Live-Blog der ZEIT ONLINE Sportredaktion

Autoren Archiv von Oliver Fritsch

Gladbach – Bayern 3:1

Von 21. Januar 2012 um 19:02 Uhr

Endstand 3:1 Eine beeindruckende Leistung der Gladbacher führt sie zu einem verdienten Sieg gegen den Herbstmeister. Taktisch hervorragend, wenn auch teilweise sehr tief stehend, selbstbewusst und sicher am Ball, kombinationsstark, rasante, wenn auch wenige Konter. Die Mannschaft präsentiert sich keineswegs nur als Reus plus Rest. Gladbach ist auf Champions-League-Kurs und erinnert an beste Zeiten in den siebziger Jahren. Lucien Favre schläft wohl auf Weisweilers Kladde.

Die Bayern machen das Spiel, kommen aber zu wenig gefährlich in die 10er-Position. Sie wirken zudem wenig eingespielt, viele Pässe landen leicht im Rücken des Mitspielers statt im Lauf. Fataler Fehler natürlich von Neuer, der den Gladbachern in die Karten spielt. Defensivfehler bei den beiden anderen Toren.

Ein Punkt noch: Gladbach hat heute den besseren Tormann. Klar, das 1:0 kann passieren. Aber das 3:0 hätte Marc ter Stegen wohl auch gehabt, weil er noch offensiver spielt als Neuer. Warten wir mal zwei Jahre und schauen, wer dann im deutschen Tor steht.

Toller Auftakt in die Rückrunde! Das könnte ein sehr spannendes Meisterrennen werden.

89′ Aber, Freunde, vergessen wir bitte nicht die Aufbauarbeit von Michael Frontzeck!

85′ Stranzl, ein sehr solider Innenverteidiger, riskiert bei einer Rettungsgrätsche das Eigentor, muss das auch, bekommt den scharfen Flachpass aber irgendwie über die Latte. Ecke Bayern.

83′ Lechenich-Heddinghoven – wem sagt das was? Dort ist das Grab von Hennes Weisweiler. Pilger, wen von Euch treffe ich dort heute Nacht?

76′ Tor für Bayern 3:1 Schweinsteiger Abstauber nach einer Ecke. Eine Wende? Ich glaube nicht.

74′ “Gegen Gladbach kann man mal verlieren!”, singen die Fans. Nach diesem Spiel werden sich die Gladbacher gegen Fohlenvergleiche und Titelwunschzuschreibungen nicht mehr wehren können. Aber es ist extremer Konterfußball, das geht nicht immer auf.

72′ Tor für Gladbach 3:0 Herrmann Fantastischer Konterfußball von Gladbach! Drei Stationen, Arango, Reus, Herrmann. Welch Pass von Reus! Bayern wie England in Bloemfontein.

70′ Erstmals Gelb in diesem fairen Spiel: Arango, der sehr fleißig gegen Robben verteidigt und zudem ballsicher ist. Wichtiger Mann für Gladbach.

66′ Zweiter Wechsel bei den Bayern: vorhin Alaba für Tymoschchuk, jetzt Strähnchen-Rafinha für Boateng.

63′ Tony Jantschke, rechter Verteidiger, 21 Jahre alt. Ich gebe zu, er ist mir bislang in der Saison noch nicht aufgefallen. Löw wird bestimmt aufmerksamer gewesen sein.

56′ Ich glaube, höher, radikaler als ter Stegen kann man als Torwart nicht agieren. Mit ihm scheint eine Grenze erreicht.

Noch mal, weil es so schön ist, der Kritiker Berti Vogts, als er den Moment zur Gladbacher Revolte für gekommen hielt:

49′ Gladbach gelingen manchmal sehr gute Stafetten durchs Mittelfeld: in Unterzahl, mit scharfen Direktpässen, zielstrebig. Wenn sie das so selbstbewusst weiterspielen, machen sie mindestens noch ein Tor.

Halbzeit 2:0 Gladbach Eieiei! Ein gutes, schnelles Spiel. Die Bayern sind nicht so schlecht wie es klingt, aber über die Flügel sind sie schwächer als sonst: Ribéry nicht dabei, Robben unauffällig. Die Gladbacher Konter sind rasant und präzise, aber selten. Meist spielen sie zurück zum Tormann. Sie stehen insgesamt sehr tief und wirken sehr sicher im One Touch. Sie hatten auch das eine oder andere Mal Glück bei Abseitspfiffen. Der frühe, grobe Patzer von Neuer hat ihnen freilich in die Karten gespielt.

Das Tor von Reus war technisch schwerer als es aussah, ich meine die geschickte Ballannahme, bei der er sich den Ball anchippt. Dadurch konnte er leichter und schneller schießen. Auch das 2:0 muss man erstmal so cool machen, ist ja immerhin Neuer, der vor ihm steht (auch wenn das heute sonderbar klingt).

41′ Tor für Gladbach Patrick Herrmann 2:0 Ballverlust Robben (samt sterbendem Schwan) an Arango, Ball zu Hanke, der passt diago auf Herrmann, der ihn aus halbspitzen Winkel ins lange Eck hebt.

37′ Es hat noch gar kein Bayern-Fan den Schiri für dies, das oder den Rückstand verantwortlich gemacht. Ist Twitter kaputt?

35′ Der Mann mit den meisten Ballkontakten dürfte Galdbachs Keeper ter Stegen sein, offenbar ein gezieltes Mittel, um das Spiel zu verlangsamen.

24′ Björn Brodermanns meldet sich aus dem Stadion: “Das Duell Pommes gegen Frikandel steht nach 22 Min. 1:0 für Daems. Robben watschelt wie Alfred J. Kwak. War der Maulwurf Henk schuld am Patzer?”

19′ Im Spiegel wurde Favre neulich als Kauz porträtiert, der aus Versehen geheime Trainingslehren preisgibt und der sich auf der Pressekonferenz minutenlang mit dem Finger im Schuh bohrt, ihn dort verhakt. Was ich mal gehört habe: Favre soll einen Slalomparcours rückwärts mit Ball schneller absolvieren können als seine Spieler. Eine Imponiertechnik, die er sich beigebracht haben soll, als er als Profi lange verletzt war.

13′ Bayern mit guter Reaktion: Gomez mit dem Kopf nach einer Robben-Flanke, doch ter Stegen kann reagieren. Im Anschluss an die Bayern-Ecke ein Konter der Gladbacher.

Gladbach spielt sehr riskant auf Abseits.

11′ Tor für Gladbach 1:0 Marco Reus Déjà-vu. Neuer verursacht das Gegentor mit einem Fehler, diesmal einem Fehlpass auf Reus, dem aus 30 Metern ein empty net goal geling. Hat Neuer das mit dem Wechsel nicht richtig mitbekommen?

2′ Nummer eins der Badstuberschen Serienproduktion: präzise Diagonalpässe über 50 Meter. Allerdings nicht aus dem Lauf wie früher Matthäus, sondern eher aus dem Gang.

20:20 Beckmann trägt das Kassengestell Marke Westerwelle: kantig und präsenzheischend

Aufstellung Gladbach
ter Stegen – Jantzschke, Stranzl, Brouwers, Daems – Nordtveit, Neustädter – Hermann, Arango – Hanke, Reus

Aufstellung Bayern
Neuer – Boateng, van Buyten, Badstuber, Lahm – Tymostchuk, Schweinstg – Robben, Müller, Kroos – Gomez

Bei Gladbach fehlt der Abwehrchef Dante, bei Bayern Franck Ribéry.

Die Taktikschemata bei den Jungs von spielverlagerung

Vorbemerkung
Ein Rückrundenauftakt würde der Winterpause gut tun, las ich diese Woche im Internet (ich weiß nicht mehr, wo). Und so wird es sich heute begeben. Im Stadion in Mönchengladbach sitzt unser Twitter-Reporter Björn Brodermanns und lässt Tweets fallen wie einst Hölderlin Verse aus seinem Turm. Hälfte der Saison.

In einem Wohnzimmer in Eimsbush sitze ich und werde ab 20.15 Uhr live bloggen. Bis zum Anpfiff unterhalten wir sie mit ein paar Takten und Sequenzen aus alten Sportschautagen, die ja vielleicht bald gezählt sein werden:

Kategorien: Bundesliga

Türkei – Deutschland 1:3

Von 10. Oktober 2011 um 08:56 Uhr

Endstand 1:3 Rasant und abwechslungsreich, durchsetzt mit ein paar Nachlässigkeiten in der Defensive und beim Pressing sowie einigen Verschnörkelungen im Angriff siegen die Deutschen in Istanbul. Neunter Dreier im neunten Versuch. Die Türken hätten in der ersten Halbzeit in Führung gehen können, waren aber vor dem Tor zu nervös.

