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All We Are

Drei sympathische Stimmen und jede Menge Musikalität: Das junge britische Trio bezaubert sein Publikum am 25. Februar in der Prinzenbar.

Als junge Band muss man sich heutzutage schon genau überlegen, welchen Namen man sich verpasst. Ist er auch Suchmaschinen-kompatibel? Gibt es schon jemanden, der so heißt? Im Fall von All We Are ist es – sagen wir mal – suboptimal gelaufen. Warum? Weil es, und zwar ausgerechnet von der deutschen Heavy-Metal-Legende Warlock um Sängerin Doro Pesch, einen Hit gleichen Namens gibt. Als sei das nicht genug, hat nun auch noch eine irische Hip-Hop-Crew ihr aktuelles Album so benannt. Egal: Hier geht es um ein bezauberndes Trio mit Wohnsitz in Liverpool, das kürzlich sein Debüt-Album veröffentlicht hat und deren Lieder jeden melodie- und harmonie-verliebten Musikhörer sofort gefangen nehmen: drei sympathische Stimmen, ein Hang zum Falsettgesang, halbakustische Instrumente, Steh- beziehungsweise minimales Electro-Schlagzeug und jede Menge Musikalität – da kann nichts schief gehen. Auch nicht am 25. Februar in der Prinzenbar.

 

„True Crime“

Ex-IRA-Aktivist Sam Millar liest aus seinen Memoiren. Dazu gibt es Steve McQueens preisgekröntes Knastdrama „Hunger“ von 2008 zu sehen.

Sam Millar, Jahrgang 1955, war Mitglied in der IRA. Geprägt haben ihn die Gewalt auf den Straßen Belfasts und jahrelange Gefängnisaufenthalte. In den USA schlug er sich als Straßenverkäufer und Portier durch, bevor er sich schließlich seinen Traum eines eigenen Comic-Ladens erfüllte. Berühmt wurde er für ein großes Ding bei Brinks – einen Überfall auf ein Gelddepot im Jahr 1993, der ihm die nächste Haftstrafe eintrug, bis er 1997 entlassen wurde. Von all dem erzählt Sam Millar in seinen 2003 erschienenen Memoiren (an denen sich Warner Bros. zunächst die Filmrechte sicherte, um sie gleich wieder frei zu geben, nachdem die Bush-Regierung Millar die „Verherrlichung von Terrorismus“ vorwarf). Seine Lesung aus True Crime im 3001 Kino illustriert Millar mit Steve McQueens preisgekröntem Knastdrama Hunger.

 

Nabelschau

Die fragile Mechanik zwischenmenschlicher Konflikte: Maike Höhnes Film „3/4“ ist am 24. Februar im Metropolis Kino zu sehen.

Sabine will ein Kind. Michael hat schon eins, das reicht ihm. Eine nicht ungewöhnliche Situation, die doch nicht so einfach ist. Was tun, wenn der eine Partner möchte und der andere nicht? Trennung? Das Paar ist um die 40, lebt in Hamburg-Altona, gerät wegen eben dieser Differenzen in eine Krise … bis Sabine (Helene Grass) eine Entscheidung trifft und Michael (Gerd Boysen) endlich sagt, was er fühlt. Wie bereits mit ihrem Kurzfilm Eine einfache Liebe verdeutlicht die Regisseurin Maike Höhne mit ihrem Drama 3/4 in nunmehr erweiterter Form die fragile Mechanik zwischenmenschlicher Konflikte. Beim Filmfest Hamburg war 3/4 für den NDR-Nachwuchspreis nominiert. „Ein kleiner, sympathischer Film mit schönen Fahrradfahrten durch Hamburg“, befand die taz nord. Am Abend des 24. Februar stellt der Filmemacher Romeo Grünfelder den Film im Metropolis vor. Maike Höhne ist ebenfalls zu Gast.

 

John Neumeier

Die Ballettschule des HAMBURG BALLETT ist vom 23. Februar bis zum 1. März mit der „Werkstatt der Kreativität“ im Ernst Deutsch Theater zu Gast.

Ein kreativer Geist herrscht in der Ballettschule des HAMBURG BALLETT – John Neumeier. Und zum bereits sechsten Mal wird dieser bei der Werkstatt der Kreativität VI im Ernst Deutsch Theater sichtbar, wenn 22 Schülerinnen und Schüler der Theaterklassen ihre Abschlussarbeiten zur Aufführung bringen. In zwei Programmen, über sechs Abende verteilt, zeigen die Nachwuchstänzer ihre Produktionen, bei denen sie neben den Choreografien auch für Musikauswahl, Kostüme, Licht- und Bühnengestaltung verantwortlich waren. Mitschülerinnen und -schüler sorgen für die tänzerische Umsetzung. Für die Absolventen ist es der letzte Schritt ihrer Ausbildung und der erste in die Zukunft als professionelle Tänzer und Choreografen. Das erste Programm läuft vom 23. bis 25. Februar, das zweite vom 27. Februar bis 1. März.

