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Frohe Ostern – reales BIP könnte um 11,5% gesunken sein

 

Wer gedacht hatte, mit dem Rückgang des deutschen BIP um 8,2% im vierten Quartal (Veränderung ggü. dem 3. Quartal, auf ein Jahr hochgerechnet, wie in den USA üblich) sei das Schlimmste überstanden, hat sich leider geirrt. Es geht im freien Fall nach unten, und wenn ich mir die Auftragseingänge ansehe, also den zuverlässigsten Frühindikator, ist noch keine Wende in Sicht. Nur in Japan ist die Rezession ähnlich tief. Beide Länder leiden unter ihrer strukturellen Konsumschwäche und dem Einbruch der Kapitalgüterexporte.

Für die USA wird für das erste Quartal ein BIP-Rückgang in der Größenordnung von 4½% bis 6% erwartet, in Deutschland können es leicht 12% werden. Mein Kollege Uwe Richter hat das im Folgenden mal ausgerechnet und gewährt damit einen Blick in die Werkstatt der volkswirtschaftlichen Gesamtrechner. Die gibt es in den statistischen Ämtern, bei den Notenbanken, den internationalen Organisationen, den Regierungen, den Banken, Verbänden und bei den volkswirtschaftlichen “Forschungsinstituten”.

Dazu, bevor es losgeht, einige Bemerkungen am Rande (in einem Blog darf man auch mal etwas abschweifen, finde ich): Die Gesamtrechner, die nicht nur in Deutschland gelegentlich ehrfürchtig “Weise” genannt werden, beschränken sich nicht nur darauf, festzustellen, was ist, sonder wagen sich mit größter Selbstverständlichkeit auch an Prognosen, erleiden dabei allerdings regelmäßig Schiffbruch. Warum das? Weil sie sich a) stets im Konsens auf eine mittlere und damit tendenziell optimistische Variante einigen (“es wird schon besser werden”) und weil b) die Prognosen entweder theoriefrei sind oder wichtige Determinanten vernachlässigt werden, und zwar in der Regel solche, die lange Zeit keine Rolle gespielt hatten, wie etwa die Effekte geplatzter Blasen auf den Märkten für Aktien, Rohstoffe oder Immobilien. Sogenannte nicht-lineare Einflüsse werden entweder nicht gesehen oder sie werden unterschätzt. Im Ergebnis heißt das, dass die oberen konjunkturellen Wendepunkte nie, und die unteren Wendepunkte fast immer zu früh vorhergesagt werden.

Ein anschauliches Beispiel für die Probleme der Gesamtrechner hat die EZB in ihrem Monatsbericht vom März geliefert. In einer Graphik zeigt sie, wie sich ihre BIP-Prognose und die anderer Institutionen für Euroland im Laufe der Zeit geändert hat (Seite 72). Prognostiziert wurde für 2009 im März 2008 noch eine Zuwachsrate von etwa +2% (real, im Vorjahresvergleich) – inzwischen sind daraus –2,7% geworden, ein Swing von beinahe fünf Prozentpunkten. Ich wette, dass daraus bis zum Herbst mindestens acht Punkte geworden sind. (Die jüngste Interims-Prognose der OECD, die nach Erscheinen des EZB Monatsberichts veröffentlicht wurde, liegt mittlerweile bei -4,1%.)

Immerhin ist es ganz ehrenhaft, dass die EZB ihre Arbeit so selbstkritisch darstellt. Sie weist, weil ihr die katastrophale Qualität ihrer Prognosen vielleicht doch nicht ganz geheuer ist und ihrem Ruf abträglich sein könnte, darauf hin, dass andere “seriöse” Gesamtrechner ebenso wie die Marktteilnehmer genauso schief lagen und impliziert damit, dass sie sich in guter Gesellschaft befand. Man kann allerdings auch den Verdacht hegen, dass sie das BIP-Wachstum schon deshalb gern mal überschätzt, damit sie nicht zu Zinssenkungen gedrängt werden kann, die sie für verfrüht hält. Ähnlich kann auch das ständige Leugnen einer Deflationsgefahr interpretiert werden.

Was nun folgt, ist keine eigene Prognose, sondern eine Schätzung des deutschen BIP für das gerade beendete erste Quartal 2009. Die wichtigsten Daten liegen bis Februar vor, und für den März haben wir bereits die Zahlen für den Arbeitsmarkt und die Inflation. Es ist ein Versuch, möglichst zeitnah zu verstehen, wie die Lage ist. Das ist aus vielen Gründen eine wertvolle Information. Vor allem kann mit den Ergebnissen die Illusion zerstreut werden, dass sich die Dinge schon einrenken werden und finanzpolitisch nichts weiter zu tun ist.

