So funktioniert Kapitalismus

Depression Economics

Von 19. Januar 2009 um 18:43 Uhr

“The Return of Depression Economics and the Crisis of 2008″ heißt das im Dezember erschienene Buch von Paul Krugman, dem Nobelpreisträger des vergangenen Jahres. Es ist eine Aktualisierung seines 1999 im Anschluss an die Asien- und LTCM-Krise veröffentlichten Buches, klar und unterhaltsam geschrieben, ohne ökonomischen Jargon. Bekanntlich ist Krugman ein vielgelesener Blogger und Kolumnist der New York Times, und, obwohl er erst 55 Jahre alt ist, Autor, Mitautor oder Herausgeber von mehr als 200 wissenschaftlichen Artikeln und zwanzig Büchern – eine Art Wunderkind der Profession -, außerdem schon von Geburt an Keynesianer, scheint es. Dass Märkte nicht von sich aus zu stabilen Verhältnissen tendieren, wusste der Princeton Professor schon, als viele Ökonomen, die heute laut nach dem Staat und einer Stimulierung der Nachfrage rufen, noch Neo-Klassiker, Supply Siders oder Monetaristen waren.

Bevor ich mich damit beschäftige, wie sich Krugman den Weg aus der Krise vorstellt, möchte ich anhand der Industrieproduktion wichtiger Länder zeigen, wie ernst sie inzwischen schon ist. Da kann es kein Beschönigen mehr geben – wir sind ohne Zweifel auf dem Weg in etwas, was dem Begriff “Depression” sehr nahe kommt. Und zwar weltweit!

Um mit der Mutter aller Krisen zu beginnen: In den USA lag die Industrieproduktion im vergangenen Quartal zwar “nur” um 6,0 Prozent unter ihrem Vorjahreswert, die aktuellere Verlaufsrate (viertes gegen drittes Quartal, hoch vier) betrug aber bereits -11,5 Prozent. In den vier Monaten bis Dezember ist die Zahl der Beschäftigten saisonbereinigt um 1,9 Mio. gesunken, was einer Jahresrate von 5,8 Mio. verlorenen Jobs oder einem auf’s Jahr hochgerechneten Rückgang der Beschäftigung um 4,2 Prozent entspricht. Die Arbeitslosenquote geht steil in die Höhe.

In Großbritannien sieht es noch düsterer aus: Gemessen an der Verlaufsrate (Nov. ggü. 3. Quartal) war die Industrieproduktion zuletzt um 16,1 Prozent eingebrochen; im Vorjahresvergleich waren es 6,9 Prozent. Und das, obwohl das schwache Pfund die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Landes stark verbessert hat. Der Immobiliencrash und der Kollaps des Finanzsektors waren zu viel auf einmal.

Bevor wir uns der Schadenfreude hingeben, was nach all den Belehrungen, mit denen uns London viele Jahre lang beglückt hat, verständlich wäre, ein sehr ernüchternder Blick auf die deutschen Zahlen: In der Industrie ist die Produktion im Verlauf (Nov. ggü. 3. Quartal) um 21,9 Prozent eingebrochen und lag zuletzt um 6,3 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. Es sieht also mindestens so schlecht aus wie bei unseren angelsächsischen Vettern (verwendet noch irgendjemand diesen Begriff?), trotz all unserer Tugendhaftigkeit. Wir haben gespart (sinkende Reallöhne!), während es bei den Engländern zwei Jahrzehnte lang Party gab – und jetzt geht es uns ungerechterweise genauso schlecht. Schadenfreude ist wohl doch nicht angebracht!

Auch die europäische Währungsunion insgesamt befindet sich im Abwärtsstrudel: -15,4 Prozent im Verlauf (Nov. ggü. 3. Quartal) und -6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Verlaufsrate ist die signifikantere Zahl – sie signalisiert, wo die Industrieproduktion sein wird, wenn der Trend der letzten Monate ein Jahr lang anhält. Dass es sehr danach aussieht, signalisieren konjunkturelle Frühindikatoren wie Auftragseingänge oder Unternehmensbefragungen. Lasst alle Hoffnung fahren, jedenfalls für die nächsten paar Quartale!