 

„Das Käthchen von Heilbronn“

Birte Schnöink findet die überraschende Stärke in traditionellen Frauenrollen. Jetzt spielt sie eine radikale Träumerin. Das Stück läuft am 22. und 25. Februar im Thalia Theater.

Als Nächstes stehst du im Thalia Theater als Käthchen von Heilbronn auf der Bühne. Das Käthchen läuft einer scheinbar unerwiderten Liebe hinterher und gibt sich dabei vollkommen auf. Was ist die Stärke dieser Figur?

Das Käthchen hat die Fähigkeit, ihrem Instinkt zu folgen, ihrer Intuition. Sie folgt ihrem Traum, egal, was passiert. Das ist eine große Stärke. Gar nicht so einfach an Kleists Text ist für mich allerdings, dass sie sich darin so unterwürfig zeigt vor dem Grafen Wetter von Strahl, diesem Mann, den sie liebt, von dem sie geträumt hat. Ständig fällt sie vor ihm auf die Knie. Ich frage mich, ob es einen Weg gibt, das tatsächlich mit Stärke zu tun? Oder finden wir vielleicht einen anderen Weg?

Nachdem das Käthchen dem Grafen ein Dreivierteljahr hinterhergelaufen ist, bekommt sie ja, was sie will.

Ja. Aber auch dann fällt sie erst einmal in Ohnmacht. Es ist seltsam, in dem Moment, in dem sich ihr Traum plötzlich doch erfüllt, kann sie es nicht ertragen. Das Stück ist voller Widersprüche.

Die Frage ist ja auch, zu welchem Preis sich ein Traum überhaupt erfüllen darf…

Interessant ist, dass Kleist in einem Brief geschrieben hat, dass er eigentlich gerne noch einen zweiten Teil des „Käthchens“ schreiben würde. In diesem sollte der Graf dann dem Käthchen hinterherrennen.

Schade, dass er das nicht getan hat! Kannst du ein bisschen etwas über die Inszenierung unter der Regie von Bastian Kraft verraten? Warum ist dieses „Historische Ritterschauspiel“ auch heute interessant?

Das Interessante daran ist das Widersprüchliche, Unerklärliche. In dem Moment, in dem wir versuchen würden, alles zu erklären und virtuos zu machen, würde es langweilig. Deswegen suchen wir nach dem Dazwischen. Es geht viel um das, was zwar da ist, was man aber nicht sieht. Um den Traum und die Wirklichkeit. Der Traum ist in dem Stück wirklicher als die Wirklichkeit, weil er mehr Wahrheit hat als die Wirklichkeit. Es gibt ein Aufwachen und es gibt noch ein Aufwachen und es gibt noch ein Aufwachen.

Interview: Katharina Manzke

 

Kitty, Daisy & Lewis

Old fashioned, aber im besten Sinn: Das britische Trio präsentiert die Songs ihres neuen Albums „The Third“ live in der Großen Freiheit 36. Das Konzert ist ausverkauft.

Junge Leute machen alte Musik, Teil 17: Kitty, Daisy & Lewis sind zusammen noch keine 100 Jahre alt und kommen von den britischen Inseln. Ihr Style, von den Frisuren über die Kleiderordnung bis hin zu den Songs und wie sie aufgenommen werden, ist strikt retro und würde eher in irgendein US-Südstaaten-Kaff der 1950er Jahre passen. Die Musik setzt sich zusammen aus R ’n‘ B-, Swing-, Country-, Rockabilly- und Rock ’n‘ Roll-Elementen, das Instrumentarium ist absolut vintage, und bei ihren Aufnahmesessions – so heißt es – werde aus Prinzip keine digitale Technik verwendet. Alles in allem so überzeugend wie charmant. Und – in diesem Fall kann man es mal so sagen – der Erfolg gibt ihnen recht. Allein die Kollaboration mit den blöden BossHoss im Jahr 2012 war unter ihrer Würde. Aber wahrscheinlich hat die irgendein Plattenfirmenfuzzi dazu verdonnert…

 

Die Heiterkeit

Das Hamburger Trio feiert seinen fünften Geburtstag – mit Freunden, Bekannten und einer großen gemeinsamen Live-Sause im Uebel & Gefährlich.

