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Chef, sollen wir Trump verhindern?

 
Soll Facebook Donald Trump verhindern?
Trump verhindern? Die Mitarbeiter von Facebook träumen von großer Politik. © Gizmodo

Manche Fragen verraten unangenehm viel über den Fragesteller. Ein schönes Beispiel dafür lieferte kürzlich ein namentlich nicht bekannter Facebook-Mitarbeiter. Jede Woche, so berichtet Gizmodo, dürfen die Facebook-Angestellten an einer internen Umfrage teilnehmen. Gesucht werden Fragen, die ihr Chef Mark Zuckerberg beim nächsten, ebenfalls internen, Q&A beantworten soll. Die Frage des unbekannten Mitarbeiters lautete: What responsibility does Facebook have to help prevent President Trump in 2017? – Welche Verantwortung hat Facebook, dabei zu helfen, Präsident Trump zu verhindern?

Die Formulierung impliziert zweierlei: Erstens, dass Facebook tatsächlich die Präsidentschaftswahl in den USA beeinflussen könnte und nur noch entscheiden muss, es zu tun oder zu lassen. Zweitens, dass Facebook-Mitarbeiter lieber ihren Chef für sich entscheiden lassen, wer Präsident werden soll, als das eigenständig zu tun. Die wahren Beweggründe des Fragestellers werden wir nie erfahren. Zumal andere Fragen von der Belegschaft als viel wichtiger eingestuft wurden, zum Beispiel eine nach dem Geschäftsmodell von Konkurrent Snapchat.

Dennoch hat sich Facebook öffentlich geäußert, weil Gizmodo nachgefragt hat, ob Zuckerberg die Trump-Frage beantwortet hat. Facebooks Statement nimmt auf den konkreten Fall allerdings keinen Bezug. Das Unternehmen stellt lediglich klar, als neutrale Plattform agieren zu wollen und seine Nutzer niemals zu drängen, für oder gegen bestimmte Kandidaten zu wählen.

Bleibt die Frage: Wenn nicht einmal Facebook einen Präsidenten Donald Trump verhindert, wer dann?


10 Kommentare

  1.   Direct

    „Bleibt die Frage: Wenn nicht einmal Facebook einen Präsidenten Donald Trump verhindert, wer dann?“

    Mit „nicht einmal“ und „verhindert“ suggerieren Sie dass es jemand tun „muss“. Doch genau das ist der Fehler und allenfalls eine sehr linke Ansicht.

    Wenn die Wähler, d.h. „das Volk“, in den USA Trump wünschen und deshalb wählen und Trump Präsident wird – genau dann ist alles richtig gelaufen.

    Warum sollte Facebook so politisch sein, wenn es doch für ALLE politischen Richtungen einen Platz anbietet und Personen links, rechts, schwarz, weiß eine Plattform bietet.

    Ob Zuckerberg als Privatmann Trump befürwortet oder verabscheut, das steht schon wieder auf einem ganz anderen Blatt und ist seine Privatsache.

  2.   zarathustra²³

    Erst mal Respekt dass die Frage überhaupt mal in den „Medien“ beleuchtet wird.

    Das Facebook dazu keine Stellung nimmt, spricht wohl für sich. Es sei denn die amerikanischen „Thinktanks“ sind noch nicht darauf gekommen und nun hat man aus Versehen die Büchse der Pandora geöffnet.

    Marc selbst ist das sicher egal, mit ihm legt sich eh kein Präsident an, aber die Frage ist, könnte Facebook(willentlich oder gehackt) benutzt werden, durch ausgeklügelte Netzwerke von relativ wenigen Usern, die „viele Stimmen“ im Netz erzeugen.

    Es würde ja nicht viel bringen wenn Marc sagen würde „Hier wählt den nicht“, da würde die Hälfte sagen jetzt erst Recht.
    Die Beeinflussung muss halt sehr viel subtiler geschehen, als noch zu Zeiten des TV.
    Jedenfalls vermute ich mal, dass da Jemand dem Marc in die Suppe spucken wollte, weil halt schon brisant. Er wollte nicht umsonst anonym bleiben.

    Was mich an der ganzen Geschichte aber am meisten stört ist, dass man am Ende so auch Sanders verhindern könnte.

