‹ Alle Einträge

NSU-Beschuldigter: Zschäpes Aussage ist „völlig verrückt“ – das Medienlog vom Montag, 25. Januar 2016

 

Kaum hat Beate Zschäpe zum zweiten Mal ausgesagt und dabei Unterstützer des NSU benannt, kommt Widerspruch von den Betroffenen: Im Spiegel äußert sich der auch von der Bundesanwaltschaft beschuldigte Rechtsextremist Jan W., der dem NSU laut Zschäpe eine Pistole geliefert haben soll. Dem Magazin sagt er, er habe „nie eine Waffe besessen, geschweige denn an die drei weitergegeben“, die Behauptung der Angeklagten sei „vollkommen verrückt“. Zschäpe teilte mit, Uwe Böhnhardt habe ihr von der Lieferung erzählt.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Als insgesamt unglaubwürdig bewertet Gisela Friedrichsen auf Spiegel Online Zschäpes Aussage: „Welchen Bären bindet die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess dem Gericht damit eigentlich auf?“ So habe sie zwar mutmaßliche Unterstützer des NSU genannt – gegen diese wird aber ohnehin bereits ermittelt. „Mit der Aufklärung der Morde des NSU an neun Menschen ausländischer Herkunft und einer Polizistin hat das nicht viel zu tun.“

Zschäpe versuchte nach Kräften, sich als unbeteiligt und unschuldig darzustellen. So sei sie nicht an einer Gruppe namens NSU beteiligt gewesen. Da sie jedoch nach eigenen Angaben mit den Raubüberfällen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt einverstanden war, lief sie Gefahr, „sich ungewollt doch als Mitglied der Terrorzelle darzustellen“, kommentiert Frank Jansen vom Tagesspiegel. Damit könne sie „mehr über ihre Rolle verraten, als ihr lieb ist“.

In dieser Woche pausiert der NSU-Prozess – Grund dafür sind zwei Befangenheitsanträge der Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben vom vergangenen Donnerstag gegen die Richter Manfred Götzl und Michaela Odersky. Die Anwälte beschuldigen die Richter, sie im Prozess zu unterdrücken und nicht ernst zu nehmen. Nach Mitteilung des Münchner Oberlandesgerichts muss nun nacheinander über beide Anträge entschieden werden – wie es im Verfahren weiter geht, entscheidet sich gegen Ende dieser Woche.

Das nächste Medienlog erscheint am Dienstag, 26. Januar 2016.

13 Kommentare

  1.   JohannLundi

    Was wäre wenn …
    ich dachte immer, es gilt in Deutschland die Unschuldsvermutung. Was manche Medien machen ist trotz allem Anschein wieder ein Vorverurteilung.
    Es hat sehr lange gedauert, bis Frau Tschäpe sich gegen ihre „Anwälte“ durchsetzen konnte. Jetzt hat sie es endlich geschafft und sagt erstmalig aus.
    Vielleicht neigt sie ja wirklich dazu, bestimmten dominanten Person stets hörig zu sein und „brav“ zu parieren.
    Deshalb: Was wäre wenn es wirklich so gewesen ist, wie sie jetzt sagt?
    Natürlich brauchen wir jetzt, da die eigentlichen Täter bereits tot sind, ein Opfer für die Öffentlichkeit.

  2.   Uhlberg

    Seit Mai 2013 wird uns nun dieses Gerichtsdrama Dauer-medial angepriesen.

    Im April 2015 fand der 200. Verhandlungstag statt.

    Wie lange wird uns diese „Volks-Show“ auf Steuerzahlerkosten, ohne ersichtlich verwertbare Erkenntnisse, denn noch zugemutet!

  3.   Score

    Vorverurteilungen, Diffamierungen und Hexenjagden haben in unserem Rechtsstaat nichts verloren. Es wäre schön, wenn sich die Leitmedien endlich wieder auf journalistische Grundsätze besinnen würden. Skandalüberschriften im Bild-Stil machen die Sachen nicht besser – auch wenn sie ein paar Klicks generieren.