Die anderen großen Länder der EWU hat es genauso schlimm getroffen wie Deutschland: Für Frankreich ergibt sich eine Verlaufsrate von -23,9 Prozent, für Italien von -22,7 Prozent, für Spanien von -22,8 Prozent, für Holland -12,6 Prozent (jeweils Nov. ggü. 3. Quartal). Vor allem in Spanien hat der Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität schon deutliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Die Arbeitslosenquote geht dort stramm auf 15 Prozent zu.

Wir hatten ja lange Zeit geglaubt und gehofft, dass alles nicht so schlimm werden würde, weil die dynamischen Schwellenländer und die Entwicklungsländer, auf die laut IWF inzwischen etwa die Hälfte des globalen Outputs (in Kaufkraftparitäten gerechnet) entfällt, finanziell so gesund und gut aufgestellt seien, dass sie nur wenig von der Krise im Westen betroffen sein würden. Nicht nur das, wir hatten ihnen eigentlich sogar die Rolle von Konjunkturlokomotiven zugedacht. Wäre schön gewesen.

Das Problem war zum einen, dass es auch in der dritten Welt zu Blasen gekommen war, meistens bei Immobilien, aber auch bei Rohstoffen und bei den Exporten in die OECD-Länder. Zum anderen hatten sich private Unternehmen und Haushalte in viel größerem Maße als gedacht in Fremdwährungen verschuldet, also vor allem in Yen, Dollar und Euro – nicht nur waren die Zinsen niedriger, hinzu kam, dass die eigene Währung vielfach gegenüber diesen Hauptwährungen aufwertete, so dass der effektive Zins gelegentlich sogar negativ war.

Als die Blasen platzten und die westlichen Geldgeber selbst Zahlungsprobleme hatten, war der Spuk vorbei. Um die Schulden zu bedienen, wurden Aktien und Immobilien verkauft, und die Notenbanken mussten Devisen abgeben, damit die eigenen Unternehmen ihre Fremdwährungsschulden bedienen konnten. Sonst hätte es noch mehr Konkurse gegeben. Es entwickelte sich ein Teufelskreis aus rückläufigen Währungsreserven, fallenden Wechselkursen, Notverkäufen, einbrechenden Aktienkursen und Immobiliencrashs. Auch Kapitalflucht wurde wieder ein Thema. Aus war es mit der Herrlichkeit, und nichts mit Konjunkturlokomotive. Es sieht vielmehr eher so aus, als würde der Westen bald wieder einmal zur Kasse gebeten, zur Rettung der Länder, die geglaubt hatten, dass es angesichts ihrer hohen Wachstumsraten und ihrer soliden Wirtschaftspolitik nie wieder Probleme mit Kapitalzuflüssen aus dem Ausland geben würde.

Sehen wir uns nur einmal an, was in den sogenannten BRICs (Brasilien, Russland, Indien und China) los ist: In China lag die Industrieproduktion im November nur noch um 5,4 Prozent über dem Stand des Vorjahres (Im November 2007 waren es noch +17,3 Prozent). In Indien lag der Zuwachs bei 2,4 Prozent (Nov 07: +4,9 Prozent), in Russland im Oktober bei 1,7 Prozent (Okt 07: +10,8 Prozent). Gäbe es saisonbereinigte Reihen, würde man sehen, dass die Produktion inzwischen entweder stagniert oder sogar sinkt. Für Brasilien, das vierte Land im Bunde, haben wir solche Reihen – danach ist es im Verlauf zuletzt zu einem Rückgang von nicht weniger als 25,7 Prozent gekommen (Nov. ggü. 3. Quartal).

