Blog der ZEIT ONLINE Sportredaktion

Autoren Archiv von Oliver Fritsch

Olympia-Splitter: Das Sotschi-Geschäft

Von 17. Februar 2014 um 19:39 Uhr

Eine Woche vor den Olympischen Spielen gab Thomas de Maizière der Süddeutschen Zeitung ein völlig nichtssagendes Interview. Egal, worauf das Thema kam, ob Menschenrechte, Sportförderung oder Sportpolitik – der deutsche Innenminister wich aus, als wäre er Sprecher von Radio Eriwan.

Am Wochenende haben wir einen anderen de Maizière erlebt. Beim Besuch im Deutschen Haus in Sotschi kritisierte er die lange Haftstrafe für den russischen Olympiakritiker Jewgenij Witischko, stellte die Steuerzahlungen an den deutschen Sport in Frage und verglich die Stimmung an Sotschis Wettkampfstätten mit denen in Vancouver und London – zu Ungunsten Sotschis.

Seine unerwartet deutlichen Worte fasste er in einem Gruß an den Gastgeber zusammen. Wer sich um Olympische Spiele bewerbe und sie dann bekomme, hat de Maizière auch gesagt, müsse Kritik aushalten. „Wer das nicht möchte, soll sich nicht bewerben.“

De Maizière sagte auch: „Ich habe über die Probleme in Russland auf den Sportseiten der Zeitungen in der letzten Zeit mehr gelesen als in den Wirtschaftsteilen.“ Heißt: An die deutsche Wirtschaft könnten wegen ihres Handels mit Russland auch ein paar Fragen gestellt werden, nicht nur den Sportorganisationen.

Deutsche Unternehmen haben gut verdient an Sotschi. Ein paar Fakten: Mehr als siebzig haben Aufträge im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen erhalten, zählt der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer geht sogar von über hundert aus. Das Auftragsvolumen beträgt Schätzungen zufolge gesamt 1,5 Milliarden Euro.

Den Großteil hat Siemens abbekommen, nämlich 800 Millionen Euro. Rund vierzig Züge hat Siemens größtenteils per Schiff nach Sotschi transportiert. Volkswagen hat die offiziellen Olympiafahrzeuge hergestellt. Auch bei der Bob- und Rodelbahn, dem Eislaufstadion und der Sprungschanze waren deutsche Ingenieure beteiligt. Der Hafen in Sotschi und der Flughafen in Adler wurden von Deutschen mit- oder ausgebaut. Deutsche Hersteller verkauften Sportgeräte und Kleidung, Zelte und riesige Waschmaschinen für die Hotelgäste. Das Dach des Olympiastadions, das flexibel auf Lichteinstrahlung reagiert, hat die Bremer Firma Vector Foiltec entworfen.

Eckhard Cordes, der Chef des Ost-Ausschusses, kritisiert das, aber aus einem anderen Grund: „Man sollte das nicht überbewerten. Zuletzt betrug das Handelsvolumen mit Russland insgesamt rund 80 Milliarden Euro im Jahr. Auch das klingt hoch, aber es könnte und sollte noch höher sein. Hier schöpfen beide Seiten ihre Potenziale noch lange nicht aus.“

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Ein Vergleich: Die Wirtschaft des viel kleineren Österreichs verzeichnete durch Sotschi Investitionen von 1,3 Milliarden Euro. Das geht aus einem Bericht des aktuellen Spiegel hervor. Seilbahnen, Schneekanonen, Startnummern – nur ein paar Beispiele für österreichische Wertarbeit.

Das Auftreten der rot-weißen Delegation ist davon geprägt. „Österreichs Skifahrer sind Teil einer Image-Kampagne. Die Medaillen, die sie gewinnen, sollen russische Touristen anlocken“, schreibt der Spiegel. Die Deutschen hingegen zählten nur die Medaillen. Die Österreicher machten damit Werbung, heißt es. Für das Après-Ski wohl

Kein Wunder, dass das Tirol-Haus das Party-Zentrum der Spiele sein soll. Abfahrt-Olympiasieger Matthias Meyer trägt auf einem Bild im Spiegel am Oberkörper nur seine Goldmedaille. „Die meisten deutschen Sportler, Trainer und Funktionäre wären wahrscheinlich lieber woanders hingefahren, die Österreicher fühlen sich in Sotschi pudelwohl.“

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Einen guten Schnitt haben beim Sotschi-Business auch die Freunde Wladimir Putins gemacht. „Die neuen Oligarchen, Putins Freunde, sind durch Sotschi sehr viel reicher geworden“, schreibt Markus Wehner, politischer Korrespondent der FAZ, in der Sonntagsausgabe.

Putin, der schwarzbegürtelte Judoka, ist seit Längerem dabei, die Macht im Weltsport neu zu ordnen. Russland begreife den Sport als Mittel der Außenpolitik, aber auch zur Geldwäsche „im großen Stil“, schreibt Wehner. Hier eine Auswahl aktueller und ehemaliger, vor allem reicher Weggefährten Putins:

  • Vitali Mutko, Russlands Sportminister und Fifa-Exekutivmitglied
  • Wladimir Lissin, Präsident des Europäischen Sportschützen
  • Michail Prochorow, Präsident des Russischen Biathlonverbands und Mehrheitsgesellschafter des NBA-Vereins Brooklyn Nets
  • Alischer Usmanow, Präsident des Weltfechtverbands und Gesellschafter von Arsenal
  • Marius Vizer, Präsident von Sportaccord, der Vereinigung aller Sport-Weltverbände
  • nicht zu vergessen natürlich Gazprom großer Player im Weltsport

Und Sotschi war’s ja noch lange nicht. In Moskau fand im Vorjahr die Leichtathletik-WM (oft vor vielen leeren Rängen) statt. Im nächsten Jahr sehen wir erstmals einen Formel-1-Grand-Prix in Russland, in Sotschi. Der Judo-Weltverband, dessen Ehrenpräsident Putin ist, wird seine Meisterschaft in Tscheljabinsk (Ural) austragen, die Schwimmer im Becken von Kasan. 2016 findet die Eishockey-WM in Moskau und St. Petersburg statt. Höhepunkt ist natürlich die Fußball-WM 2018, die mit rund 35 Milliarden Euro veranschlagt wird (zuzüglich der gesetzlichen Korruptionsmarge).

„Wer loyal ist, darf sich bereichern. Darauf beruht ein großer Teil des Putinschen Systems“, fügt Reinhard Veser an, ebenso wie wir westdeutscher Schreibsöldner des Kapitals Politikjournalist der FAZ. Im Chat mit seinen Usern schreibt er:

“Natürlich hat niemand etwas dagegen einzuwenden, wenn die deutsche Wirtschaft bei einem Ereignis wie Olympia gutes Geld verdient. Die hohen Kosten in Sotschi sind aber aus mehreren Gründen kritikwürdig: Zum einen sprechen viele Indizien dafür, dass ein wesentlicher Kostenfaktor Korruption war. Manches, wie die Skischanze ist teurer geworden, weil beim Bau nicht auf örtliche Gegebenheiten geachtet wurde: Die Schanze ist während des Baus zweimal ins Rutschen geraten – davor, dass das auf diesem Hang passieren würde, hatten die Einheimischen von Anfang an gewarnt. Und schließlich ist sehr fragwürdig, ob es tatsächlich eine vernünftige Weiterverwendung vieler der olympischen Objekte gibt. Es ist leider wahrscheinlich, dass man in Sotschi in ein paar Jahren Investitionsruinen besichtigen kann.”

Und an anderer Stelle:

“In Sotschi wurde ein gigantomanisches Prestigeprojekt ohne Rücksicht auf Menschen, Umwelt und Kosten durchgesetzt. Unter Missachtung örtlicher Gegebenheiten wurde in die Landschaft gestellt, was bei der Führung in Moskau Gefallen gefunden hatte. Was die russische Regierung unter Beihilfe des IOC in Sotschi angerichtet hat, darf nicht den Sportlern angelastet werden, die sich lange auf Olympia vorbereitet haben.”

So ist es. Der Respekt vor sportlichen Höchstleistungen bleibt unbenommen:

Kategorien: Olympische Spiele

Olympia-Splitter VI: Deutschland, Deine Schlitten

Von 14. Februar 2014 um 17:31 Uhr

Gegen die Dominanz der deutschen Rodler und Rodlerinnen ist selbst der FC Bayern ein schlagbarer Gegner. Die Sieger von Sotschi heißen: Felix Loch, Natalie Geisenberger, Tobias Wendl und Tobias Arlt im Doppelsitzer. Diese vier gewannen auch im Team, in diesem Jahr erstmals olympisch. Vier Rennen, vier Mal Gold für Deutschland. Für andere blieb nichts übrig.

Das ist nichts Neues. Eine statistische Auswahl, seit Rodeln olympisch ist (1964): Rund drei von vier Wettbewerben, inklusive Sotschi, gewannen Athleten und Athletinnen aus der DDR und der BRD (32 von 43). Bei den Frauen gingen 31 von 42 Medaillen an Deutsche. Rund drei von fünf Medaillen insgesamt (75 von 129) gingen an deutsche Frauen und Männer.

1964, 1972 und 1976 standen ausschließlich deutsche Männer auf dem Podest. Das letzte Mal, das keine deutsche Frau Gold gewann, ist 20 Jahre her, auch wenn man es an ihrem Namen nicht erkennt: Gerda Weißensteiner aus Italien. Bei fast der Hälfte der Spiele, zu denen Rodeln olympisch war (1972, 1976, 1984, 1988, 2002 und 2006), sah man auf den Siegerehrungen der Frauen nur schwarz-rot-goldene Fahnen.

