Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Ein Gedicht! Klassische Lyrik

Er schafft’s

Von 27. Juni 2014 um 12:00 Uhr

(nach Eduard Mörike, »Er ist’s«)

Fußball lässt sein ledern Rund
wieder fliegen durch Arenen,
macht die Taschen voll all jenen,
die sich laufen Hacken wund,
doch auch Manager
können hier verdienen.
– Horch, hier klingt es kaum nach Freude
mehr!
Fußball, ja du schaffst’s,
Liebe zu verminen.

Jörg Schwenzfeier-Brohm, Monheim am Rhein

Effi Briest Easy Reader

Von 21. Juni 2014 um 18:00 Uhr

(nach Theodor Fontane »Effi Briest«)

Kuss.
Genuss.
Erguss.
Verdruss
Schuss.
Schluss.

Andreas Graf, Köln

heidekonzert

Von 3. Juni 2014 um 18:00 Uhr

immen summen
hummeln brummeln
grillen geigen

grillen geigen
immen summen
hummeln brummeln

hummeln brummeln
grillen geigen
immen summen

oh wie köstlich hermann löns
klingt uns dein naturgedöns

Jürgen Maruhn, Marburg

Der Dater

Von 28. Mai 2014 um 18:00 Uhr

(nach Rainer Maria Rilke, »Der Panther«)

Sein Klick ist von vorüberziehenden Profilen
so müd geworden, dass ihn nichts mehr hält.
Ihm ist, als gäb’s der Singles viele,
doch hinter tausend Fotos keine Welt

Die große Zahl gefällig schöner Frauen,
die sich vor seinem Auge zeigt,
scheint wie ein Auftrag, endlich sich zu trauen,
sonst wär die Chance vielleicht vergeigt

Nur manchmal tut sich die Fassade
ganz sachte auf, dann geht ’ne Nachricht ein.
Er liest und denkt sich: spannend,
schön und süß wie Schokolade
und hofft, die Frau ließ’ doch sich auf ihn ein

Philipp Kuhn, München

annas ananassalat

Von 24. Mai 2014 um 15:00 Uhr

(nach Ernst Jandl, »ottos mops«)

anna fragt: macht
ananas an
papa sagt: ananas
macht krank
mama sagt: ananas
macht alt
adam sagt: quatsch

anna mag adam
anna macht adam
ananassalat
adam mag annas
ananassalat
ananas macht adam an

adam: ach, anna, ach
anna: mach was, adam
adam macht was
anna: ah ja ja

Paul Pfeffer, Kelkheim

Frühling

Von 15. Mai 2014 um 18:00 Uhr

(nach Eduard Mörike, »Er ist’s«)

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder knattern durch die Lüfte.
Treibstoff! Wohlbekannte Düfte
Streifen abgasvoll das Land.
Fahrradfahrer träumten schon,
Wand’rer wollten kommen.

– Horch, von fern ein Martinshorn!
Frühling, ja das ist dein Ton!
Dich hab ich vernommen.

Claudia Kufeld, Kierspe, Nordrhein-Westfalen

Roboter, 2020

Von 9. Mai 2014 um 18:00 Uhr

(nach Rainer Maria Rilke, »Gott im Mittelalter«)

Und sie planten seine Konstruktion
und sie wollten, dass er sie entlaste,
und sie bauten schließlich eine Taste
(zu verhindern eine Fehlfunktion)

in die Mitte seines Steuerschaltpults
auf dem Rücken. Und er sollte nur
rastlos, als Triumph des Technikkults,
dienend kreisen und in einer Tour

Sklave sein bei ihrem Tun und Walten.
Aber plötzlich kam er ganz in Gang,
und die Forscher, die das nie gedacht,

ließen weitergehn ihn, hilflos bang,
kopflos, ohne den RESET zu schalten,
und entflohn vor seiner kalten Macht.

Klaus Graeff, Hennef

Nicht! Nicht mehr!

Von 26. April 2014 um 15:00 Uhr

(frei nach Kurt Tucholsky)

Ein leichter Schock umnebelt die Gedanken:
Verdammt! Was soll der kalte Wind?
Die Winterreifen sind
in der Garage, seit dem letzten Tanken.

Was wehen jetzt des Winters Lüfte,
und die Natur steht wieder still?
Auch der April
verweigert die gewohnten Düfte.

Du lieber Gott, da ist doch nichts dahinter,
wenn dieser Bär sich murrend schleckt
weil wieder aufgeweckt?
So zieh ich mich zurück aus Angst vorm Winter.

Das hab ich nun. Ich muss am Ofen hocken,
die Animalität war zu früh wach.
Ich werde schwach.
Den Apfelblütenregen will ich, keine Flocken!

Joseph Rossa, Weerberg, Österreich

Die Fernseherin Lizzie

Von 18. April 2014 um 18:00 Uhr

(nach Matthias Claudius, »Die Sternseherin Lise«)

Ich sehe gern nach Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan
Und keiner sonst im Hause wacht,
Mir alte Streifen an.

Sie funkeln mir ins Aug’, zerstreut
Wie Kurzschluss-Licht im Flur;
In Serie und aufgereih’t
Wie Perlen an der Schnur;

Sie flimmern alle stundenweit,
Und flackern hell und schön;
Ich schau auf meinen Flachschirm breit
Und kann nicht satt mich sehn.

Man fragt im Heft »Die Fernseh-Welt«,
Und das bewegt die Brust:
»Gibt’s Schön’res unterm Himmelszelt
Als all die Flimmer-Lust?«

Ich werf mich auf mein Boxbett hin,
Und lieg noch etwas wach,
Und denk doch über tief’ren Sinn
Nicht mehr sehr lange nach.

Lothar Schwarz, Troisdorf-Bergheim

Gesucht

Von 12. April 2014 um 15:00 Uhr

(nach Johann Wolfgang von Goethe, »Gefunden«)

Ich ging durch die Straßen
So für mich hin,
Die Stadt lag verlassen,
Und trüb war mein Sinn.

Da sah ich im Schatten
Ein Denkmal stehn,
Ein Mägdelein war es,
So wunderschön.

Ich wollte es bringen
Zu meinem Heim,
Dies tat mir gelingen,
So will es der Reim.

Ich hob sie vom Sockel,
Grub für sie ein Loch.
Sie stand wie ein Gockel
Und steht immer noch.

Ich habe gefunden,
Was stets ich gesucht:
Ein Mädchen aus Marmor,
Sie ist eine Wucht.

Gabriele Lins, Dormagen