Ein sehr gutes Zeichen ist, dass die deutsche Mannschaft nach dem 1:2 sofort wieder die Initiative ergriff – keine Selbstverständlichkeit in einem Auswärtsspiel. Der Elfmeter an Müller … na ja. Nicht unbedingt eine Schwalbe, aber auch keine Aktion des Abwehrspielers gegen den Stürmer.

Ein paar Notizen aus dem Trainerblock:

Neuer: zwei Tore eingeleitet, davon das zweite mit einem 70(?)-Meter-Wurf und eine starke Parade
Schweinsteiger: Chef im Ring
Boateng: einige Ballverluste, aber stark im Zweikampf
Müller: Räumeaufreißer, Mister Torgefahr
Götze: ein bisschen zu verdaddelt, aber sehr aktiv
Gomez: Tor gemacht, aber trotz Verbesserungen Mängel im Kombinationsspiel

Auffällig: der kritische Löw, der etwa Müller und Schürrle für das Gegentor im TV anschnodderte, auch Khedira. Da wurden schon schwächere Leistungen schöner geredet. Trainerrhetorik.

89′ Götze raus, Debüt für Reus, den Marin in Gut.

86′ Tor für Deutschland 1:3 Schweinsteiger (Elfmeter) Foul von Gönül an Müller, der auch von zweien nicht vom Ball zu trennen ist. War ein bisschen gesucht, der Elfer. Schweinsteiger verlädt gut.

84′ Die Deutschen stellen sich nicht hinten rein, sondern suchen sofort die Entscheidung. Chancen für Schürrle und Khedira.

79′ Tor für Türkei 1:2 Hakan Flanke von rechts Gönül, Höwedes (für Boateng eingewechselt) lässt sich in die Mitte ziehen, Müller kommt zu spät, Hakan steht verdammt frei.

75′ Den Neuer müsst Ihr decken, liebe Türken!

70′ Tipp an Tom Bartels: so langsam mal umschwenken von der Floskel “schwaches Spiel der Deutschen” wenigstens auf die Phrase “deutliche Steigerung in der zweiten Halbzeit”. Aber ein Lob muss man der ARD nun auch mal machen – und zwar der Programmregie für folgende Warnung, die wir gerne an unsere Leser weitergeben: “Um 23.30 Uhr Waldis EM-Club mit Christoph Daum.”

Wie kann man nur das Spiel so schlechtreden?

66′ Tor für Deutschland 0:2 Müller Langer (nicht nur mitellanger) Abwurf von Neuer auf Götze, der pflückt sich das Ding runter, zieht von links in die Mitte, legt quer, und aus dem Bildschirm-Off kommt Müller und macht ihn aus fünfzehn Metern mit der breiten Seite rein.

64′ Volkan mit den Scherenhänden

62′ Wechsel Deutschland. Diesmal klatscht Podolski Schürrle etwas sanfter ab als vor drei Wochen in Leverkusen.

61′ Schweinsteiger Chef im Ring.

55′ Gomez fast zum Zweiten.

Diese Woche war ich bei Play the Game in Köln, der Antikorruptionskonferenz für den Sport. Der Chef Andersen wünscht sich, dass sich mindestens fünfzehn bis zwanzig Prozent der Sportberichterstattung mit Missständen befassen. Bei der Gelegenheit der Hinweis auf den Skandal im türkischen Vereinsfußball. Die Gegenaktion nennt sich übrigens “Mission Saubere Stollen”. Sensationell knallchargenhafter Name. Vom DFB war übrigens keiner in Köln.

52′ Podolski, der sich in der Halbzeit mit dem Frottierhandtuch rasiert hat, zielt darüber. Aus dem Abseits.

46′ Töre kommt für Selcuk. Obacht! Der Mann hat sich beim HSV durchgesetzt.

In Istanbul sitzen für die ZEIT Anna Kemper und, mit der Hand am Smartphone, Christian Spiller. Was gibt’s Neues in Istanbul, Christian? “Das Grill-Gartenparty-Eltern-Integrationsvideo wurde übrigens im Garten der Eltern der Kollegin Kemper gedreht, verriet sie mir gerade.”

Halbzeit 0:1 Gutes, schnelles Spiel von beiden. Die Türken sehr ballsicher und mit Vorteilen gegen die deutsche Abwehr am Boden, aber schwach im Abschluss – gegen einen starken Neuer. Die Deutschen sehr offensiv, teilweise mit beiden 6ern in Strafraumnähe, zu ungenau aber durch die Mitte. Viel läuft über rechts, wegen Müller, der wie gehabt den Räumeaufreißer gibt, fantastischer Fußballer. Das Tor über einen Konter Neuer-Müller-Gomez nach einer Chance für Altintop. Mitdiskutant Wawerka würdigt dabei Gomez’ Gegenspieler Servet Cetin: “Diese Bewerbung um den Daniel-van-Buyten-Preis in der Kategorie Hüftsteifigkeit dürfte in der Jahresendwertung unter den Top 3 landen.”

Die ARD redet das Spiel schlecht, oder?

35′ Tor Türkei – Deutschland 0:1 Gomez mittellanger Abwurf von Neuer auf Müller, langer Diagonalpass auf Gomez, Wackler rechts, Wackler links, Schuss links. Diesen Riesenslalom kann Gomez wie vor ihm nur Pirmin Zurbriggen.

34′ Woll-Kahn

29′ Schöner Angriff der Gastgeber über rechts. Schön zurückgelegt, aber Selcuk gerät in Rücklage, der Ball macht sich direkt auf den Weg Richtung Halbmond. Was heißt Grundlinienrückpass auf türkisch?

25′ Das war mal ein Einwurf von Boateng. Wo der Schuss Podolskis gelandet wäre, hätte ich gerne gesehen. Doch er trifft Müller auf der Flucht.

19′ Boateng scheint eine anatomische Sperre mehr zu haben als der Rest der Mannschaft.

11′ Sehr hohes Tempo in den ersten zehn Minuten. Die Türken spielen nach vorne, die Deutschen sowieso, stehen sehr hoch. Das steht wohl nicht mehr lange 0:0.

9′ Wenn ich jetzt schreibe, dass der Zupfer an Gomez Elfmeter für Deutschland hätte geben müssen – wie lange wird es dauern, bis der erste in den Kommentaren “Chauvinismus” ruft?

Beim Löw-Quiz hab’ ich 2 von 15 falsch: Ich hatte geraten, dass sein KSC in zehn Spielen kein Tor schoss. Und ich hielt die letzte Frage für eine Falle und Herbergers Statistik für schlechter als die Ribbecks. Da muss ich jetzt aber Abbitte leisten.

5′ Großtat von Neuer, Parade wie ein Handballtormann. Die Türken spielen sich durch die Mitte, also dort, wo Löw eigentlich die Bälle gewinnen will. Altintop, der Captain, scheitert mit dem Außenspann.

1′ Anstoß. Es soll sehr laut sein, wie man hört. Pfiffe schon während der deutschen Hymne, jetzt schon bei Ballbesitz.

Vorbemerkung

Aufstellung Türkei (4-3-3?)

Volkan – Gönül, Korkmaz, Cetin, Balta – Altintop, Selcuk, Sarioglu – Aurelio, Turan, Yilmaz

Aufstellung Deutschland (4-2-3-1)

Neuer – Boateng, Mertesacker, Badstuber, Lahm – Schweinsteiger, Khedira – Müller, Götze, Podolski – Gomez

Meine Meinung kennen Sie vielleicht: Ich halte Klose wegen seiner Spielintelligenz für unersetzbar. Sein Ausfall schmerzt mehr als der von Özil.

Nach acht Siegen aus acht Spielen ist die Löw-Elf seit einem Monat für die EM in Polen und der Ukraine qualifiziert. Geschenke werden aber erst an Weihnachten verteilt. Deswegen muss sich die Türkei, die jeden Punkt braucht, heute ins Zeug legen. Trainer Guus Hiddink wird seine Mannen aber sicher eingestimmt und -geschworen haben, schließlich ist es ein Heimspiel. Es ist damit zu rechnen, dass sie besser drauf sind als vor einem Jahr, als die Deutschen in Berlin 3:0 gewannen.

Wegen einer Verletzung leider nicht dabei: Mesut Özil. Immer schade, wenn er nicht mitspielt. Für ihn am Start: Mario Götze. Immer schön, ihn spielen zu sehen.

Aus dem Stadion twittert der Kollege Christian Spiller: “Bisheriger Tageshöhepunkt: Die leckeren Köfte illegalerweise direkt durch den Stadionzaun.”