1988 gab es sogar im Doppel, eine reine Männerdisziplin, deutsches Gold, Silber und Bronze. In zehn aufeinanderfolgenden Doppelwettbewerben von 1968 bis 2002 gab es nur ein Mal (1994) kein deutsches Gold. 2006 und 2010 gewannen allerdings die Österreicher Andreas und Wolfgang Linger das Doppelrennen, in Sotschi wurden sie Zweite.

Österreich ist eins der wenigen halbwegs konkurrenzfähigen Länder im Rodeln. Überhaupt haben nur noch Italien (also Südtirol) und die UdSSR (1 Mal Gold 1980) jemals einen olympischen Rodelwettbewerb gewonnen. Es gibt also nur vier Siegernationen. Und noch zwei andere, USA und Lettland, die es mal aufs Treppchen geschafft haben.

Wie kommt das? Liegt uns Deutschen das Rodeln im Blut? Kommt das vom vielen Schlittenfahren? Liegts am Rodelabitur? Sind wir ein Volk der Rutscher und Lenker? Eher nein, Rodeln ist weniger eine Frage des Talentpools, sondern eine der Investition. Für diesen Sport braucht man Geld. Die technische Entwicklung der Schlitten und Kufen ist teuer. Bahnen bauen und warten kostet, Deutschland leistet sich gleich vier: Königssee/Berchtesgaden (Bayern), Oberhof (Thüringen), Winterberg (Nordrhein-Westfalen) und Altenberg (Sachsen). Auf der ganzen Welt gibt es nur 17. USA, Kanada und Russland haben gerade halb so viele wie Deutschland. Wenn sie nicht Gastgeber von Winterspielen gewesen wären, hätten sie vermutlich nur eine.

Auch die Athleten sind vom Staat bezahlt. Loch, Arlt und Geisenberger sind bei der Polizei, Wendl bei der Bundeswehr. Ein Staatssport also, eine „medaillenintensive Sportart“, wie es im Slang der DDR hieß. Deutschland führt nun den Medaillenspiegel an – erkauftes Gold sozusagen.

Das alles ist Rodeln. Was Rodeln allerdings nicht ist: Breitensport. Beim Deutschen Bob- und Schlittenverband gibt es insgesamt 201 aktive Kader-Athletinnen und -Athleten – und da sind die Bob- und Skeletonfahrer mitgerechnet. Da stellt sich schon mal, wie auch in manch anderer olympischen Disziplin, die Sinnfrage nach der Investition. Gehört Rodeln zur Alltagskultur, werden deutsche Kinder jetzt mit dem Nischensport Rennrodeln beginnen?

 

Ja, Rodler und andere Sportler verdienen zu wenig Geld und bekommen zu wenig Aufmerksamkeit – im Vergleich mit den verwöhnten Fußballern. Aber man darf angesichts der Zahl der aktiven Rodler schon mal die Konkurrenzsituation eines Bundesliga-Fußballers dagegenhalten. Der musste sich unter Millionen durchsetzen.

Offenbar geht es den deutschen Rodlern zu gut. Denn im Team gab es einen heftigen Streit. Die Gewinnerin der Silbermedaille, Tatjana Hüfner aus Oberhof, sagte nach dem Rennen: „Denen, die nicht in Berchtesgaden sind, wurde das Leben schwer gemacht.“ Ihr Vorwurf: Der Verband bevorzuge den bayerischen Standort. Diesmal ging alles deutsche Gold nach Bayern. Vor acht Jahren war noch Thüringen die führende Kraft. Hüfners Trainer André Florschütz war im vorigen Herbst suspendiert worden. Das habe ihre Chance auf den Sieg genommen, sagte Hüfner. Die stärkste Konkurrenz haben die Deutschen im eigenen Land.

 

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Fundstücke: In der New York Times finden wir eine schöne Animation von Sporthelmen. Mashable spießt das Fake Ad von Audi mit den – inzwischen – vier Olympischen Ringen auf. Und die Russland-Basher vom öffentlich-westlichen Systemfunk NDR lassen Putin Pharrell Williams und Daft Punk singen und legen ihm Folgendes in den Mund: „Ich mach mich tierisch gern nackig.“

Und noch ein Gruß vom Biathlon-Olympiasieger:

Kategorien: Olympische Spiele

Olympia-Splitter V: Heiner Lauterbach und das Eishockey

Von 13. Februar 2014 um 09:07 Uhr

Am Mittwoch begann das Eishockey-Turnier der Männer. Ganz sicher eins der sportlichen Highlights der Spiele. Ich bin zu einer Zeit groß und Sportfan geworden, da war Eishockey hinter dem ewigen Fußball noch TV-Sportart Nummer zwei. Auf die fast jährlichen Weltmeisterschaften und die Olympische Turniere freute ich mich schon Monate zuvor. Kein Zufall, dass in Männer, dem Kinoerfolg Doris Dörries aus dem Jahr 1985, unsere beiden Charakterdarsteller Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach in ihrer WG Eishockey schauen (ich glaube, es kommentiert Günter-Peter Ploog: “Das Powerplay, das beherrschen die Deutschen bei diesem Turnier noch nicht.”):

Didi Hegen, Gerd Truntschka, Erich Kühnhackl, Udo Kießling, Xaver Unsinn – das sind Namen, die waren damals fast so bedeutend wie Schumacher, Rummenigge und Völler. Verehrt haben wir natürlich auch Tretjak und die anbetungswürdigen Makarow, Larionow und Fetisow, das Eishockeykollektiv der Trainerlegende Tichonow. Die UdSSR gewann in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die meisten großen Turniere. Von 1964 bis 1992 gab es bei Olympia nur eine Ausnahme in der Goldfrage: den Sensationserfolg der US-Boys 1980 in Lake Placid, das verfilmte Miracle on Ice.

Doch mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion schwand die Macht der “Sbornaja”. Bei Olympia gab’s seitdem kein Gold mehr. Das soll sich in Sotschi ändern, etwa mit dem NHL-Star Owetschkin, heute steigen die Russen ins Turnier ein. Eishockey war immer auch Kalter Krieg auf dem Eis, auch sozialistischer Bruderkampf, etwa das Duell zwischen der UdSSR und der ČSSR ein halbes Jahr nach dem Ende des Prager Frühlings. Vielleicht erklärt der historische Epochenwandel 1989/91 den Bedeutungsverlust des Eishockeys zum Teil. Natürlich ist eine weitere Ursache, dass die deutsche Bundesliga im Pay-TV verschwand.

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“Ein Zyniker ist ein Mensch, der von jedem Ding den Preis und von keinem den Wert kennt.” Das ist ein Zitat von Oscar Wilde. Es beschreibt die Haltung der meisten Sportsponsoren ganz gut.

Eine Ausnahme ist der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T, Partner des Olympischen Komitees der USA. Er kritisierte Putins Homosexuellengesetz als “verletzend”. Die Süddeutsche Zeitung hat sich unter den deutschen Olympia-Sponsoren umgehört, wie sie über die Lage in Sotschi denken.

Ergebnis: Die einen äußern sich gar nicht oder weichen aus. Die anderen reagieren immerhin, allerdings mit vorgefertigten Textbausteinen, die ihnen offenbar der DOSB als Vorlage geschrieben hat. Krisen-PR per Copy & Paste, so geht’s zu im Sport.

Eine Ausnahme ist das Reiseunternehmen Dertour, es bezeichnet die Diskriminierung russischer Homosexueller als “erschreckend und mehr als heikel”. Von Adidas hingegen vernimmt man nur Worthülsen, etwa dass Sport ein Menschenrecht sei. Dazu muss man wissen: Bei Adidas regt sich ethisch nur etwas, wenn Götze Nike-Strümpfe trägt.

Man könnte es auch andersherum auslegen. Die Herzogenauracher stehen zu ihrer Unternehmenstradition. Adidas hat nämlich große Verdienste in der Entwicklung der Sportkorruption, der Gründer Horst Dassler hat ein Bestechungssystem im globalen Sport aufgebaut, das bis ins 21. Jahrhundert nachwirkt. Und er war bis zu seinem frühen Tod 1987 ein großer Förderer eines gewissen Herrn Blatter.

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Zum Abschluss das aktuelle Dossier über Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. Wir zitieren: “In Russland haben mehrere repressive Gesetze die Medienfreiheit weiter eingeschränkt. Seit 2013 ist es verboten, in den Medien Schimpfwörter zu benutzen, religiöse Werte zu beleidigen oder für ‘nichttraditionelle sexuelle Beziehungen’ zu werben. Immer wieder werden Journalisten unter dubiosen Vorwürfen strafverfolgt. Das Fernsehen ist fast flächendeckend staatlich kontrolliert, und rechtzeitig vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi verlor die unabhängige Nachrichtenagentur Rosbalt ihre Lizenz. Vor allem im Nordkaukasus werden immer wieder Journalisten ermordet; die Täter bleiben generell unbestraft.”

In der Rangliste ist Deutschland um 3 Ränge auf 14 geklettert. Im oberen Teil findet man hauptsächlich die Streber aus Nordeuropa. Die Russen stehen auf 148 von 180, also sogar noch hinter den NSA-Freaks aus den USA.