So wie in der offiziellen Statistik das BIP von der Verwendungs- und der Entstehungsseite her berechnet wird, so kann man auch bei der Schätzung beide Seiten getrennt betrachten. Es werden jeweils die Wachstumsbeiträge der einzelnen Teilkomponenten geschätzt, die dann in ihrer Summe das prozentuale Wachstum des realen BIP gegenüber dem vierten Quartal 2008 ergeben.

Uwe Richter beginnt mit der Verwendungsseite des BIP, und da mit dem Außensektor: Die realen Warenexporte lagen bei -12,6% (Jan/Feb ggü. 08Q4) und -12,8% (Feb. ggü. 08Q4), die realen Importe bei -5,5% (Jan/Feb ggü. 08Q4) und -7,3% (Feb. ggü. 08Q4).

Wenn man davon ausgeht, dass im März die Exporte und Importe real weiter zurückgegangen sind, wobei zuletzt (im Februar) die realen Importe stärker gesunken sind als die realen Exporte (-4% und -0,5% im Vormonatsvergleich), dann dürften die zweiten Zahlen, also die für Februar allein, ein realistischeres Bild der weiteren Entwicklung wiedergeben.

Geht man also in der BIP-Rechnung davon aus, dass die Exporte um 12,5% und die Importe um 7% gegenüber dem vierten Quartal gesunken sind, hat der Außenbeitrag einen Wachstumsbeitrag im ersten Quartal von nicht weniger als –2,8 Prozentpunkten!!! (Übrigens dürfte es in den USA einen ähnlich großen Beitrag zum BIP-Wachstum gegeben haben – nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Wegen der stark rückläufigen realen Importe sinkt das Leistungsbilanzdefizit dort inzwischen sehr rasch.)

Gleichzeitig dürften die deutschen Ausrüstungsinvestitionen eingebrochen sein, vielleicht um 10% (ggü. dem Vorquartal, q/q) – das wäre ein Wachstumsbeitrag von -0,8 Prozentpunkten. Warum so viel? Die Produktion des Maschinenbaus ist um 18,5% gesunken (Jan/Feb ggü. 08Q4), die der Investitionsgüterhersteller insgesamt um 18,6% (Jan/Feb ggü. 08Q4).

Die Bauinvestitionen waren ebenfalls rückläufig, wenn man von der Produktion im Bauhauptgewerbe ausgeht: -2,9% (Jan/Feb ggü. 08Q4). Der Wachstumsbeitrag dürfte bei -0,1 oder -0,2 Prozentpunkten liegen.

Die drei Komponenten “Außenbeitrag”, “Ausrüstungsinvestitionen” und “Bauinvestitionen” ergeben daher einen Rückgang des realen BIP von 3,7 oder 3,8% (q/q), wenn sich bei den übrigen nichts geändert hat.

Hat es aber natürlich. Wie genau es beim privaten Konsum aussah, lässt sich nur schwer einschätzen. Die Einzelhandelsumsätze (real, ohne Kfz) sind um 0,4% gesunken (Jan/Feb ggü. 08Q4) – für die Einzelhandelsumsätze “mit Kfz” gibt es zur Zeit keine preisbereinigten Zahlen. Nominal ist der Umsatz um gut 7% gestiegen. Uwe Richter vermutet, dass der Wachstumsbeitrag des privaten Konsums leicht positiv gewesen sein dürfte, sich also kaum von Null unterscheidet.

Bleibt der Staatskonsum. Hier schätzt er, dass der Beitrag ebenfalls leicht positiv war und vielleicht +0,1 Prozentpunkte betrug.

Wenn man für den privaten Konsum sehr optimistisch einen Wachstumsbeitrag von +0,2 Prozentpunkten veranschlagt, was einem Zuwachs von 0,4% (q/q) entspricht, dürfte das reale BIP im ersten Quartal 2009 von der Verwendungsseite her (ohne Vorratsveränderungen) um 3,4% (q/q) gefallen sein.

Auf der Entstehungsseite des Sozialprodukts sieht es wie folgt aus:

Der Produktionsindex für das Produzierende Gewerbe ohne Bau ist um 11,5% zurückgegangen, der für das Bauhauptgewerbe um 2,9% (jeweils Jan/Feb ggü. 08Q4).

Geht man in der BIP-Rechnung davon aus, dass die reale Wertschöpfung des Produzierenden Gewerbes (ohne Bau) im ersten Quartal um 10% (q/q) gesunken ist, entspricht das allein einem Wachstumsbeitrag von -2,2 Prozentpunkten.

