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Schwacher Euro, starke Wirtschaft

 

Die Schwäche des Euro wirkt wie ein massives Konjunkturprogramm – und sie heizt inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Währungsunion die Inflation an. Es ist ein bisschen wie in den Wirtschaftswunderjahren, als eine unterbewertete D-Mark für hohe Wachstumsraten und, in den frühen siebziger Jahren, für einen starken Anstieg der Inflationsraten sorgte.

Noch besser: Vorlaufende Indikatoren wie der Purchasing Managers Index (PMI) für Euroland, die Erwartungskomponente des Ifo-Index sowie die deutschen Auftragseingänge in der Industrie und im Bau lassen erwarten, dass sich der Aufschwung fortsetzen wird, Donald Trumps protektionistische Pläne hin oder her. Die Erwartungen sind besser als die Lage.

Im vierten Quartal war das reale BIP Deutschlands gegenüber dem dritten Quartal trotz des freundlichen Umfelds nur um 0,4 Prozent gestiegen. Vor allem in der Industrie war es nicht so gut gelaufen. Wie die erste Grafik suggeriert, wird sich das im Verlauf des ersten Halbjahres aber deutlich verändern; wenn der Zusammenhang zwischen ifo-Erwartungen und der Produktion im verarbeitenden Gewerbe so stabil ist wie in der Vergangenheit, ist mit Zuwachsraten in der Größenordnung von 3,5 Prozent zu rechnen, was dann auch zu höheren Zuwachsraten beim BIP führen wird.

Grafik: Ifo Erwartungen und Industrieproduktion

Getrieben wird die Expansion nun schon seit einiger Zeit vom privaten Verbrauch, der vom anhaltenden Anstieg der Beschäftigung und Tariflöhne profitiert (im 4. Quartal im Vorjahresvergleich +0,6 beziehungsweise +2,3 Prozent). Das ist ein ziemlich neues Phänomen und offenbar darauf zurückzuführen, dass die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nachgelassen hat. Insgesamt ist die deutsche Wirtschaft im Augenblick sehr wettbewerbsfähig und benötigt ständig zusätzliches Personal. Mit anderen Worten, solange der Wechselkurs da bleibt wo er ist, dürfte der Konsum der Haushalte, auf den 54 Prozent des BIP entfallen und der damit die bei Weitem die wichtigste Nachfragekomponente ist, weiter für solides Wachstum sorgen.

Wie der nächsten Grafik zu entnehmen ist, entwickelt sich der staatliche Konsum, der zusätzlich knapp 20 Prozent des BIP ausmacht, noch dynamischer. Niedrige Schuldzinsen, die gute Lage am Arbeitsmarkt und die gute Konjunktur insgesamt haben die öffentlichen Finanzen so verbessert, dass – ich übertreibe nur wenig – die Ausgaben kaum mit den Einnahmen Schritt halten. Der Staat erwirtschaftet seit Jahren Überschüsse. Fragt sich, ob das so bleiben wird. Auch hier vermute ich, dass der Wechselkurs die wesentliche Determinante ist. Noch ist der Euro auf dem Weg nach unten, weil die Fed die Zinsschraube weiter anziehen wird, während die EZB für’s Erste bei ihrer expansiven Politik bleiben dürfte. Dem Staat wird das Geld daher nicht ausgehen und es ist wahrscheinlich, dass er es großzügig ausgeben wird, zumal eine wichtige Wahl ansteht. Mindestens bis einschließlich des dritten Quartals wird die Finanzpolitik den Fuß auf dem Gaspedal lassen.