Kategorien: Olympische Spiele

Olympia-Splitter IV: Skispringerinnen, die Mary Poppins des 21. Jahrhunderts

Von 11. Februar 2014 um 18:34 Uhr

Die Geschichte der Frauenbewegung reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Ihren ersten Höhepunkt erlebte sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Großbritannien und den USA, als die Suffragetten das Wahlrecht erkämpften. Ihr Accessoire war der Regenschirm. Frauen, an die Schirme! Ihre Protestformen waren passiver Widerstand, Hungerstreiks, Störungen von Veranstaltungen und öffentliches Rauchen, was Männer vorbehalten war. Literarisch und musikalisch schön aufgearbeitet ist der Stoff in Mary Poppins:

Zu jener Zeit, 1908, sprang auch die erste Frau von einer Skischanze (ohne Zigarette, soweit man weiß): Gräfin Paula Lamberg aus Kitzbühel, Tochter von Hugo Anton Emil Reichsgraf von Lamberg. “Im langen Rock und tadelloser Haltung” landete sie bei 24 Metern, heißt es in den Chroniken. Das ist deutlich weiter als so mancher Mann heute. Wir haben keine Bewegtbilder, aber wir dürfen uns Frau Gräfin wie Mary Poppins vom Himmel schwebend vorstellen.

Am Dienstag um 18.30 Uhr (live in der ARD) können wir in Sotschi die Mary Poppins des 21. Jahrhunderts beobachten. Zum ersten Mal stören springen Frauen bei Olympia und zwar deutlich weiter. Den Rekord hält Daniela Iraschko-Stolz mit 200 Metern, wie die Gräfin aus Österreich.

Das wurde aber auch Zeit für die Olympia-Reife, und sie sollte selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Alexander Arefjew, der Trainer der russischen Männer, sagte jüngst: “Ich bin gegen Frauen-Skispringen. Skispringen ist schwierig und traumatisch. Wenn sich ein Mann verletzt, ist es nicht schlimm. Wenn sich eine Frau verletzt, kann es böse enden.” (Wobei man sich fragen kann, ob das nicht nur frauen-, sondern auch männerfeindlich ist. “Wenn sich ein Mann verletzt, ist es nicht schlimm.” Hallooo!)

Wer die New York Times anklickt, kann sich diesen Sport multimedial erklären lassen. Wer die Neue Zürcher Zeitung liest, weiß, dass damit nur noch zwei olympische Disziplinen Männern vorbehalten bleiben: das 50-Kilometer-Gehen im Sommer und die Nordische Kombination im Winter. Demgegenüber stehen Synchronschwimmen und die Rhythmische Sportgymnastik, zwei reine Frauensportarten. Hoffen wir, dass sich das bald ändern wird. Es wird Zeit, den Spieß umzukehren. Männer, an die Reifen!

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Dutzende Schneemaschinen rattern über die Pisten Sotschis. LKWs schaffen neuen alten Schnee heran. Den hatte man vorsorglich im letzten Winter aufgehoben und in riesigen Lagerhallen untergebracht. Eine weise Entscheidung, wie sich jetzt zeigt. Denn bei den wärmsten Winterspielen aller Zeiten macht sich der weiße Niederschlag rar.

Auf über 15 Grad Celsius stieg das Thermometer am Montag. Das ist auch für eine der südlichsten Städte Russlands ein Rekord. Normal sind dort im Februar Temperaturen zwischen 3 und 10°C. Diesmal ist alles anders.

Frühling liegt in der Luft. Statt dicken Pullovern, Mützen und Schals hätten die Athleten mal lieber Badesachen einpacken sollen. Die japanischen Eishockey-Frauen haben immerhin kurze Hosen dabei.

Dazu passt ein herrlicher Fund der ARD in ihrem Archiv: ein Porträt von Sotschi aus dem Jahr 1966, der Sommerresidenz Stalins, der “Amüsieroase erholungsbedürftiger Stakhanovisten”. Der Schlafanzug sei aus der Mode gekommen auf der Promenade, erfahren wir über die damalige Verwestlichung, soll man sagen: Nizzaisierung, Sotschis. “Und die puritanische Heilbäderstille der Stalinzeit hat der Donnerhall der heißen Rhythmen aus dem Repertoire des Klassenfeinds zerrissen.”

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Bei dem Wetter ein kühles Bierchen am Strand trinken, das wär doch was. Und natürlich ist in Sotschi für alles gesorgt: Ein Kühlschrank voller Freibier steht bereit. Um ihn zu öffnen, braucht man lediglich kanadische Freunde. Denn nur mit einem kanadischen Pass lässt sich der Kühlschrank öffnen.

Abgefüllt werden sollen die kanadischen Sportler auf diese Weise aber nicht. Kanadas größtes Brauunternehmen Molson will mit der Aktion nur auf sich aufmerksam machen. Interessenten gibt es im olympischen Dorf bestimmt genug.

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Zum Abschluss die tägliche Dosis Politik: “In russischen Medien wird Putins Elan für die Olympischen Spiele bereits mit jenem des Zaren Peter des Großen verglichen, der im 18. Jahrhundert ein Sumpfgebiet an der Ostsee trockenlegte”, schreibt die NZZ über Wladimir, den Superzar. Und wer mehr über die politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sportpolitischen Hintergründe der Sotschi-Spiele und vor allem über Putin wissen will, nehme sich eine halbe Stunde Zeit für eine Folge Jung & Naiv, der Sendung für “Politik für Desinteressierte”, wie es in der Selbstbeschreibung heißt. Zu Gast: Jens Weinreich. Stehen zwei äußerlich ähnliche Typen vor der Kamera, finde ich.

Mitarbeit: Juliane Dräger

Kategorien: Olympische Spiele

Olympia-Splitter II: Sportler und die Menschenrechte

Von 9. Februar 2014 um 17:49 Uhr

Claudia Pechstein legte sich nach dem Zieleinlauf erschöpft auf eine Bank. Sie war ihr 3000-Meter-Rennen zu schnell angegangen. Ungewöhnlich für die erfahrene Athletin. So verpasste die fast 42-Jährige um einen Platz die Medaillenränge. Pechsteins Auftritt in Sotschi erreicht viel Aufmerksamkeit, ist sie doch die erfolgreichste Wintersportlerin der deutschen Olympia-Geschichte.

Weil das ZDF am Sonntag übertrug, sah man Pechstein im Fernsehen beim Interview. Den Kollegen von der ARD gibt sie selten bis gar keine Interviews. Die waren zu kritisch. Pechstein ist vor gut vier Jahren wahrscheinlich zu Unrecht wegen Dopings gesperrt worden. Doch ob sie wirklich immer sauber war, daran darf man zweifeln.

Es gewann die Holländerin Ireen Wüst, die Favoritin. Ein besonderes Detail: Sie ist bisexuell. Das ist ja eigentlich egal, aber natürlich auch nicht. Bei diesen Spielen (und nicht nur bei diesen) ist das auch ein politisches, ein juristisches Thema. Natürlich nicht bei unseren Nachbarn, die Niederlande gelten als eins der liberalsten Länder in Bezug auf die Rechte von Homosexuellen und deren Gleichstellung. Aber im Putinland sei dieser Hinweis gestattet.

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Wenn es eine Königsdisziplin bei den Winterspielen gibt, dann ist es das Abfahrtsrennen im Ski Alpin – sowas wie das 100-Meter-Rennen des Winters. Am Sonntag waren die Männer dran. Es gewann: ein Österreicher. Das klingt nicht überraschend, ist es aber. Matthias Mayer hatte vorher nicht zu den Favoriten gezählt, im Weltcup hat er es bislang nur zwei Mal aufs Podest geschafft, jeweils Rang 2 im Super-G, nie in der Abfahrt. In Rosa Chutor, dem Potemkischen Dorf, wohin Putin zum Skifahren bestellt, war der Kärntner aber als Erster unten (also im übertragenen Sinn, denn die fahren ja nicht gleichzeitig runter). Andere Begriffe für Rosa Chutor: Disneyland, Lindenstraße.

© Facebook

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Man hatte eher mit dem Norweger Aksel Lund Svindal und dem Amerikaner Bode Miller gerechnet. Doch die blieben ohne Medaillen. Für den Pistenteufel Miller, den vermutlich bekanntesten aktiven Skifahrer der Welt, werden es wahrscheinlich seine letzten Spiele sein.

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Einen lesenswerten Beitrag entnehmen wir dem Blog von Jens Weinreich, dem Sportjournalisten des Jahres 2013. Er befasst sich mit der Frage, ob sich Sportler politisch äußern sollen. „Das sind natürlich keine jungfräulichen Themen und Fragen, sondern Dauerbrenner. Derlei Fragen werden diskutiert, seit es Olympische Spiele gibt“, schreibt Weinreich und referiert wichtige Beispiele. Die bekanntesten sind Cathy Freeman, die Aborigine und Goldmedaillengewinnerin über 400 Meter von Sydney 2000, und Tommie Smith, der nach seinem Olympiasieg in Mexiko Stadt 1968 gemeinsam mit John Carlos die schwarzbehandschuhte Faust streckte. Das Symbol der antirassistischen Black-Power-Bewegung.

Ein aktuelleres Beispiel: Der amerikanische Mittelstreckenläufer Nick Symmonds widmete während der Leichtathletik-WM in Moskau 2013 seine Silbermedaille seinen lesbischen und schwulen Freunden. Weinreich zitiert Symmonds, der sagte, er sei „keine seelenlose Maschine, die nur Training und Medaillenziele im Kopf habe“.