Hierfür werde ich gehasst werden. Aber es muss sein, denn es ist auch ein Fußballlied (lassen Sie sich das von einem leidgeprüften Amateurfußballtrainer gesagt sein!):

Wer meckert, kriegt zur Strafe von mir die Top 10 der Kabinen-Charts um die Ohren gehauen. Da bin ich gnadenlos.

Kategorien: Nationalmannschaft

Freude vergeht, Neid bleibt

Von 26. Juli 2011 um 15:37 Uhr

Liebe Leser, hier ist die Auflösung von der letzten Ausgabe unseres WM-Gewinnspiels. Eine großkopferte vielköpfige Jury hat entschieden.

Gewonnen hat, wie aus dem Nichts, creatio ex nihilo mit einem philosophischen Sinnspruch: “Freude vergeht, Neid bleibt.” Zweiter wurde rey200: “Gold für Deutschland im Synchronschmollen.”

© Christof Köpsel/Getty Images Sport

© Christof Köpsel/Getty Images Sport

creatio ex nihilo gewinnt ein Fußballbuch aus dem Verlag Die Werkstatt, wir brauchen eine Postanschrift. Gleiches gilt für manchen Sieger aus den vergangenen Runden. mailto: online-sport [at] zeit.de

Wie geht’s hier weiter? Gelegentlich. Achten Sie auf die Aushänge! Und vielen Dank fürs Mitspielen.

Kategorien: Nationalmannschaft

Übrig blieben nur Handschuh und Flasche

Von 18. Juli 2011 um 13:32 Uhr

Leser, Sportfreunde! Ihre Kreativität ist wieder gefragt, unser Gewinnspiel geht in die letzte WM-Runde. Was fällt Ihnen zu diesen Bildern ein?

© Christof Köpsel/Getty Images Sport

© Christof Köpsel/Getty Images Sport

© Martin Rose/Getty Images Sport

© Martin Rose/Getty Images Sport

Schreiben Sie Ihre Antwort unten in die Kommentarspalte! Der originellste Beitrag gewinnt ein Fußballbuch aus dem Verlag Die Werkstatt. Einsendeschluss ist Mittwoch, 14 Uhr. Den Rechtsweg können Sie sich übrigens sparen.

Und hier ist die Auflösung von der letzten Ausgabe, eine mehrköpfige, ressortübergreifende Jury hat entschieden:

Sanne ist die Siegerin: “Tja Silvia, die Aliens wollten sie … Puff hat’s gemacht, und übrig blieben nur Handschuh und Flasche. ‘Nur keinen Neid’ ham se noch gesagt.“ Auf den Rängen Matthias (“Nun sei nicht so bockig! Jeder muss mal den Müll vom Rasen wegräumen. Gestern war die Birgit dran, heute Du!”) und cg (“Na, da haste mir ja was Schönes eingebrockt! Was mache ich jetzt nur mit den 22 Kaffeeservices?”).

© Rainer Jensen/Bongarts/Getty Images

© Rainer Jensen/Bongarts/Getty Images

Wir brauchen eine Postanschrift, damit wir die Bücher verschicken können, auch von den Siegern aus den vergangenen Runden. mailto: online-sport [at] zeit.de

Kategorien: Allgemein

Japan – USA 5:3 n.E.

Von 18. Juli 2011 um 08:07 Uhr

Sehr gutes Endspiel, hochdramatisch, temporeich, Werbung für den Frauenfußball, das Finale war, was selten vorkommt, der sportliche Höhepunkt des Turniers.

Japan ist ein überraschender und verdienter Weltmeister. Mit ihrem neuen Stil haben die Asiatinnen Maßstäbe gesetzt, die der Weiterentwicklung dieses Sports dienen werden. Körperliche Überlegenheit muss im Frauenfußball nicht der alles entscheidende Faktor sein. Auf Technik und Taktik kommt es an. Aber auch darauf, nie aufzugeben. Eine Disziplin, in der Japan den USA in nichts nachstand, wie sich heute zeigte. Und die derzeit beste Fußballerin der Welt haben sie auch in ihren Reihen: Homare Sawa, die Pässe schlägt wie Overath und Netzer zusammen.

Aber, ich hätte mir gewünscht, dass sie im Finale ihr Spiel mutiger durchziehen. Japan wurde erst nach den zwei Rückständen offensiver sowie kurz nach den beiden Ausgleichstreffern. Dass die amerikanische Abwehr Fehler macht, hat man ja gesehen. Gut, es ging auf. Und wenn sie mehr riskiert hätten, wer weiß, vielleicht hätten die Amerikanerinnen sie ausgekontert.

Heute verlor die bessere und aktivere Mannschaft. Die Amerikanerinnen haben deutlich besser Fußball gespielt als während des Turniers. Und auch besser, als ich das in der Vorbemerkung ankündigte. Sie beherrschten das Mittelfeld und zerfledderten die japanische Verteidigung, vor allem in den ersten 30 Minuten – über links, über rechts oder mit Schüssen. Doch haben sie einfach nicht oft genug das Tor getroffen. Selbst im Elfmeterschießen verschossen sie bei drei von vier Versuchen. Dabei hätte man den US-Guys gerade beim Schießen mehr zugetraut als dem Gegner. Manchmal gewinnt im Fußball der Schlechtere. So ist das halt.

Trivia

Pfiffe für Sepp Blatter bei der Siegerehrung. “Das hätte es nicht mehr gebraucht”, sagt ARD-Schmelzer. Völlig daneben, dieser Kommentar. Das ist Morbus Kerner im Endstadium. Ein Bravo für das wache Publikum! Vielleicht noch eine aktuelle Lektürehilfe.

Der Jubel der deutschen Delegation bei Japan-Toren hinterließ einen unsportlichen Eindruck. Ich kenne den Hintergrund nicht, und ich habe nicht verfolgen können, ob sie auch bei den Toren der USA aufgesprungen sind.

Jetzt, wo wir wissen, dass Deutschland gegen den Weltmeister ausgeschieden ist – verlängert Zwanziger mit Neid heute vorzeitig bis 2022?

Das Spiel

- 5:3 Kumagari, Japan ist Weltmeister
- 4:3 Wambach
- 4:2 Sakaguchi, Solo war dran
- Heath verschießt, Kaihori hält
- Nagasato verschießt, Solo hält
- Lloyd verschießt, beckhamesk drüber
- 3:2 Miyama
- Boxx verschießt, Kaihori hält

Stand nach 120 Minuten Ein hochspannendes Finale wird durch Elfmeterschießen entschieden.

120+1′ Rot für Japans Iwashimizu wegen Notbremse, aber Chance und mögliches Tor verhindert. Taktisch völlig richtig.

119′ Wambach mit der Chance zum Sieg. Knapp drüber. Tolles, rasantes Spiel.

116′ Tor für Japan 2:2 Eckball, Sawa zieht kurz, hält die Hacke hin, 5. Tor im Turnier. Distanz zum Tor: 6 Meter, Solo konnte nicht mehr adäquat reagieren. Das geht besser.

115′ Kinga mit der Chance zum Ausgleich, nachdem sie von Sawa mit einem Netzerpass eingesetzt wird. Solo kommt zu spät raus, doch Rampone muss auf der Linie klären.

114′ Die Kräfte schwinden schon seit einiger Zeit. Das Spiel ist aber noch immer schneller als die meisten anderen dieser WM.

112′ Extrem unsouveräne Abwehr der USA, auch von Hope Solo. Wenn man die unter Druck setzt …

110′ Japan versucht sich noch mal am Ausgleich. Ich hätte mir sie gerne das ganze Spiel über offensiver gewünscht.

104′ Tor für die USA 1:2 Wambach Japan kann den Ball nicht klären, über Rapinoe kommt der Ball zu Morgan, die am linken Flügel eine Flanke reinzieht. Und Abby zückt den Colt.

Bis dahin war die Kopfballspezialistin von den kleinen Japanerinnen bei den vielen Flanken gut verteidigt worden.

96′ Diese Morgan kann man schicken. Behauptet den Ball auch gegen zwei, bringt sich in Schussposition, doch der Ball rutscht ihr über den Spann.

Stand nach 90 Minuten 1:1 Glück für Japan. Das Tor war ein Geschenk aus Amerika. Die USA ist die aktivere Mannschaft, Japan dosiert seine Angriffe, aus guten Gründen. Ein gutes Finale geht in die Verlängerung.

Ich finde ja, die Fifa sollte die Wechselregel für Verlängerungen ändern: einen oder zwei zusätzliche Wechsel erlauben.

80′ Tor für Japan 1:1 Miyama nimmt einen damenlosen Ball auf, nachdem sich Buehler und Krieger angeschossen haben. Dusselig von der US-Verteidigung. Mit dem Ausgleich hab ich nicht mehr gerechnet.

Wie ist denn Silvia Neids Torjubel zu bewerten?

76′ Transparent im Fan-Block: Give US Hope in our Neidmare!