Es gibt also keine Lichtblicke. Nur wer einen sicheren Job, ein sicheres Einkommen und keine Schulden hat, kann sich etwas freuen. Er profitiert von rückläufigen Verbraucherpreisen, kann sich also mehr leisten. Er leidet aber, wie alle anderen, unter fallenden Aktienkursen und Immobilienpreisen. Alle, die Schulden haben, stöhnen unter einer immer schwereren realen Last. Viele, immer mehr, müssen zudem damit rechnen, dass sie ihren Job verlieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Arbeitsmärkte auch hierzulande einbrechen. It looks like depression, it talks like depression, it smells like depression – it is depression. Oder lässt sich noch was machen?

Was für Rezepte hat Krugman anzubieten? Zunächst muss die Todesspirale so rasch es geht angehalten werden. Sonst macht sich eine Depressionsmentalität breit. Dann wagt niemand mehr Geld auszugeben. Und wenn niemand mehr etwas ausgeben will, braucht auch niemand mehr zu arbeiten – um die Situation mal zugespitzt auf den Punkt zu bringen. Strukturreformen sind wichtig, vor allem solche, die verhindern, dass es noch einmal zu einer solchen Katastrophe kommt, aber Priorität hat zweierlei, meint Krugman:

Erstens müssen die Banken wieder Kredite vergeben und zweitens muss mehr Geld ausgegeben werden. (S. 184)

Aufgabe Nr. 1 ist die schwierigere. Und die dringendere. Das Vertrauen in die Banken und ihre Eigenkapitalbasis müssen so rasch es geht gestärkt werden. Da sich der Wert der Aktiva vermindert hat, ist es zu Verlusten gekommen, die die Eigenkapitalbasis aufgefressen haben. Das führt dazu, dass die Banken ihre Kreditvergabe einschränken. Damit die wieder ins Laufen kommt, besteht die naheliegende Lösung darin, die Kapitalbasis zu vergrößern, so wie das 1933 zu Roosevelts Zeiten, in Schweden in den frühen neunziger Jahren, oder zuletzt in Japan der Fall war.

Die Rekapitalisierung durch den Staat, anfangs auch durch ausländische Geldgeber wie etwa die sogenannten Sovereign Wealth Funds, läuft, aber Krugman denkt, dass das erforderliche Volumen bei weitem größer ist. Wenn man die japanischen Erfahrungen zugrunde legt, haben weder die USA, Großbritannien noch die kontinentaleuropäischen Länder bisher genug Geld in die Hand genommen. Zudem erfassen die Rettungsprogramme bislang noch nicht die “Schattenbanken”, also die Special Purpose Vehicles, Hedge Funds, Private Equity Funds, und so weiter; dort vermutet Krugman jedoch den Kern der Probleme. Es ist auch nicht sicher, dass die Banken ihre aufgestockte Kapitalbasis tatsächlich für mehr Kredite nutzen; sie könnten versuchen, sich durch den Abbau von Aktiva weiter zu konsolidieren.

Es muss also in anderen Dimensionen gedacht werden, und der Staat als Kapitalgeber muss sich unmittelbar in die Geschäftspolitik einmischen. Man sollte sich nicht von denen abschrecken lassen, die das Ganze für eine “sozialistische” Politik halten.

Ein anderer Ansatz läuft über die Notenbank: Sie sollte vorübergehend direkte Kredite an die Privatwirtschaft vergeben, wie das die Fed mit dem Aufkaufen von Commercial Paper bereits tut. Auch hier sind die Summen bislang nicht groß genug.

Da alle Länder in dieser Krise im selben Boot sitzen und die Finanzmärkte so eng miteinander verflochten sind, darf keine Regierung und keine Notenbank abseits stehen. Krugman hat dabei natürlich auch die EZB und die Regierungen von Euroland im Sinn. Es führt auch kein Weg daran vorbei, taumelnden Ländern wie der Ukraine, Ungarn oder Lettland mit IWF-Krediten und bilateralen Swaps auszuhelfen, denn eine Kettenreaktion fallierender Schwellen- und Entwicklungsländer kann man sich nicht zusätzlich leisten.

