‹ Alle Einträge

Kein gutes Zeichen für Zschäpe – Das Medienlog vom Donnerstag, 1. Dezember 2016

 

Erneut hat sich das Gericht am Mittwoch mit dem Verdacht beschäftigt, Beate Zschäpe könnte im Jahr 2000 eine Berliner Synagoge ausgespäht haben. Grundlage ist die Aussage eines Wachpolizisten, der Zschäpe damals gesehen haben will. Er war zum zweiten Mal als Zeuge geladen. Die Befragung war jedoch Nebensache: Hauptsächlich las Richter Manfred Götzl dem Pensionär Sätze aus seiner damaligen Aussage vor. „Es ist kein gutes Zeichen für Beate Zschäpe“, beobachtet Wiebke Ramm von der Süddeutschen Zeitung. Denn damit habe der Strafsenat gezeigt, dass er die Aussage des früheren Beamten als wichtiges Indiz für den Vorwurf der Mittäterschaft bei den NSU-Verbrechen einstuft. Sie sei „offenbar von großer Bedeutung“.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Zschäpes Altanwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm versuchten, die Verlesung des Aussageprotokolls von 2000 zu verhindern. Vergeblich. „Das Gericht nutzt auffallend viele juristische Wege, um die Angaben des Wachmanns womöglich in einem Urteil gegen Zschäpe verwenden zu können“, meint Autorin Ramm. Der Polizist war sich damals sicher, Zschäpe erkannt zu haben. Bei seiner ersten Aussage hatte er allerdings teils widersprüchliche Angaben gemacht.

„Wenn Zschäpe am Ausspähen von möglichen Anschlagszielen beteiligt war, würde sie das im Prozess zusätzlich belasten“, schreibt Tim Aßmann vom Bayerischen Rundfunk. Er weist jedoch darauf hin, dass sich eine Beteiligung Zschäpes durch die Aussage des früheren Polizisten nicht zweifelsfrei habe nachweisen lassen.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 2. Dezember 2016.

20 Kommentare

  1.   F.Mooor

    So langsam erreicht wirklich jeder Strohhalm „größte Bedeutung“, wie es scheint, um doch noch etwas zusammenzuklauben…

  2.   Zeit der Lüge

    Was ist denn das für ein Schmarren? Vor 16 Jahren kurz gesehen und sofort wiedererkannt. Aber nicht fotografiert, weil sie unverdächtig war.

    Dieses Gericht greift nach jedem Strohhalm, um das schon anderseitig festgelegte Urteil begründen zu können.

  3.   makke14

    So ist das in Prozessen mit unkooperativen Angeklagten, da geht es halt auch darum, moeglichst viele Indizien zu untersuchen.
    Am Ende formt sich aus vielen Puzzleteilchen dann fuer das Gericht ein Bild.

  4.   Jack Holmes

    ,,Was ist denn das für ein Schmarren? Vor 16 Jahren kurz gesehen und sofort wiedererkannt.“

    Schwacher Versuch, den Inhalt der Aussage zu verfälschen: der Polizist gab bereits damals an, Zschäpe gesehen zu haben.

  5.   Ach-ja

    Die Öffentlichkeit ist im Bezug auf den Prozess so sehr abgestumpft, das praktisch jeder Beschuldigung bedenkenlos vorgetragen werden kann – es wird alles geglaubt. Neulich waren wir kurz davor, in einem der Uwes einen Kindermörder zu sehen. Die Nazis machen ja so ziemlich alles.

    Ich wüßte jetzt von keinem Anschlag auf Juden durch den NSU. Trotzdem, könnte ja sein. Genauso könnte es ja sein, dass ein Wachmann sich nach Jahren so etwas von genau an das Gesicht erinnert. Ausserdem weiß er, dass die gesehene Frau ein Obejekt „ausspioniert“ hat. Das sieht man ja, oder?

    Packt das mal alles in die Anklage und Verurteilt sie dann.

    Ach ne, verurteilt ist sie ja schon.
    Vorverurteilt.

  6.   reniarr

    Die Aussage des Wachmannes ist juristisch kaum noch verwendbar. Dazu ist die Beobachtung bereits zu lange her und das Gesicht von Frau Zschäpe durch die Medien inzwischen zu bekannt.
    Der Wachmann mag wirklich eine Frau beobachtet haben die sich verdächtig benommen hat und er mag sie als die ersten Bilder vom NSU-Trio veröfffentlicht wurden sogar richtig identifiziert haben. Genausogut kann dieses aber eben auch Wunschdenken sein und in den Jahren seitdem ist es für den Wachmann zur unumstößlichen Wahrheit geworden.
    Als Beweis bleiben da begründete Zweifel.

  7.   Back to Basics

    Ich finde das Erinnerungsvermögen vieler Leute fantastisch. Das will jemand ganz genau wissen (Woher eigentlich? Wurden Personalien genommen?), wen er vor 16 Jahren flüchtig gesehen hat.

  8.   FreundHein

    Daß Zeugenaussagen nur zweifelhaften Beweiswert haben, ist doch nun wirklich eine Binsenweisheit.

    Es wäre auch schön, wenn man genaueres dazu erführe, was der Wachmann eigentlich gesehen haben will und wann er es gemeldet hat. So bekannt wie heute waren die NSU-Mitglieder damals doch wohl noch nicht.
    Gibt es wenigstens einen Beleg, daß die Terroristen zu der Zeit in Berlin waren?

    Außerdem wäre doch für den Vorwurf der Ausspähung der Synagoge nicht unwichtig, ob danach tatsächlich ein Anschlag stattgefunden hat, oder ob man unter den NSU-Unterlagen Hinweise auf die Planung eines Attentats auf diese oder zumindest irgendeine Synagoge gefunden hat.

    Ansonsten bliebe nicht viel mehr als ein vom Wachmann beobachteter Spaziergang vor der Synagoge von ein paar Menschen, die möglicherweise Zschäpe etc. ähnelten.

  9.   karl 95ste

    soll
    will
    offenbar
    so ein Beobachter.

  10.   Khun Boo

    Wird eigentlich noch die Hundeflüsterin als Zeugin aufgeboten, die beim gemeinsamen Einsitzen mit Frau Zschäpe gesehen haben will, daß jene im Knast die „Kommandeuse gibt“ und in uniformähnlicher Kleidung Befehle über den Gefängnishof bellt?

    http://www.zeit.de/2016/21/beate-zschaepe-profil-inhaftierte-muenchen-stadelheim-nsu-prozess

    Damit können wir doch den Sack zumachen, und anschließende Sicherungsverwahrung ist da auch noch mit drin.