  3.   Frank Reich

    In der Umfrage taucht ja noch eine andere, wesentlich interessantere Frage auf:

    „Is the Brazil fiasco part of a pattern of excalating legal challenges to Facebook globally? Thinking of Germany’s hate speech issues too.“

    Impliziert für mich, dass man im Hause FB durchaus kritisch auf die politische Einflussnahme und die „freundlichen Hinweise auf die besondere Situation Deutschlands“ (O-Ton Zuckerberg in Berlin) blickt und sich die Frage stellt, ob das alles erst der Anfang ist. In diesem Kontext sehe ich auch eher die Frage in Sachen Trump, da sie Antipode zur erwähnten darstellt. Wer das eine will, muss das andere mögen – in jeder erdenklichen und nicht kalkulierbaren Konsequenz!

    Die durch die Bundesregierung erzwungene Weichspülkommission – um das Wort Zensur zu vermeiden -, erfreut sich zumindest nur geringer Beliebtheit. Und bezeichnend ist, dass sie in einen direkten Zusammenhang mit der Festnahme von Facebook-Mitarbeitern in Brasilien genannt wird, die sich politischen Befindlichkeiten nicht beugen wollten. Im Kern schwingt die Befürchtung mit, dass das Nachgeben dieser Erpressungen die Tore für jede Begehrlichkeit öffnen könnte, von dem und weswegen sie auch immer formuliert sein mögen. Die Frage nach Einflussnahme in der Präsidentschaftswahl ist daher konsequent: Was wäre, sähe man sich entsprechenden Forderungen ausgesetzt, weil es irgendwo angeblich „besondere Situationen“ gibt, denen eher subtil (Bundesregierung) oder gar mit der Brechstange (Brasilien) Nachdruck verliehen wird?

    Die Frage ist also nicht, ob „Facebook Trump verhindert“, sondern wer verhindert, dass aus politischen Partikularinteressen solch ein Druck auf ein „neutrales Netzwerk“ ausgeübt werden kann. Und diese Frage ist beim Ausgangspunkt der Manipulationsmisere zu stellen – nämlich hierzulande!

  4.   qznc

    Es gibt eine Studie zu diesem Thema: „The search engine manipulation effect (SEME) and its possible impact on the outcomes of elections“ Dort schätzen Robert Epstein und Ronald E. Robertson, dass eine Suchmaschine (wie Google) eine Wahl um ca. 20% verschieben könnte.

    Wenn man Verschwörungstheorien mag, dann verbinde man diese Information damit, dass Eric Schmidt, Präsident von Google, eine Firma namens The Groundwork gegründet hat, um Hillary Clinton beim Wahlkampf zu helfen.

    Falls Zuckerberg will, könnte Facebook bestimmt die Wahl beeinflussen. Das Risiko ist es aber nicht wert. Was hätte Facebook denn zu gewinnen?

  5.   mr_murdock

    @ Frank Reich

    Sie sprechen da einen sehr wichtigen Punkt an.
    In der Tat ist es von großer Bedeutung, ob politische Akteure es schaffen, soziale Netzwerke zu missbrauchen (damit meine ich eine direkte Einflussnahme, die weit über das übliche Werben auf der Plattform hinausgeht, die jedem Akteur gleichermaßen offensteht), um die öffentliche Meinung in einem selbst definierten Interesse zu manipulieren.
    Dennoch ist das nicht die einzig relevante Frage.
    Interessant ist doch genauso, ob sich ein Konzern wie Facebook ebenfalls als politisches Subjekt begreift, das seine Marktmacht dazu einsetzt, um seinerseits seine Nutzer für einen selbstdefinierten politischen Zweck zu manipulieren. Natürlich gilt das schon seit Jahrzehnten z.B. für Zeitungen und Fernsehen, aber wenn ein konzern, der eine erklärtermaßen „neutrale“ und eigentlich unpolitische Plattform betreibt, sich derartig betätigen würde, dann stellten sich auch noch weitergehende Fragen, z.B. hinsichtlich einer Entwicklung hin zur, ich nenne es einfach mal so, Konzernherrschaft.

  6.   Lightbringer

    @Direct
    Folgt man der Logik, dann ist 1933 auch „alles gut gelaufen“. Das Volk hat den kleinen Österreicher ja schließlich auch gewählt. Und das bisschen „Unsinn“, was der angestellt hat …

  7.   Frank Reich

    @Mr. Murdock
    Unbestritten, auch die direkte Einflussnahme eines Konzern ist eine mögliche wie ernstzunehmende Gefahr, welche der Artikel ja auch (berechtigterweise) thematisiert. Relevant ist in diesem expliziten Fall jedoch die Reaktion der Mitarbeiter, die dieser Frage die geringste Bedeutung beimessen.
    Ich sehe es ein Stückchen auch der nordamerikanischen Kultur geschuldet, welche traditionsbedingt und universell auf den Wortlaut der Verfassung beharrt. Man scheint Grundrechte eher weniger zu hinterfragen, sondern sich dem Gedanken verpflichtet zu sehen, dass es eben ein „bißchen schwanger“ nicht gibt. Entweder es gibt eine verfassungsmäßig garantierte Meinungsfreiheit – und diese ist absolut – oder eben nicht.