Ich habe über die deutsche Fahnenträgerin Maria Höfl-Riesch geschrieben, dass man von ihr wohl keine „politische“ Äußerung hören wird. Ich kann mich Weinreich nur anschließen. Ich verlange gar nicht, dass sich Sportler äußern, und kritisiere auch nicht, wenn sie es nicht tun. Schön fände ich es freilich, wenn sich Sportler mündig geben. Erst recht, wenn sie das dritte Lebensjahrzehnt fast vollendet haben und erst recht, wenn sie die deutsche Fahne tragen. Bei Weinreich heißt es: „Man muss kein Held sein, um für Menschenrechte einzustehen. Nur Mensch. Das gilt auch für Sportler.“

Das Zitat war mir noch im Kopf, als Gerhard Schröder gestern im Beisein des IOC-Präsidenten Thomas Bach im Fernsehen sagte, man solle politischen Konflikte nicht auf dem Rücken von Sportlern austragen. Nichts verstanden, kann ich dazu nur sagen. Wenn jemand etwas auf dem Rücken von Sportlern austrägt, dann das IOC. Traurig, welches Bild der Putin-Buddy Schröder abgibt. Hätte ich 98 doch nur Kohl gewählt.

Siehe dazu auch: „Es gibt niemanden, der seine rigorosen Kommerzinteressen rücksichtsloser auf dem Rücken der Athleten austrägt, als das IOC“, sagt Thomas Kistner, Sportpolitikexperte der SZ, dem Deutschlandfunk.

Ein paar Leseempfehlungen

    Im Economist der Vorwoche finden wir zwei gute Recherchen über die politische Bedeutung Sotschis für Putin und die wirtschafltichen Nachteile, die die Autokratie Putins für Russland nach sich zieht. Wussten Sie, dass sich Putin (angeblich) Juri Andropow, das sowjetische Staatsoberhaupt von 1983 bis 1984, zum Vorbild genommen hat?

    Auf der Website von Play the Game, einer Art Sportpolitik-NGO aus Dänemark, berechnet der holländische Sporthistoriker Jurryt van de Vooren die Kosten der Spiele 2014. Danach sei das Budget von Sotschi höher als alle Winterspiele von 1924 (Premiere in Chamonix) bis 2010 zusammen. An gleicher Stelle fordert der Leiter von Play the Game, Jens Sejer Andersen, die Olympischen Spiele wieder kleiner und handlicher zu machen.

    Auf der amerikansichen Nachrichtenseite dailybeast vergleicht der ehemalige Schachweltmeister und politische Oppositionelle Garry Kasparov die Spiele von 2014 mit denen von 1936: Titel: “Die Liebesgeschichte zwischen Diktatoren und Olympischen Spielen“. Hitler-Vergleiche sind gemäß Godwins Gesetz unausweichlich. Deswegen sind sie aber noch nicht immer falsch. Und, bevor jetzt die geschätzten Kremltrolle wieder aktiv werden: Vergleichen ist etwas anderes als Gleichsetzen. Vergleichen heißt mitunter: Unterscheiden.

    In St. Petersburg, erfahren wir von Human Rights Watch, wurde während der Eröffnungsfeier die russische Menschenrechtlerin Anastasia Smirnova festgenommen. Sie wollte ein olympiakritisches Banner fotografieren. Kurz später ereilte zehn homosexuelle Aktivistinnen und Aktivisten das gleiche Schicksal. Sie hielten eine Regenbogenflagge hoch und sangen am Roten Platz in Moskau die russische Nationalhymne.

Kategorien: Olympische Spiele

Bayern folgt Dortmund nach Wembley

Von 1. Mai 2013 um 23:40 Uhr

Da dachte man, die Bayern hätten im Hinspiel eine Ausnahmeleistung vollbracht. Doch die wahre Demütigung verpassten sie Barca erst im Rückspiel. 3:0 im Camp Nou (diesmal sogar nur reguläre Tore), 7:0 in der Summe beider Spiele. Bayern gewinnt mit kühler Macht, souverän und selbstbewusst. Der Klub zieht zum dritten Mal in den letzten vier Jahren ins Finale der Champions League ein. Welche Leistung!

Barca ohne Chance trotz großem Engagement. Aber sie schieden mit Stil aus, man darf auch nicht vergessen: Messi und Busquets fehlten, zwei der Weltbesten. Manche sprechen von Wachablösung. Aber dieser Verein wird zurückkommen, vielleicht mit einer anderen Mannschaft, vielleicht mit anderem Code, der entschlüsselt scheint. Alle schönen Dinge enden irgendwann.

Seit zwölf Jahren gewann kein Bundesligist mehr einen internationalen Titel, das wird sich in gut drei Wochen ändern. Dann treffen sich tatsächlich zwei deutsche Teams im Champions-League-Finale. Ein historischer Tag für den deutschen Fußball. Aus meiner Sicht ist der FC Bayern leicht favorisiert. Aber wer weiß? Schön jedenfalls, dass sowohl Bayern als auch der BVB mit fairen Mitteln, modernem Fußball und deutschen Talenten so weit gekommen sind.

Uli Hoeneß bekommt jetzt nun den leichten Gegner, den er sich vor dem Halbfinale gewünscht hatte. Sein zweites Finale dahoam hatte er ja schon am 20. März am Tegernsee. Und wenn Dortmund gewinnen sollte, will sich Klopp ein Stück Wembley-Rasen transplantieren lassen (beide Gags geklaut von Harald Schmidt).

Endstand 0:3

82′ Fies von den Gastgebern übrigens, Uli Hoeneß in die 1. Reihe zu setzen.

78′ Dumm von Piqué, sich Gelb an der Eckfahne abzuholen. Wäre im Finale gesperrt.

76′ Tor für Bayern 0:3 Müller Mitleid mit Barca? Geschenkt. Bayern fehlen weniger Tore zum zweistelligen Auswärtssieg als Barca zum Weiterkommen. Schiedsrichter, abpfeifen!

75′ Bayernfans singen: “BVB Hurensöhne!” Vergesst mal nicht Brunos VfB!

„We have to enjoy, what this unbelievable team did.“

72′ Tor für Bayern 0:2 Piqué (Eigentor) Bela Rethy: “Barca ist wie eine Rockband, die alle Charts gestürmt hat, und inzwischen ihre alten Hits nicht mehr hören können.”

67′ Schweinsteiger out, Gelbsperre umgangen. Starke Leistung erneut. Er hat sich für diese Saison was vorgenommen, und es scheint, als würde er es bis zum Ende umsetzen. Das Finale könnte sein Spiel werden.

Ich bleibe dabei: Wenn der Gegner das Tempo um ihn herum verdichtet, verliert er mehr an Qualität als andere, da fehlt es ihm an motorischen Voraussetzungen, siehe Rückspiel Juve (1. Hz.). Andererseits ist er ein Leader, der wahnsinnig gerne Fußballer ist. Ihm traue ich auch zwei Tore im Endspiel zu. Wir werden sehen.

65′ Jetzt sind Xavi und Iniesta ausgewechselt.

Kapitulation.

59′ Zeit für eine semantische Debatte: Warum sprechen einige eigentlich vom “deutsch-deutschen Finale”? Man würde ja auch nicht “spanisch-spanisches Endspiel” sagen. Ist das ein historisches Überbleibsel? Die Mauer ist doch weg, ich kann’s bezeugen, hab vorhin rübergemacht, Kreuzberg/Friedrichshain.

49′ Tor für Bayern 0:1 Robben Ein klassischer Robben, starker Pass von Alaba.

Was läuft denn heute auf Arte?

47′ Während ich mir ein Viertel halbtrockenen Riesling einschenke, schnappe ich irgendwas vom 1. FC Köln auf. Bela Rethy hat Gespür für die Situation.

Screenshot von ZEIT ONLINE in der heute-Sendung (Hoeneß, nicht das Live-Blog) in der Pause des CL-Halbfinals. Nettes Branding.

Halbzeit 0:0 Fußball, wir hatten es in den letzten Wochen fast vergessen, kann auch ganz schön langweilig sein. Barca braucht (mindestens) vier Tore, aber derzeit weiß man nicht, wie sie das hinbekommen sollen. Gegen Ende der ersten Halbzeit kamen sie dem Tor ja durchaus näher, auch mal auf untypische Art: lange Bälle, Schüsse, Flanken. Aber die Angriffe entfachen auf die Bayern-Abwehr eine ähnliche Wirkung, als würde man einem Ochsen ins Horn petzen.

Die Bayern souveränst und selbstbwusstest. Sie wollten das Duell in den ersten fünfzehn Minuten entscheiden, hätten dies auch tun können.

Kommt Messi noch?

32′ Gelb für Robben. Dafür hätte Howard Webb, der Schiri von Madrid, nicht mal mit der Wimper gezuckt.

Wer ihn genauer kennenlernen will:

30′ Iniesta spielt in diesem Halbfinale endlich mal so wie er aussieht: blass wie ein Steuerbeamter aus dem Mittleren Dienst (also, das soll jetzt keine Hoeneß-Anspielung sein).

24′ Doch, Vorsicht vor dem klassischen spanischen Stilmittel: dem Verzweiflungsschuss aus 30 Metern.

20′ Barca ohne Chance, Bayern mächtig stark. Das fühlt sich nicht wie ein Champions-League-Halbfinale an. Die Bayernfans singen schon: “Finale!” In Wembley wartet übrigens das Sparmodell aus Dortmund.

transfergelder

spielererfahrung

10′ Ich glaube, die Bayern wollen schnell Ernst machen: sehr frühes, aggressives Pressing. Barca weiß gar nicht, wie ihm geschieht.

Eine Anspielung auf Ronaldo?

5′ Barca mit einem Rückpass-Reenactment des 19. Mai 2001.