Selbst wenn das Finanzsystem durch diese Maßnahmen wieder in Gang gebracht werden kann, kommt es – Punkt 2 – immer noch darauf an, die gewaltige Nachfragelücke, die sich in letzter Zeit geöffnet hat, durch gute alte keynesianische finanzpolitische Maßnahmen so weit es geht zu schließen. Krugman denkt, wie ich auch, dass ein jährlicher Effekt von mindestens 4 Prozent des BIP angestrebt werden sollte. Man sollte sich nicht darum sorgen, dass es in der Regel lange, oft zu lange, dauert, bis die Finanzpolitik greift – es gibt keine Anzeichen dafür, dass es eine rasche konjunkturelle Erholung geben wird. Mit anderen Worten, auch wenn die volle Wirkung erst in der zweiten Jahreshälfte zu spüren ist, ist es nicht zu spät. Man muss nur aufpassen, dass es nicht eine neue Blase gibt.

In der jetzigen Lage kann es nach Krugman nur eine Strategie geben: tun was immer getan werden muss, um die Krise zu überwinden. Und wenn das nicht reicht, noch mal draufsatteln oder was anderes versuchen – bis das Geld wieder fließt und die Wirtschaft sich erholt.

Ein gutes Buch zur rechten Zeit.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    @DW
    Das ist also das Fazit, ja?:
    In der jetzigen Lage kann es nach Krugman nur eine Strategie geben: tun was immer getan werden muss, um die Krise zu überwinden. Und wenn das nicht reicht, noch mal draufsatteln oder was anderes versuchen – bis das Geld wieder fließt und die Wirtschaft sich erholt.

    Das wirkt genauso hilflos wie die Aktionen der aktuellen Akteure. Ich find’s gar nicht toll, aber es ist wohl, wie ich seit langem vermute: Es handelt sich hier nicht um ein konjunkturelles Phänomen, sondern um eine handfeste und grundsätzliche Krise des Systems. Es gibt ja schon Leute, die zwei Krisen pro Jahrhundert für eine gute Bilanz halten, aber erstens lassen sie dabei ein paar wesentliche Vorkomnisse weg und zum zweiten ist mir das zu fatalistisch.
    Nun ja….

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    • 19. Januar 2009 um 22:20 Uhr
    • edicius
  2. 2.

    @ edicius

    Eben wurde in den ZDF-Nachrichten erwähnt, dass einige damit rechnen, dass die Verluste der deutschen Banken €300 Mrd. erreichen könnten – das sind 12% des BIP. Da bleibt ja nur die (vorübergehende) Verstaatlichung übrig. Die Staatsschulden werden nicht nur aus diesem Grund einen Sprung von circa 65% des BIP auf nahezu 100% machen, und wenn es so geht wie in Japan, können es in den Folgejahren noch mehr werden. Und die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen werden trotzdem auf unter 1,5% sinken, wetten? Ich empfehle, sich das neue Buch von Richard Koo (“The Holy Grail of Macroeconomics: Lessons from Japan’s Great Recession”) zu besorgen – er hatte damals das wegweisende Buch über die japanische “Balance Sheet Recession” verfasst, in der Tradition von Irving Fisher und Hyman Minsky.

    Grüße, DW

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    • 19. Januar 2009 um 23:28 Uhr
    • Dieter Wermuth
  3. 3.

    Die Banken sind überschuldet, irgendwelche Idioten (WIR?) haben den Banken also zu viel Geld gegeben. Und jetzt wollen wir uns vom Staat auszahlen lassen?

    Banken abwickeln, Ausgleichsquote bestimmen und neu anfangen.

    Antworten

    • 20. Januar 2009 um 00:18 Uhr
    • mylli
  4. 4.

    “Wir haben gespart (sinkende Reallöhne!), während es bei den Engländern zwei Jahrzehnte lang Party gab – und jetzt geht es uns ungerechterweise genauso schlecht.”
    -Ist dies nicht exakt was seit Jahre in der hiesigen Kritik (Heuschrecken, Gier,..) impliziert war? Aber in Politik und Wirtschaft fand man es halt opportun den Angelsachsen nachzufeiern; alle Bedenken kamen natürlich von “gestrigen Betonköpfen” und “Ideologen”.

