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Aussage gegen Aussage – Das Medienlog vom Donnerstag, 10. März 2016

 

Zu Prozessbeginn hatte er bereits ausgesagt, am Mittwoch äußerte er sich erneut: Carsten S. widersprach der Aussage seines Mitangeklagten Ralf Wohlleben, nachdem er in eigener Verantwortung die Mordpistole Ceska 83 für das NSU-Trio besorgt haben soll. S. stellte klar: Wohlleben habe ihn beauftragt. „Wessen Aussage glaubwürdiger ist, wird am Ende das Gericht entscheiden“, merkt Ina Krauß vom Bayerischen Rundfunk an. S. habe bei seiner Aussage nervös gewirkt.

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Entscheidender Punkt der Einlassung: S. sagte, dass ihn nicht das untergetauchte NSU-Trio mit der Beschaffung der Pistole beauftragt habe, sondern Wohlleben. „Die haben mir nie den Auftrag gegeben“, formulierte es S. der Thüringer Allgemeinen zufolge. Zudem habe er das Geld für die Waffe vom heutigen Mitangeklagten erhalten. „Bei diesen Worten begann Wohlleben erregt mit seinen Anwälten zu sprechen“, schreibt Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung.

„S. stellt sich heute eher als eine Art Laufbursche Wohllebens und Überbringer von Nachrichten dar. War er mehr?“, fragt Gisela Friedrichsen auf Spiegel Online.

Sie berichtet auch vom anderen Komplex des Tages: zwei Kriminalbeamte, die nach dem Auffliegen des NSU Waffen aus dem Wohnmobil sicherten, in dem sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen hatten. Auch dazu ergäben sich Fragen: „Wozu führten die mutmaßlichen Täter so viele Waffen mit sich? Wollten sich die beiden Uwes absetzen? Was war geplant? Wusste Beate Zschäpe von eventuellen Ausstiegsplänen?“ Friedrichsen weist darauf hin, dass der Strafsenat die Hauptangeklagte Beate Zschäpe bereits damit konfrontiert habe.

Ramelsberger berichtet in der Süddeutschen Zeitung von einer offenbar neuen Erkenntnis: Demnach schnitt Zschäpe Berichte über die NSU-Taten aus dem Fernsehen mit und beteiligte sich so am Bekennervideo der Gruppe, das sie später auf DVD verschickte. Demnach gehörten zu den Fernsehausschnitten Livesendungen, die zu Zeiten liefen, als die mutmaßlichen Täter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch nicht wieder zu Hause sein konnten, weil sie noch vom Tatort zurückfuhren.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 11. März 2016.