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Was Sie immer schon über Geld wissen wollten

 

Ein großartiger Artikel der Bank of England, der dringend für ein deutsches Publikum übersetzt werden sollte. Es geht darum, wie das Geld in die Welt kommt.

The vast majority of money held by the public takes the form of bank deposits. But where the stock of bank deposits comes from is often misunderstood. One common misconception is that banks act simply as intermediaries, lending out the deposits that savers place with them. In this view deposits are typically ‘created’ by the saving decisions of households, and banks then ‘lend out’ those existing deposits to borrowers, for example to companies looking to finance investment or individuals wanting to purchase houses.

So ist es eben nicht, denn:

Saving does not by itself increase the deposits or ‘funds available’ for banks to lend. Indeed, viewing banks simply as intermediaries ignores the fact that, in reality in the modern economy, commercial banks are the creators of deposit money.

Deshalb ist auch die Vorstellung falsch, die Notenbank schaffe Geld, dass dann in die Wirtschaft geleitet wird.

This demand for base money is therefore more likely to be a consequence rather than a cause of banks making loans and creating broad money

Aus diesem Grund ist auch die Vorstellung falsch, unkonventionelle Maßnahmen wie Quantitative Easing wirkten, weil plötzlich mehr Geld im Umlauf sei.

QE involves a shift in the focus of monetary policy to the quantity of money: the central bank purchases a quantity of assets, financed by the creation of broad money and a corresponding increase in the amount of central bank reserves. The sellers of the assets will be left holding the newly created deposits in place of government bonds. They will be likely to be holding more money than they would like, relative to other assets that they wish to hold. They will therefore want to rebalance their portfolios, for example by using the new deposits to buy higher-yielding assets such as bonds and shares issued by companies — leading to the ‘hot potato’ effect discussed earlier.

126 Kommentare


  1. Leider funktioniert der Link im Artikel nicht, aber ich denke der Verweis geht hierhin: bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx

    Dort sind auch diverse Youtube-Videos verlinkt, wo die Sachverhalte in Q&A Manier erklärt werden. PDFs mit Zusammenfassung gibt es dort ebenfalls.

    Im rwer-blog titelt man mit z.B. mit „Time to rewrite the textbooks on money creation“

  2.   Frankie (formerly known as Bernankie)

    Der Link funzt nicht.

  3.   jmg

    @ Frankie (formerly known as Bernankie)

    „Money creation in the modern economy“
    By Michael McLeay, Amar Radia and Ryland Thomas of the Bank’s Monetary Analysis Directorate.
    LINK: bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx

  4.   Frankie (formerly known as Bernankie)

    @jmg

    Merci!

  5.   enigma

    Wenn man mal bei der Diskussion um die Geldschöpfung den korrekten Begriff „Sichtforderungen“ und nicht „Guthaben“ oder „Depositen“ benutzen würde, könnten die meisten unsinnigen Kurzschlüsse sofort vermieden werden. Dann würde man auch diejenigen, die behaupten, daß Banken „Sichtforderungen“ die für diese ja „Sichtverbindlichkeiten“ sind, verleihen würden mal fragen, ob sie nicht ganz dicht sind. Früher hat man das mal „Umhauen von Pappkameraden“ genannt, heutzutage ist das „hohe Geldtheorie“.

    In Kurzform mal wie es richtig ist:

    A) Geschäftsbanken vergeben Kredite. Kredite sind Schuldverhältnisse. Mit Schulden kann man nicht schuldbefreiend zahlen. (Wer das erfolgreich vormachen kann, bitte vortreten!)

    B) Die Zentralbank emittiert Zentralbankgeld. Diese Sache ist der Erfüllungsgegenstand der Bankenkredite. Mit Zentralbankgeld kann man zahlen, d.h. seine Schulden tilgen. Dieses ZB-Geld können die Geschäftsbanken nicht erzeugen.

    Eigentlich ganz einfach. Man muß nur auseinanderhalten, was Schuldgeschäfte und was Verfügungsgeschäfte sind. (Oder: was eine Forderung/Verbindlichkeit ist und was demgegenüber der Erfüllungsgegenstand ist.)

    Und wer sich einreden läßt, daß Forderungen auf Zentralbankgeld (naive Version: „Guthaben“ bzw. ‚deposits‘) dasselbe sind wie Banknoten, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. (Natürlich behauptet das ja nieeeeeemand…)

    Kaupthing schon vergessen? Zypern schon vergessen? Oder Black Rock etc. p.p. …

    Wozu Zentralbankgeld eigentlich ist:

    soffisticated.wordpress.com/2013/10/24/geld-der-saldenausgleichstandard-von-geschaftsbanken/

  6.   LH

    @enigma: Jedes mal, wenn Du per Banküberweisung eine Rechnung bezahlst, bezahlst Du schuldbefreiend mit Schulden.