    “Sonst macht sich eine Depressionsmentalität breit. Dann wagt niemand mehr Geld auszugeben.”
    - Die haben wir in weiten Teilen der BRD doch schon lange. Wo soll der gepeinigte Zeitarbeiter denn weniger Geld ausgeben, wo er eh von der Hand in den Mund lebt? Ein stabiler Zustand der Armut (zugespitzt formuliert). Gleiches bei Unternehmen, Kapital floß nur noch aus der BRD – Deutschland wurde als Land ohne Zukunft gesehen. In die Siemens Handys floß keine Investition mehr, in Folge weollte die keiner mehr haben; Abstoßung der Handysparte als Konsequenz. Unsere “Manager” taten es den “Auswanderern” im Privat-TV gerne nach und schielten lieber gen ferne Länder als nach Castrop-Rauxel. Die Investitionsquote hat hierzulande in den letzten Jahren in manchen Quartalen doch schon Depressionsniveau erreicht gehabt wenn man sie mit Werten der “Angelsachsen” vergleicht. Der Staat hat im Namen “unserer Kinder” auch vor allem bei Investionen in eben jene Zukunft gespart, bei Infrastruktur und anderen Dingen bei denen es nicht sofort auffällt (aber natürlich nicht bei den staatlichen Transfers für’s Hier und Jetzt, wir wollen unseren Kindern schließlich nichts hinterlassen – keine Schulden, keine moderne Infrastruktur). Kein Sektor nahm also selbst im nun beendeten Aufschwung sonderlich nennenswerte Investitionen vor. Das Traurige daran haben Sie bereits erwähnt. Wir stehen vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Spanier, Briten etc die über Jahre geprasst haben – die hatten aber wenigstens eine schöne Zeit und die ganzen neuen Häuser verschwinden auch nicht über Nacht; ob auf Pump oder nicht dort wurden viele bleibende Werte geschaffen die diesen Gesellschaften in Zukunft den Wohlstand sichern helfen werden (sponsored by German Landesbanken).

    “Damit die wieder ins Laufen kommt, besteht die naheliegende Lösung darin, die Kapitalbasis zu vergrößern, so wie das 1933 zu Roosevelts Zeiten, in Schweden in den frühen neunziger Jahren, oder zuletzt in Japan der Fall war.”
    - leider ist nur 1933 ein Vergleich. War dies doch die letzte wirklich globale Krise. Was kaum beachtet wird dieser Tage, damals war die Weltwirtschaft bereits sehr eng verflochten – dies sah man als einen Grund für die Depression und hat dadurch wieder re-nationalisiert. Den Grad der Globalisierung wie vor der Depression hat die Welt erst wieder im späten 20. Jh. erreicht. Erleben wir nun wieder ein abruptes Aus der Globalisierung? Mit welchen Folgen?

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    • 20. Januar 2009 um 01:41 Uhr
    • Ric
  5. 5.

    @DW: Sind die Verlaufsraten zur Industrieproduktion saisonbereinigt und kalendertagbereinigt? Wenn nicht spielen die ausgedehnte Urlaubs- und Feiertagszeit über Weihnachten wohl eine nicht unerhebliche Rolle.

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    • 20. Januar 2009 um 07:27 Uhr
    • Thomas
  6. 6.

    “…, die gewaltige Nachfragelücke, die sich in letzter Zeit geöffnet hat, durch gute alte keynesianische finanzpolitische Maßnahmen so weit es geht zu schließen.”
    Wenn es nötig ist, den “Output” durch staatliche Nachfrage einigermaßen auf seinem bisherigen Niveau zu halten, frage ich mich, wodurch dieser Output eigentlich langfristig bestimmt wird. Und vor allem: wie sieht es aus, wenn der Output zu hoch und auf Dauer nicht haltbar ist? Wenn es der Staat ist, der den Output bestimmt, (und nicht etwa die vielgepriesenen freien Märkte) dann ist es auch der Staat bzw. die Staaten, die die Senkung des Outputs vollziehen. Beim Nachdenken darüber, wie das wohl vonstatten gehen könnte, fällt mir nichts Angenehmes ein. Die Marktutopie ist jedenfalls tot und ihre Anhänger laufen deshalb mit wehenden Fahnen zu diversen Formen und nationalen Ausprägungen des Etatismus über.
    Auf die Gemeinsamkeiten der Wirtschaftspolitik von FDR und der von Mussolini und Hitler weisen manche Autoren inzwischen schon hin. Könnte es sein, dass FDR nur durch sein Bündnis mit Stalin und den militärischen Sieg der gute Linksfaschist wurde, als der er heute angesehen wird?