69′ Tor für die USA 0:1 Langer Pass aus der eigenen Hälfte, Morgan ist schneller, hält mit links drauf. So einfach geht’s. Wieder ein guter Wechsel von Pia Sundhage.

65′ Wambach wirft sich in einen langen Ball, aber die japanische Goalie Kahori kann mit ihren Kinderhänden den Ball über die Latte tippen.

64′ Mutig! Die USA wollen einen Meter hinter der Mittellinie auf Abseits spielen. Geht schief. Doch weil die Assistentin falsch sieht, wird Ohno, die alleine auf dem Weg zum Tor ist, zurückgepfiffen.

62′ Und Homare Sawa ist überall, eben setzt sie Kinge per Lupfer ein. Dankenswerterweise trägt sie einen Pferdeschwanz, damit die Leute an den Fernsehgeräten sie gleich erkennen. Wo auch immer sie sitzen.

56′ Megan Rapinoe (#15) kann vorzüglich fintieren und ganz vorzüglich mit dem Ball umgehen.

49′ Wieder Pfosten, Herrgottnochmal! Morgan lenkt eine flache Hereingabe von O’Reilly an den Pfosten. Morgan ist nach der Halbzeit für Cheney gekommen.

Halbzeit 0:0 Überraschender Verlauf, die USA sind deutlich überlegen, kommen immer wieder zu Chancen, anfangs im Minutentakt. Rapinoe, Lloyd, Cheney und Wambach sind heute starke Individualisten, kombinieren sich aber auch gut über die Flügel durch. Bloß das Tor fehlt. Japan hingegen wirkt verschüchtert. Die Abwehr steht manchmal zu tief, manchmal lässt sich die ganze Viererkette zur Grundlinie ziehen, dann ist der Rückraum total frei. Am Spiel aktiv teilgenommen haben die Japanerinnen erst nach 30 Minuten, dann konnte man erkennen, wie gefährlich sie über die 10er-Position kommen können. Man sieht aber auch, dass sie sich immer spielerisch befreien wollen. Das ist wichtig: Stiltreue.

Sehr gutes Spiel, zu einem überragenden kann es noch werden. Dazu müsste aber Japan gleichwertiger werden.

42′ Der Reporter Bernd Schmelzer sagt: “Hope Solo hat noch bis eine Stunde vor Anpfiff getwittert. Das muss man sich mal vorstellen.” Muss man den Begriff nicht den Leuten erklären? Der durchschnittliche ARD-Zuschauer könnte das für eine Anzüglichkeit halten.

40′ Ich kann mich täuschen, aber dieses WM-Finale ist ein bisschen fairer als das im letzten Jahr.

36′ Endlich! Endlich wird Bibiana Steinhaus gelobt. Wie lange wollte uns die ARD noch warten lassen?

34′ Starker Header von Cheney landet auf dem Tordach.

Aus dem Wissensgebiet Druck: “Solo, Wambach, Rapinoe & Boxx all play on the same US pro team – Magicjack. Stadium capacity? 1,500!” (via @darrenrovell, einem amerikanischen Sportjournalisten)

31′ Japan spielt auch mit. Klasse durchgesteckt, aber für Ohno ist der Winkel zu spitz. Kein Problem für Solo.

28′ Klasse Tempofußball der USA. Jetzt zimmert Wambach den Ball von der Strafraumkante mit links an die Latte.

19′ “Happy Birthday, Angela!” steht auf einem Transparent im Fan-Block. Ist Kristina Schröder auch da?

17′ Das Angriffsrecht hat zurzeit alleinig die USA. Müsste schon längst 2:0 stehen.

Aus den Kommentaren: Kenji Yuasa ist ein japanischer Fußballtrainer und Fußballjournalist. Hat 1981 Trainerlizenz an der Kölner Sporthochschule gemacht.

Danke.

12′ Rapinoes Chance. Daneben.

11′ Rebound für Lloyd, aus 13 Metern knapp drüber.

10′ Deutlich mehr Support für die USA. Im Stadion und woanders.

8′ Noch mal eine USA-Chance über links: Rapinoe flankt auf Cheney, deren Volley geht knapp am kurzen Pfosten vorbei.

1′ Nach 15 Sekunden erste Chance für die USA: Cheney drückt ihre Gegenspielerin zur Seite, scheitert am kurzen Eck.

20:40 Kenji Yuasa: “Japan war bis zur WM 2011 ein ängstliches Team. Eigene Entscheidungen zu treffen, Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen, entspricht nicht japanischer Mentalität.” (via @sportschau_wm11)

Wenn ich jetzt nur noch wüsste, wer Kenji Yuasa ist …

20:37 Im ARD-Vorbericht war einiges zu erfahren über Bibiana Steinhaus, die Finalschiedsrichterin aus Deutschland, etwas über die anwesenden deutschen Nationalspielerinnen, es fielen ein paar Worte zu Angela Merkel. Über Japan hingegen nichts Nennenswertes.

20:34 Wem Schlussfeiern nichts sagen, für den haben wir zur Überbrückung noch ein paar sportliche Highlights aus dem Frauenfußball:

20:30 Einmarsch der Fischer-Chöre

20:28 “Fröhliche Stimmung im Stadion, aber nicht ausgelassen”, skypet mir gerade Christian Spiller. “Viele amerikansiche Fans mit Kriegsbemalung.” Netzer und Delling sollen auch dort sein.

Die Aufstellungen
Japan: Kaihori – Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima – Sakaguchi, Sawa – Ohno, Miyama – Kawasumi, Ando
USA: Solo – Krieger, Buehler, Rampone, LePeilbet – O’Reilly, Lloyd, Boxx, Rapinoe – Cheney, Wambach

Für die USA rückt die Edeljokerin Rapinoe in die Startelf, die nach ihren Einwechslungen gegen Brasilien und Frankreich je ein Tor vom linken Flügel aus vorbereitet hat. Weichen muss Amy Rodriguez.

Edeljokerin – ist das noch Deutsch? Hatte kurz überlegt, ob ich das Wort verwenden soll.

allesaussersport bloggt auch live, allerdings heute ohne Hundenahrung, stattdessen (wohl) mit Anke Groener. Wir empfehlen auch den Twitter-Account der Sportschau. Und aus dem Waldstadion in Frankfurt twittert unser Reporter Christian Spiller.

Vorbemerkung

Schöner, weil gegensätzlicher, kann ein Finale nicht sein. USA gegen Japan ist das Duell Alt gegen Neu, Athletik gegen Spielwitz, Spirit gegen Taktik, Groß gegen Klein. Zwei Fußballkulturen prallen aufeinander. Die WM war sportlich durchwachsen, aber auf das Endspiel darf man sich freuen.

Auf der einen Seite die USA, eine der fünf großen traditionellen Bastionen des Frauenfußballs. Keine der vier anderen, Norwegen, China, Brasilien und Deutschland, hat es bis ins Halbfinale geschafft. Auch der Weg der Amerikanerinnen nach Frankfurt war holprig. Fast wären sie sogar in der Qualifikation ausgeschieden. In der Vorrunde unterlagen sie den Schwedinnen, im Halbfinale gegen Frankreich wackelten sie zwischenzeitlich ordentlich. Im Viertelfinale lagen sie bis zur 122. Minute gegen Brasilien zurück. Aber sie haben alle Rückschläge überwunden. Genau das, betonen die Spielerinnen, macht ihre Stärke aus. Der Glaube an die eigene Stärke, der Spirit, ist ihr größter Trumpf.

Torschützin war Abby Wambach (sprich “Wommbäck”, das Streiflicht hat gestern das lautmalerische Potenzial dieses Namens herausgestellt). Sie repräsentiert das Spiel der USA. 1,81 Meter groß, geht sie keinem Zweikampf aus dem Weg, vor allem keinem Kopfball. Ihr 2:1 gegen Frankreich, als sie einen Eckball mit dem Schädel versenkte, war “man like“: langer Anlauf, gutes Timing, kraftvoller Absprung. Dass sie dabei gegen den Pfosten sprang, machte ihr nichts aus. “Hat sich gut angefühlt”, sagte sie.

Der größere Verdienst der schwedischen Trainerin Pia Sundhage ist: Sie hat der Mannschaft den Spaß am Spiel zurück gebracht. Im Training wird gelacht. Doch taktisch spielt die Mannschaft wie eh und je. Trotz aller Modernisierungsversuche durch Sundhage spielen die USA Kick & Rush. Eine schlägt das Ei nach vorne, Abby fängt es. Sie wissen das selbst und empfinden es als Mangel. Aber so leicht lassen sich Wurzeln nicht kappen. Außerdem hat es ja Erfolg, heute vielleicht zum letzten Mal auf diese Art.