Grafik: Konsumausgaben der Privaten und des  Staates in Deutschland

Nicht so gut sieht es bei den Ausrüstungsinvestitionen aus: Die deutschen Unternehmen lassen sich weder durch hohe Gewinne, niedrige Zinsen, hohe Aktienkurse noch durch ihre Exporterfolge dazu bewegen, mehr zu investieren. Nicht nur das, sie haben ihre Ausgaben im Verlauf des vergangenen Jahres real sogar gekürzt. Möglicherweise kommen sie mit dem vorhandenen Kapitalstock gut zurecht, haben also noch Kapazitätsreserven. Zu dem Schluss komme ich auch, wenn ich den Produktionstrend in der Zeit vor 2009 bis in die Gegenwart verlängere. Noch ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht so stark gestiegen, dass die Unternehmen bereits am Limit operierten. Der schwache Euro könnte ein zusätzlicher Grund für die Investitionszurückhaltung sein – da es keine Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit gibt, besteht wenig Anlass, die Betriebskosten durch eine kapitalintensivere Produktion zu vermindern. Andere Gründe fallen mir nicht ein. Es würde mich aber überraschen, wenn die Ausrüstungsinvestitionen weiter rückläufig wären – dazu passt nicht die optimistische Grundhaltung der Unternehmer.

Grafik: Ausrüstungsinvestitionen und Bauinvestitionen in Deutschland

Alles spricht dafür, dass die Bauinvestitionen, die einen Anteil von knapp 10 Prozent am nominalen BIP haben, weiter gut laufen werden. Die Aufträge an das Baugewerbe lagen real im vierten Quartal um nicht weniger als 10,2 Prozent über ihrem Vorjahreswert und sind damit deutlich rascher gestiegen als die Bauproduktion. Die Auftragsbücher sind so voll, dass die Firmen für den Rest des Jahres genug zu tun haben. Da die Hypothekenzinsen wegen der anziehenden Inflation von nun an der Tendenz nach steigen werden, müssen sich die potenziellen Bauherren beeilen: So billig wie heute wird Baugeld auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr sein. Das wirkt für die Konjunktur wie ein Turboeffekt.

Insgesamt haben wir es also mit einer robusten Inlandsnachfrage zu tun; die Abhängigkeit von der Konjunktur im Ausland und vom Wechselkurs ist entsprechend zurückgegangen. Deutschland hat sich seit dem zweiten Halbjahr 2015 sogar zu einer Art Lokomotive für den Rest der Welt und insbesondere für den Euroraum entwickelt. Es hätte angesichts des finanziellen Spielraums des Staates mehr sein können, und es hätte schon viel früher passieren müssen. Dann wäre die Eurokrise nicht so eskaliert und die Sparpolitik, zu der die Schuldnerländer gezwungen wurden, wäre weniger extrem ausgefallen, vor allem was ihre Effekte auf die Jugendarbeitslosigkeit angeht. Spät ist nicht zu spät. Es sieht jetzt danach aus, dass alle Volkswirtschaften des Euroraums 2017 expandieren und zunehmend große sogenannte Primärüberschüsse in ihren Haushalten erreichen werden. Sie sind also in der Lage, ihre Schulden vereinbarungsgemäß zu bedienen. Das gilt auch für Griechenland, Portugal und Italien.

Grafik: Leistungsbilanzsaldo Deutschlands

Es hilft jedenfalls, dass die deutschen Einfuhren real seit Mitte 2015 etwa doppelt so rasch zunehmen wie die Ausfuhren und dass der Saldo der Leistungsbilanz kräftig zurückgeht. Im Wesentlichen spiegelt das die Tatsache wider, dass die Konjunktur hierzulande seit Jahren besser läuft als bei den europäischen Partnerländern. Eine Rolle spielt darüber hinaus, dass die deutschen Löhne wegen der starken Nachfrage nach Arbeit kräftiger zunehmen. Die sogenannte interne Abwertung (als Gegensatz zu der nicht möglichen Abwertung des Wechselkurses) durch Kostensenkungen (sprich Lohnzurückhaltung) scheint in den Krisenländern endlich zu gelingen. Die sozialen Probleme, die mit ihr einhergingen, haben aber zeitweise vor allem außerhalb Europas dazu geführt, dass die weitere Existenz des Euro infrage gestellt wurde. Das bleibt leider immer noch ein Thema. In den holländischen und französischen Wahlen wird das ein zentrales Thema sein.