HippoTaine schreibt uns: “Ich war grad in der ersten Mai Andacht. Für die Nordlichter: Maria ist die Patrona Bavariae. Da haben wir am Schluss die Bayern-Hymne geschmettert. Was soll also schief gehen?”

4′ Bela Rethy erwähnt die ZEIT und imitiert Ribery: “Isch abe linke Verteidiger gespielt.” Geht gut los.

20:45 Es geht los!

Vorgeplänkel

Ich sags vorher: Ich finde Gelbsperren in K.o.-Systemen idiotisch. Gibt es was ähnlich Kleinkariertes, tugendhaft Überstrenges in anderen Sportarten? Heute könnte es Lahm, Martinez oder Schweinsteiger treffen, auch die Banksitzer Gustavo und Gomez. Ein Mal zu spät im Zweikampf – und man verpasst das Finale. Das kanns doch nicht sein. Im Sport wird so viel getrickst und betrogen – und dann ist man in dieser Hinsicht so kleinlich.

Christian Spiller, unser Mann in Spanien, sammelt für Sie, liebe Leser, einen Strauß Szenen ein:

Also, ich will ja niemandem den Abend verderben, aber ich rechne mit einem frühen Bayern-Tor (dazu muss man ja kein Experte sein, in dieser Saison). Das wäre ein Stimmungskiller. Oder schafft es Barca tatsächlich, wie Real am Dienstag, die Sache noch mal spannend zu machen?

Und Messi nur auf der Bank? Und Busquets nicht mal im Kader. Wollen wir trotzdem schauen?

So spielen die Bayern:

Kein Dante, kein Dante? No Dante, no Dante? Andante, Andante?

Vor vier Jahren verlor der FC Bayern 0:4 in Barcelona. Mark van Bommel sagte nachher: “Wir wollten sie ja treten, aber wir kamen gar nicht ran.” Das Spiel liegt Äonen zurück. Historiker bringen es mit diesem Mann in Verbindung.

Kategorien: Champions League

Kurz dachte Löw, die Kasachen wären Schweden

Von 23. März 2013 um 05:50 Uhr

Fazit Deutschland verlässt die “asiatische Steppenlandschaft” (Rethy) als Sieger. Doch auch das Spiel war eine Öde. Die Kasachen konnten in der ersten Halbzeit nicht ihr gewohntes Flügelpiel aufziehen. In der zweiten erweckten sie plötzlich ein paar Minuten lang den Eindruck, sie wären Schweden. Doch die Deutschen hatten zwar keinen Stürmer, aber einen Torwart und eine Torlatte. Der Rest war klares deutsches Übergewicht. Die falsche 9 – spannendes Thema, aber Antworten lassen sich heute nicht geben. Zwei Höhepunkte: die Parade Neuers und der Assist Wolfgang Amadeus Özils vor dem 3:0. Mehr gibt es nicht zu sagen. Doch: Am Dienstag gibt es die Neuauflage in Nürnberg. Puh!

Großer Sieger des Abends: der Kahn-Ersatz Michael Ballack. Gute Analyse, wieder verstärkt sächselnd, verbindlicher Auftritt, spricht sich für den Stürmer aus, sagt noch 2008-mäßig “Schweini”, souverän im Duett mit Löw. Sollte wiederkommen, aber das ist wohl vergebliche Hoffnung.

“Sie in den Medien wollen immer eitel Sonnenschein.” (Ballack über die Frage nach der Versöhnung mit Löw)

Quizfrage: Welchen Versfuß hat der Blog-Titel?

Endstand 0:3

82′ Khedira und Müller raus. Rein Schürrle und Gündogan.

An Gündogan soll ja Barca dran sein. Hä? Was wollen die denn mit dem?

Wie? Xavi ersetzen? Ach so, ok, das hat natürlich Sinn.

E-Jugend

E-Jugend

Weil einige gefragt haben: Das Teil (siehe links) hat schon einige Sportplätze gesehen, der Mantel der Geschichte sozusagen. Rechts Trainer Fritsch senior. Und dazu auch der Junior im Trikot des Kreismeisters TSV Laufdorf (1981).

Keine Frage, wir standen damals im Licht, wir waren Rock’n'Roller.

74′ Tor für Deutschland Müller 0:3 Eine mozarthafte Vorlage Özils findet Müller zentral im Strafraum.

69′ Denkt hier jemand an Schweden? Innerhalb von drei Minuten ein Lattenkracher der Kasachen und ein Schuss aus kurzer Entfernung, den Neuer sportlich aus dem Winkel holt. Haben sich die Kasachen bislang totgestellt? Die Mine Löws verzieht sich. Und Schweinsteiger weiß, wann man sich die Gelbsperre abholt.

62′ “Die Nacht von Astana”, “Kasachenzipfel” (echte Rethys).

don_king

Ich stand früher mit diesem Stück (links) am Spielfeldrand, Erbstück aus den 60ern, bekam von meinen Spielern den Spitznamen “Don King”. Damit könnt ich aber mal locker Kasachstan trainieren.

Und in Charlottenburg fällt man damit auch nicht auf.

Ich hab das Teil auch in Weiß.

54′ karl-ton fragt in den Kommentaren: “Wo issn der Olli? Ist der auch verletzt oder hat der jetzt Konkurrenz auf seiner Position bekommen und muss jetzt auch auf die Kritik erstmal reagieren?”

Der Mischa vertritt ihn richtig stark. Kahn ist aber auch kein Gegner für Ballack.

52′ Salzletten statt Beine: Thomas Müller.

49′ Ah, es geht weiter. Ich wurde von einem Ächzer Bela Rethys geweckt.

Halbzeit 0:2 Mein Kommentar:

Das spannendste an diesem einseitigen “Spiel” ist: Wird Schweinsteiger das Tor aberkannt, zu Gunsten Müllers, der mit dem Bauch noch dran war? Ich fänd das fast schon respektlos.

42′ Eine Nachricht aus dem internationalen Fußball:

36′ Nutzen wir die Gelegenheit, um auf Neuigkeiten bei der Fifa hinzuweisen. Sepp Blatter hat eine Scheinreform inszeniert. Ok, das ist nicht unbedingt eine Neuigkeit, aber jetzt ist es sozusagen amtlich. Fast alles, was der Chefreformer Mark Pieth gefordert hatte, wurde vom Exekutivkomitee abgelehnt. Ich empfehle die Blogs von:

Und mittendrin Theo Zwanziger, der die ganzen Gaunereien verteidigt. Appeasement.

32′ Kasachstan lässt jetzt mit seinem Pressing ein wenig nach.

27′ Herr Mertesacker beliebt zu scherzen und schickt Lahm mit einem Lupfer in ein Kopfballduell.

20′ + 22′ Tore für Deutschland 0:1 Schweinsteiger, 0:2 Götze Podolski drin und schon läufts.

18′ Hätte Gomez den gemacht? Der falsche 9er Götze verzieht freistehend. Draxler muss leider schon raus, nachdem er mit einem echten kasachischen Schädel Bekanntschaft machte. Aber bis zum Sportstudio-Termin nächste Woche ist er wieder fit.

9′ Konterchance für Kasachstan. Aber Gott sei Dank, es war ein Fürther.

Wer sehen will, was Balotelli gestern fabriziert hat, schaue hier. Ich dachte erst: Wow, der kanns auch mit links. Dann sah ich: ist spiegelverkehrt, damit die Youtube-Zensur nicht greift. Aber immer noch wow.

5′ Die Deutschen haben sichtlich Anpassungsprobleme an den Kunstrasen, eine kasachische Spezialmischung aus Мәңгдай und досынілік.

18:58 Eigentlich eine berechtigte Frage: Was der Kollege aber nicht weiß, der Kasache an sich ist eher eher der mediterrane Typ.

Oh du mein Land, oh du mein Land,
Ich bin die von dir gezogene Blume,
Ich bin das auf deinen Lippen klingende Lied, oh Land!
Meine Heimat ist mein Kasachstan!

Schön.

Vorbemerkung

Eigentore sollte die deutsche Nationalmannschaft heute in Kasachstan nicht nötig haben. Die Kasachen sind Außenseiter, haben noch nichts gerissen, da dürften ein paar Tore den deutschen Stürmern leicht fallen.

Doch halt, ähhh Stürmer, die gibts ja nicht mehr. Joachim Löw hat diese Woche in einem Impulsreferat festgehalten, dass die Zeit der physisch starken Stürmer zu Ende gehe. Er hat ein Herz für die Kleinen. Das war ein Gruß an Mario Gomez. Der ist allerdings ohnehin verletzt, er hat eine Zerrung. Eine Verletzung die, wie Gomez, ein wenig angeblich aus der Mode geraten ist. Heute hat man ja eher Adduktoren.

Das ist die Elf: Neuer – Lahm, Mertesacker, Höwedes, Schmelzer – Khedira, Schweinsteiger – Müller, Özil, Draxler, Götze (gleich zwei Schalker)

Für das Spiel in Astana hat der DFB eine Art Zeittunnel gegraben. Den Zeitunterschied von fünf Stunden will er schlicht ignorieren. So isst die Delegation mitternachts Ortszeit zu Abend, geht um 3 Uhr ins Bett und frühstückt um 12. Oliver Bierhoff hat zudem für alles gesorgt: Damit der Biorhythmus der Nationalspieler nicht durcheinander gerät, hat er die Zimmer verdunkeln lassen, eine künstliche Sonne ist im Einsatz, zudem hat der Service Manager des DFB einen Hahn in zweijähriger Feinarbeit so dressiert, dass er, der Hahn, auf Befehl krähen kann.

