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Die ultimative Dax-Wette zum Achten

Von 24. Januar 2010 um 13:18 Uhr

Treue HERDENTRIEB-Leser kennen sie schon: die ultimative Dax-Wette. Anfang des Jahres wetten Marcus Rohwetter und ich, wo der Dax am Jahresende steht. Das tun wir nun schon zum achten Mal, wenngleich erst zum fünften Mal im Blog (2006, 2007, 2008 und 2009).

Als Marcus und ich uns am Freitag in Hamburg nach langer Zeit mal wieder gesehen haben, beschlossen wir, nach dem Ergebnis der zehnten Wette mit Statistiken anzufangen. Dann schauen wir mal, ob man auf unsere Wette zocken kann. Genau, Sie haben richtig gelesen! Wir machen es dann wie die Investmentbanker und geben irgendwann Zertifikate raus…

In 30 Jahren wird sich ein Muster herausbilden, das mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent Marcus Recht behält, oder so ähnlich. Auf jeden Fall ist mein Anflug von Optimismus, den ich hier vor einem Jahr verbreitete, geschwunden. Marcus hat die Wette für 2009 klar gewonnen. Nun steht es schon fünf zu zwei gegen den einstigen Finanzredakteur. Das Fläschchen Champagner wird in Hamburg, nicht in Frankfurt geleert!

Hier also unsere Wette für 2010: Marcus tippt auf den Jahresendstand von 6873 Punkten beim Dax, ich halte mit 4500 dagegen.

Die Schlachtordnung ist die gleiche wie im vergangenen Jahr: Marcus gibt den Optimisten, ich mime den Pessimisten. Warum ich aus den ganzen Niederlagen nichts lernen will? Weil ich immer zu fundamental an die Sache herangehe, weil ich den Herdentrieb zwar kenne, mir aber über die Gefühlsschwankungen der Menschen kein objektives Urteil zu bilden vermag.

Bei der Wette für 2009 habe ich erst einen Absturz vorausgesagt, dem dann ein kräftiger Aufschwung folgen sollte. Dass es aber eine Hausse wurde, die den Dax auf 6000 geführt hat, das will mir auch heute noch „net in de Kopp hinein“, wie die Hessen sagen. Für mich ist es ein kleines Bläschen, was wir da am Aktienmarkt gezüchtet haben. Und wenn es geplatzt ist, dann ist bei 4500 der faire Wert. Alles darunter sind Kaufkurse.

Mein Konjunkturbild ist nach wie vor das W, also ein weiterer Rückschlag, bevor es hoffentlich nachhaltig nach der Krise aufwärts geht. Der Aktienmarkt spielt aber das V. Hat er vergangene Woche begriffen, dass das mit dem V nichts wird?

Die ganz frühen Frühindikatoren, die im vergangenen Jahr den Startschuss zur fulminanten Hausse gegeben haben, drehen schon ins Minus (Ausführliches zu den Frühindikatoren hier): Der ZEW zum vierten Mal, die Geldmenge M1 zum zweiten Mal. Die Erwartungskomponente beim Ifo in dieser Woche zum ersten Mal? Obacht ist angebracht.

Soweit meine Begründung, die in das große Bild eingebettet ist, das hier beschrieben worden ist. Und wie begründet Bauchmensch Marcus seine Wette?

Ende des laufenden Jahres wird der Dax bei 6873 Punkten stehen. So ungefähr. Jedenfalls näher an diesem Wert, als an den 4500 Punkten, die Robert für den 31.12.2010 erwartet. Warum, kann ich nicht sagen. Aber wer kann das schon?

Schon in der Schule habe ich gelernt, das eine Rechenaufgabe umso schwieriger zu lösen ist, je mehr Variablen sie enthält. Auf eine Dax-Prognose lässt sich diese Erkenntnis wunderbar übertragen. Schließlich können unendlich viele Unbekannte die Entwicklung der Börse beeinflussen: Finanz- und Naturkatastrophen, unerwartete Erfindungen, technologische Durchbrüche oder eine irgendwoher kommende irrationale Begeisterung der Anleger für irgendetwas. Man sollte nicht auf die Idee kommen, alle Eventualitäten in Formeln fassen zu wollen.

Niemand konnte vor einem Jahr ernsthaft vorhersagen, dass der Dax in 2009 eine derart erfreuliche Entwicklung nehmen würde. Die meisten Experten in Banken, Forschungsinstituten und Universitäten haben beim Blick in die Zukunft grandios daneben gelegen. Jetzt wissen wir: Auch ihre Glaskugeln sind bestenfalls aus Milchglas.

Machen wir uns also nicht zuviel Arbeit damit, die Unendlichkeit ergründen zu wollen. Hören wir lieber auf unser Bauchgefühl. Meines sagt: 6873!

Topp die Wette gilt!