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    • 20. Januar 2009 um 10:24 Uhr
    • EuroOptimist
  7. 7.

    Die Wahrheit der Lage ist für Systemdenker doch klar: Wir sind Zeitzeugen der Absturz-/Exodus-Krise des herrschenden Wachstumszwang-Regime vom Typ Kapitalstockmaximierung und wir sind Zeitzeugen des Endes eines selbst- und fremdzerstörerischen Lebensstils a la USA, der von diesem Regime mit allen seinen finanziellen und merblichen und innovativen Mitteln herbeigepeitscht und getrickst wurde. Das Ancien Régime der Wachstumszwang-Absolutist liegt auf dem Sterbebett und wird nicht wieder aufstehen können. Das herrschende 2%-Monster hat sich selbst vergiftet.

    Ante portas steht die evolutionsprozess-logisch folgende Akzelerationsordnung vom Typ Humankapitalmaximierung, die mit mit den Mitteln einer ökologischen Umfinanzierung der staatlichen, sozialen Leistungen und der Finanzierung der Wohlstandssteigerung mit einem energie- und sachkapitalsteuerfinanzierten Zweiteinkommen für Jedermann die ökonomischen Fehlentwicklungs-Trends umkehrt die ökonomische Effizienz einer Volkswirtschaft maximiert. Diese evolutonsprozess-logisch zu Ende gedachte, ökologische Umfinanzierung macht jede teilnehmende Volkswirtschaft im Evolutionsprozess stabil und global konkurrenzfähig. Dieses evolutions-ökologische Entwicklungs- und Wohlstandsmodell ist als globales Modell dem US-amerikanischen/kapitalstockmaximierenden Desorganisations- und Degenerations-Modell weit überlegen u n d es ist als evolutionsprozess-logisch folgende Ordnung zu erkennen und zu diskutieren.

    Wir sollten uns freuen, dass endlich der selbstzerstörerische Wachstumszwang-Tyrann vom Sockel gestürzt ist und die vielen Korrekturversuche ökologischen Basisgruppen, der ‘Alternativen’, der GRÜNEN, nicht mehr nötig sind.

    Es ist mir unerklärlich, dass niemand von den GRÜNEN diese evolutionsprozess-logische Sicht in die öffentliche Diskussion der Absturzkrise einbringt. Alle scheinen mir von der bekannten Honeckerblindheit befallen zu sein.

    Antworten

  8. 8.

    @ EuroOptimist

    Der Staat soll ja nur für eine Übergangszeit in die Lücke springen. Damit sich das nicht so lange hinzieht wie in Japan, muss er vermutlich rasch und massiv handeln, ohne Angst vor großen Defiziten.

    Mit Steuersenkungen allein ist es nicht getan, dann dadurch wird nicht automatisch mehr Geld ausgegeben – wenn die allgemeine Priorität nämlich darin besteht, Schulden zu tilgen.

    Der Staat wird seine Ausgaben sowohl kurzfristig als auch mittelfristig deutlich steigern müssen, kurzfristig, um den Produktionsapparat am Laufen zu halten, und mittelfristig für Infrastruktur und Humankapital, um das Wachstum des Produktionspotentials zu steigern und die Wirtschaft zukunftsfest zu machen.

    Grüße, DW

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    • 20. Januar 2009 um 11:19 Uhr
    • Dieter Wermuth
  9. Kommentar zum Thema

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