Um 24 Uhr Ortszeit ist Anstoß, dem deutschen Fernsehen wird es nicht unrecht sein. Vorher müssen wir Miesepeter natürlich auf die Situation der Menschenrechte in Kasachstan hinweisen. Justizwillkür und Korruption sind wohl weit verbreitet. Apropos, auf das Thema Fifa werden wir im heutigen Live-Blog auch hinweisen. Diskutieren Sie mit!

Kategorien: Nationalmannschaft

“Der Fußball darf nicht mehr elitär sein”

Von 16. April 2013 um 17:49 Uhr
Jerome Champage (Archivbild 2007)

Jerome Champagne (Archivbild 2007) — Gianluigi Guercia/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: In einem Brief an alle 209 Fußballverbände verlangen Sie von der Fifa Entwicklungshilfe. Wie kann man Missbrauch verhindern, wie in der Vergangenheit zu beobachten?

Jerome Champagne: Seit 1998 hat sich die Fifa der Entwicklungshilfe verschrieben. Man denke an die Programme “Goal” und “Win in Africa with Africa”. Ein Erfolg wie der Einzug der Kapverden ins Viertelfinale des Afrika Cups ist der beste Beweis dafür. Das gilt auch für viele andere Länder. Aber wir müssen noch mehr tun, zum Beispiel: mehr Sportplätze bauen, ein Programm entwickeln, wovon kleinere Klubs profitieren, ein System entwickeln, das junge Spieler und lokale Talente fördert. Der Fußball darf nicht mehr elitär sein.

Tatsächlich gab es Missbrauch, das ist angesichts des Umfangs dieser Programme unausweichlich. Es gibt fast 600 Projekte von “Goal”, da ist es unvermeidlich, dass mancher Geldschein nicht für das verwendet wird, wofür er vorgesehen ist. Deswegen muss strenger und öfter kontrolliert werden. Ich habe mit Befriedigung gelesen, dass das Fifa-Exekutivkomitee letztens beschlossen hat, ihre finanzielle Entwicklungshilfe von den Nationalverbänden und Konföderationen verstärkt kontrollieren lassen wird. Das kann aber nur der erste Schritt sein.

Champagne: Fußball ist so wichtig im Leben vieler Menschen, es ist in vielen Ländern eine nationale Angelegenheit. Zwangsläufig fällt er damit in den Aufgabenbereich vieler Politiker. Die Fifa muss sicherstellen, dass die Sportpolitik in den Händen der Nationalverbände bleiben, etwa der Ligabetrieb oder die Entscheidung, ob man sich für eine Weltmeisterschaft bewirbt.

Aber in Europa ist die EU verantwortlich für die gewichtigste politische Einmischung in den Sport. Weil sie Sport als eine wirtschaftliche Tätigkeit wie alle anderen betrachtet, weil sie den nationalen Charakter des Fußballs zugunsten einer künstlichen europäischen Dimension aufgegeben hat und weil sie ihr deregulierendes Primat für den freien Warenverkehr verteidigen wollte, hat die EU dem Fußball ein hyperkapitalistisches Element eingeschrieben: das Bosman Urteil. Es herrscht große Einigkeit darüber, dass es negative Folgen für den Fußball hatte: Elitismus und Konzentration auf wenige wichtige Spieler und Vereine. Jedenfalls haben die Sportverbände Europas eine Intervention akzeptiert, die sie in anderen Zusammenhängen und Regionen vehement abgelehnt hätten.

Man muss sich zudem vor Augen führen, dass in den EU-Staaten die Quote an ausländischen Spielern vier bis fünf Mal so hoch ist wie der Durchschnitt (8 %). In Zypern liegt sie gar bei 80 %.

ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie die Reform der Fifa?

Champagne: Angesichts der vielen Vorwürfe, Gerüchte, offensichtlichen Interessenkonflikte und Kontroversen nach den Vergaben der Weltmeisterschaften an Russland und Katar war dieser Prozess notwendig. Manche Entscheidungen waren sehr wichtig, etwa die Präsenz von Frauen im Exekutivkomitee und die Installation eines unabhängigen Ethikkomitees. Aber die Fifa muss viel weiter gehen, muss mehr Demokratie wagen. Beispielsweise sollte sich das Exekutivkomitee vom Kongress wählen lassen. Und der Präsident braucht die Macht, um die Politik durchzusetzen, für die er sich hat wählen lassen. Ich wünsche mir auch eine aktivere Fifa im Umgang mit Ungleichheiten und -gewichten zwischen Kontinenten, Ländern und Klubs. Derzeit bildet die Fifa noch die Machtstrukturen der Welt ab, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg war. Der Fußball wird immer elitärer, wird zunehmend NBAisiert. Er braucht eine starke Kontrollinstanz, die demokratisch legitimiert ist.

Jerome Champagne war Fifa-Manager und Mitstreiter von Joseph Blatter. Inzwischen gilt er manchen als Kandidat für dessen Nachfolge.

Kategorien: Bundesliga

Holland – Deutschland 0:0

Von 14. November 2012 um 23:26 Uhr

Endstand Holland–Deutschland 0:0 Ein Spiel mit Niveau: Man kann stundenlang darüber philosophieren, welche Halbzeit langweiliger war. Vor einem Jahr schlugen die Deutschen die Holländer 3:0, das war eine Ode an den Fußball (und hat vielleicht die Deutschen zu Träumereien verleitet). Heute hat man gemerkt, dass alle Spieler in Gedanken woanders waren. Testspiel halt. So vorsichtig sah man die Holländer selten, und die Deutschen waren aufgrund der Schwedengeschichte auf Defensive aus. Dat waaren 90 Minoeden Doorststrekk, Voetbal totaal langwijl.

Da hätte ich doch lieber das Buch von Zwanziger gelesen.

cb81 wirft ein: “Übrigens, Schweden führt 4:2 gegen England. Das Spiel hätte man stattdessen übertragen sollen.”
penpirate ergänzt: “Was bleibt zu tun? Die Bandenwerbung müsste dringend angepasst werden: Beruhigungs-, Blasen- und Nierentee, Heizdecken, Angorawickel. Und am Ende des Spiels müsste ein akustischer, aber nicht zuuu schriller Weckton erschallen.”

Hier noch eene andere Qaal:

Das Stenogramm der dpa:

Holland: Vermeer (Ajax Amsterdam/26 Jahre/1 Länderspiel) – van Rhijn (Ajax Amsterdam/21/5 – 46. de Vrij/Feyenoord Rotterdam/20/2), Heitinga (FC Everton/28/85 – 46. Janmaat/Feyenoord Rotterdam/23/3), Vlaar (Aston Villa/27/14), Bruno Martins Indi (Feyenoord Rotterdam/20/6) – Nigel de Jong (AC Mailand/27/67) – Afellay (FC Schalke 04/26/44 – 59. van Ginkel/Vitesse Arnheim/19/1), van der Vaart (Hamburger SV/29/103 – 72. Emanuelson/AC Mailand/26/17) – Schaken (Feyenoord Rotterdam/30/2), Kuyt (Fenerbahce Istanbul/32/92), Robben (Bayern München/28/63 – 46. Elia/Werder Bremen/25/28)

Deutschland: Neuer (Bayern München/26/36) – Höwedes (FC Schalke 04/24/10), Mertesacker (FC Arsenal/28/85), Hummels (Borussia Dortmund/23/23), Lahm (Bayern München/29/95) – Lars Bender (Bayer Leverkusen/23/11 – 82. Sven Bender/Borussia Dortmund/23/3), Gündogan (Borussia Dortmund/22/4) – Müller (Bayern München/23/38 – 87. Schürrle/Bayer Leverkusen/22/20), Holtby (FC Schalke 04/22/3 – 87. Neustädter/FC Schalke 04/24/1), Reus (Borussia Dortmund/23/14 – 90.+2 Draxler/FC Schalke 04/19/3) – Götze (Borussia Dortmund/20/20 – 72. Podolski/FC Arsenal/27/106)
Schiedsrichter: Proença (Portugal)
Zuschauer: 51.000
Gelbe Karten
: – / –
Beste Spieler
Bruno Martins Indi / Höwedes, Gündogan

***

87′ Debüt für Roman Neustädter, noch einen Schalker. Jetzt reichts aber.

84′Müller geht, Schürrle kommt, dem hätte Löw wirklich 2 Minuten mehr geben können. Oder wollte Löw Müller ärgern?

77′ Oopjepaas! Gefährlicher Schuss der Holländer, doch Manuel Neuer lässt seine Elf nicht im Hemde stehen.

 

69′ Übrigens, kein Deutscher aus dem Osten heute auf dem Feld. René Adler hat uns ja ein Kolumneninterview dazu gegeben und seine ostdeutsche Identität betont. (“Meine Muttermilch ist aus dem Osten.”) Ihm war deutlich anzumerken, wie wichtig ihm das Thema ist. Ich hatte damit gerechnet, dass er mehr Widerspruch erhält. Aber der hielt sich in Grenzen. Bloß auf Facebook gab es ein paar Kommentare, die waren aber eher Frotzeleien. Etwa so: “Als Tormann muss man ein Fan der Mauer sein.”

64′ Ein Stürmer würde dem deutschen Spiel vielleicht gut tun. Doch Gomez ist noch verletzt und Klose hat den Snuppen.

55′ Puh, was ein Kick. Ich glaub, ich werd auch gleich krank.

46′ Weiter gehts! Wie hoffe, de tweete Halvzijt weerd niet so langzaam.