Ich wünsche mir, dass nun von deutscher Seite Vorschläge gemacht werden, wie sich eine solche kostspielige Strategie in Zukunft vermeiden lässt. Der Deal muss darauf hinauslaufen, dass die Krisenländer ihre Modernisierungsprozesse weiterführen und ihnen im Gegenzug ein Einstieg in einen weitergehenden horizontalen Finanzausgleich und/oder eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung angeboten wird. Irgendwann müssen die nächsten Schritte in Richtung einer immer engeren Union der Völker Europas ohnehin getan werden. Der Euro wird nicht überleben, wenn die Solidarität der Mitgliedsländer nicht deutlich gestärkt wird.

20 Kommentare

  1.   BMMMayr

    >>… ein Einstieg in einen weitergehenden horizontalen Finanzausgleich und/oder eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung angeboten wird. Irgendwann müssen die nächsten Schritte in Richtung einer immer engeren Union der Völker Europas ohnehin getan werden. Der Euro wird nicht überleben, wenn die Solidarität der Mitgliedsländer nicht deutlich gestärkt wird. <<

    Eigentlich wäre das ein Thema, zu dem der langjährige Europapolitiker Schulz was zu sagen haben müsste. Ein Vorschlag für offensichtlicher horizontale Transfers ist vermutlich aber immer noch politischer Selbstmord in Deutschland.

    Die Stimmung im politischen Europa und in der Bevölkerung ist allerdings klar dafür die Lücken in der Steuergesetzgebung für Unternehmen kleiner zu machen. Und einen Verlängerung des ALG I findet auch eine Mehrheit in D gut.

    Also warum nicht eine europäische Arbeitslosenversicherung oder ein Notfallsozialprogramm zur Deckung elementarer Lebensbedürfnisse wie Essen mit einer Finanztransaktionsteuer finanzieren?

    Man traut es sich ja kaum sagen, aber ein Vorschlag von He-who-must-not-be-named hierzu liegt seit mehr als einem halben Jahrzehnt vor:

    yanisvaroufakis.eu/modest-proposal/4-the-modest-proposal-four-crises-four-policies/policy-4-emergency-social-solidarity-programme-essp/

    Damals war das politisch nicht durchsetzbar, heute könnte die Zeit reif dafür sein und die Briten werden auch nicht mehr dagegen sein, wenn der Continent das machen will.

  2.   Babendiek

    @ BMMMayr

    Der, dessen Namen Sie nicht nennen wollen, schreibt betreffend die Target2-Salden::

    „There is a strong case to be made that the interest collected from the deficit member-states’ central banks should be channelled to an account that would fund our proposed Emergency Social Solidarity Programme (ESSP).“

    Wenn Herr V. nur die simpelsten Basistatsachen zur Kenntnis nehmen würde, müsste er wissen, dass die Target2-Salden mit dem Hauptrefinanzierungssatz der EZB verzinst werden. Und der beträgt seit geraumer Zeit exakt: Null!

    Im übrigen ist der Vorschlag eine absolute Unverschämtheit: Zinsen dienen dazu, die Risiken abzufedern, die mit einem Kredit verbunden sind. Und die Target2-Salden sind für die Bundesbank ein gewaltiges Risiko!

    Der Minister No More faselt weiter:

    „Additionally, if the EU introduces a financial transactions’ tax, or stamp duty proportional to the size of corprate balance sheets, a similar case can be made as to why these receipts should fund the ESSP. With this proposal, the ESSP is not funded by fiscal transfers nor national taxes.“

    Abermals: Wenn Herr V. auch nur ökonomische Grundkenntnisse hätte, würde er wissen, was eine Transaktionssteuer in der EU bewirken würde: Der Börsenhandel wandert weitestgehend in die Nachbarländer Großbritannien (Brexit!) und Schweiz ab.

