Weg von der Bewertung zu Marktpreisen
Think big! Ausgangspunkt der Krise, die mit einer Verzögerung von unvorstellbaren neun Monaten endlich an den Aktienmärkten angekommen ist, ist die Kreditkrise. In den vergangenen fünf, vor allem den letzten drei Jahren, haben die westlichen Banken ein irres Kreditrad mit viel zu viel Risiko gedreht. Sie haben daran klotzig verdient, da sie das Risiko an Schattenbanken wie Hedgefonds, Kreditversicherer, im Jargon Monoliner genannt, und SIV’s oder Conduits weiter gereicht haben. Sie haben eine simple Regulierungsabitrage gespielt. Die Banken waren reguliert, die Schattenbanken waren es nicht. Also sprach der freie Markt, ladet das Risiko doch bei den Schattenbanken ab. Die brauchen geringere Renditeaufschläge fürs Risiko, da sie keine Eigenkapitalunterlegungsvorschriften haben und verdienen auch super. Die regulierten Banken haben das Risiko mit Gewinn, versteht sich, weiter verkauft und konnten so Eigenkapital ausschütten an Aktionäre und noch wichtiger an ihre Investmentbanker. Dem Finanzsystem als Ganzem ging damit Eigenkapital verloren, das als Puffer für Kreditausfälle bereit stehen sollte. Das Risiko aber hat sich dramatisch erhöht.
Heute nun versagen die Versicherungen, die Garantien, weil die Gegenparteien herabgestuft werden und damit die Garantien an Wert verlieren oder weil die Gegenparteien ausfallen. Über welches Volumen reden wir? Die Kreditversicherer, die Monoliner, garantieren ausstehende Bonds im Volumen von 2,5 Billionen Dollar! Der gesamte Credit Default Swap Markt sichert einen Nominalwert von 43 Billionen Dollar ab (BIZ). Was passiert, wenn die Gegenparteien herabgestuft werden oder ausfallen, weil sie pleite gehen? Na? Die Banken haben das Risiko wieder in ihrer Bilanz, aber das Eigenkapital ist weg, beziehungsweise finanziert Yachten, Jagden und Porsches der Banker und Aktionäre. Dumm gelaufen für die Öffentlichkeit, die jetzt erschrocken von hohen Verlusten erfährt, denen viel zu wenig Puffer gegenübersteht und der Staat nun in die Bresche springen soll.
Was tun? Jetzt kann man hoffen, dass Zinssenkungen den Banken etwas Luft zum Atmen verschaffen. Das wird nicht ausreichen. Jetzt kann man auf chinesische Staatsfonds hoffen, die die Banken rekapitalisieren. Doch die Staatsfonds werden wenn dann nur an den globalen blue chips Interesse habe und nicht an den vielen Banken der zweiten und dritten Reihe. Doch bereits von solchen Banken geht ein systemisches Risiko aus, wie Northern Rock, IKB oder die Mini-SachsenLB gezeigt haben.
Deshalb mein Vorschlag: Die internationalen Finanzaufseher müssen rasch Standards herausgeben, dass all die handelbar gemachten Kredite ins Anlagebuch verschwinden – und zwar zu Einstandspreisen. Dann müssen sie nicht markt-to-market bewertet werden und das Risiko kann im System langsam ausgeschwitzt werden. Denn das Problem der sowie so recht waghalsigen Bewertung zu Marktpreisen ist doch, dass es für die meisten Kreditprodukte gar keinen Markt gibt. Wenn es zu Preisen kommt, werden Notpreise gezahlt, die die Verluste der Banken unnötig nach oben treiben – und Insolvenzen wahrscheinlicher machen.
Diese Maßnahme würde das System stabilisieren, denn über die Jahre können die Banken dann die Papiere abschreiben – und vielleicht holt das eine oder andere Papier auch wieder ein Wenig an Wert auf.
Die Deregulierug hat versagt, die nächste Welle wird eine der Re-Regulierung sein.
Eine Korrektur und ein Kommentar:
Die Korrektur:
Sie haben eine simple Regulierungsabitrage gespielt. Die Banken waren reguliert, die Schattenbanken waren es nicht. Also sprach der freie Markt, ladet das Risiko doch bei den Schattenbanken ab.