Die Bauinvestitionen dürften um 2% (q/q) gefallen sein, woraus sich für sie ein Wachstumsbeitrag von -0,1 Prozentpunkten errechnet.

Handel, Gastgewerbe und Verkehr, die zusammen einen BIP-Anteil von 16% haben, dürften leicht geschrumpft sein, ebenso der Output von Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistern, deren Anteil bei 27% des BIP liegt. Angenommen, beide Bereiche waren um jeweils 1% (q/q) rückläufig, ergibt das zusammengenommen einen Wachstumsbeitrag von -0,5 Prozentpunkten.

Öffentliche und private Dienstleister, die nächsten Kandidaten auf der Entstehungsseite des BIP, mit einem Anteil von 20%, dürften einen Wachstumsbeitrag von vielleicht null Prozentpunkten geleistet haben. Der Wachstumsbeitrag dieses Wirtschaftsbereichs liegt im Allgemeinen immer nahe bei diesem Wert.

Alle Wirtschaftsbereiche zusammen ergeben demnach einen negativen Wachstumsbeitrag von etwa 2,8 Prozentpunkten.

Es fehlen jetzt noch die Nettogütersteuern, die einen Anteil von 10% am BIP haben. Da das BIP auf der Verwendungsseite zu Marktpreisen ausgewiesen wird, die Wertschöpfung der Wirtschaftsbereiche aber zu Herstellungspreisen berechnet wird, müssen die Nettogütersteuern auf der Entstehungsseite noch hinzugefügt werden. Im vierten Quartal 2008 lag ihr Wachstumsbeitrag bei -0,3 Prozentpunkten. Im ersten Quartal 2009 könnte es ähnlich gewesen sein.

Von der Entstehungsseite her ist ein Rückgang des BIP um 3% (q/q) also nicht unrealistisch.

Kommt die Rechnung auf der Verwendungsseite in etwa hin, also -3,4% (q/q), würden die Vorratsveränderungen einen Wachstumsbeitrag von +0,4 Prozentpunkten haben. Demnach hätte sich damit der volkswirtschaftliche Lagerbestand weiter erhöht. Im letzten Quartal 2008 lag dessen Wachstumsbeitrag bereits bei +0,5 Prozentpunkten.

Kann das sein? Jedenfalls gehen wir dann mit einem überhöhten Lagerbestand ins zweite Quartal. Eine Rezession kann aber nur enden, wenn sich die Vorräte vermindern.

So oder so, im ersten Quartal ist es beim realen Bruttoinlandsprodukt saisonbereinigt wohl zu einem Rückgang von 3% gegenüber dem vierten Quartal 2008 gekommen. Das entspricht einer Verlaufsrate von -11,5%. Die Rezession ist dabei, in eine Depression abzugleiten.

67 Kommentare


  1. Guter Beitrag, tolle Herleitung. Minus 12% auf Jahresbasis, das wäre ja echt mal ne Schlagzeile. Eichengreen und o’Rourke hatten ja auf vox.eu schon dargestellt, dass diese Krise der aus den 1930ern bislang um nichts nachsteht.

    Wird ein sehr spannender Sommer werden, denke ich mal.

  2.   Mistral

    Katastrophale Wachstumseinbrüche und eine absehbare Verschärfung der Deflationsspirale ( Metallbetriebe wollen die für Mai ausgehandelten Lohnerhöhungen “aufschieben”)

    Und worüber wird in Deutschland diskutiert? Über die Staatsverschuldung und eventuelle Inflationsgefahren in der Zukunft! Absurd, oder? Ein weiteres Beispiel für die Irrationalität von Wirtschaftssubjekten und der immensen Bedeutung tradierter Verhaltensmuster in der Ökonomie.

    PS: Ich wünsche den Hirten und allen Diskutanten des Herdentrieb-Blogs frohe Oster – so viel Zeit muss auch in der Krise sein :)

  3.   Ric

    “Vor allem kann mit den Ergebnissen die Illusion zerstreut werden, dass sich die Dinge schon einrenken werden und finanzpolitisch nichts weiter zu tun ist.”

    Vollkommen richtig.