Auf der anderen Seite Japan, eine Mannschaft, die vor dem Turnier kaum jemand auf der Rechnung hatte (falls doch, bitte melden, aber mit Beleg). Die Mannschaft von Norio Sasaki hat während des Turniers gezeigt, wie attraktiv und gut Frauenfußball sein kann. Sie lassen den Ball laufen, bieten der Ballführenden meist mehrere Anspieloptionen, sind technisch durchweg beschlagen. Und sie wissen auch zu verteidigen, auch hohe Flanken. Das 3:1 im Halbfinale gegen Schweden war ein Meisterstück, der Gegner kam selten an den Ball, das Ergebnis ist der Überlegenheit der Japanerinnen nicht gerecht geworden. Es ist zu hoffen, dass Silvia Neid am Mittwoch ganz genau hingesehen hat. Erfolgreicher Fußball lässt sich auch spielen. (Und von den Amerikanerinnen kann man vielleicht was in Sachen Lockerheit lernen.)

In Japan hat Frauenfußball wenig bis keine Tradition, wenig bis keine Bedeutung. Von wem haben die Japaner ihr Erfolgsmodell kopiert? Von den Männern wohl, und zwar von ganz bestimmten. Das Etikett “Barca des Frauenfußballs” ist nicht übertrieben. Halt, es fehlen den Japanerinnen die herausragenden Solisten. Bis auf Homare Sawa, die 32-jährige Regisseurin lenkt das Spiel aus der Mitte und stößt auch immer wieder in den Strafraum vor. Vier Tore hat sie erzielt, drei davon übrigens mit dem Kopf.

Zusätzliche Motivation zieht die Mannschaft aus Fukushima. Angeblich zeigt der Trainer regelmäßig Videos von der Katastrophe. Nach dem Spiel bedankt sich die Mannschaft bei “der Welt” immer mit einem Transparent.

Ich habe Japan in der Vorrunde gegen Mexiko im Stadion gesehen und war sehr angetan. Dachte aber, dass sie gegen körperlich überlegene Mannschaften den Kürzeren ziehen. Irrtum. Die USA habe ich zwei Mal in Dresden gesehen, gegen Nordkorea und im Viertelfinale vor einer Woche. Mit dem Ausgleich gegen Brasilien in der Nachspielzeit haben die US-Guys ihren Colt gezückt.

Mein Tipp: 2:1 für Japan.

Ab 20 Uhr wird hier live gebloggt, wir freuen uns auf Ihre Kommentare, Sie können jetzt schon loslegen.

Kategorien: Nationalmannschaft

Wie? Wir spielen nicht mit fliegendem Torwart?!

Von 11. Juli 2011 um 17:18 Uhr

Liebe Leser, Fußballfreunde und -freundinnen! Ihre Kreativität ist wieder gefragt. Was fällt Ihnen zu diesem Bild ein?

© Rainer Jensen/Bongarts/Getty Images

© Rainer Jensen/Bongarts/Getty Images

Schreiben Sie Ihre Antwort unten in die Kommentarspalte! Der originellste Beitrag gewinnt ein Fußballbuch aus dem Verlag Die Werkstatt. Einsendeschluss ist Mittwoch, 14 Uhr. Den Rechtsweg können Sie sich übrigens sparen.

Und hier ist die Auflösung von der letzten Ausgabe:

Siegerin ist dieKleine: “Wie? Wir spielen nicht mit fliegendem Torwart?!” Auf den Plätzen landen LCarroll (“Nie! Nie durfte ich Torhüterin sein!”) und Christian Seitz (“Zitat Wikipedia: Heutzutage wird Großfeldhandball nur noch vereinzelt gespielt.”) Melde Dich bitte, Kleine, wir brauchen eine Postadresse.

© ZDF

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Kategorien: Nationalmannschaft

Deutschland – Japan 0:1 n.V.

Von 10. Juli 2011 um 00:49 Uhr

Abschlusswort HF Dramaturgisch war die Niederlage vielleicht gar nicht so schlecht: Viele Zuschauer haben in den letzten fünfzehn Minuten des Japan-Spiels wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben Herzklopfen während eines Frauenfußballspiels gehabt. Und schlechte Laune nach Abpfiff. Eine überlegene Mannschaft, die die WM im eigenen Lande versemmelt hat: Im Film wäre das ein perfekter erster Plot Point. In Zukunft werden wir beim Frauenfußball endlich mitzittern. Und darum geht es doch beim Fußball.

OF Ja, Niederlagen können mythische Wirkung entfalten, Heike. Dann will ich mal was sportliches loswerden. Die Deutschen haben alles gegeben, doch verlieren ist immer drin im Fußball. Und Japan war taktisch sehr gut eingestellt, einfach ein starker Gegner. Ich hab sie gegen Mexiko gesehen und war sehr angetan. Dachte aber, dass sie zu klein und schmächtig sind. Aber, da muss ich mich korrigieren, wird das im Frauenfußball zunehmend unwichtiger.

Aber spielerisch war das sehr dürftig, was die Neid-Elf heute bot. Es ging zu sehr durch die Mitte und dort aber ungefährlich, selten gelang es dem Team, mit Tempo in die so gefährliche 10er-Position zu kommen. Die Flügelspielerin Garefrekes setzte sich selten durch, Behringer kam immerhin zu einigen Vorstößen und Schüssen. Mängel im Passspiel, in der Ballannahme und im Spielaufbau taten das ihrige. Zudem war der Gegentreffer ein Torwartfehler. Nadine Angerer öffnete durch eine Bewegung ins kurze ohne Not das lange Eck Aus diesem Winkel darf sie kein Tor kassieren.

Die Niederlage kam überraschend, die spielerisch dürftige Leistung nicht. Letztlich hat die Mannschaft nur ein Mal überzeugt: gegen Frankreich. Bei der Heim-WM hatte die Mannschaft die Chance, sich, ihr Spiel und ihre Sportart einem großen Publikum bekannt zu machen. Das klappte nur begrenzt.

Den Fall Lira Bajramaj. Sie ist die beste deutsche Fußballerin, zumindest was Technik und Tempo betrifft. Nicht weil sie so gut aussieht, sondern weil sie so gut mit dem Ball kann, ist sie die Zukunft des Frauenfußballs. Dass sie bei dieser WM so wenig zum Zug kam und dass sie sich in den vergangenen Monaten so verschlechterte, ist nicht zuletzt der Trainerin anzukreiden. Da muss sich Silvia Neid hoffentlich noch einige Fragen anhören. Dass sie Birgit Prinz auswechselte, kann ich hingegen verstehen.

“3. Platz ist was für Männer”. Ich fand den Spruch witzig. Das jetzt höhnisch umzukehren … meinetwegen. So ist wohl Fußball. Aber ohne mich.

Jetzt fällt hier das ZDF aus. Dass sie den Frauenfußball so schnell fallen lassen, hätte ich nicht gedacht.

HF Ja, als sie auf der Verliererstraße einbogen, war das der Moment, in dem ich mich mit der Mannschaft zu identifizieren begann.

OF Tja, das ist kaum zu glauben. Bist Du traurig?

HF Oli, what happend?

23:14 Abpfiff. Deutschland ist raus.

118 HF Eine Ecke, vielleicht die letzte. Ein Tor würde dem Frauenfußball gut tun, dem deutschen vor allem.

116 HF … von den Fernsehanstalten vor allem. Ich meine, das sind ja wohl Millionenverluste an Werbung.

114 OF Bei einem Ausscheiden im Viertelfinale bei einer Heim-WM nach drei Monaten Vorbereitung – Silvia Neid würde sich einiges anhören müssen …

112 HF Flanke um Flanke fliegt vor das japanische Tor, doch leider kein Problem für die japanische Torfrau. Noch, noch. Wartet eine Trainerdebatte auf uns, Oli?

109 HF Ziemlich guter Schuss von Behringer. Eckball, Flanke, nüscht!

108 OF Tor für Japan 0:1 Maruyama Sehr guter Pass von Sawa auf Maruyama, die ballferne Außenverteidigerin Schmidt hebt das Abseits auf, Bartusiak kommt nicht mehr hin, und Angerer lässt sich verladen.

102 OF Letzte Chance für Grings. Popp kann man schon bringen. Aber das Problem scheint mir heute eher zu sein, dass die Bälle erst gar nicht in der Spitze ankommen. Ich bleibe dabei, ich hätte Bajramaj gerne gesehen. Sie reißt Lücken in eine Abwehr, auch wenn sie ab und an den Ball verliert.

100 HF Wie du vorausgesagt hattest – sie bringt Popp. Wahnsinn!

98 OF Heute ist England im penalty kick raus, Klischee siegt bei dieser WM. Nach dieser Logik können wir nur gewinnen.

96 HF Das ist das erste Mal, dass die Deutschen in einem Turnier im Viertelfinale in die Verlängerung müssen. Müssen wir uns schon über die Elfmeterstärke der Teams Gedanken machen?