Das ist zu mindestens zu 50 Prozent Maerchenstunde. In Deutschland wurde das Risiko vor allem bei den Staatsbanken abgeladen. IHK, Sachsen LB, West LB. Also genau den Banken, die laut Heusinger dem ganzen Fnanzystem als Vorbild dienen sollen.
Der Kommentar:
Zu Marktpreisen soll man die Kredite nicht bewerten weil die Maerkte fuer das Ausfallrisiko illiquide sind und keinen gueltigen Bewertungsmasstab liefern. Die Quoterungen in illiquiden ABX Maerkten etc. von 20-40 Prozent des Einstandpreises sind voellig irreal. Jeder Sub-Prime Kreditnehmer muesste dafuer den Schuldendienst einstellen, und der Wert aller Hauser muesste auf die Halefte fallen. So schlimm ist die Subprimekrise dann doch nicht. 80 Prozent des Einstandspreises sollten OK sein.
Aber mit Einstandspreis darf man die Assets nun nicht in die Bilanz stellen. Die Verluste verschwinden dadurch ja nicht–sie werden nur weniger sichtbar. Was dann passiert kann man an Japan in den 90er Jahren sehen: Jahre und Jahrzehnte der Unterversorgung der Volkswirtschaft mit Kredit, weil die Banken den deflationaeren Schuldenberg abtragen anstatt neue Kredite zu vergeben.
Regulatory Arbitrage wuerde ich eher schon bei den Eigenkapitalvorschriften anwenden, die man temporaer lockern kann. Wenn das marode deutsche Bankensystem aber wirklich einen Bailout braucht, dann schon richtig. Der Staat soll dann die Aktiva notleidender Bankens billig kaufen, die Einlagen garantieren, die Banken rekapitalisieren und restrukturieren, und in 2, 3 Jahren teuer wieder losschlagen. Zur Not an die Chinesen.
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[...] Weg von der Bewertung zu Marktpreisen [...]
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“Die Deregulierug hat versagt, die nächste Welle wird eine der Re-Regulierung sein.”
Diese nächste Welle der Re-Regulierung wird genau so lange andauern, bis wieder genug Puffer im System ist, der sich in wesentlich nützlichere Yachten, Jagden und Porsches verwandeln lässt. Derjenige, der sich dann gegen die neue Welle stemt, muss erst noch erfunden werden.
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Heisst es nicht Bresche statt Presche?
Wenn Ottonormalbürger auf dem Dachboden einen antiken Plattenspieler findet und nicht abschätzen kann was das gute Stück wert ist, kann er es doch “ab ein Euro” bei Ebay reinsetzen und so einen Preis ermitteln.
Warum ist es eigentlich so schwierig, für diese verästelten Kreditprodukte einen Preis zu finden? Warum hat niemand für diese Pakete eine Art Börse eingerichtet? Das kann doch nicht so schwer sein?
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@nordhoff: die kredite zu verkaufen, ist so schwer wie einen porsche auf einem kindergeburtstag zu verkaufen.
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Ein Frage habe ich mal an Herrn von Heusinger: Der Vorschlag von Martin Wolf, die Bezahlung des leitenden Bankpersonals an langfristige Erfolgszahlen zu koppeln, was sagen Sie dazu?
Nicht, dass ich alles von dem verstehe, was sie oben schreiben, aber der Finanzsektor scheint mir zu clever, um ihn mit Regulierung seines Verhaltens einzufangen. Die Akteure finden meist eben doch Mittel und Wege es zu umgehen und bei den Banken arbeiten schlaue Leute…
Die Fragen
ft.com/cms/s/0/73a891b4-c38d-11dc-b083-0000779fd2ac.html
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@ Kaspar
>die Banken rekapitalisieren und restrukturieren, und in 2, 3 Jahren teuer wieder los-schlagen. Zur Not an die Chinesen.>
Warum dieser Umweg?
Bis unter 50% kann man doch gleich die Chinesen einsteigen lassen.
Es wird Zeit, dass die mehr Verantwortung übernehmen, speziell wenn wir dazu nicht in der Lage sind.
Die Chinesen haben auch schon gezeigt, dass sie Verantwortung übernehmen können (Nordkorea z. B. und jetzt wieder Iran).
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[...] vor Monaten gedacht, dass Citigroup eine Finanzspritze braucht?) und finden sich inzwischen in den Taschen der Anleger oder sind in deren überbewerteten Immobilien [...]
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