    Schon heute findet der europäische Handel mit Finanzderivaten komplett in London und Zürich statt.

    Obendrein plant die Deutsche Börse eine Fusion mit der LSE; Sitz der neuen Superbörse ist – na wer hätte dies gedacht – nicht Frankfurt, sondern London.

  3.   Babendiek

    @ Wermuth

    Sie schreiben:

    „Der Deal muss darauf hinauslaufen, dass die Krisenländer ihre Modernisierungsprozesse weiterführen und ihnen im Gegenzug ein Einstieg in einen weitergehenden horizontalen Finanzausgleich und/oder eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung angeboten wird.“

    Entschuldigen Sie bitte: Aber das ist doch absurd!

    Es soll, darf und kann niemals ein Junktim geben zwischen deutschen Zahlungen einerseits und politischen Reformen in den Krisenstaaten andererseits. Die Modernisierung muss in diesen Ländern aus eigener Einsicht und aus eigener Kraft umgesetzt werden. Sonst wird das nix.

    Im Übrigen würde ein solcher „Deal“, wie Sie dies nennen, in den südeuropäischen Ländern vollends den Eindruck verfestigen, dass Deutschland in Europa der Hegemon, die imperialistische Supermacht ist, die bestimmt, wo es lang geht.

    Und wofür sollen die Finanztransfers denn überhaupt sein? Sie nennen nicht einmal Ziele und Zwecke. Hauptsache: Geld fließt.

    Wie die Erfahrung immer wieder zeigt, bewirken Finanztransfers wenig bis gar nichts. Kein Land hat seit seinem EU-Beitritt so viele Agrarsubventionen kassiert wie Griechenland. Dennoch ist die griechische Landwirtschaft gnadenlos rückständig.

    Und zur gemeinsamen Arbeitslosenversicherung: Die nationalen Systeme sind, was Beiträge, Leistungen, Berechtigungen, Fristen etc. angeht, so verschieden wie nur möglich. Wie daraus ein einziges System geschmiedet werden soll, ist mir absolut schleierhaft.

    Wird dann in ganz Europa Hartz IV eingeführt?

  4.   mister-ede

    Vor allem muss der schwache Euro genutzt werden, um die interne Aufwertung in Deutschland fortzusetzen. Es braucht höhere Löhne, z.B. durch die Beschränkungen von Leiharbeit oder die Ausweitung der Tarifbindung, und zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der Binnennachfrage, z.B. durch ein höheres Kindergeld oder mehr staatliche Investitionen in die Infrastruktur.

  5.   Babendiek

    @ Wermuth

    „Der schwache Euro könnte ein zusätzlicher Grund für die Investitionszurückhaltung sein – da es keine Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit gibt, besteht wenig Anlass, die Betriebskosten durch eine kapitalintensivere Produktion zu vermindern. Andere Gründe fallen mir nicht ein.“

    Mir fallen durchaus andere Gründe ein für die zurückhaltenden Inlandsinvestitionen der deutschen Industrie.

    Donald Trump hat der Globalisierung den Krieg erklärt. Die USA werden voraussichtlich noch dieses Jahr Importzölle von etwa 20 Prozent verhängen.

    Dies würde die deutsche Exportwirtschaft besonders hart treffen. Kein anderes Land nimmt so viele deutsche Exportgüter auf wie die USA. Besonders gefragt sind dort Autos, Maschinen und Pharmaka Made in Germany.

    Der amerikanische Protektionismus würde die deutsche Industrie aber auch INDIREKT empfindlich treffen. Trump will vor allem die Einfuhren aus China einschränken.

    Wenn die Chinesen jedoch weniger Jeans, Smartphones und Spielzeug in die USA liefern können, brauchen sie auch weniger Maschinen und Anklagen, die all diese Dinge produzieren.

    Diese Ausrüstungsgüter stammen aber zu einem Gutteil aus Deutschland. Umgekehrt ist China der bei weitem bedeutendste Markt für Chemieanlagen, Roboter und Werkzeugmaschinen Made in Germany.