    Ich bin mir im Klaren, dass Konzerne wie Twitter, Facebook, Google usw. nicht absolut altruistisch sind, aber dennoch glaube ich, dass in solcherlei Belangen, über welche wir hier debattieren, eine andere Sicht vorherrschend ist. Nehmen wir bspw. internationale Spannungsfelder, die schon seit Jahren globale Manipulationen ermöglichen könnten: Russland, China, Naher Osten usw. usf. Am Beispiel Google muss man konstatieren, dass diese sich gar aus China zurückzogen, da sie andernfalls ihre Neutralität usw. nicht gewahrt sahen. Diese Unternehmen „leben“ auch ein stückweit von diesem global entgegengebrachten Vertrauen, sich eben nicht vereinnahmen zu lassen. Inwieweit es tatsächlich so ist, ist natürlich schwer nachvollziehbar (ungeachtet ökonomischer Eigeninteressen, Stichwort Google-Ranking, was hier aber nur sekundär von Belang ist).
    Jedenfalls: Wäre es Unternehmenspolitik sich parteiisch zu zeigen, wäre es schnell vorbei mit der Akzeptanz. Selbst im Falle der Verhinderung von SOPA tat man sich anfangs schwer eine „Meinung“ zu haben und diese zu formulieren. Als man es tat, verfolgte man ein eindeutiges Ziel: Informationsfreiheit.

    Ich wage daher die kühne Behauptung, dass Facebook, Google und Co. von sich aus nicht in nationale politische Debatten einmischen, diese behindern, beeinflussen oder steuern würden.
    Taten sie es, wurden sie immer von außen – vornehmlich der jeweils zeitgeistigen Politik – dazu gezwungen (bezeichnenderweise nimmt BRD hierbei einen der vorderen Ränge ein!). Und zumeist, was mich am meisten ärgert, ohne wahrnehmbar formulierten Unmut: bspw. Google in Sachen Chillingeffects oder jetzt eben FB und Twitter mit ihrem den Rechtsstaat wie Rechtsweg umgehenden privaten „Wahrheitsministerium“.

    Als libertären Selbstdenker empfinde ich das als in höchstem Maße bedenklich und ich verstehe beim besten Willen nicht, wie auch nur eine sich intelligent nennende Person solcherlei Entwicklungen, regelmäßig äußerst hämisch und schadenfroh, da es ja „nur“ abgelehnte Sichtweisen betrifft, begrüßen kann.

  8.   Interessantes Selbstverständnis hat die Zeit da ...

    Aufschlussreich.

    Anstatt die Anmaßung in der Luft zu zerfetzen, dass ein Unternehmen auch nur mit dem Gedanken spielt, in einen demokratischen Prozess einzugreifen resp. ihn zu manipulieren, wird hier tatsächlich nicht nur relativiert, sondern sogar gerechtfertigt.

    Als ob es eigentlich die Pflicht wäre, einen unliebsamen (unliebsam für wen eigentlich?) Kandidaten zu eliminieren.

    Kleiner Tip gefällig? Sowas „backfired“ so dermaßen, das könnt ihr Medienfuzzies auch nicht in euren übelsten Alpträumen zusammenphantasieren.

  9.   Z70

    “Bleibt die Frage: Wenn nicht einmal Facebook einen Präsidenten Donald Trump verhindert, wer dann?”

    Diese Frage lässt auf mangelndes Demokratieverständnis schließen. Wer hat entschieden, dass Trump verhindert werden muss? Wenn die Amis diesen… ich zensiere mich an dieser Stelle besser selbst …wollen, sollen sie ihn bekommen. Ich muss hier schließlich auch mit Merkel leben.

  10.   E. Mechtel

    @Lightbringer
    Da muss ich widersprechen: Hitler wurde nicht vom Volk gewählt. Bei der letzten freien Wahl bekam die NSDAP 33,1 %, bei der Wahl davor ihren höchsten Wert mit 37,4 %. https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahlen_in_Deutschland#Ergebnisse_1919_bis_1933
    Hitler wurde von Hindenburg ernannt. Und hinter ihm standen bekanntlich „Millionen“- Reichsmark von der deutschen Industrie. Ich frage mich, wer mehr „Millionen“ hinter sich hat: Trump oder Clinton?