  4.   ernstmoritzarndt

    Letztlich dreht es sich um die Frage, ob Frau Tschäpe als Mittäterin (dann lebenslange Haftstrafe) oder als untergeordnete Beihelferin verurteilt wird. Die neuen Verteidiger haben bei ihr offensichtlich Heilserwartungen ausgelöst, nachdem die Dame jahrelang in weitestgehender Einzel – Untersuchungshaft zubringend irgendwelchen Einflüsterungen unterlag. Gerade in den Untersuchungshaftanstalten kursieren da die tollsten „Tips“ betreffend Verteidiger und ihre Fähigkeiten. Eines steht fest: Ein Verteidiger kann nicht aus schwarz weiß machen oder umgekehrt. Er ist lediglich in der Lage durch eine vernünftige Verteidigungsstrategie, die wirklich durchdacht sein muß, soviel „Sand in das prozessuale Getriebe schaufeln“, daß ein Gericht unter dem Aspekt des in dubio – Grundsatzes von hundertprozentigen Verurteilungsforderungen der Staatsanwaltschaften gerade in einem solchen Falle Abstand nimmt. Eines steht fest: Die Dame Tschäpe hat über ein Jahrzehnt mit ihren „Freunden“ zurückgezogen gelebt. Da ist der Schluß darauf, daß sie diesen nicht nur die sprichwörtlichen „Füße gewärmt“ hat, durchaus naheliegend, kann aber nicht ohne weiteres zu einer Verurteilung führen. Denn dafür ist der Nachweis des Wissens und Wollens der Tatbestandsverwirklichung erforderlich, d.h., daß Frau T. die Taten der Uwes als eigene wollte. Möglicherweise bricht ihr jetzt die neue Wunderverteidigung prozessual das Genick.

  5.   Martin Günzel

    Ach, möchten Sie, dass das Verfahren einfach eingestellt wird und das Thema NSU abgehakt?

    Wäre vielen Leuten natürlich nur recht…

  6.   Siegmund Marx

    @ Uhlberg:
    Was wäre Ihrer Meinung nach die Alternative? Sch… auf den Rechtsstaat, lassen wir bei RTL abstimmen und gut ist? Oder lieber die Hoeness-Nummer: grade wenns interessant wird beenden wir den Prozess, bevor noch was rauskommt, was für irgendjemanden unangenehm werden könnte? Und wenn der Prozess nur 14 Tage gedauert hätte: hätten nicht vielleicht auch Sie unter Umständen das Gefühl gehabt, dass das alles viel zu Schnell gelaufen ist um eine halbwegs befriedigende Aufarbeitung von diversen Morden, Anschlägen, Raubüberfällen etc. über mehrere Jahre zu erreichen?
    Seien wir lieber froh darüber, wenn es sich der Rechtsstaat nicht zu einfach macht.

  7.   rt

    Ich habe den Eindruck, die gute Frau Tschäpe tanzt der ganzen Justiz und Deutschland auf der Nase herum.

  8.   Silvia Arnold

    Wie feige. Wenn ich von meiner Weltanschauung so überzeugt bin, dass ich dafür sogar Menschen töte, oder zumindest hinnehme, dass mein Umfeld dies tut, dann würde ich diese Überzeugung auch vor Gericht vertreten.
    So zeigt diese Frau, dass sie nur ihren Hass ausleben wollte.

  9.   selbstverstehtsich

    „Wie lange wird uns diese “Volks-Show” auf Steuerzahlerkosten, ohne ersichtlich verwertbare Erkenntnisse, denn noch zugemutet!“

    diese „Volks-Show“ soll, wenn es nach mir ginge, so lange andauern, bis die Anklage entweder auf Grund ihrer Unschuld oder auf Grund mangelnder Beweislast freigesprochen wird.

    ich bin dankbar für jeden Cent meiner Steuergelder, der auch in diesen Fall investiert wird. natürlich, insbesondere für die Angehörigen, würde ich mir wünschen, dass überhaupt nie ein Cent in diesen Fall hätte investiert werden müssen. da die Dinge aber nun einmal so sind, wie sie sind: jeden Cent…

    sie haben Recht, das Geld, welches bisher hier hineininvestiert wurde, hätte man sicher auch an anderer Stelle gut brauchen können… aber ja…hätte…hätte…

    auch folgendes ist natürlich eine rein persönliche Meinung, die niemand teilen muss…aber insbesondere auf Grund der aktuellen, eurpaweiten, deutschlandweiten Geschehnisse, auf Grund von abscheulichen, widerwertigen, menschenverachtenden, rassistischen Parolen die heute wieder auf den Straßen, in den Zeitungen, an den Stammtischen verbreitet und geduldet werden, wie ich es nicht/nie für möglich gehalten hätte (keine Sorge, die aktuelle Situation mit ihren Problemen, den realen Herausforderungen an an unsere Gesellschaft ist mir durchaus bewusst)…denn sie sind meines erachtens der Kern für solch auf die Spitze getriebene Taten. Ganz gleich, ob nun Frau Zschäpe oder andere ideologisch motivierte Täter…aus diesem Grund ist mir JEDER Cent meines Steuerbeitrages wert! und wenn es noch Jahre dauert

  10.   User0816

    Diese Frau vertritt krude Ansichten und ist mit Sicherheit kein Unschuldslamm aber sie ist auch ein klassisches Bauernopfer. All ihre Aussagen sind total nutzlos und werden ohne Prüfung verrissen. Ihr 10-15 Jahre aufzubrummen um all den Opfern Genugtuung zu ermöglichen hätte man auch billiger und schneller haben können. Es ist und bleibt ein Schauprozess,..nur keiner schaut zu.