    Nur werden wie so oft von der veröffentlichten Meinung und daher auch von der Bevölkerung die falschen Schlüsse aus diesen Zahlen gezogen werden. In der Regel ist es Fatalismus, der Konsum und Investitionen erst recht kollabieren lässt. Bisher hält sich der Konsum in Deutschland recht wacker, besonders im Vergleich zu anderen Ländern wo der Konsument lange Zeit der big spender war. Dies dürfte nicht zuletzt auf der von Ihnen so gegeißelten “Verdrängung” beruhen und dürfte ein großer Teil unseres Ausweges sein. An einer Stärkung des Binnenmarktes führt eben kein Weg vorbei.
    Extrapolieren von Momentaufnahmen halte ich bei der gesamten Volkswirtschaft ebenso falsch wie die Quartalsberichte bei Aktiengesellschaften.
    Beides führt zu Aktionismus und überzogenen Schlußfolgerungen.
    Man muss sich doch nur ein Beispiel aus der Praxis überlegen und kommt schnell zum Ergebnis dass derzeit viele viele Unternehmen die Läger leerfahren und auf Wartestellung sind und alle Ausgaben rauszögern wo es nur geht. Was widerrum andere Unternehmen zu Kurzarbeit zwingt etc. – da wird auch manches Unternehmen Schiffbruch erleiden. Aber wenn die Läger leer sind ziehen die Order wieder an, in den folgenden Quartalen. Darum finde ich die Zahlen zum Q1 hilfreich zum Gruseln aber sonst auch für nichts.
    Freilich wird man in der Presse dann sofort Überschriften finden wie “Deutsche Wirtschaft schrumpft dieses Jahr um 10%”. Aus irgend einem Grund hat ja immer die negativste Prognose oder “schlimmste” Zahl die größte Glaubwürdigkeit, die Deutschen laben sich nun einmal an ihrem eigenen Unglück all zu gerne. Das wird der Grund sein warum ich Ihnen zustimme, dass die Krise in den USA etwas weicher verlaufen wird. Weil die Leute die Schultern dort nicht sofort hängen lassen, sondern im Gegenteil sagen “Jetzt erst recht”.
    Es ist ja nicht so als ob kein Potential da wäre. Viel an Infrastruktur ist sanierungsbedürftig, energetische Sanierungen machen ohnehin Sinn und zumindest in Süddeutschland ist der Wohnraum chronisch knapp und teuer. Hier hätte allein die Bauindustrie auf Jahre gut zu tun. Dann haben viele Bürger die letzten Jahre die “Gürtel enger” geschnallt und viele Anschaffungen aufgeschoben oder sich manches einfach gar nicht mehr gegönnt. Es ist also zB nicht so dass wir es die letzten Jahre mit einem strukturellen Überkonsum wie in den USA zu tun hatten der jetzt, als Teil der Lösung der Probleme, zurückgefahren werden muss. Die Deutschen dürfen ruhig auf deutlich größerem Fuß leben, das gibt ihre Produktivität her. Dazu muss aus dem Exportweltmeister (von Kapital) freilich eine Nation mit ausgeglichener Kapitalbilanz werden, (zu)viel erwirtschaftetes Sozialprodukt floß u.a. in die USA und zum dortigen Konsumenten ab – viele der Investments sind nun verloren und man hat sich die Finger verbrannt mit dem vermeintlich lohnenderen Ausland. Dies wird mit Sicherheit eine Rekonzentrierung auf den Heimatmarkt auslösen, und keine Krise ist endlos. Ich wage also die Prognose dass die Bundesrepublik langfristig auf einen höheren Wachstumspfad gelangen wird, mit einem größeren Anteil des Binnenmarktes am Sozialprodukt.

  4.   Ric

    PS: Beim leerziehen des Lagerbestandes meinte ich natürlich den Lagerbestand der Abnehmer, was die Produzenten dazu zwingt selbst hingegen auf Lager zu produzieren und daher der Lagerbestand (an dieser Stelle) wie von Ihnen erwähnt enorm steigt. Deren Kunden versuchen eben in dieser schwierigen Finanzmarktlage möglichst kein Kapital zu binden und somit auch auf kein neues Kapital angewiesen zu sein was derzeit zu schlechten Konditionen zu haben ist. Hier kann durchaus eine Zeitbombe der Inflation verborgen liegen, wenn nämlich trotz Kurzarbeit viele Produzenten diese Wartezeit nicht durchstehen und beim Anziehen der Nachfrage dann diese Produzenten nicht mehr am Markt sind. Klassische Inflation wie aus dem Lehrbuch in Folge.

  5.   L. Oehme

    Sehr geehrter Herr Wermuth,
    können Sie Ihre (sicherlich begründeten) Zahlen nicht ohne diese “verbale Umhüllung” darstellen, d.h. Tabelle & kurze Erklärung ihrer Inhalte…, viele Worte machen einen Sachverhalt nicht unbedingt verständlicher. Ihre Schlussfolgerung teile ich.