Kategorien: Die Heusinger-Wetten
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Marcus tippt auf den Jahresendstand von 6873 Punkten beim Dax, ich halte mit 4500 dagegen.”
    Glückwunsch, das ist doch zur Abwechslung mal eine echte Alternative: jauchzender Optimismus gegen erheblichen Pessimismus. Vor zwei Jahren lagen beide Prognosen nahe beisammen (1050 Punkte) und grotesk zu hoch (2400 bzw. 3450 Punkte). Vor einem Jahr lagen sie ebenfalls 1050 Punkte auseinander aber leicht (700 Punkte) bzw. deutlich (1750 Punkte) zu tief.
    Dieses Jahr wird es wieder spannend. Rätselhaft ist mir noch, warum R.v. Heusinger dieses Jahr die 4000-Punkte-Marke als dicken Kaufkurs ansieht, die er letztes Jahr verloren gab.

    • 24. Januar 2010 um 16:54 Uhr
    • EuroOptimist
  2. 2.

    @EuroOptimist

    “Rätselhaft ist mir noch, warum R.v. Heusinger dieses Jahr die 4000-Punkte-Marke als dicken Kaufkurs ansieht, die er letztes Jahr verloren gab.”

    Wer langfristig investiert, macht bei 4000 Dax-Punkten wahrscheinlich nicht allzu viel verkehrt. Wie dramatisch der Herdentrieb der Investoren das Ding runterzieht, muss man dann am aktuellen Rand sich anschauen. Aber – und das ist der Grund für meine etwas höheren Kurse: Der Dax, auf den wir starren, ist ein Performance-Index, das heißt, er umfasst neben den Kursveränderungen auch die Dividenden. So kann der Anleger sehen, welche Rendite er insgesamt gemacht hat. Durch die hohen Dividendenrenditen selbst in der Krise steigt der Performance-Dax selbst wenn die Kurse stagnieren oder leicht fallen. Einfach mal den Kurs-Index gegen den Performance-Index laufen lassen. Der Kurs-Dax liegt übrigens bei 3.444 Punkten!!

    Herzlich

    Ihr Robert Heusinger

    • 24. Januar 2010 um 17:22 Uhr
    • Robert von Heusinger
  3. 3.

    Die Aktienmarkt ist der Beweis für die reine Lehre vom Markt. Raum und Zeit spielen keine Rolle, die Reaktionsgeschwindigkeit der Marktteilnehmer ist unendlich und ihr Kenntnisstand gleich, nämlich höchst bruchstückhaft.

    Der Teilnehmer verhalten sich rational, und die Fachleute haben – empirisch belegt – gegen den Laien keine Chance. Der Bauchmensch gewinnt. (Es gab mal im Fernsehen so einen Versuch mit einer Beratergrupppe aus einer Bank, einem kleinen Investmentclub und einem absoluten Laien. Die Ergebnisreihenfolge: Der Laie hat deutlich gewonnen, die Fachleute haben einen ehrenvollen dritten Platz errungen).

    Soviel zu der Lehre von den rationalen Erwartungen.

    • 24. Januar 2010 um 21:11 Uhr
    • hkeske
  4. 4.

    Zöge man die Statistik heran, würde R. v. Heusinger klar gewinnen.

    Nimmt man die reale Inflation zur “Inflationsbekämpfung” durch Zinsanhebung, verlöre er haushoch.

    DAX 6800 ist ein Minimum bei diesen Leitzinsen der FED und der EZB. Was heißt denn Leitzinsen EZB 1 % zu Inflation 2 % Jan. 10 ? Nur Aktien und Gold gehen, alles andere verlöre unter dem Strich. In den USA stehen die Zinsen bei 0,25 %, die Konsumentenpreise steigen hedonistisch um 3 %, nicht hedonistisch um 10 %. Das spräche gegen den Dollar für Gold und deutsche Aktien, egal, wie mieserabel die “KGV” sind. Ganz genau das wurde vergangenes Jahr gespielt und jeder, der Geld auf einem Sparkonto beläßt, hat das System nicht verstanden.

    Es sei denn, Obama macht Ernst. Aber so richtig ernst nimmt ihn, die heutigen Aktienentwicklungen kennend, nimmt ihn offenbar niemand mehr. Kein Wunder, wenn er sich für HeliBen ausspricht. Dem sind Inflation und Arbeitslosigkeit, sowie unqualifizierte Bankenregulierung zur Last zu legen. Die “Chancen”, einen echten crack up boom erleben zu müssen, stehen (leider) so gut, wie nie zuvor.

    Spaßfaktor Null für alle Sparer.

    • 25. Januar 2010 um 20:08 Uhr
    • Michael
  5. 5.