  7.   Hermann Keske

    @ enigma # 5

    „Geschäftsbanken vergeben Kredite. Kredite sind Schuldverhältnisse. Mit Schulden kann man nicht schuldbefreiend zahlen. (Wer das erfolgreich vormachen kann, bitte vortreten!“

    Das ist nun wirklich zu kurz – ich mache es gerne vor: Ich lasse mir einen Kredit in bar auszahlen und verwende das Bargeld (gesetzliches Zahlungsmittel) zur Erfüllung einer Schuld einem anderen gegenüber. DIESE Schuld ist erledigt – natürlich bleibt die Schuld gegenüber dem Kreditgeber. „Nicht schuldbefreiend“ muß, damit Ihre Formulierung richtig sein kann, so verstanden werden, daß sich beim Schuldner nur ein Gläubigerwechsel ergibt, sich seine Zahlungsverpflichtungen insgesamt aber nicht verändern. Knapper formuliert: Wer mit Krediten zahlt, wechselt nur den Gläubiger.

    😉 Das ist doch die berühmt Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken, oder?

  8.   Hermann Keske

    Ein schöner Beitrag der Bank von England – so originell und erkenntnisreich.

    Ich bin ja auch der Meinung, daß das Huhn zuerst da war – woher sollte sonst das Ei kommen? Oder war vielleicht doch zuerst das Ei da – woher sollte sonst das Huhn kommen?

    Leiden die Mitarbeiter de BoE öfter an Langeweile?

  9.   alterego

    @Schieritz
    Das Zentralbankgeld (Banknoten und Guthaben der Banken auf ihren Konten bei der Zentralbank) ermöglicht den Banken, ihre Verbindlichkeiten ggü. ihren Kunden zu erfüllen. Denn immer, wenn ein Kunde Geld auf ein Konto einer anderen Bank überweist, fließt Zentralbankgeld von der überweisenden zu der empfangenden Bank. Und immer, wenn ein Kunde Bargeld fordert, muss die Bank Zentralbankgeld herausrücken. Der Bankensektor insgesamt, innerhalb dessen sich die Überweisungen zu Null saldieren, braucht Zentralbankgeld daher nur, um Nichtbanken auf Wunsch das gesetzliche Zahlungsmittel (Bargeld) auszahlen zu können. Sofern sich an den Einzahlungen der Nichtbanken und den Auszahlungen der Banken jeweils in Relation zu dem Volumen der Sichteinlagen nichts ändert, muss die Menge des Zentralbankgeldes im Umfang der Sichteinlagen wachsen.

    Das Volumen der Sichteinlagen wächst bekanntlich mit dem Umfang der Kreditvergabe an Nichtbanken (Geldschöpfung). Außerdem sind die Banken verpflichtet, Zentralbankgeld in Höhe des Mindestreservesatzes (Prozent der Sichteinlagen) vorzuhalten, benötigen also auch von daher umso mehr Zentralbankgeld, je höher das Kreditvolumen ist. Je einfacher es die Zentralbank den Banken macht, an Zentralbankgeld zu kommen, desto leichter können die Banken ihr Kreditgeschäft ausdehnen und die Geldmenge ausweiten. So muss man meines Erachtens Quantitative Easing verstehen.

    Gut, dass Sie nochmals darauf hinweisen, dass Banken nicht das Geld ihrer Kunden verleihen, sondern durch Vergabe von Krediten an Nichtbanken Geld (Deposits) schaffen.

  10.   Dietmar Tischer

    Die BoE schließt nahtlos an die Missverständnisse des anderen Threads an, wenn sie schreibt

    >…in reality in the modern economy, commercial banks are the creators of deposit money.>

    Wenn Kredite Schuldverhältnisse sind, dann gibt es nicht den EINEN Schöpfer von deposit money.

    Die Banken sind zwar institutionalisiert der „Ort“, an dem es entsteht, aber es entsteht nur, wenn zur Bank als dem einen Schöpfer ein anderer als „Co-Schöpfer“ hinzukommt, nämlich der Kreditnehmer. Anders ist kein Verhältnis möglich, auch kein Schuldverhältnis.

    Wenn man den Kreditnehmer einbezieht, rückt AUTOMATISCH die Realwirtschaft mit ins Blickfeld:

    WARUM – von welchen Anreizen und Zielen ausgehend – wurden in der Summe MEHR Kredite geschaffen als über die Wertschöpfung und damit Besicherung hinaus möglich war?

    Das ist die m. A. n. ökonomisch interessante Frage.

    Sie ist erhellend nur mit genauem Blick auf die Angebotsseite (Banken) UND die Nachfrageseite (Kreditnehmer) zu beantworten.