  6.   Orbiter

    Lieber Herr Wermuth, warum verlängern sie den Rückgang von 3% vom 4. Quartal 08 auf das 1. Quartal 09 nur auf 1 Jahr (und kommen dann auf eine Verlaufsquote von -11,5%). Verlängern sie den Rückgang doch gleich um 10 Jahre. Dann liegt das BIP 2018 um 71,5% unter dem BIP von 2008.

    Scherz beiseite. Das hier ist der Schwarzseher-Blog Nr. 1 in Deutschland. Irgendwie leiden hier eine Menge Schreiber unter Realitätsverlust. Die Bankenkrise in den USA ist doch schon vorbei. time.com/time/business/article/0,8599,1890560,00.html
    Zumindest die Börsianer haben es schon gemerkt. DAX und Dow sind gegenüber dem Tiefststand bereits um ca. 25% gestiegen. Kauft ein neues Auto, einen neuen Kühlschrank oder sonst was und alles wird gut.


  7. Brillianter Beitrag. Nur wirken die Investitionsprogramme des zweiten Konjunkturprogramms noch nicht. Die werden jetzt ja erst umgesetzt, müssten also gegengerechnet werden. Allerdings habe ich dabei für Deutschland ein anderes Problem. Die Kommunen fangen nämlich schon an, ihre Ausgaben zurückzufahren – trotz der vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel. Dort sollen aber die konjunkturellen Impulse herkommen. Auch in der Vergangenheit war hier die Achillesverse: Man schaffte es nicht, die Gebietskörperschaften zu koordiniertem antizyklischen Handeln zu bewegen.

    Vielleicht sollte man sich mit diesem Problem beschäftigen, wenn wir diesen freien Fall verlangsamen wollen.

  8.   Dr. Albert Wittine

    Die bei VoxEU veroeffentlichen Daten von Eichengreen und O’Rourke zeigen, dass die gegenwaertige Krise, wenn man sie weltweit betrachtet, offensichtlich schlimmer ausfaellt als die “Grosse Deppression” von 1929!

    Aus der globalen Perspektive sinkt die Industrieproduktion und der Welthandel naemlich staerker als in den Jahren 1929/1930. Das wird sich insbesondere fuer die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland noch als verheerend erweisen! Vor diesem Hintergrund sind die in Dieter Wermuths hervorragendem Beitrag genannten Sachverhalte nur mehr als erklaerlich.

    Unter solchen Aspekten erscheinen die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Konjunkturprogramme bei weitem nicht ausreichend, die noch nicht auf die deutsche Realwirtschaft und den deutschen Arbeitsmarkt durchgeschlagenen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise abzufedern. Das schlimmste steht mit Sicherheit noch bevor, und es wird bald deutlich werden, dass die Bundesregierung finanzpolitisch auf ganzer Linie versagt haben duerfte.

    Armes Deutschland!

  9.   Thomas

    Interessante und plausible Rechnung.

    Was ich allerdings nicht so recht für sinnvoll halte, ist diese angelsächsische Unsitte, Wachstumsraten immer gleich zu annualisieren.

    Das Annualisieren ist doch nichts anderes als die implizite Prognose, daß es die nächsten 3 Quartale genauso kommen wird wie in diesem.

    Was aber schon deshalb nicht plausibel ist, weil der Aussenbeitrag nicht Quartal für Quartal immer wieder aufs Neue 3 Prozentpunkte im Minus sein kann. Es sei denn, wir gehen davon aus, daß Deutschland in einem Jahr eine stark negative Leistungsbilanz ausweisen wird (was grundsätzlich natürlich möglich ist, wenn zu Konsumzwecken viel importiert wird, während die investitionslastigen Exporte weiter schwächeln – aber da sind wir dann schon wieder bei einer hochspekulativen Prognose, die mit dem faktischen Ergebnis für Q1 nur noch sehr viel wenig zu tun hat).

    Warum bleibt man nicht einfach bei der Aussage, daß das BIP von Quartal zu Quartal um 3 % gefallen ist? Ist doch schon schlimm genug, auch ohne die Extrapolation auf das gesamte Jahr.

  10.   Thomas

    Warum wollen hier in den Kommentaren immer alle diesen Staat retten. Ich kann die Pleite gar nicht schnell genug erreichen.
    Weg mit den idiotischen Politikern, weg mit faulen Beamten, weg mit dem Sozialstaat, seinen ganzen Profiteuren bei Behörden und sonstigen Empfängern. Endlich sind mal wieder alle verpflichtet zu arbeiten und sich gleichermaßen um die Zukunft zu sorgen. Heute gibt es zu viele die ungerechtfertigt und ohne Leistung profitieren.
    Was kann man also tun um den Fall zu beschleunigen ?