent rum. Die Konsolidierung hat spätestens während meines Beitrages „Au revoir la Hausse“ vom Juli begonnen und dürfte jetzt anhalten. Zwar hat die suboptimale Lohnzurückhaltung in Deutschland für Wahnsinnsgewinne bei den Dax-Werten gesorgt. Aber ebbe langt’s. Dieses Jahr wird’s fürs Kapital nicht mehr so kuschelig! Die Sonderstellung Deutschlands und damit des Dax wird beendet. Das ist zumindest meine Prognose.

Und noch was lässt mich für meine Wette hoffen: Haben Sie sich mal die Schwankungen von Einzelwerten in den vergangenen Tagen angeschaut? Da vergeht ja kein Tag mehr, an dem nicht mindestens drei Dax-Werte um mehr als fünf Prozent, 5%!!!!!, schwanken. Das ist abnormal und ein klares Zeichen für einen Trendbruch. Also am besten anschnallen.

Und wie begründet Marcus seine Wette?

“Liebe Leser,

ich habe vier Wetten gewonnen und eine verloren. Gewonnen habe ich immer, wenn ich optimistischer war als Robert. Verloren habe ich, wenn ich Robert unterboten habe. Also gibt es nur einen sicheren Weg zum Sieg: Überbieten. Angesichts der niedrigen Vorgabe von 7200 Punkten ist das nicht schwer. 8250 ist eine schöne Zahl, sie gefällt mir und warum sollte der Dax am Ende des Jahres dort nicht stehen? Zumal das rechnerische Mittel der beiden Wetten bei 7725 Punkten steht und ich somit selbst dann gewinne, wenn der Dax zum Jahresende niedriger stehen sollte als jetzt.

Die Folge: Steigt der Dax, gewinne in jedem Fall ich. Fällt er, gewinne entweder ich oder Robert. Das sind zwei Chancen für mich und eine für Robert, also sind meine Erfolgschancen doppelt so hoch wie Roberts. Das mag mathematisch zwar ziemlich angreifbar sein, aber die Entwicklung der Börse können ja nicht mal hochbezahlte Bankanalysten errechnen. Also: Schau´n wir mal.”

Topp die Wette gilt!

PS: Übrigens habe ich inzwischen die vier Flaschen Champagner berappt, nicht ohne zwei gemeinsam mit Marcus und seiner reizenden Frau zu leeren. Comme il faut.

Kategorien: Die Heusinger-Wetten
Leser-Kommentare
  1. 25.

    Vergesst Gold. Das ist nur was für Esoteriker! Da ist so viel spekulatives Geld drin, das wird jetzt rausgezogen, weil es an anderen Stellen gebraucht wird. Die Korrelation Gold zu Yen ist wahrscheinlich höher als die Gold zu Dollar. Und ich habe ja nicht 7200 als Tiefpunkt gewettet, sondern als Jahrsschlussstand. Obwohl, nach dem heutigen Tag ist das auch schon wieder ne gute Jahresperformance.
    So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergehen.

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    • 21. Januar 2008 um 23:45 Uhr
    • Robert von Heusinger
  2. 26.

    @Robert von Heusinger,

    “Vergesst Gold. Das ist nur was für Esoteriker! Da ist so viel spekulatives Geld drin, das wird jetzt rausgezogen, weil es an anderen Stellen gebraucht wird.”

    Nö … spekulatives Geld ist überall … aber es wird ein Zeitpunkt geben wo der Goldpreis durch die Decke gehen wird … und das ist wenn das spekulative Geld den Markt verlassen hat UND die ersten Banken zusammenbrechen.

    Dabei sollten wir die Mutter aller Carry-Trades nicht vergessen. The Gold-Carry-Trade.

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    • 22. Januar 2008 um 09:42 Uhr
    • HeliBen
  3. 27.

    @ alle
    Es macht Spass, diesen Blog zu lesen! Es gibt hier ein paar Selbstdenker, die sich jenseits der Sprechblasen bewegen, die dem Bürger das Gehirn verkleben sollen.

