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Rehabilitation für Verfassungsschützer Andreas T. – Das Medienlog vom Mittwoch, 13. Juli 2016

 

Ein wichtiger Tag für den ehemaligen hessischen Verfassungsschützer Andreas T.: Das Gericht glaubt ihm, dass er vom Mord an Halit Yozgat 2006 nichts mitbekommen hat. Richter Manfred Götzl sagte am Dienstag, die Aussage T.s sei „plausibel, glaubhaft und nachvollziehbar“. Das werde T. „sicherlich als eine Art Rehabilitation empfinden“, kommentiert Tim Aßmann vom Bayerischen Rundfunk.

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T. galt zeitweise als Tatverdächtiger, weil er bei dem Mord in einem Kasseler Internetcafé anwesend war, sich aber nicht als Zeuge meldete. Er beteuerte stets, den Mord nicht bemerkt und die Leiche des Inhabers nicht gesehen zu haben.

Das Gericht folgt damit der Version der Bundesanwaltschaft. Die Folge laut BR-Reporter Christoph Arnowski: Es „liegt es auf der Hand, wie es (das Gericht) die anderen Taten beurteilen wird: Alle angeklagten Verbrechen wurden allein vom NSU begangen“.

Richter Götzl setzte sich mit T. in einem Beschluss auseinander, mit dem er abermals Anträge auf neue Beweiserhebungen ablehnte. Der Entscheid klang „fast wie eine Ehrenerklärung für den Verfassungsschützer“, beobachtet Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung. Damit sei auch klar, dass die Ermittlungen in diesem mysteriösen Teil des NSU-Komplexes abgeschlossen seien.

Das Ende im Terrorverfahren ist offenbar in greifbarer Nähe: Aus Kreisen der Justiz heiße es, dass das Urteil Anfang 2017 fallen könnte, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Derzeit arbeiteten die Richter daran, die letzten Teile der Beweiskette zusammenzufügen.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 14. Juli 2016.

1 Kommentar

  1.   izquierd

    „T. galt zeitweise als Tatverdächtiger, weil er bei dem Mord in einem Kasseler Internetcafé anwesend war, sich aber nicht als Zeuge meldete.“

    „Zeitweise“ ist hier aber eine sehr euphemistische Umschreibung, da T. ja bis zum Schluss der Ermittlungen der Hauptverdächtige der Kasseler Mordkommission war, also solange, bis Bouffier der Kasseler Polizei in der Ermittlungen gepfuscht hat. Ab dem Zeitpunkt gab es dann ja keine politische unabhängigen Ermittlungen mehr, deshalb sollte mn sie auch nicht mehr so bezeichnen. Und von den zahlreichen Verdachtsmomenten und Indizien gegen T. wurden bis heute ja keine ausgeräumt. Mit der Aussage, dass T.s Aussagen „plausibel, glaubhaft und nachvollziehbar seien“, macht sich Richter Götzl wirklich lächerlich. Ich denke der im Artikel zitierte BR Reporter Arnowski hat hier komplett recht, Götzl wird der Anklageschrift der GBA, egal wie wenig überzeugend sie ist – die meisten, die sich mit dem NSU-Komplex näher beschäftigt haben, halten sie ja bereits für widerlegt, bis auf kleinste Komma folgen…