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Bernanke and the stupid Germans

 

In dem Buch „The big short“ von Michael Lewis erklärt ein Investmentbanker seinem Kunden, wer denn die fragwürdigen Wertpapiere kaufe, die die amerikanischen Immobilienfinanzierer so auf den Markt werfen. „Stupid Germans“, lautet die Antwort. Ben Bernanke hat diese These jetzt bestätigt. Auf einem Seminar der Banque de France anlässlich des G20-Treffens in Paris am Freitag stellte er ein neues Paper vor, das in einem hervorragenden Sammelband zum Thema globale Ungleichgewichte erschienen ist, und das meines Erachtens in der Berichterstattung bislang nicht ausreichend gewürdigt wurde.

Bernanke hat ja bekanntlich früher argumentiert, dass eine globale Ersparnisschwemme das Zinsniveau in den USA gedrückt habe, wodurch der Wahnsinn am Immobilienmarkt erst so richtig los gehen konnte. Damals im Visier: Die asiatischen Zentralbanken, die ihre Währungsreserven in den USA anlegen.

Jetzt schaut er sich die Daten noch einmal genau an und siehe da: Die Europäer sind die wahren Schuldigen.

Das klingt zunächst verwunderlich. China hat schließlich einen Leistungsbilanzüberschuss, der mit entsprechenden Nettokapitalströmen ins Ausland einhergeht. Die Chinesen beliefern die Welt also mit Geld, weshalb es plausibel ist, dass sie das Zinsniveau beeinflussen. Europas Leistungsbilanz dagegen ist weit gehend ausgeglichen: Was wir geben, nehmen wird auch wieder.

Das heißt aber noch lange nicht, dass deshalb der Einfluss auf die globalen Kapitalmärkte gleich null ist. Denn es kommt nicht nur auf die Quantität, sondern auch auf die Qualität an. Europa war im Prinzip ein riesiger Hedge-Fonds. Die Europäer haben sich in Staatspapieren und Bankschuldverschreibungen verschuldet – das Geld aber in Hypothekenpapieren angelegt, die die Finanzalchemisten der Wall Street zusammengepanscht haben.

The fact that Europe was issuing external liabilities and acquiring external assets in roughly equal quantities does not mean, however, that the net effect of these transactions on global financial markets was a “wash” (…) Specifically (…) much of Europe’s issuance of externally held securities was in the form of equity and sovereign debt, whereas much of its acquisition of external securities was in the form of asset-backed securities and other debt securities issued by foreign financial corporations, most of which ultimately were issued in the United States.

Diese Grafik zeigt: Während die Asiaten und die Ölländer (hier als GSG bezeichnet) vor allem Fanny, Freddy und Treasuries kauften, hatten die Europäer Lust auf exotischeren Stoff.

Bernanke Capital Flows

Die Asiaten wollten nur die Erlöse aus ihren Exportüberschüssen sicher anlegen. Wir dachten, wir sind besonders smart – und förderten damit den Immobilienwahn. Noch einmal Bernanke:

Overall, the substantial net capital inflows financed by the current account surpluses of the GSG countries, coupled with the substantial gross capital inflows from Europe –as they issued sovereign debt and bank deposits, among other liabilities, to acquire US structured instruments– probably raised net demands for apparently safe US assets. Together with the original GSG hypothesis, this likely helps to explain why US assets perceived to be safe, including MBS, saw little change in yields despite tightening monetary policy and heavy issuance of mortgages.