    Wenn die Amerikaner wirklich die Zugbrücke hochziehen, haben deutsche Exporteure einen starken Anreiz, Produktion in die USA zu verlegen, zumal dort auch die Körperschaftssteuer kräftig reduziert werden soll. Künftig werden die Unternehmen in den USA voraussichtlich nur 20 Prozent der Gewinne an den Fiskus abführen müssen. Dies ist rund ein Drittel weniger als in Deutschland.

    Airbus und Siemens, Bayer und BASF, BMW und Daimler haben in den USA bereits in großem Stil Produktion hochgezogen. Deutsche Unternehmen beschäftigen in den USA bereits mehr als 600 000 Menschen.

    Nun sind weitere Unternehmen auf dem Sprung über den Atlantik wie etwa Audi. Den Autoherstellern folgen die großen Lieferanten wie Bosch, Mahle oder ZF Friedrichshafen.

    Derzeit beobachten die Unternehmen die Entwicklungen und warten erst einmal ab. Doch über kurz oder lang werden sie auf die neue Lage reagieren müssen. Im übrigen nimmt der Protektionismus weltweit zu – nicht nur in den USA.

    Das bedeutet nichts Gutes für die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland. Die Großunternehmen haben bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen, ihren Kapitalstock in Deutschland zu reduzieren: Die jährlichen Abschreibungen sind höher als die Neu-Investitionen.

    Dies sind also alles andere als erfreuliche Neuigkeiten für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

    Die einzige gute Nachricht ist: Da der amerikanische Protektionismus tendenziell der europäischen Wirtschaft schadet, könnte der Euro noch weiter gegenüber dem Dollar abfallen. Experten rechnen mit einem Kursrückgang von 20 bis 25 Prozent. Dies wiederum könne die deutschen Exporte in die USA stabilisieren.

  6.   NIKYTOELE

    * wermuth
    die Schwäche des Euro wirkt wie ein Konjunkturprogramm … und heizt die Inflation an…
    das ist so nicht richtig, eine Abwertung , egal on intern („Lohnzurückhaltung“) oder extern (Währung) verändert die Wettbewerbsfähigkeit: das unterbewerte Land gewinnt Nachfrage, Produktion und Arbeitsplätze , das überbewerte Land ( derzeit z. B. die Schweiz) verliert im gleichen Umfang , anders ausgedrückt:
    das unter seinen Verhältnissen lebende Land exportiert seine Arbeitslosigkeit und erhällt dafür Schuldscheine (früher Gold) der überbewertenden Länder
    langfristig bedeutet es dauerhafte Finanztransfers ( innerhalb Deutschland ist es der Länderfinanzausgleich, Sozial- und Arbeitslosenversicherung oder Hartz4,,,) oder dieses merkantellistische System platzt. etwa Euroausstieg durch Frankreich:
    im 18. Jahrhundert hatte der Merkantilist Frankreich dadurch Unmengen Gold angehäuft, damit Kriege geführt, die verarmten Nachbarstaaten exportierten dann die letzten Resourcen, Menschenmaterial, ein hessischer Fürst vermietete 24000 Landeskinder als Soldaten an gegnerische Kriegsparteien…
    in der Presse und auch in diesem Blog wurde oft die Wirkung einer internen Abwertung (Agenda 2010) bestritten, der extreme Exportüberschuss von D beruhe nur auf der besseren Qualität deutscher Waren, aber bei GR gilt das plötzlich ?
    unlogisch
    Emprisch gesichert kommt Inflation durch höhere (Löhne) Lohnstückkosten und durch wichtige Rohstoffe, Auf- oder Abwertung wirken nur indirekt
    Für das deutsche Wirtschaftswunder war zentral: „Wohlstand für alle“, auch die Nachbarländer hatten ein Wirtschaftswunder, heute gibt es Wohlstandsgefälle, ein Auseinanderlaufen , also ein genaues Gegenteil
    Richtig ist, dass es die letzten 2 jahre Einkommenszuwächse gab, berücksichtigt man die Inflation und Steuerprogression bleibt davon nicht viel übrig, die Schere hat sich aber nicht weiter geöffnet
    die Meldung Greichenland habe es jetzt geschafft höre ich seit 6 Jahren, gestimmt hat es nie, genauso wenig, wie Lohnkürzungen die Arbeitslosigkeit dort vermindern würde, warum soll es jetzt stimmen ?
    die Aufforderung, dort weiter zu modernisieren ist ein weiterer typischer verseuchter Propagandabegriff, eine Umdeutung für umfangreicher Sozialkürzungen, so wie Strukturreformen, alternativlos… letzterer bedeutet , es gibt keine Diskussion und man besitzt die einzige Wahrheit, also Verabschiedung von Demokratie oder man muss nichts mehr verstehen, sondern nur noch glauben…… das kennzeichnet aber keine Wissenschaft mehr sondern ist zur Religion verkommen
    bei einer solchen flächendeckender Inkompetenz (Wissenschaft, Presse) befürchte ich für Europa die nächsten Jahre schlimme Verwerfungen, besonders für Deutschland