Print vs TV:

Aus gegebenem Anlass: der große Ernst Happel in der NDR-Talkshow im Mai 1987, kurz vor seinem Abschied aus Hamburg.

45′ Da war der Keeper schon geschlagen, doch Heitinga klärt Gündogans Schuss auf der Linie. Pause. Eine Halbzeit ohne Aufreger. Ich geh mal zum Tagesspiegel-Buffet.

Hier ein paar Takte Musik:

41′ Die DFB-Elf spielt ja heute ohne Neun. Die Herbstgrippe, Sie wissen schon. Schlimme Sache. Hatschi! Hat denn Löw ein Attest gefordert? “Das letzte Mal, dass sich neun Deutsche geweigert haben, aufs Spielfeld zu gehen, war die zweite Halbzeit gegen Schweden.” (Harald Schmidt)

39′ De Reus kerkt et Ballje en ze Posten.

36′ Ein Augenzeuge berichtet: “Das Blasorchester, das offizielle für die Hymne, war hier. Das lassen sie jetzt leider nicht mehr spielen. Und im Fanblock haben sie hier wie drüben von Tuten und Blasen keine …”

Was ist denn Tuten?

30′ Arjen van Stolperen – Chance vertan. Wat e draama!

26′ Wat e scheen Passje von Gündogan op Höwedes!

20′ Erster Torschuss Oranje. Das Spiel hat ein sehr moderates Temperament. Ganz wohltuend nach den beiden Heißrednern Zwanziger & Roth.

9′ Die deutschen Schlachtenbummler singen das Weltmeister-Lied der Ach so Böhsen Onkelz, das ist eine Art Kreuzung aus den Toten Hosen und Ralph Siegel. Musikalisch geben uns also nur die Holländer Hoffnung. Ist das Blasorchester da?

4′ Spiel läuft, und ich bin jetzt auch da. Theo Zwanziger signiert im Foyer Bücher.

Im Stadion von Amsterdam twittert der Kollegen Steffen Dobbert:

 

Zwischenschub Theo Zwanzigers Buchvorstellung

19:58 Ende Teil 1 der Veranstaltung. Zwanziger ist weiter angriffslustig, verteidigt sich in allen Punkten, ist noch immer leicht reizbar. Inhaltlich wirkt er an einigen Stellen nicht überzeugend, vor allem in Sachen Fifa.

Teil 2 folgt nun: Fußballgucken in großer Runde.

19:50 Publikumsrunde. Erste Wortmeldung: ein weißhaariger Claqeur aus dem Berliner Fußballverband für Theo.

Dann eine gute Frage an Zwanziger, den angeblichen Präsidenten der Amateure: “Warum haben Sie als Präsident zugelassen, dass es sonntags, dem Tag der Amateure, Live-Spiele bei Sky gibt?” Zwanziger antwortet, ohne etwas zu sagen.

Zwanziger erzählt, dass er sich mit einer Protestgruppe (gegen die Sonntagsspiele der Bundesliga) der Amateure im Jahr 2009 getroffen habe, um sich im gleichberechtigten Dialog auszutauschen. Ich hab mich damals mit Vertretern der Protestgruppe unterhalten. Reiner Grundmann (SC Schaffrath), einer von ihnen, stellt das anders dar:

Die Treffen mit Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Harald Stenger fanden insgesamt in angenehmer Atmosphäre statt. Doch inhaltlich sind wir uns nicht näher gekommen. Zwanziger könne uns verstehen, hat er gesagt, doch er hat den neuen Spielplan als alternativlos hingestellt. Der DFB habe auf die Entscheidung keinen Einfluss, und es gebe wirtschaftliche Zwänge. Außerdem flossen ja Millionen an die Amateure zurück. Doch was, frage ich mich, bleibt denn davon für den einzelnen Verein übrig?

Zwanziger hat zudem versucht, den Spieß umzukehren: Wenn wir nämlich unseren Protest durchsetzen würden, wären wir schuld daran, wenn Stars wie Franck Ribéry nicht mehr in der Bundesliga spielen würden. Selbst einen möglichen Niedergang der Nationalmannschaft wollte er uns anlasten. Das ist zu viel der Ehre für uns. Vor allem war es hanebüchen.

19:45 Jens Weinreich zu verklagen, sei ein Fehler gewesen, sagt Zwanziger. “Ich habe überdreht. Ich wollte juristisch vorgehen, ich hätte das kommunikativ lösen sollen. Inzwischen haben wir uns mehrfach getroffen und gemerkt, dass wir ganz gut miteinander können.”

Sein größter Fehler als DFB-Präsident sei die gescheiterte Vertragsverlängerung mit Joachim Löw vor etwa drei Jahren gewesen.

19:28 Zwanziger stellt sich wieder auf die Seite Joseph Blatters, der in Deutschland einen ungerechtfertigten schlechten Ruf habe. “Ich erlebe es in jeder Sitzung, dass Blatter den Reformprozess der Fifa vorantreibt.” Zwanziger sagt auch: “Blatter ist ein starker Förderer des Frauenfußballs.”

Zwanziger spricht einen wahren Satz: “Manchmal leben wir in einer Scheinwelt.” Damit will er beschreiben, wie einseitig die deutsche Öffentlichkeit Blatter angeblich verurteile. Ist er der einzig Sehende unter Blinden?

“Ich bin ein halber Privatmensch”, sagt der Fifa-Reformer Zwanziger.

Aufstellung Deutschland

 

19:20 Schätzungsweise 150 Gäste hier, darunter (noch mehr geschätzt) etwa 30 Journalisten. Vom DFB dabei: Horst Schmidt (DFB-Schatzmeister), Hans-Georg Moldenhauer (alias Kurt Straube, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands), Walter Desch (Präsident des Fußballverbands Rheinland-Pfalz).

19:10 Zwanziger wirkt sehr aufgewühlt, redet sich in Rage, schlägt einen missionarischen Ton für seine Politik an: soziales Engagement, Antirassismus, Kampf gegen Rechts. Schon mehrfach Applaus aus dem Publikum, ein Bravo-Ruf, aber auch Kopfschütteln und genervte Seufzer. Dem eindringlichen Zwanziger zuzuhören, kann schnell anstrengend werden.

Ide spricht die heiklen Punkte der Debatte an, hakt nach. Das ist keine Gute-Laune-Veranstaltung.

19:00 Auch Claudia Roth verteidigt Zwanziger. “Ich kenne Uli Hoeneß gut. Ich verstehe nicht, warum er sich so aufregt.” Sie habe das Buch fast zu Ende gelesen, sagt sie. Zu mehr sei sie nicht gekommen, weil sie in den letzten Tagen noch mit anderen Dingen beschäftigt gewesen sei.

18:55 Der Sportchef des Tagesspiegels, Robert Ide, moderiert und konfrontiert Zwanziger mit den jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß, Matthias Sammer und Wolfgang Niersbach. Zwanziger verteidigt engagiert sein Buch. “Ich lobe Hoeneß mehrheitlich, nur an wenigen Stellen kritisiere ich ihn.” Dass das zu einer solchen Debatte geführt habe, sei auf selektives Zitieren zurückzuführen.

18:50 Claudia Roth, das Maskottchen die Umweltbeauftragte des DFB, ist auch da. Günter Netzer, der zugesagt hatte, hat abgesagt, er hat eine “diskursive Grippe”, sagt der Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt. Theo Zwanziger sagt, Netzer habe ihm per Fax abgesagt.

18:45 Tagesspiegel-Gebäude, Askanischer Platz, Berlin: Theo Zwanziger stellt sein Buch vor. Ich bin dabei, ein paar Eindrücke gibts hier im Blog.

Vorbemerkung zum Spiel

Der Bundestrainer hat ein paar schwere Momente hinter sich: EM-Aus, Schweden, der Kreditverlust bei vielen Fans. Sehen wir Jogi Löw wieder mal lachen? Heute ist nur ein Testspiel, zudem sind einige Spieler spontan erkrankt. Doch gegen Holland kann man immer was gewinnen (und verlieren), da kann man ein bisschen was gutmachen.

Frotzeleien lieferte er sich mit “King Louis” van Gaal, dem Trainer der Holländer. Als Trainer braucht man Titel, sagte van Gaal in Richtung Löw. Als Trainer musst Du Dich für ein Turnier qualifizieren, entgegnete Löw. Van Gaal schied vor elf Jahren in der WM-Qualifikation aus und ermöglichte den deutschen Fans den Schmähsong “Ohne Holland fahrn wir zur WM”. So angriffslustig darf es heute gerne auch auf dem Platz zugehen.

Doch der 14. November 2012 ist vor allem deswegen ein denkwürdiger Tag, weil es der 20. Todestag von Ernst Happel ist. Um es mal deutlich untertrieben zu sagen: Happel war einer der bedeutendsten Trainer der Bundesliga-Geschichte. Mit dem HSV gewann er 1983 sensationellerweise den Europapokal der Landesmeister. Mit Holland wurde Happel 1978 Vize-Weltmeister.

Hier ein Clip einer seiner legendären Siege als Vereinstrainer, dem 4:3-Sieg nach 1:3-Rückstand in München, April 1982, der Grundlage für die folgende Meisterschaft des HSV:

Happel kommt kurz zwei Mal zu Wort – und verursachte jeweils lautes Lachen unter den Journalisten. Auch im Beitrag: Rainer Werner Fassbinder als Bayern-Fan und (ganz finster) der Hamburger Walther Leisler Kiep.