93 OF Garefrekes hat manchmal echt ne lange Leitung. Da würde ich mir jetzt mal einen Wechsel Bajramaj wünschen. Wie lange noch warten, Trainerin?

90+3 HF 0:0 nach regulärer Spielzeit Es geht in die Verlängerung.

87 OF Das ist es definitiv. Die Kleinen (im Wortsinn) holen auf. Aber Spannung ist nicht alles, ich vermisse bei den Deutschen Kreativität im Spiel nach vorne und Genauigkeit im Spielaufbau. Krahn beispielsweise hat da große Schwächen.

85 HF 0:0 gegen Japan in de 85. Minute – das erste richtig spannende deutsche Spiel des Turniers. Neid wird nicht gerade happy sein, aber für den Frauenfußball ist das hervorragend, oder?

83 OF Grings kommt im 16er zu Fall, kein Elfer, richtige Entscheidung. Bei einigen Spielerinnen schwinden die Kräfte, die Fehler häufen sich.

79 OF Was man so hört, empfindet sie große Last auf ihren Schultern. Nach dem Eröffnungsspiel, immerhin einem Sieg, soll sie ordentlich getobt haben.

78 HF Unglaubliche Schlussviertelstunde. Immer noch 0:0, das muss ein Alptraum sein für Silvia Neid.

77 OF Chance für Behringer, aber der Pass von Garefrekes ist zwar genau, aber zu hart. Die Japanerinnen geben den Deutschen auch sehr wenig Platz im Strafraum.

74 HF “Die Japanerinnen spielen gut mit”, würde Rubenbauer jetzt sagen.

72 HF Sie hat so einen Bändel vorne, ist das Cinque (der offizielle Ausstatter?). Welche Frauen tragen eigentlich heute noch Cinque?

67 OF Da ich fest mit Popp rechne, weil sie ein guter Joker ist, werden wir Bajramaj heute nicht wohl nicht mehr auf dem Feld sehen. Bajramaj ist die beste deutsche Fußballerin, technisch und vom Bewegungsablauf. Sie kann mit Ball am Fuß Tempo zulegen. Dass sie das bei diesem Turnier noch nicht gezeigt hat, sehe ich auch. Aber ich glaube nicht an die Theorie, dass das an ihrem offensiven Marketing liegt. Zumindest reicht das als alleinige Erklärung nicht aus. Eine Trainerin muss sich auch mal ankreiden lassen, dass eine Top-Spielerin weit unter Niveau spielt. Immerhin hat Silvia Neid die Mannschaft seit drei Monaten unter ihrer Fittiche.

Anderes Thema: Können wir über die Hemden von Silvia Neid sprechen, Heike?

67 HF Zwei Wechsel bei den Deutschen und noch keine Bajramaj. Was ist da los, Oli?

65 OF Die beiden 6er Laudehr und (heute ausnahmsweise seit der Kulig-Auswechslung) Bresonik bringen heute wenige Zuspiele in die Spitze. Jetzt wird Bresonik ausgewechselt, Goeßling kommt. Das heißt, zwei Wechsel sind schon verbraucht.

51 OF Ja, den Trend gibt es bei den Männern. Barca ist das beste Beispiel. Oder Spanien. In Deutschland glauben ja noch viele, die Spanier muss man nur in Zweikämpfe verwickeln, ein bisschen härter angehen, und dann kann man sie schlagen. Der echte-Kerle-Fußball aus den 80ern. Dass im Frauenfußball physische Überlegenheit noch so ins Gewicht fällt (ist nicht als Wortwitz gemeint), ist für mich ein Zeichen dafür, dass dieser Sport noch in einem früheren Stadium der Entwicklung ist als der Männerfußball. Naturgemäß, darf ich ergänzen.

Da habe ich ihn wieder gezogen, den törichten, unzulässigen, vielleicht irgendwann sogar verbotenen Vergleich.

49 HF Wieso ist die Tatsache, dass die Japanerinnen im Durchschnitt 10 cm kleiner sind überhaupt ein Problem? Ich meine, gibt es nicht auch bei Barca einen Trend zu kleinen, eher schmächtigen SpielerInnen, siehe Messi, Xavi, Iniesta, Villa …?

47 HF Xabi schreibt man mit b in der Mitte, oder?

47 OF v

Halbzeit 0:0 HF/OF Bevor das hier zum Oberseminar wird – ein paar Worte zum Sportlichen: Die Deutschen kommen generell näher ans gegnerische Tor, doch die Lücke in der japanischen Abwehr finden sie noch nicht. Die Japanerinnen sind der bislang stärkste Gegner im Turnier, ihre körperliche Unterlegenheit (wo wir schon beim Thema sind) fällt nicht sehr ins Gewicht. Pech für Silvia Neid, dass sie schon ein Mal wechseln musste. Denn auf die Wechsel wird es nun ankommen, vor allem offensiv. Popp, Bajramaj, sehen wir Euch heute noch auf dem Feld? Vielleicht sogar Prinz?

37 HF Ich sag’s ungern, aber ja, ich finde da schwingt was Grundsätzlicheres mit. Ist natürlich Unsinn, weil der Rassist ja bei schwarzen Sprintern den genau umgekehrten Link herstellt

32 OF Ok, dann will ich mal. Ich hab die Tage das U17-Halbfinale der Jungs gegen Mexiko (2:3) gesehen. Es kam mir wahnsinnig schnell vor. Jetzt frag ich mich, ob ich richtig gesehen habe oder ob meine Standards in den letzten zwei Wochen so gesunken sind. Ich muss dazu sagen, dass meine Standards ohnehin nicht die höchsten sind, nämlich die aus der Bundesliga, Männer.

Glaubst du, das Problem könnte sein, dass man aus der körperlichen Unterlegenheit von Frauen auf andere Fähigkeiten schließt? So wie der klassische Rassist aus der – vermeintlichen – Überlegenheit schwarzer Sprinter immer auf eine intellektuelle Unterlegenheit geschlossen hat.

30 HF Ja, gute Frage. Warum eigentlich? Weil’s halt nervt. Beobachtung vom Public Viewing: Man darf jetzt wieder mit den Männern vergleichen. Der Frauenfußball ist jetzt so groß und stark, dass man ihn vergleichen darf.

Mbabi frei im 16er, doch Fehler in der Ballannahme. “Es sah so aus, als hätte sie ein Bügeleisen im Schuh”, schreibt Christian Spiller.

18 OF Im Prinzip ja, aber die Japanerinnen machen es am besten, man nennt sie ja auch das Barca der Frauen. Die Außen der Amerikanerinnen beispielsweise haben keinen hochdotierten Vertrag mit dem Ball. Bei den Männern, um auf Deine Frage zurückzukommen, ist das Standard, doch der Männervergleich steht ja auf dem Index. Warum eigentlich, Heike?

17 HF Ist das nicht heutzutage Standard?

16 OF Ja, gute Raumaufteilung, Ballsicherheit im Mittelfeld, Außenverteidiger schalten sich mit ein …

14 HF Hi Guys, Heike eingetroffen. Die Japanerinnen gelten ja als spielerisch bestes Team, Oli …

7 OF Kim Kulig ist leider verletzt raus, dafür ist Heike jetzt da. Mit Weizenbier.

3 OF Heike kommt zu spät, ist nicht zum Anpfiff da. Diese WM bedient so manches Klischee.

20:45 OF Anpfiff, in die Mannschaft gerückt sind Kim Kulig und Melanie Behringer, Lira Bajramaj ist raus. Immerhin liegt sie auf meinem Schreibtisch, gleich mehrfach.

20:40 OF England verliert im Elfmeterschießen. Diese WM bedient so manches Klischee.

20:35 OF Frankreich gegen England, das erste Viertelfinale, geht ins Elfmeterschießen. Und die Reporter in Wolfsburg sitzen auf heißen Kohlen, denn in zehn Minuten geht das Deutschland-Spiel los. Die Hymnen werden wir wohl verpassen. Kein gutes Timing der Turnierplaner.

Heike holt gerade Bier hoch, bei uns herrscht halt noch die klassische Rollenverteilung.

Hinwendung zum Spiel

OF: Zweites Viertelfinale, Deutschland gegen Japan. Japan hat eine tolle Spielanlage, ist technisch und taktisch vielleicht die beste Mannschaft des Turniers. Doch sie sind halt noch so klein. Daher haben sie wohl keine Chance gegen die großen, körperlich überlegenen Deutschen. Das sagt auch Katja Kraus, die ehemalige Nationaltorhüterin und ehemalige HSV-Vorständlerin, die mir heute ihre Einschätzung gemailt hat. Körperlich überlegene Deutsche – wie das klingt … Schreibt die ausländische Presse schon von den “deutschen Panzern”?