22 Kommentare

  1.   Rodewald

    @Schieritz‘ Aussage „…Wir dachten, wir sind besonders smart…“

    Das mag sein, ist aber nicht der Grund, warum sich viele Institutionelle in verbrieften, höherprozentigen Papieren engagiert haben. Nach allen mir bekannten Aussagen von Betroffenen war es schlichtweg die pure Not, durch CDOs, CLOs und CMBS die gewünschte interne Renditeanforderung zu erzielen. Zum Kern des Problems gelangt nur, wer herausfindet, wie und warum die Renditeanforderungen der einzelnen (sehr heterogenen) institutionellen Anlegergruppen in Deutschland 2007/2008 formuliert waren und inwiefern die damals formulierte Finanzaufsicht (mit Stresstest-Vorgaben, Anlageverordnung un Versicherungsaufsichtsgesetz) ihr Scherflein dazu beigetragen hat, dem Herdentrieb in diese verbrieften Papiere Vorschub zu leisten. Wie hat die Aufsicht denn die verbrieften Papiere klassifiziert? Als Bonds, Aktien oder als was sonst? Genau in diesen Details steckt die Antwort auf das Warum und das Weshalb – weniger in psychologischen Erkundungen der deutschen Anlegermentalität. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob es das überhaupt gibt.
    Schönen Sonntag, Ihr Maik Rodewald

  2.   SLGramann

    Herr Schieritz, vielen Dank für diesen Artikel! Das ist so aufschlussreich wie deprimierend. Dummheit und Gier haben Hochzeit gefeiert und jede Menge Kinder gezeugt…

    Schön, dass deren asoziales Verhalten mit einem Bankenrettungspaket nach dem anderen belohnt wird. (Achtung: im Neusprech „Eurorettungspaket“, „Griechenlandrettung“, „Irlandrettung“ etc. genannt)

    Was den guten Bernanke angeht: Mag sein, dass europäische „Investoren“ Kamikaze- und Bruchpiloten sind. Die Bedingungen für den Wahnsinn hat aber vor allem die FED selbst geschaffen. Die US-Immobilienblase wurde zuerst und vor allem durch die FED ermöglicht und durch amerikanische Banken und Schattenbanken zu dem Monster gemacht, das uns beinahe verschlungen hätte (das ergibt sich ja auch aus dem von Ihnen gezeigten Diagramm). Ausländer waren nur Trittbrettfahrer.

    Mittlerweile sind wir soweit, dass die US-Regierung den Müll von Fannie und Freddy mittels Garantien zu Staatsschulden gemacht hat und die FED gleichzeitig die Neuverschuldung der Regierung aufkauft. Die FED ist nun also direkt in die Fußstapfen der europäischen Zocker getreten. Was soll sie auch sonst machen? Wirtschaftswachstum ist nach dem angelsächsischen Modell schließlich definiert als Konsum von Gütern, die andere Länder erzeugen – und zwar auf Kredit. Mehr Wachstum nach dieser Denke geht nur mit mehr Verbrauch und immer mehr Schulden. Sparen, Investitionen und Wertschöpfung braucht es nicht.
    Bernanke, Obama und all diese anderen Irren werden an dem Tag abgewirtschaftet haben, wenn das kleine Kind rufen wird: „Der Kaiser ist nackt.“ Dieser Tag wird kommen. Auch wenns noch Jahre dauern mag.


  3. Na endlich, wie hab ich mir hier die Finger wund geschrieben, nun haben auch Mark Schieritz und Prof. Sinn die beiden Umverteilungspumpen begriffen, die neben der deutschen Wiedervereinigung, die verdiente Reallohnsteigerung des Westdeutschen Arbeitnehmers in den letzten 20 Jahren verhindert hat und in der nächsten Zukunft verhindern wird. Nämlich das Finanzkasino zu Gunsten der USA und UK und die Umverteilung der Euroliquidität via Traget2 zu Gunsten der notleidenden Euroländer (Der Rettungsschirm ist nur ein Ablenkungsmanöver). Wir sind halt mit rottenschlechten Finanzmanagern geschlagen. Japan und China haben bisher keine Finanzmarktverluste in USA und UK eingefahren, sondern haben nur den Export finanziert und in sichere Kapitalanlagen umgetauscht. Während Deutschland, die Ölländer, Kanada und Mexiko den USA und UK, unabhängig vom bilateralen Leistungsbilanzüberschuss, sämtliche Ersparnisse aufgedrängt haben und somit über den Finanzmarktverlust das UK- und USA-Leistungsbilanzdefizit und indirekt somit den Export Japans und Chinas finanziert und bezahlt haben. Die Leistungsbilanzdefizite der USA und UK hätten nicht in diese Höhe steigen können, wäre dieses nicht erfolgt und Japan und China hätten sich längst andere Märkte gesucht. Beide haben keine Lust darauf, im Gegensatz zu den oben aufgeführten Ländern, ihre Waren zu verschenken.


