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Wie Finanzmarktregulierung die soziale Nachhaltigkeit stärken kann

 

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Finanzmarktregulierung wird von den Vereinten Nationen nicht etwa unter dem Thema „ökonomische Stabilität“ diskutiert, sondern als Unterpunkt der Ziele zur sozialen Nachhaltigkeit angesprochen. Das ist überraschend. Wie das begründet werden kann, erläutert Christian Hecker in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst.

Tatsächlich ist der Finanzsektor seit dem 2. Weltkrieg sehr viel rascher gewachsen als die übrigen Wirtschaftssektoren. Robert Shiller sah in diesem „Finanzkapitalismus“ eine neue Ausprägungsform der Marktwirtschaft. Die Expansion des Finanzsektors ging mit der Zunahme von Risiken und der Abnahme persönlicher Haftung einher. Im Krisenfall wurde der Staat – und damit der Steuerzahler – in die Haftung genommen und große Banken entlastet. Gleichzeitig hatten sich die Verdienstmöglichkeiten der Investmentbanker deutlich verbessert, wobei die Bonuszahlungen den Fokus der Akteure immer stärker auf den kurzen Zeithorizont verlagerten und mittelfristige Risiken ausgeblendet wurden. Letztlich führte die übermäßige Expansion des Finanzsektors zu einer Umleitung der Ressourcen aus der Realwirtschaft, die sich negativ auf das Wachstum auswirkte.

In diesem Prozess gewannen vor allem die Inhaber großer Vermögen Wettbewerbsvorteile, da sie stärker in Aktien und Immobilien investierten, bessere Beratungsmöglichkeiten hatten und breitgestreuter anlegen konnten. Insofern hält der Autor es auch für fraglich, ob es gelingen kann, durch staatliche Fördermaßnahmen Kleinsparern mehr Möglichkeiten zur Vermögensvermehrung zu bieten.

Aber auch der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Demokratie litten unter dieser Entwicklung. Vor allem ist sie begleitet von einer ungleicheren Einkommens- und Vermögensverteilung und der Verfestigung der sozialen Schichten. Die Verringerung der Aufstiegschancen einkommensschwacher Bevölkerungsschichten kann den sozialen Frieden gefährden, denn, so der Autor, es „… besteht die Gefahr, dass diejenigen, die sich benachteiligt fühlen, die Einhaltung gesellschaftlicher Regeln verweigern, wenn sie die Erwartung aufgegeben haben, selbst jemals davon zu profitieren.“

Um diese negativen Entwicklungen zurückzudrehen, hält der Autor es für unbedingt erforderlich, „dass Verluste, die aus Investitionsentscheidungen resultieren, von den Verursachern getragen werden und nicht auf andere abgewälzt werden können.“ Dazu gehört, dass Großbanken im Krisenfall auch tatsächlich abgewickelt werden und dass Gläubiger stärker in die Verantwortung genommen werden können. Aber auch die Eigenkapitalunterlegungspflichten der Banken sollten aufgestockt und ihre bonitätsgetriebenen Vergütungssysteme unterbunden werden.

All diese Maßnahmen werden bereits auf europäischer und internationaler Ebene diskutiert und mit ihrer Umsetzung begonnen. Der Autor setzt sich dafür ein, dass sie jetzt auch glaubhaft zu Ende geführt werden, um „problematische Auswirkungen des Finanzsektors im Hinblick auf die Einkommens-, Vermögens- und Chancenverteilung zu verhindern“.

Lesen Sie dazu ausführlich den Beitrag von Christian Hecker aus der März-Ausgabe des Wirtschaftsdienst:

Christian Hecker: Finanzmärkte und (soziale) Nachhaltigkeit – ein schwieriges Verhältnis, in: Wirtschaftsdienst 03/2016

2 Kommentare

  1.   Am_Rande

    Tatsächlich ist der Finanzsektor seit dem 2. Weltkrieg sehr viel rascher gewachsen als die übrigen Wirtschaftssektoren. Robert Shiller sah in diesem “Finanzkapitalismus” eine neue Ausprägungsform der Marktwirtschaft. Die Expansion des Finanzsektors ging mit der Zunahme von Risiken und der Abnahme persönlicher Haftung einher.

    – so der Artikel.

    Das ist im staatlich gestützten Fiat-Geld-System ja auch nur logisch.
    Warum soll man sein Geld erwirtschaften, wenn die Banken es ex nihilo schaffen können?
    Das ist nun einmal der unschlagbare Wettbewerbsvorteil schlechthin.

    Und wer dann groß genug geworden ist, ist „system-relevant“ und „too big to fail“.

    Dass zudem dieses Fiat-Geld-System zu gesamtwirtschaflich Verwerfungen führen muss, ist auch nur logisch.

    Denn eine klassische Definition des Begriffes “Ökonomie” ist diese:

    “Economics is the science which studies human behaviour as a relationship between ends and scarce means which have alternative uses.”
    (Lionel Robbins, 1935)

    (“Die Ökonomie ist die Wissenschaft, welche das menschliche Verhalten auffasst als ein Verhältnis zwischen Zwecken und knappen Mitteln, welche unterschiedliche Nutzen haben.”)

    eine andere ist diese:

    “Economics is the study of how societies use scarce resources to produce valuable commodities and distribute them among different people.”
    (Paul Samuelson, 1948)

    (“Die Ökonomie ist die die Wissenschaft vom gesellschaftlichen Einsatz knapper Ressourcen zur Produktion wertvoller Wirtschaftsgüter und von der gesellschaftlichen Verteilung dieser Güter.”)

    Wenn nun das wirtschaftliche Handeln auf ein Umlaufsmittel (“Geld”) trifft, das qua definitione “nicht-knapp” ist, i. e. Fiat-Geld, ist rationales Wirtschaften nicht möglich.

    Q.E.D.

    Es gibt kein richtiges Wirtschaften im falschen Geldsystem.

    Es ist ganz einfach.

    Der Klassische Liberalismus und sein wirtschaftswissenschaftliches Standbein, die Österreichische Schule der Nationalökonomie, lehren es.

  2.   HuGo

    Welch eine Erkenntnis, die auch auf Bereiche umgelegt werden könnte, wie z.B. Energie, Gesundheit, Versorgung etc., damit sie nicht kollabieren, wegen der ständig steigenden Kosten für die Verbraucher und Altlasten. Sie dienten zuvor im Endeffekt nur der Gewinnmaximierung und waren somit für die allermeisten Menschen unnütz. Hierbei kann durch aus das Belohnungsystem, wer mehr leistet muss mehr haben, aufrechterhalten werden.