    Entscheidend für den Ausgang der Wette wird wohl sein, ob die Finanzmärkte mit dem rosigen Bild, das sie derzeit zeichnen, richtig liegen. Indikatoren für “Stress” an den Finanzmärkten zeigen, weil alle möglichen Risikoaufschäge und Volatilitäten stark gesunken sind, bereits wieder ein fast durchschnittliches Stressniveau an. Ich persönlich bin aber wie RvH skeptisch, ob dies gerechtfertigt ist (nach Allem, was man über die Langwierigkeit der Verarbeitung von Bankenkrisen weiß) und nicht doch noch ein heftiger Rückschlag kommt.

  6. 6.

    Letztlich wettet Robert von Heusinger auf einen €/$ 1,25 und einen DOW-Verlust von 10 % bis Jahresende, sein Kontrahent meint, der €/$ kann mit 1,5 und der DOW mit 10 % Gewinn zum Jahresende erwartet werden könnten.

    Beides hat seine Berechtigung. Robert von Heusinger meint, die Staatshilfen werden gedrosselt, hohe Mengen der Liquidität werden zum Kauf von Staatsanleihen führen. Der Staat führt seine Subventionen zurück.

    Sein Kontrahent führt ins Feld, die Immobilienkrise ist durchaus nicht vorbei. Er vergißt das Wachstum des Spreads zwischen Schlußkurs DAX am Vortag zum Eröffnungskurs Folgetag. Damit könnte die Steigerung bei seinem Szenario höher ausfallen, während Robert von Heusinger vergißt, daß da noch irgendwo 450 DAX-Punkte unklarer Herkunft rumlümmeln. Die könnten z.B. Futures als Ursache haben. Würden die nicht “weitergerollt”, ginge es bis auf DAX um 4000 Punkte runter, falls der DOW 10% verlöre und der Dollar auf 1,25 zum Euro aufwertete. Entscheidend wäre die Frage nach dem Dollar.

    Wer denkt, der Ölpreis wäre noch nicht hoch genug, setzte auf einen steigenden DAX, wer meint, er sollte eher bei 40 $/b als bei 80 $/b angesiedelt sein, setzte auf fallenden DAX, weil somit stärkeren $. Der Ölpreis wird durch den latenten Irankonflikt im Sinne vieler Akteure hochgehalten. Die totale Nichtbeachtung des Irans würde ihn drücken und so zwangsläufig zur Einstellung des nicht mehr finanzierbaren Atomprogrammes führen. Die Sanktionen setzen eher anders gebundene Mittel frei und sind kontraproduktiv. Die Kehrseite der Medallie wäre, dass im Rohstoffmarkt weniger Dollars benötigt würden. Die beiden Faktoren wären gegeneinander abzuwägen, denn das hieße, die US-Inflation zöge deutlicher an. Daneben würde bei dem fallenden DAX durch stärkeren Dollar die US-Wirtschaft wieder Tritt fassen, die Konjunktur bei uns auch. Die Fesselung der Zentralbanken würde durchbrochen.

    Fakt ist, der DAX hat quasi kein Eigenleben.

    • 28. Januar 2010 um 16:54 Uhr
    • Michael Dietz
  7. 7.

    Ich weiß zwar, dass die Statistik nicht alles erklärt, aber ich habe mir mal folgende Überlegungen zur vorgestellten Wette gemacht.

    Schaut man sich z.B. die Werte des Dax ab 1996 an, so schwankt dieser um einen positven Trend und derzeit bewegt der Dax sich nach hohen Verlusten wieder auf diesen mittleren Trendwert zu, der in 2010 bei ca. 6.000€ liegen dürfte. Da er statistisch gesehen um einen Trendwert schwankt, wird er auch sehr wahrscheinlich bis zum Ende des Jahres über 6.500€ liegen.

    Zudem korreliert der Dax mäßig mit 0,7 zum Ifo-Geschäftsklimaindex, der z.B. seit 1996 ohne Trend um einen Mittelwert von 96,5 schwankt Jetzt liegt der Ifo-Wert gerade bei 95 und geht nach hohen Verlusten in 2009 wieder auf den Mittelwert zu und wird unter statistischen Gesichtspunkten sehr wahrscheinlich weiter ansteigen, bis zum Ende des Jahres. Vergleicht man die Daten, so fällt auch auf, dass sich der Dax bisher nie besonders stark negativ zum Ifo-Geschäftsklimaindex entwickelt hat. Nimmt man den Ifo-Index als “Leitindikator”, so müsste sich der Dax auch weiter nach oben entwickeln, Richtung 6.500 Marke.

    Ich bin aber trotzdem gespannt, wie der Dax bei einer stärkeren Leitzinsanhebung reagieren wird.

  8. 8.

    @ Michael Dietz (6):

    Tja, am Ölpreis liegt alles, und der hängt seinerseits von Vollbeschäftigung bzw. Arbeitslosigkeit ab. Wenn die Wirtschaft brummt, steigt der Ölbedarf. Das klingt elementar genug, wenn nur der Iran nicht wäre, der alle Spekulationen umwerfen könnte. Deshalb wette ich nicht.

  9. Kommentar zum Thema

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