  4. @ Bernd Klehn:

    Im Gegensatz zu den bis heute völlig unregulierten deutschen Banken hat Kanada strikte Bankgesetze, die den Ankauf dieser US-Billighypotheken verhinderten. Infolge dessen wurden Kanadas Banken davon nicht direkt betroffen.


  5. @ dunnhaupt

    Irgendwo und irgendwie muss Kanada sein Geld permanent am internationalen Finanzmarkt verlieren. Stark positive Leistungsbilanz aber negative Erwerbs- und Einkommensvermögen und soweit ich weiß kein nennenswertes Nettoauslandsguthaben.

  6.   gojko

    Schieritz: „Die Asiaten wollten nur die Erlöse aus ihren Exportüberschüssen sicher anlegen. Wir dachten, wir sind besonders smart..“

    Vielleicht habt ihr gesehen, daß im Tabellenkopf der Grafik „Inflows to US AAA-rated securities“ steht.

    AAA!! D.h., was Sicheres gibt es gar nicht. Sicher wie eine schweizer Staatsanleihe! Wer sowas kauft will sehr wohl sein Geld sicher anlegen. Die Europäer waren offensichtlich Trottel, weil sie den Rating-Agenturen vertrauten.

    Na schön. Fehler sind ja durchaus gut, wenn man denn Lehren daraus zieht. Wir sollten bei der aktuellen Eurokrise gleich damit anfangen: wer sagt denn, daß die Länderratings von z.B. Portugal oder Irland berechtigt sind? Europa sollte eine eigene Ratingagentur auf die Beine stellen, am besten ähnlich unabhängig wie die EZB. China hat mittlerweile ja auch eine, vielleicht kann man sich ja mit denen verbünden.

    Es ist jedenfalls unerträglich, erst die Welt mittels „Leitwährung Dollar“ und Ratingagenturen zu bescheißen und dann auch noch mit „stupid Germans“ oder „Der Dollar ist unsere Währung und euer Problem“ zu verhöhnen. Noch unertraglicher ist es, daß wir uns das alles gefallen lassen. Das zeigt nämlich, daß wir wirklich Idioten sind.

    Gruß, Gojko.

  7.   Marlene

    Jetzt bin ich überrascht, wo einen Beitrag vorher behauptet wurde, Münchhausen könne sich tatsächlich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

    Und der Finanzmarkt könne einfach weiter machen wie zuvor.

    Wenn z.B. in Cleveland mittlerweile 1000de Häuser mit Hypotheken finanzierte Häuser wieder abgerissen wurden, was sind die in Bad Banks ausgelagerten Wertpapiere der Banken noch wert?

  8.   Thomas Pittner

    @ Bernd Klehn
    „Na endlich, wie hab ich mir hier die Finger wund geschrieben, nun haben auch Mark Schieritz und Prof. Sinn die beiden Umverteilungspumpen begriffen, die neben der deutschen Wiedervereinigung, die verdiente Reallohnsteigerung des Westdeutschen Arbeitnehmers in den letzten 20 Jahren verhindert hat und in der nächsten Zukunft verhindern wird. Nämlich das Finanzkasino zu Gunsten der USA und UK und die Umverteilung der Euroliquidität via Traget2 zu Gunsten der notleidenden Euroländer “

    Ja, wurde mal Zeit.

    Und: Schamlose Plagiateure, sie werden nichtmal erwähnt! 😉

  9.   Rebel

    Ein „Master of Finance“ braucht nicht erwähnt zu werden :
    Er ist universal!

  10.   Rebel

    @ Bernd Klehn

    Betrachten sie das Verschenken als Wiedergutmachung für die Nachkriegsaufbauhilfe an die USA. Wäre ohne Häme natürlich feiner aber Strafe für Blödheit soll sein. Jedes Land kriegt die Ergebnisse die seine Elite vorlebt.