  7.   BMMMayr

    Ich verstehe ja einige die Bedenkenträger hier im blog, auch wenn dort oft sehr selektiv auf das geschaut wird, was nicht geht.

    Aber mir ist wichtig, nochmal kurz die globale Situation herauszuarbeiten, in der unser Nachdenken über europäische Wirtschaft, Geldpolitik, evtl. Transfer, Reformen etc stattfindet:

    Im Westen von Europa stehen Trump’s USA, bereit einen selbstzerstörerischen Handelskrieg anzufangen und Europa auseinander zu dividieren.
    Im Osten steht Putin’s Russland.
    Im Süden stehen sehr, sehr viele arme Menschen, die lieber heute als morgen in Europa leben wollen.

    Angesichts dieser Tatsachen ist es sonnenklar, dass ein einiges Europa absolut ganz oben auf der Prioritätenliste stehen muß.

    Und schon Helmut Kohl wusste, dass das auch mal Geld kostet und handelte entsprechend.

    Jetzt wird diskutiert, statt 1,2% bis zu 2% des BIPs für Verteidigung innerhalb der NATO auszugeben, und bislang hat noch kein deutscher Großökonom dazu einen Gastartikel in einer großen Zeitung verfasst. Obwohl Rüstungsinvestitionen zwar nötig sein können, aber in aller Regel ökonomisch ein Totalverlust sind (ok fast, technologische Neuerungen muß man berücksichtigen), weil ja (hoffentlich) sowohl die angeschafften materiellen Güter, als auch die immateriellen Güter (Ausbildung) nie zur Anwendung kommen.

    Wer mag sich angesichts dieser Umstände hinstellen und sagen, dass Mehrinvestitionen in gleicher Höhe, also 20 – 30 Milliarden Euro per anno für ein einiges Europa a priori Unsinn sind?

  8.   BMMMayr

    „Es soll, darf und kann niemals ein Junktim geben zwischen deutschen Zahlungen einerseits und politischen Reformen in den Krisenstaaten andererseits.“

    Hä?

    War das nicht immer die deutsche Geschäftsgrundlage in der Eurokrise? Kredite bzw Schuldenerleichterungen gegen Reformen, das ist doch seit Jahren worum immer zwischen Krisenländern und den „Institutionen“ gerungen wird!

  9.   Babendiek

    @ BMMMayr # 8

    Sie verwechseln zwei völlig verschiedene Dinge.

    1. Griechenland ist pleite und braucht ganz dringend Geld von den anderen Mitgliedsländern der Eurozone. Die Retter, die Hellas braucht, haben das Recht, Forderungen zu stellen, damit Griechenland wieder auf die Beine kommt und künftig ohne externe Hilfen leben kann.