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    • 22. Januar 2008 um 10:05 Uhr
    • EuroOptimist
  4. 28.

    6600 hat gehalten! Ich glaube wieder an die Charttechniker;-)
    Und an Ben..ach nee, nicht wirklich…

    @HeliBen

    “Und genau deshalb bin ich seit 3 Monaten Eigentümer von japanischen Staatsanleihen.”

    Na, dann bist Du ja bald ein reicher Mann;-) Tja, hättest vielleicht die Knete 3 Monate in Gold gesteckt, dann wärste wenigstens ein “bisschen reicher Mann” Opportunitätskosten sage ich mal;-) Eigentlich sollte Gold ja wirklich bald durch die Decke gehen, ist ja im Vergleich zu den 80ern noch deutlich unterbewertet, aber… aber. ..aber: v. Heusinger sagte es ja..”Liquidität”! Und was wenn der Markt sich wieder fängt;-)
    Gold und soweiter-Carry-Trades? Ich sage mal: Bonität und Risikobereitschaft…wenigstens eins von beiden ist zur Zeit und wohl auch mittelfristig knapp, leider, leider, da die Zinsen ja gerade wieder in Bewegung kommen;-)

    “You don’t think I’d go into combat with loose change in my pocket, do you? ”
    Colonel (dr. strangelove)

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    • 23. Januar 2008 um 09:40 Uhr
    • goodnight
  5. 29.

    @Martin Heck:
    Kann schon sein, dass es langfristig unsinnig ist bei Gold long und Öl short zu gehen. Aber haben Sie schon mal versucht langfristig Öl zu kaufen? Wie soll das den gehen? Die Lagerkosten bei Öl sind doch im Vergleich zu denen bei Gold gigantisch. Wenn man also in Öl spekuliert, dann kurzfristig, also traden.

    Die einzige Möglichkeit für eine langfristig Öl-long-Spekulation ist wohl der Kauf von Ölgesellschaften mit eigner Förderung, aber die unterliegen wieder der hohen Korrelation mit anderen Aktien und dem Risiko der Enteignung. Manche Anlageformen gehen halt nur für Trading.

    Sie könnten sich natürlich auch ein Zertifikat kaufen, was den Future rollt, aber auch dabei sollten die Kosten ähnlich hoch sein, wie bei Eigeneinlagerung, siehe Arbitragekonstruktionen. Sie kaufen also vermutlich ein “Fensterzertifikat, bei dem das Geld oben zum Fenster rausgeworfen wird, sie schnell runter rennen und unten auffangen können was ankommt.”

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    • 23. Januar 2008 um 11:00 Uhr
    • Thomas
  6. 30.

    @ ALLE ! – Gold-Alarm !

    -> … wer jetzt nicht sein Geld abhebt und die nächstgelegenen Juweliere leer kauft ist wirklich selbst schuld!

    -> … denn gerade habe ich Herrn von H.s Beitrag #25 gelesen: “Vergesst Gold. Das ist nur was für Esoteriker!”

    -> … bekanntlich ist von Heusinger für Gold der weltbeste Kontra-Indikator aller Zeiten! (Muss so sein! … alle Hardcore-Neokeynesianer sind zwangsläufig “natural born” Goldhasser)

    -> … Wer´s nicht glaubt, ich habe in
    “Bilanz unserer Wetten – wie immer selbstgerecht ”
    ( blog.zeit.de/herdentrieb/2008/01/02/bilanz-unserer-wetten-–-wie-immer-selbstgerecht_257 )

    einen Beitrag geschrieben, in dem seine kritischen Prognosen zum Gold seit 2002 verlinkt sind … quod erat demonstrandum!

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    • 23. Januar 2008 um 15:38 Uhr
    • Wi-Ing-030
  7. 31.

    [...] Der Dax sinkt wieder, und zwar erheblich. Im Moment bei unter 4.500 Punkten angekommen, und ohne Bremse unterwegs, so scheint der Deutsche Aktienindex momentan seinen Halt ganz zu verlieren. [...]

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  8. Kommentar zum Thema

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