Punk aus Hamburg, Reggae in Kingston, der Sound von Belgien und die russische Avantgarde: Im B-Movie erklingt das Musikfilmfestival Unerhört!.
Fürs Warm-up sorgen Hamburger: 1,7 heißt das audiovisuelle Tour-Tagebuch, das die Richtung vorgibt. Das Roadmovie mit den wiedervereinigten Ur-Punks von Slime sorgt zum Auftakt des 8. Musikfilmfestivals Hamburg am 7. November für ein Fernweh, das sich umgehend stillen lässt. So führt Rise up (7. November) ins jamaikanische Reggae-Mekka Kingston, wo drei junge Nachwuchstalente sich mit unterschiedlichen Strategien um einen Platz im Rampenlicht bewerben. Electro Chaabi (8. November, Foto) stellt den Sound des Arabischen Frühlings und dessen ägyptische Protagonisten vor. Tanzpaläste und Dancefloors unserer westlichen Nachbarn präsentiert The Sound of Belgium, und Elektro Moskva (9. November) rekapituliert die Geschichte der avantgardistischen Musik in Russland – von sowjetischen Experimenten bis zu zeitgenössischen Exporten.
Da prallen Welten aufeinander: Zum Musikevent am Schulterblatt haben sich Frank Spilker, Mary Ocher und H. P. Baxxter angekündigt.
Wenn Menschen aus den unterschiedlichsten Welten und Lebenslagen aufeinandertreffen, ist das immer spannend. Das gilt natürlich auch in der Musik. Man denke nur mal an Heinos Gastspiel beim Wacken oder jüngst an die Kollaboration von Lady Gaga mit Entertainer-Urgestein Tony Bennett. Operation Ton, die bundesweite Konferenz für musikalische Zukunftsfragen, organisiert und veranstaltet von Rockcity e.V., hat es sich seit 2007 zur Aufgabe gemacht, „Informations-, Inspirations- und Präsentationsplattform für Musiker und Musikschaffende im ganzen Bundesgebiet“ zu sein. Bei der achten Auflage haben sich die Macher, was die Liste der angekündigten Künstler und Referenden angeht, selbst übertroffen. Da zieren Namen von Subkultur-Ikonen wie Mary Ocher, Wenzel Storch oder Simon Bauer (Hans Unstern) genauso das Plakat wie von Popularmusikweichenstellern à la Michelle Leonard, Moses Schneider und, Trommelwirbel bitte, H. P. Baxxter. Am 7. November wird der Scooter-Frontman von Frank Spilker (Die Sterne) zu einem Gespräch gebeten. Auch sonst hat Operation Ton #8 noch unzählige tolle Events zu bieten. Also am besten schnell das 2-Tagesticket (38 Euro) sichern und vor Ort alles selber auschecken.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Bonzen, Broker, Banken: Die Hamburger Fotografin Paula Markert lädt zur Buchveröffentlichung und Ausstellung ins Hinterconti.
„Für den normalen Menschen ist Geld gleich Lebenszeit. Er hat sich das Geld abgespart, hat auf Konsum verzichtet, Überstunden gemacht und lange und mühsam gespart“, erzählt Helge Petersen. „Ist dann die Summe groß genug, wird im Rahmen der Beratung das Geld verschoben, zum Wohle der Bank.“ Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht ist einer der Akteure, die die Hamburger Fotografin Paula Markert in den Finanzmetropolen Paris, Frankfurt, New York und London aufgesucht hat. Entstanden sind erzählerische Bilder, die einen Blick hinter die Finanzwelt werfen. Darunter Broker mit schlecht sitzenden Anzügen und dicken Bäuchen, die lauthals über die Occupy-Bewegung schimpfen. Aber auch jene, die der Branche entkommen sind. So wie Thomas Brauße, der im Frankfurter Bankenviertel eine Würstchenbude eröffnet hat und sich endlich wieder so benehmen kann, wie er will. Eine Auswahl der Bilder sowie begleitende Texte erscheinen nun bei Klingenberg Books – eine Ausstellung der Bilder erfolgt im Hinterconti.
Nach der schwersten Trennung ihres Lebens schrieb die Indiepop-Musikerin ihr neues Album – anrührend und roh klingt das Ergebnis.