„Alles ist so neu und aufregend, Bier trinken in der Bar“, heißt es im gleichnamigen Song „Alles ist so neu und aufregend“ von Die Heiterkeit. Ein Satz, der durchaus als Maxime für die Anfänge des Hamburger Trios herhalten kann. Als Stella Sommer und Stefanie Hochmuth 2010 am verrauchten Tresen der Mutter Die Heiterkeit auf die Welt brachten, hätten sie wohl nicht gedacht, dass sie fünf Jahre später mit ihrem unaufgeregten und nicht immer perfekten Sound zu Hamburgs Vorzeigebands gehören. Gemeinsam mit Rabea Erradi startete das Trio damals eine Inszenierungsoffensive: Logo, Hochglanzfotos und Merchandise waren bereits auf dem Markt, bevor der erste Song überhaupt geschrieben war. Nach dem Hype um ihr Debüt-Album Herz aus Gold (2012) und dem Ausstieg von Hochmuth war dann nicht unbedingt zu erwarten, dass sie dieses Level werden halten können. Mit Monterey (2014) und Anna-Leena Lutz am Schlagzeug aber haben sie bewiesen: Die Heiterkeit ist zurück in der Factory und bringt uns noch mehr tolle neue Songs. Gemeinsam mit musikalischen Gästen wie Chris Imler, Jens Friebe, Andreas Spechtl (Ja, Panik) und vielen mehr feiern sie ihren Geburtstag jetzt im Uebel & Gefährlich.

Text: Christopher Zieske

 

Jahresausstellung

Alle Stile, alle Klassen – vom Erstsemester bis zum Absolventen: Die Jahresschau der Hochschule für Bildende Künste ist vom 25. Februar bis zum 1. März zu besichtigen.

Da der übliche Juli-Termin aufgrund der geänderten Regelstudienzeiten für Bachelor- und Masterstudiengänge seit 2014 der Absolventenausstellung vorbehalten ist, findet die Jahresausstellung der Hochschule für Bildende Künste im Jahr 2015 erstmals zum Ende des Wintersemesters statt. Auch diesmal zeigen alle Studierenden, vom Erstsemester bis zum Absolventen, das breite Spektrum ihrer Arbeiten. Wie immer wird es voll werden, trubelig und hoffentlich auch interessant. Geöffnet sind sämtliche Ateliers, Werkstätten und Klassenräume, die gemeinsam mit Professoren wie Anselm Reyle, Andreas Slominski, Thomas Demand, Wim Wenders oder Jutta Koether (Foto) gestaltet werden. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März zu besichtigen. Halten Sie Ihre Augen geöffnet: Vielleicht ist ja der Jonathan Meese von übermorgen auch mit dabei …

 

Mode aus Hamburg

Sechs urbane Labels zeigen an sieben Tagen ihre Kollektionen in einem „begehbaren Onlinestore“ im Betahaus – organisiert vom Designbüro MGDB.

Das junge Hamburger Designbüro MGDB installiert ab dem 21. Februar seinen temporären Showroom THRSVN (threeseven) im Betahaus, einem Ort für Coworking und Start-ups. In kreativer Umgebung zeigen sechs urbane Hamburger Modelabels für jeweils drei Stunden an sieben Tagen ihre Kollektionen. Mit dabei sind Dawn Denim, Bidges & Sons, Pretty Sucks, Lies in Layers, Aight und Sahra Tehrani. Das Konzept des Pop-up-Stores verbindet die analoge mit der digitalen Einkaufswelt. Vor Ort können die Waren der Designer anprobiert werden. Was gefällt, wird im „begehbaren Onlineshop“ mittels iPad bestellt – zu einem Special Price. Die guten Stücke kommen einige Tage später frei Haus zur Wunschadresse. Zur Eröffnung am 21. Februar legt der französische DJ Matthieu groovy House auf.

 

D’Angelo

Der Neo-Soul-Messias aus Virginia kehrt 15 Jahre nach seinem letzten Album wieder zurück ins Musik-Business.

Schon irre, wie ein einzelnes Video auf Jahre einen Künstler prägen kann: Noch heute ist D’Angelo für viele der sexy Sänger aus dem Video zu Untitled (How does it feel?): sinnliche Lippen, durchtrainierter Körper, Schweißperlen auf dem Bauch und dazu eine Stimme, die nicht nur Frauen ganz wuschig machte. 14 Jahre ist das her. 14 Jahre, in denen der Sänger mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden war, nur um jetzt mit seinem neuen, dritten Album Black Messiah wie ein Phönix aus der Asche zu steigen. Songs wie Ain’t That Easy, The Charade oder auch Sugah Daddy lösen alles ein, was man sich vom schwarzen Soul-Messias wünschen kann: Sie klingen geschmeidig, ambitioniert, mutig, warm und elaboriert. Black Messiah ist D’Angelos erhofftes Meisterwerk, mit dem keiner auch nur im Entferntesten noch gerechnet hatte; und jetzt präsentiert er das Album auch noch live im Docks!

Text: Jan Kahl