Kategorien: Nationalmannschaft

Irland – Deutschland 1:6

Von 13. Oktober 2012 um 08:27 Uhr

Endstand 1:6 (0:2) Ein hoher Sieg, ein dröger Sieg der deutschen Nationalmannschaft in Dublin. Denn die Iren waren so unterlegen wie die Deutschen es im Gaelic Football gewesen wären. Oder im Guiness-Heben. Mit dem 0:1 war das Spiel eigentlich entschieden. Die Iren verteidigten einfach weiter, aber eben halt nicht gut.

Die Deutschen mussten für ihre Tore gar nicht viel tun. Ein bisschen den Ball laufen lassen, ein bisschen quer, vielleicht mal aufs Tor schießen. Und schon gabs wieder Anstoß.

Viele Chancen, die nicht in Tore mündeten, gab es übrigens nicht. Die Torschussstatistik: 4:8. Aus meiner Sicht ist ein 1:6 ein wenig zu hoch. Es fühlte sich eher an wie ein 0:3. Aber es gibt auch nichts zu meckern, und vielleicht lasse ich mich in meinem Urteil von Sympathien für die Iren leiten. Aber Mitleid bringt ihnen ja auch nichts. Die DFB-Elf jetzt mit 9 Punkten aus drei Spielen (die Highlights des Spiels im Video).

Joachim Löw wirkt im ZDF-Studio sehr, sehr missmutig. Man hatte jetzt auch nicht den Eindruck, dass zwischen ihm und Marcel Schmelzer alles ausgeräumt ist. Oder: dass sich Löw nicht allzu große Mühe gibt, das Problem zu beheben.

Dafür ist Oliver Kahn heute galant wie nie.

Trapattoni spricht von einem “verdienten Sieg” für Deutschland. Mit einem solch hohen Sieg war gegen die Elf des Defensivgurus aber nicht zu rechnen. Nein? Denkste!

Jedenfalls war das eine würdige Kondolenz für Helmut Haller. Ein letzter Gruß (ich könnts mal wieder bügeln):

Vintage

Vintage

92′ Tor für Irland 1:6 Keogh Das Tor kommt wohl zu spät für die Iren.

91′ Neuer ist so herzlos.

82′ Tor für Deutschland 0:6 Kroos Fernschuss. Und von der deutschen Bank springt keiner auf!

79′ Schuss Boateng, erste deutsche Chance, aus der kein Tor entstand.

78′ Eschenholz, Fußballsport (Réthy)

70′ Es wär ja schade, wenn sich die Iren nicht für Brasilien qualifizieren würden. Schon wegen der Fans, die in Polen zur Völkerverständigung beigetragen haben.

Hätte man nicht Irlands Fans den Friedensnobelpreis zuerkennen können?

Schürrle, Podolski rein. Reus, Klose raus.

61′ Tor für Deutschland 0:5 Kroos Ein Rebound von Toni Kroos vom 16er. Jetzt wirds hart für Trap.

Die Iren trampeln im engen Kreis, wie Gefangene im Hof, sie schaun betrübt.

58′ Tor für Deutschland 0:4 Klose Pässchen Schweinsteiger, Klose schob so sanft, so sanft wie möglich. Klose 65, noch 3 bis Gerd Müller.

55′ Tor für Deutschland 0:3 Özil Foulelfmeter Beinschere gegen Klose. Unnötig. Özil kühl wie Balotelli.

50′ Erste Aktion Kroos: steht beim Reus-Schuss im Weg.

Das 0:1 im Video
Und das 0:2

46′ Zweite Halbzeit fängt an. Wir begehen sie wie die erste, in Gedenken an Haller:

Kroos für Khedira (verletzt?)

Halbzeit 0:2 Zwei Chancen, zwei Tore durch den Hänfling Reus. Deutschland dominiert, hat aber kaum Zug zum Tor. Die Iren können sich selten aus der Umklammerung lösen. Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Noch zwei Tore bis zu den Fields of Athenry.

Höhepunkt I: Béla Réthy imitiert Poldi.
Höhepunkt II: “Die Iren spielen mit zwei Fünfer-Reihen, dazwischen bewegt sich Walters.” (User blauboff hat mitgezählt)

40′ Tor für Deutschland 0:2 Reus Erst mit rechts, jetzt mit links. Reus nutzt seinen Raum, dringt in den Strafraum ein und zieht, verdeckt für den Tormann, ins lange Eck.

37′ Reus hat grad so seinen Trouble mit Elfern. Er wurde von O’Shea schon gehalten. Schwalbe? Den von letzter Woche in Hannover fand ich aber klarer. Aber ich bin ja nur ein Blogger.

30′ Tor für Deutschland 0:1 Reus Reus-Time. Erst Gelb wegen angeblicher Schwalbe, dann pfeift das Publikum, doch Reus kontert mit einem Schuss aus dem grün-weißen Dickicht um den irischen Fünfer.

Und Béla Réthy hat’s prophezeit: “Es gibt Spieler, die werden von Pfiffen motiviert.”

24′ Bislang sehr dürftig. Deutschland noch ohne Torschuss. Die Iren stehen inzwischen hinten. Sehr langsames Spiel.

18′Die SZ hat sich umgehört, wie die EM der Iren gelaufen ist: “Hinter vorgehaltener berichten Reporter, dass der eine oder andere Fußballer während des Turniers Trost am Tresen suchte.” Trost am Tresen – wäre auch ein guter Titel für die Gesammelten Werke von Gunter Gabriel.

10′ Die Iren offensiver als erwartet. Das ist gar kein Trapattonifußball. Im Juni trafen wir in der Danziger Werft ein paar irische Fans. Da fiel der Satz: “Trapattoni ist der Einstein des Fußballs.” Sie mögen ihn halt:

20:46 Fiese Verwirrungstaktik der Iren: die deutsche Hymne mit dem Dudelsack. Es gibt elegantere Instrumente, auch pathetischere. Wie sollen unsere Jungs denn da mitsingen?

Das gibt im Rückspiel Rache.

20:40 Deutschland trägt Trauerflor. Gestern starb Helmut Haller. Fünf Tore schoss er bei der WM 66. “Gol! Gol! Haller! Mehr muss ich ja nicht sagen”, rief Rudi Michel im Finale, als Haller das 1:0 schoss. Nach Erhard Wunderlich beklagt Augsburg den zweiten Tod eines Sportstars innerhalb einer Woche.

20:33 Oliver Kahn wünscht sich mehr Gelassenheit, führt an, dass sich zur Nationalmannschaft zu viele zu Wort melden.

Im Stadion in Dublin ist der Kollege Christian Spiller:

Aufstellungen

Irland Westwood – Coleman, O’Shea, O’Dea, Ward – McCarthy, Andrews, Fahey – Cox, McGeady – Walters

Deutschland Neuer – Boateng, Mertesacker, Badstuber, Schmelzer – Khedira, Schweinsteiger – Müller, Özil, Reus – Klose

Vorbemerkung

Wichtiges Spiel heute, denn es ist WM-Quali. Doch, Hand aufs Herz, wer hat Lust auf die deutsche Nationalmannschaft? Das macht zurzeit nicht so viel Spaß wie … ja wie wann eigentlich? Die Niederlage gegen Italien wird Joachim Löw noch lange in seinen taillierten Hemden stecken. Und die Mannschaft bequemte sich jüngst zu einem duseldeitschn 2:1-Sieg in Wien.

Heute heißt der Gegner Irland, sympathisch aber ihr Spiel ist nicht frei von Biederkeit. Bei der EM hinterließen die Iren einen starken Eindruck, allerdings nur die Fans. Wer erinnert sich nicht an das siebenminütigen “Fields of Athenry”. Die Iren lagen aussichtslos 0:4 gegen Spanien zurück, schieden somit aus, da erhob sich eine grüne Wand und stimmte das irische Volkslied an:

Zweifellos der ergreifendste Moment dieses Turniers. Ich war im Stadion, man konnte nach Abpfiff in den Gesichtern der Spanier ablesen, wie beeindruckt und um Fassung ringend sie von dem vieltausendkehligen Chor waren, vielleicht auch weil sie spürten, dass er zur Ehre des Siegers gereichen sollte. Auch der Trainer del Bosque rühmte vor Journalisten die Iren: “Das ist das, was Fußball ausmacht.”

Auch erzählenswert ist das, was man über John Delaney, den Präsidenten des Irischen Fußballverbands (FAI), von Raphael Honigstein im Tagesspiegel von heute liest.

Beliebt wurde er mit einem denkbar simplen wie genialen Trick: Er spendiert den Fans bei jeder Gelegenheit Freibier. Als Irlands EM-Qualifikationsspiel in der Slowakei von Bratislava nach Zilina verlegt wurde, zahlte die FAI 800 mitgereisten Fans die Zugreise und ließ für 5000 Euro Alkohol verteilen. Delaney selbst feierte fröhlich mit und torkelte auch einen Tag nach der EM-Niederlage gegen Kroatien im Juni umringt von Sympathisanten über den Marktplatz von Sopot – um halb vier Uhr morgens. Er hatte für gut zwei Dutzend Iren die Getränkerechnung übernommen, zum Dank hievten die Fans ihn in die Höhe und zogen ihm die Schuhe aus. Einer trank sogar Bier aus den Tretern.

Die SZ druckt den gleichen Text. Dort sind die Treter aber Budapester. Wir können nur mutmaßen, warum die Berliner Kollegen an dieser Stelle nicht so konkret wurden wie die aus München. Sind denn Budapester in Berlin nicht bekannt, trägt man in der Hauptstadt nur Mauken von Quickschuh und Deichkind?

Kategorien: Nationalmannschaft