    Ganz wichtig: Hier stellt eine Gemeinschaft aus EZB, IWF und 18 Staaten die Bedingungen. Die Bundesrepublik ist nur eines von vielen beteiligten Ländern.

    2. Was Wermuth fordert, ist meinem Verständnis nach das Folgende: Die deutsche Regierung ist der Ansicht, dass Italien, Frankreich oder Spanien bestimmte Reformen durchführen sollten. Als Gegenleistung winkt Deutschland mit finanziellen Geschenken.

    Das sieht dann so aus, also ob Deutschland mit seiner dicken Brieftasche nach Belieben die politische Richtung in anderen Ländern beeinflussen kann, darf und sollte. Das ist Imperialismus pur.

    Noch einmal: Griechenland steckt in einer selbstverschuldeten Notlage, in der es seine freie Handlungsfähigkeit und damit seine Souveranität bereits VOR den Rettungsprogrammen eingebüßt hat. Da können die Retter also gar nichts mehr kaputt machen.

    Frankreich, Italien und Spanien aber stecken nicht in der Klemme und sind handlungsfähig. Ein Deal wie Wermuth ihn vorschlägt, wäre m. E,. aber nichts anderes als ein ATTENTAT AUF DIE SOUVERANITÄT unserer Nachbarstaaten.

    Das geht nun gar nicht.

  10.   Babendiek

    @ BMMMayr

    Sie schreiben:

    „Im Westen von Europa stehen Trump’s USA, bereit einen selbstzerstörerischen Handelskrieg anzufangen und Europa auseinander zu dividieren.
    Im Osten steht Putin’s Russland.
    Im Süden stehen sehr, sehr viele arme Menschen, die lieber heute als morgen in Europa leben wollen.“

    Wie um Himmels willen können denn deutsche Geldgeschenke an andere Euro-Länder auch nur eines dieser Probleme lösen helfen? Die Aggressionen Russlands stoppen? Den Protektionismus der Amerikaner bremsen? Die Armut Afrikas bekämpfen?

    Im übrigen hat die EU bereits seit vielen Jahrzehnten einen eigenen Haushalt. 2016 betrug das Budget 155 Milliarden Euro. Hiervon wurden rund 130 Milliarden für diverse Wachstumsprogramme ausgegeben.

    Deutschland ist brutto wie netto der größte Einzahler in den Euro-Haushalt. Im Zuge des Brexit fallen die ebenfalls beträchtlichen Zahlungen Großbritanniens aus. Hierfür wird größtenteils die Bundesrepublik einspringen müssen.

    Keine Sorge: Die zusätzlichen Finanztransfers kommen von ganz alleine!

    Wenn ich daran erinnern darf: Deutschland hat seit 2014 rund zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Diese Menschen wären sonst zum größten Teil in anderen europäischen Ländern gestrandet, die sich mit konstanter Boshaftigkeit weigern, irgend etwas für diese hilflosen Menschen zu tun.

    Auf diese Weise haben wir die Haushalte dieser Staaten erheblich entlastet. Die Rettung der Flüchtlinge ist indirekt ebenfalls ein Finanztransfer. Und zwar ein recht beträchtlicher.

    Im Übrigen finde ich es skandalös, dass jedes, aber auch jedes Problem auf dieser Welt mit dem angeblichen Geiz des guten Herrn Schäuble in Verbindung gebracht wird.

    Zählt man alles zusammen – Flüchtlingshilfe, Euro-Rettung, EU-Finanzierung etc. pp – dürfte die Bundesrepublik zu den großzügigsten Ländern der Welt gehören.

    Wer tut denn mehr die Gemeinschaft der Völker? Die USA, deren offizielle Politik jetzt lautet „America first“? Großbritannien, das sich aus der EU davon stiehlt? Frankreich, dass die Grenzen dicht macht für Flüchtlinge? Italien, wo eine Kasperlfigur nach der anderen Regierungschef wird? Russland, das in seine Nachbarländer einfällt?