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Flüchtlinge integrieren!

 

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: In diesem Jahr kommt eine große Zahl von Flüchtlingen nach Europa und viele davon nach Deutschland. Im kommenden Jahr wird es voraussichtlich nicht anderes sein und eine gemeinsame europäische Lösung zeichnet sich bislang nicht ab. Die Debatte, welche Optionen Deutschland vor diesem Hintergrund hat, ist im vollen Gange. In der November-Ausgabe des Wirtschaftsdienst analysieren Holger Hinte, Ulf Rinne und Klaus Zimmermann vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) die Effekte und Möglichkeiten, die sich aus der Zuwanderung der Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt ergeben. Eine Chance für Deutschland sehen sie dann, wenn die Integration von Flüchtlingen intensiviert und in ein umfassenderes Konzept für Migration eingebettet wird. Die damit verbundenen Herausforderungen gelte es anzunehmen, zumal die Bevölkerung bereit ist, Unterstützung zu leisten, und auch die Unternehmen angesichts der komfortablen wirtschaftlichen Situation hierzulande ihren Beitrag leisten können.

Natürlich sollte die Schutzgewährung für Asylsuchende nicht mit dem Interesse an Arbeitskräften vermengt werden. Auch sind Flüchtlinge keine Antwort auf den von Seiten der Unternehmen oft geäußerten Fachkräftemangel. Eine Übereinstimmung mit den gesuchten Qualifikationsprofilen wäre rein zufällig. Angesichts des demografischen Wandels erscheint es aber sinnvoll, bei allen Schwierigkeiten die Bemühungen um eine Integration in den Arbeitsmarkt zu forcieren.

Was sollte getan werden? Zunächst einmal ist denjenigen, die mit großer Sicherheit anerkannt werden, der Start zu erleichtern. Dazu ist es unabdingbar, ihre Qualifikation zu erfassen. Dies geschah bisher nur rudimentär und könnte in Zukunft systematisch mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit bewerkstelligt werden. Zudem sollten die Zuwanderer in einem „beschleunigten Verfahren“ passgenaue Angebote zum Spracherwerb erhalten, die Sperrfristen für den Arbeitsmarktzugang sollten aufgehoben und konkrete Beschäftigungsangebote bereitgestellt werden. Hier seien die Unternehmer aufgefordert, sich einzubringen.

Was kostet das? Die Autoren sind der Auffassung, dass trotz erheblicher Kosten, die zunächst für die Versorgung und die Integration der Flüchtlinge anfallen, die Etats von Bund und Ländern nur moderat belastet werden. Allerdings sollten die Kommunen, die die Hauptlast tragen, mehr Unterstützung erhalten als derzeit vorgesehen. Nehmen „uns“ die Flüchtlinge die Arbeitsplätze weg? Empirische Studien zeigten, dass dies nicht zu befürchten sei und dass auch das Lohnniveau nicht durch den Flüchtlingszustrom leiden würde. Ganz im Gegenteil seien Nachfragesteigerungen zu erwarten, die langfristig positiv auf die Gesamtwirtschaft wirken.

Letztendlich muss es aber darum gehen die Ursachen für Flucht und Vertreibung zu bekämpfen. Ein Beitrag dazu kann nach Auffassung der drei Autoren eine bessere Regelung der Migration leisten. Ziel müsse es sein, die Arbeitsmobilität zu erhöhen. Davon erhoffen sich Hinte, Rinne und Zimmermann nicht nur eine bessere internationale Resourcenverteilung, sie fordern auch, eine zirkuläre Migration zu fördern. Zeitweise Zugewanderte könnten hier ausgebildet werden und ihre Kenntnisse dann in ihren Herkunftsländern anwenden. Damit das funktioniert, sollte aber der Gesetzgeber, „ein deutsches Einwanderungsgesetz mit einem transparenten Auswahlverfahren für qualifizierte Zuwanderer“ entwickeln. So würde eine reguläre Arbeitsmigration möglich und der Weg des Asylgesuchs könnte frei bleiben für Personen, die nicht aus wirtschaftlichen Motiven zuwandern.

Hier der Link zum Debattenbeitrag:

Holger Hinte, Ulf Rinne, Klaus F. Zimmermann: Flüchtlinge in Deutschland: Herausforderung und Chancen, in: Wirtschaftsdienst 11/2015

1 Kommentar

  1.   hekaya

    Na klar, rasch integrieren und als Starthilfe dann denn Mindestlohn streichen?
    Es ist schoen zu sehen, wie simpel doch manche Forderungen den jeweiligen Interessengruppen zuzuordnen sind. Und wie frustrierend zu sehen, wie wenig manchmal aus der Geschichte gelernt wird. „Zirkulaere Migration“? Aha. Klingt nach einem Kandidaten fuer die Nonsens-Wortschoepfung des Jahres. Hatten wir nicht schon zirkulaere Migration? Damals, in den 1950-60ern nannten wir diese Menschen Gastarbeiter, verbunden mit dem unverhohlenen Wunsch, sie moegen wieder zurueck kehren nachdem sie ihr Soll hier erfuellt haben.
    Wer wandert denn aus, hat wirtschaftlichen Erfolg und geht mit seinem gefuellten Geldbeutel um einige Jahre aelter wieder in das verlassene Chaos zurueck, umnoch einmal von vorne zu beginnen, wenn er ein ungleich besseres Altersleben in seinemGastland fuehren kann?

    Wir sollten endlich akzeptieren, dass es umdauerhafte Einwanderung geht! Wir muessen uns entscheiden, ob wir, wie bisher, von dieser Einwanderung getrieben werden, oder ob wir uns aussuchen wollen, wer kommen darf. Dementsprechend muss die Gesetzgebung und das politische Handeln dem Wunsch dieser Gesellschaft angepasst werden. Unkontrollierte Einwanderung verursacht ungleich hoehere Kosten und vor allem sehr ernste gesellschaftliche Probleme, die bislang allzu froehlich schoen geredet werden. Das ist weder human noch klugund freuen tun sich am Ende nur diejenigen, die Hetze betreiben wollen.