Im Stadion in Wolfsburg ist heute wie immer unser Frauennationalmannschaftsbeauftragter Christian Spiller. Lesen Sie auch seine Tweets die er immer von mir abschreibt. Und vor dem Fernseher in Berlin sitzen und bloggen heute Heike Faller vom Magazin (HF) und Oliver Fritsch (OF).

Kategorien: Nationalmannschaft

Schau mal Joseph, die hat nen Fairplay-Button!

Von 4. Juli 2011 um 17:33 Uhr

Liebe Leser, Fußballfreunde, Schlaumeier! Kreativität ist wieder gefragt. Was fällt Ihnen zu diesem Bild ein, das wir für Sie aufgefangen haben?

© ZDF

© ZDF

Schreiben Sie Ihre Antwort unten in die Kommentarspalte! Der originellste Beitrag gewinnt ein Fußballbuch aus dem Verlag Die Werkstatt. Einsendeschluss ist Mittwoch, 16 Uhr. Den Rechtsweg können Sie sich übrigens schenken.

Und hier ist die Auflösung von der letzten Ausgabe, die wir besonders intensiv geprüft haben. Unser Sieger ist Malte Kraus, der genau hingehört hat: “Schau mal Joseph, die hat nen Fairplay-Button!” Auf den Rängen folgen tropenheini: “Also Bettina, wenn Du jetzt da unauffällig einen Zehner reinschiebst, schenkt uns der Sepp doch noch das Sommermärchen 2022.” Und Sascha Glimmann: “Nee, Bettina, jetzt bist du mal dran mit Bier holen!” Wir bitten den Sieger um eine Postadresse.

© Wolfgang Kumm/picture alliance/dpa

© Wolfgang Kumm/picture alliance/dpa

Kategorien: Nationalmannschaft

Deutschland – Kanada 2:1

Von 26. Juni 2011 um 21:50 Uhr

Endstand Deutschland – Kanada 2:1 Einstand geglückt. Knapper Sieg, obwohl die Deutschen über weite Teile sehr dominierten. Aber genau das war ja der Auftrag: nicht zu hoch gewinnen, sonst heißt es, das Niveau des Turniers ist zu niedrig.

Schwacher, teilweise parteiischer ARD-Kommentator. Analyse und Spielreportage folgen.

93′ Bajramaj missglückt alles. Durch den Wind.

86′ Gut gesehen von der Assistentin, kein Abseits. Doch Kanada vergibt die Ausgleichschance kläglich.

85′ Es fällt auf, dass die Deutschen, vor allem Kulig und Laudehr, gerne mal aus 30 Metern draufhalten.

82′ Tor für Kanada Sinclair 2:1 Schön gezirkeltes Freistoßtor aus 23 Metern durch die Kapitänin. Doch noch mal Spannung?

80′ Ich denke immer, wenn der Goldstreifen am oberen Hosensaum zum Vorschein kommt, die Deutschinnen tragen ein Mieder.

77′ Laudehr hat noch Kraft, jagt den Ball aus 28 Metern an die Unterkante der Latte. Kanada hat keine Körner mehr.

73′ Der ARD-Reporter hält das Publikum für fair, weil es Blatter nicht ausgepfiffen habe, als Blatter eingeblendet worden sei. Der Mann hat die falschen moralischen Kriterien.

71′ Bajramaj für Behringer. Endlich, darf ich mal als Fußballfan hinzufügen. Technisch und vom Bewegungsablauf die beste deutsche Fußballerin, wie ich finde.

66′ Garefrekes, eieiei. Nach einen vorzüglichen Popppass schießt sie aus sechs Metern übers leere Tor. Wahrscheinlich ist die Aktion jetzt schon auf Youtube, kann mal einer nachsehen?

65′ Kanada gelingt im Moment kein vernünftiger Angriff. Ein Popp-Schuss streift die Latte. Grings kommt für da Mbabi.

56′ Popp für Prinz, bestimmt wirds bald klingeln. Prinz ohne Torgefahr, aber gut ins Spiel eingebunden, zumindest in die Offensive.

53′ Blind. Ich bin beruhigt.

47′ “Sie läuft in den Ellenbogen rein”, sagt der ARD-Mann. Blind oder bezahlt?

Halbzeit 2:0 für Deutschland Verdiente Führung, Kanada stellt sich naiv an bei den vielen langen Bällen Deutschlands, die Offensivreihe inklusive Prinz rotiert sehr viel. Prinz passt viel besser als noch vor zehn Tagen, Garefrekes löst sich gut, macht ein Tor, bereitet eins vor, spielt aber einige Fehlpässe. Da Mbabi mit gutem Spielverständnis, Peter guter offensiver Außenverteidiger. Kanada nicht chancenlos, spielen fast alle Standards kurz. Zwei Tore, zwei Torwartfehler.

Die ARD sieht eine “Demonstration der Stärke des deutschen Frauenfußballs”. Poah!

42′ Tor für Deutschland 2:0 da Mbabi So einfach gehts, kanadische Abwehr lässt sich von Garefrekes an der Mittellinie überlupfen, die Abseitsfalle wird ausgehebelt, da Mbabi läuft alleine aufs Tor und schiebt ihn an Mrs. McLeod vorbei ins Tor, die auf der Linie festklebt.

31′ Der ARD-Reporter erkennt selbst in der Zeitlupe das Abseits falsch. Wie beim Männerfußball. Das nenne ich Gleichberechtigung.

23′ Viele Strafraumszenen, die Deutschen sind dominant. Aber Kanada macht einen gefährlichen Eindruck, hat zudem kurze Eckbälle gut einstudiert. Verdiente Führung nach einer halben Halbzeit.

10′ Tor für Deutschland 1:0 Garefrekes Prinz steckt schön durch auf Peter, Peter flankt von der linken Eckfahne, Garefrekes steigt hoch und macht auf die Ballack-Art (Stichwort Arm auf die gegnerische Schulter) das Kopfballtor. Torfraufehler. Kurz zuvor hatte Garefrekes schon das 1:0 auf dem Fuß.

6′ Erste Chance für Kanada. Die beiden deutschen 6er Kulig und Laudehr doppeln zentral sehr gut, erobern den Ball, doch Laudehr verliert ihn. Durch einen Steilpass kommt es zur 1:1-Situation, doch die Kapitänin Sinclair schießt drüber.

1′ Es kann losgehen, das Projekt 3. Plätze sind was für Männer.

18:00 Steffi Jones hat Wort gehalten. Gestern sagte sie auf der Pressekonferenz bestimmt, sie werde dafür sorgen, dass Sepp Blatter nicht ausgepfiffen werde. Wie hat sie es geschafft? Blatter wurde in Christian Wulffs Eröffnungsrede gar nicht erwähnt. Das wird er bestreiten, aber welch Niederlage für ihn!

Aufstellung Deutschland: Angerer – Bresonik, Krahn, Bartusiak, Peter – Laudehr, Kulig – Garefrekes, da Mbabi, Behringer – Prinz
Grings, Bajramaj und Popp auf der Bank

17:55 Kanada spielt unter der Italieinerin Carolina Morace, Trainerin dort seit 2009, nicht mehr ganz so sturen Kick and Rush, sondern streut ab und an Flachpässe ein. Der ARD-Reporter sagte eben: “Die Kanadierinnen wollen so spielen wie die Deutschen. Na, ob sie das drauf haben?”

17:45 Eröffnungsfeier mit Segways. Sehr trendig.

Wir wollen nicht vergessen, es ist eine Fifa-Veranstaltung. Womit wird das Pfeifkonzert für Sepp Blatter überspielt, übertönt werden? Hiermit?

People (they like to create problems) by changeFIFAnoise

Oder ist kein Pfeifpublikum anwesend?

Vorbemerkung

Oha! Das wird eine heikle Aufgabe heute. Frauenfußball, WM in Deutschland, erstes Spiel der Deutschen gegen Kanada. Wenn ich die Diskussionen der letzten Wochen richtig einordne, wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Und geprüft, ob es anzüglich ist oder prüde, überhöhend oder herablassend, anbiedernd oder gleichgültig, sexistisch oder verkrampft.

Ich blogge normalerweise Fußball der Männer. Dort kann ich problemlos lästern: “Ob die Halbzeitpause Gomez ausreicht, sich die Haare zu richten?” Aber darf ich auch schreiben: “Wird sich Lira nun das Lipgloss nachziehen?”? Etikettierte ich die Männerelf als “Jogis Jungs”, würde sich kaum einer dran stören. Für “die deutschen Mädels” hingegen bekäme ich einen Rüffel nicht nur von Kollegen. Sprech- und Schreibverbote, links und rechts, oben und unten. Heiliger deutscher Ernst!