Es ist eine bittere Ungerechtigkeit, dass die beste Musik in der Regel nicht von den glücklichsten Orten kommt. Die schwedische Singer-Songwriterin Lykke Li schrieb ihr aktuelles Album nach der schmerzhaftesten Trennung ihres Lebens, wie sie sagt. „I Never Learn“ ist darum von einer emotionalen Rohheit, die man Lykke Li gerne erspart hätte. Im Titeltrack etwa singt sie „I lie here like a starless lover. I’ll die here as your phantom lover. I never learn. I never learn.“ Ob die drumherum entstandenen, anrührenden Indiepop-Songs das Herzleid wert waren, steht niemandem zu beurteilen. Verzichtet hätte man aber ungerne auf sie. Die neuen Stücke ihres dritten Longplayers präsentiert die talentierte Sängerin, die an der sonnigen Westküste der USA lebt, in der Großen Freiheit.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Ausflug an die Ostsee – zum Indoor-Festival am Weißenhäuser Strand mit den Editors, einer Plattenbörse und Lesung von Sven Regener.
In seinen Anfangstagen wirkte der Rolling-Stone-Weekender an der Ostsee noch ein wenig sonderbar: Was will man auf einem Indoor-Festival? In einer Ferienanlage, die zwar ein Schwimmbad mit Wasserrutsche hat, aber keinen Hauch von Rock’n’Roll verspricht? Nun, vielleicht genau das. Wer auf Isomatten und warmes Bier Wert legt, hat nach wie vor den Festivalsommer, der Herbst gehört dem gemütlich-warmen Rolling-Stone-Weekender und seiner familiären Klientel. Und den Rock bringen die Bands schon mit: Die größten Namen des zweitägigen Musikfests lauten dieses Jahr Editors, Selig und Undertones (deren Hit Teenage Kicks der Lieblingssong des legendären Radio-DJ John Peel war), außerdem kommen Ex-Hüsker-Dü-Gitarrist Bob Mould, der Hamburger Singer-Songwriter Niels Frevert, Wilco-Chef Jeff Tweedy (Foto), Blood Red Shoes und viele weitere Künstler an den Weißenhäuser Strand. Dazu gibt es wieder Plattenbörsen, Plakatkunst und Lesungen (von Sven Regener, Oliver Polak und Eric Pfeil) als Rahmenprogramm. Die Übernachtungsmöglichkeiten in der Anlage sind mittlerweile ausgebucht, Tagestickets sind weiterhin verfügbar.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Giulio Ricciarellis Justizkrimi um einen Pädagogen und ehemaligen Auschwitz-Aufseher führt zurück in die junge Bundesrepublik.
„Kein schöner Land …“ Was der Kinderchor zu Beginn des Films singt, gibt das Selbstverständnis der bundesrepublikanischen Gesellschaft des Jahres 1958 wieder – nach Westbindung, Gewinn der Fußball-WM und Wiederbewaffnung, 13 Jahre nach Kriegsende, davon neun unter Adenauer. Dass dessen Kanzleramtschef die Nürnberger Rassengesetze mitverfasst hatte, konnte nur Böswilligen missfallen. Dass aber auch der erwähnte Schulchor von einem Alt-Nazi dirigiert wird, will einer nicht so hinnehmen: der junge Frankfurter Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling). Weil der Pädagoge nach Aussagen eines Journalisten im Vernichtungslager Auschwitz als Aufseher tätig war, beantragt er dessen Entlassung. Doch vergeblich. Penibel recherchiert und historisch prachtvoll ausgestattet, erzählt der Debütfilm Im Labyrinth des Schweigens von Giulio Ricciarelli die Vorgeschichte des ersten Auschwitzprozesses aus einer fiktiven, subjektiven Perspektive. Nur kurze Zeit nach dem Eichmann-Prozess wurde die breite Öffentlichkeit erstmals mit den massenhaften Verbrechen auch „einfacher“ Wehrmachtsangehöriger in den Lagern konfrontiert.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Zwischen den Kriegen: Torsten Diehls Stück setzt das Attentat von Sarajevo 1914 zu dem Konflikt in der Ukraine in Beziehung.
Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg gibt es beunruhigende Anzeichen, dass das Kriegsgespenst aus dem vermeintlich friedlichen Europa nicht ganz verbannt wurde. In seinem Stück Endgegner setzt der Autor Torsten Diehl das Attentat von Sarajevo 1914 zu dem Konflikt in der Ukraine in Beziehung. Dabei ist er nicht an der Schuldfrage interessiert, sondern an dem Mechanismus, der dahintersteckt. Die Protagonistin Matilde sucht nach einem Mann, doch scheint sie sowohl Gefühle als auch gesellschaftliche Prozesse und grausame Ereignisse zu verdrängen. Das Stück, das im Monsun Theater inszeniert wird, stellt dabei die Frage, wie die Atmosphäre der politischen Unbekümmertheit zu einer Welle der Gewalt führen konnte. Das Stück feiert am 6. November seine Premiere. Weitere Vorstellungen finden am 7. und 8. November statt.
Ein junges seitengescheiteltes Trio präsentiert den Hochschul-Rock seines aktuellen Albums „Auf die guten Zeiten“ live im MarX.
Der Parka ist ein langer, gefütterter Anorak mit Kapuze, bei manchen Modellen auch separat zum Anknöpfen. Das Wort Parka stammt aus der Sprache der Inuit, dem Inuktitut; dort bedeutet parqaaq „Hitze“. Es wurde 1836 von Adelbert von Chamisso in die deutsche Sprache eingeführt und bedeutete in Alaska so viel wie „Kleidungsstück aus Vogel- oder Seehundhaut“. Sagt Wikipedia. Total interessant, aber eigentlich sollte es hier um die Band Parka gehen. Die besteht aus drei jungen Männern aus Köln, Neuss und Stuttgart, die sich 2006 bei einem Kontaktstudiengang an der Hamburger Musikhochschule kennen gelernt und anschließend zu einem Pop-Trio zusammengeschlossen haben. Seitdem sind die drei ziemlich erfolgreich unterwegs, standen mit Silbermond, Revolverheld und Die Happy auf der Bühne, und genießen Radio-Airplay auf mehreren Sendern. Nun schicken sie sich an, die nächste Stufe des Ruhmes zu erklimmen. Ihr Gastspiel im MarX ist noch nicht ausverkauft. Wer’s auf keinen Fall verpassen möchte: Karten sichern!
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Die Sommerakademie Pentiment zeigt in Kooperation mit China Time Hamburg Kunst von chinesischen und deutschen Studierenden.
Es waren wieder bunte drei Wochen im Juli und August für die Teilnehmer der internationalen Sommerakademie für Kunst und Gestaltung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Seit 1988 können hier Kunstinteressierte – vom Autodidakten bis zum Designprofessor – das „temporäre Feld für experimentelles Arbeiten ohne bedingtes Ergebnis“ zum Ausprobieren nutzen, in Bereichen wie Malerei, Installation, Fotografie, Illustration oder Mode und Textil. In diesem Jahr kooperierte Pentiment mit China Time Hamburg 2014, einer Veranstaltungsreihe, in deren Rahmen Ausstellungen, Konzerte und Diskussionen zum Thema China interessante Einblicke in das „Reich der Mitte“ gewähren. Das Pentiment-Team lud chinesische Kunststudenten und den Gastprofessoren Li Di zur Sommerakademie ein. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit sind nun in der Galerie Speckstraße im Gängeviertel unter dem Titel Zur Hälfte Schwarz ausgestellt – vor allem Arbeiten aus dem Kurs „Kalligrafische Malerei“.
Der Autor und ehemaliger Jehova-Zeuge Misha Anouk liest und erzählt, wie er „die bekannteste Sekte der Welt verließ“.
„Im C&A-Anzug und mit Clip-on-Krawatte im Predigtdienst von Haustür zu Haustür“ – das klingt schlimm. „Ein Leben ohne Weihnachten“ – das klingt wiederum nicht so schlimm. Misha Anouk hat so etwas allerdings als Kind erfahren müssen und das war sicher kein Zuckerschlecken. „Dank einer Sünde“, heißt es im Veranstalterinfo, habe Misha Anouk dann die „bekannteste Sekte der Welt“ im Alter von 20 Jahren verlassen müssen. Müssen? Können? Dürfen? Gerade nochmal gut gegangen jedenfalls, so könnte man sagen. Wie es dazu kam, erzählt der kurioserweise in Gibraltar geborene 33-Jährige in seinem aktuellen Buch Goodbye, Jehova! So ernst das Thema auch sein kann – wer Misha Anouk als Poetry Slammer und Blogger kennt, der ahnt schon, dass es an diesem Abend unter anderem sehr lustig zugehen dürfte. Humor hilft ja bekanntlich immer weiter. Und ohne Humor wird nichts besser.