Na, das kann was werden. Wollen wir mal hoffen, dass sich alles ein bisschen lockert, sobald der Ball rollt. Die WM soll doch keine humorfreie Veranstaltung werden. Apropos, diese Woche kursierte ein altes Video im Internet. Dort moderiert Wim Thoelke (ja, der vom Großen Preis) Frauenfußball zu einer Zeit, in der er noch verboten war: im Jahr 1970, kurz vor seiner “Legalisierung” durch den DFB. Auch wenn man nicht übersensibel ist – es ist ein erschreckendes Dokument aus einem anderen Land aus einer fernen Zeit. Und der deutsche Machisme kam nicht nur chauvihaft daher, sondern auch gehässig, uncharmant. Und eben humorlos.

Ab 17.30 Uhr wird hier live gebloggt, kommentieren Sie mit!

Kategorien: Nationalmannschaft

Manchester United – Schalke 04 4:1

Von 4. Mai 2011 um 22:45 Uhr

91′ Das Spiel endet standesgemäß, Neuer gräbt noch einen Schuss von Owen raus, insgesamt hatte er aber nicht seinen besten Tag. Dann ist Schluss. Manchester insgesamt zwei Klassen besser als Schalke, im Hinspiel noch deutlicher als heute. Analyse folgt morgen.

Manchester United zieht ins Finale nach Wembley ein, Gegner wird dort der FC Barcelona sein. London ruft. Das wird ein Fest. Ich tippe auf United.

Glory, Glory, Man United! Glory, Glory, Man United! We’re the boys in Red, an we’re on our way to Wemberly. Wemberly, Wemberly, we’re the famous Man United, and we’re goin’ to Wemberly.

Die Smiths haben leider keinen United-Song geschrieben.

76′ Tor für Manchester 4:1 Anderson Das geht jetzt deutlich zu schnell für Schalke. Gibson vertikal auf Berbatov, legt quer auf Anderson. Noch mal Manchestermucke:

Noel Gallagher hat mal gesagt, so einen guten Song wie “Live Forever” könne man nur in den Zwanzigern schreiben, mit Ende Dreißig nicht mehr. Das fand ich sehr traurig. Apropos, kommt Giggs heute nicht mehr? Nö, dafür aber Michael Owen.

72′ Tor für Manchester 3:1 Anderson Nani bricht rechts durch, Grundlinienrückpass (GLRP hat das mein Extrainer immer ausgedrückt), der Ball war eigentlich schon verteidigt, doch Anderson holt seinen eigenen Rebound. Einigen wir uns auf Unentschieden?

70′ Huch, Stürmer Huntelaar für Verteidiger Höwedes. Jetzt kanns noch mal lustig werden.

65′ Ich hab Jürgen Klopp nach dem Hinspiel vorige Woche gefragt, wie er gegen Manchester gespielt hätte und wie man das hätte besser machen können. Er sagte, er werde den Teufel tun und kluge Ratschläge geben, er habe ja noch nicht ein Spiel Champions League hinter sich.

Lässt sich nicht aufs Glatteis führen.

62′ Spiel verliert ein bisschen an Tempo. Schalke geht wohl ein wenig die Kraft aus, und Manchester muss ja nicht. Auffällig: Raul hat sich seit der Einwechslung Edus ins Mittelfeld fallen lassen, verteilt die Bälle.

55′ Ja! Das war so eine Szene, von denen wir uns mehr erhoffen. Neuer holt Andersons Ding aus dem Winkel.

52′ Ok, neues Quiz: Welches Spiel gilt in der Geschichtsschreibung als internationaler Durchbruch Ryan Giggs’?

48′ Wenn ich van der Sar sehe, muss ich jetzt immer an die Enke-Biografie denken. Van Gaal und sein Torwarttrainer Frans Hoek haben demnach Enke in Barcelona immer mit Hinweisen getriezt wie: “Van der Sar macht das so, van der Sar macht das anders. Stell Dich weiter vor wie van der Sar! Van der Sar hätte den Ball jetzt nach links gepasst!”

Bislang musste van der Sar noch nicht sehr eingreifen.

21:45 Quiz war zu einfach. kubowski23 hat schon gelöst: Sean Connery hätte in den 50ern beinahe für United gespielt. Damals aber noch nicht Sir.

Halbzeit 2:1 Sehr schnelles Spiel,kann auch an meinen bundesligagewöhnten Augen liegen. Für Schalkes bundesligagewöhnte Abwehr hier und da zu schnell. Aber es sieht besser für Blau-Weiß aus als im Hinspiel. In der Halbzeit unterhalten wir Sie mit ein paar Folkloretakten aus Manchester:

Die FAZ schrieb einmal: “In New Orders Klassiker schwingt so viel urbaner Frust mit, wie einem Nordengland unter Thatcher nur zufügen konnte.”

40′ Wir machen mal ein Quiz: Welcher berühmte Schauspieler hätte beinahe mal für Manchester United gestürmt?

34′ Tor für Schalke Manchester United 2:1 Jurado Schalke kann auch fest schießen, Jurado nimmt einen herrenlosen Ball auf und befördert ihn ins Tor. “Nur noch 3!”, singen die Schalker Fans. Das ist übrigens mein Lieblingscover der 11 Freunde.

30′ Tor für Manchester Gibson 2:0 Nach einem Einwurf kombiniert sich Manchester in den Strafraum, Valencia legt auf Gibson. Dessen Strahl kann Neuer nicht wegbaggern. Dieser Torwartfehler spart Bayern München rund 2 Millionen. Einigen wir uns auf Unentschieden?

26′ Tor für Manchester 1:0 Valencia Ballverlust Schalke an der Mittelline, dann braucht es nicht lange, bis Valencia alleine vor Neuer steht und ihn tunnelt. Messerscharfe Vorlage von Gibson. Einigen wir uns auf Unentschieden?

25′ Schnelles Spiel mit guten Zweikämpfen. Schalke hält gut mit, kommt im Gegensatz zu Manchester nicht mit dem Ball in den Strafraum.

15′ Senor Raul, unsere Hoffnung, Sie wissen doch, wo im Old Trafford das Tor steht:

10′ Schalke versucht, die United-Abwehr aggressiv zu pressen, ist auch nah dran. Doch weder van der Sar noch Rafael haben sich von zwei Gegnern aus der Ruhe bringen lassen.

8′ Schuss von Farfan aus 22 Metern, gar nicht ungefährlich. Neuer noch ohne Prüfung. Btw, Champions League bei Tageslicht – irgendwie ungewohnt.

1′ Spiel läuft. Inzwischen haben alle, die sich vor der Kamera geäußert haben, ob Kerner oder Beckenbauer, ob Krethi oder Plethi, beschworen: “Wer fünf Tore in Mailand schießt …” Alles ist drin, soll das heißen.

20:45 Zu Manchester fällt mir als erstes ein: Ian Curtis ist tot.

Aufstellungen

Manchester van der Sar – Rafael, Smalling, Evans, O’Shea – Gibson, Scholes, Anderson – Valencia, Berbatov, Nani
Schalke Neuer – Uchida, Höwedes, Metzelder, Escudero – Papadopoulos, Jurado, Baumjohann – Draxler, Raul, Farfan

Manchester United mit einer besseren B-Elf riskanten Aufstellung. Rooney und Ferdinand nicht im Kader, Giggs auf der Bank, Evra, Vidic, Fletcher und Hernandez auch. So kann man ein Champions-League-Halbfinale auch angehen: als Schongang für die nationale Liga.

Vorbemerkung

Wie lange hat Napoleon gebraucht, um sich von seiner Begegnung mit Wellington zu erholen? Nun, der französische Schlachtenlenker war kein Schalker. Denn der Schalker regeneriert schneller. Jedenfalls fährt die Delegation Blau-Weiß acht Tage nach ihrem Waterloo mit Mut heute nach Manchester und hofft auf ein Wunder. “Wenn sich die Chance ergibt, müssen wir da sein”, sagt Ralf Rangnick. “Wir müssen erneut über uns hinauswachsen”, ergänzt Benedikt Höwedes und denkt an Mailand.

War was? Bloß das Hinspiel des Champions-League-Halbfinals, das United mit 2:0 gegen Manuel Neuer Schalke gewann. Die Angelegenheit war, sagen wir, ein wenig einseitig. Aber vielleicht wird es heute ja doch noch mal spannend in Manchester. Wer weiß das schon in diesem unberechenbaren Sport? Wir sind jedenfalls live vor der Glotze dabei, bis zum Anpfiff um 20.45 Uhr unterhalten wir Sie mit ein paar Takten ortstypischer Musik:

Kategorien: Champions League