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City-Link Festival

Ausstellungen, Konzerte, Performances: Hamburgs Off-Galerien zeigen die Ergebnisse eines Künstleraustauschs zwischen Hamburg und Kopenhagen.

Sich austauschen, voneinander lernen, gemeinsam arbeiten, das sind die Ansprüche des City-Link Festivals, das die Ergebnisse eines deutsch-dänischen Kulturaustauschs zeigt. In dem „Who’s Who“ der Off-Räume der Hansestadt, im Hinterconti, in der Speckstraße, im Vorwerkstift, Frappant und Westwerk finden Ausstellungen, Konzerte, Performances, DJ-Sets und Lesungen statt. Die Kopenhagener Band Afenginn spielt, es gibt den Singer-Songwriter-Abend Sängerknaben und Sirenen, Jan Plewka führt Rauschgesänge auf. Und da es, trotz aller Unterschiede zwischen der kreativen Produktion in Hamburg und Kopenhagen und der erfolgreichen gegenseitigen Inspiration, durchaus ähnliche Schwierigkeiten gibt, findet zudem der dreitägige Kongress Cities, Cultures and Sustainability statt; dabei sollen Lösungen für Probleme, wie immer stärker steigende Mieten, gesucht werden. Eines der Highlights wird die Keynote von Prof. Sharon Zukin vom Brooklyn College sein. Natürlich sollen die noch zarten Bande zwischen den beiden Städten weiter wachsen – in der neuen Gängeviertel-Location Alte Bahnmeisterei darf schließlich ein Blick in die Zukunft des Städte-Links geworfen werden.

Text: Sabine Danek

 

Nacht der Clubs

Nach 14 Jahren Pause kehrt eine gute, alte Bekannte zurück nach Hamburg: die Nacht der Clubs – traditionell zum ersten September-Wochenende.

„Wenn ein Punker und ein House-Freak im selben Club zu Ragga tanzen, dann nennt man das nicht Crossover, sondern schlicht und ergreifend Nacht der Clubs.“ So beschrieb ein SZENE HAMBURG-Autor damals die Veranstaltung, die nun nach 14 Jahren Pause wieder zum Leben erweckt wird. Mit einer Rekordbeteiligung von 28 Liveclubs und über 100 Acts, versucht das Hamburger Clubkombinat die Mutter aller „Hopping-Events“ erneut zu etablieren. In Erinnerung an überfüllte Shuttle-Busse (früher Rockliner genannt) und lange Schlangen vor Clubs, in denen die wenigen Highlights spielten, war der damalige Tod des Events durchaus verständlich. Ein Blick ins diesjährige Programm lässt jedoch mehr erwarten: Budzillus, Dirty Doering, Dubtari, Nico Suave, Gregor Meyle, D-Flame oder die Skatoons sind nur ein kleiner Auszug des Line-ups und für 17 Euro im Vorverkauf unschlagbar. Und wer Läden wie Stellwerk oder Honigfabrik südlich der Elbe besuchen will, freut sich sicher auch aufs Shuttle-Fahren. Für den Rest sind die meisten Clubs ohnehin zu Fuß zu erreichen.

Text: Ole Masch

 

„Die Päpstin“

Die mittelalterliche Mär um Päpstin Johanna alias Johannes Anglicus wird nun im Altonaer Theater gezeigt.

Seit dem 13. Jahrhundert erzählt man sich die Geschichte um die Päpstin Johanna. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts soll es eine gelehrte Frau in Männerkleidern, unter anderem unter dem Namen Johannes Anglicus, an die höchste Spitze des Vatikans geschafft haben. Auch wenn die heutige Geschichtswissenschaft davon ausgeht, dass es kein reales historisches Vorbild für Johanna gab, ist sie doch so populär wie eh und je. Der Roman von Donna Woolfolk aus dem Jahr 1996 wurde zum Weltbestseller und sehr erfolgreich verfilmt. Gemäß seines Leitspruchs „Wir spielen Bücher!“ bringt das Altonaer Theater den großen Stoff nun als Stück Die Päpstin auf die Bühne. Es ist auf jeden Fall eine beachtliche Herausforderung, die Dichte und weitläufige Verknüpfung von Erzählfäden eines Romans mit mehreren Tausend Seiten auf eine Bühne zu verlagern. Übrigens: Anjorka Strechel, die Besetzung der Päpstin Johanna, hat Erfahrung mit dem Vortäuschen falscher Gender-Tatsachen. Im Film Mein Freund aus Faro spielt sie ein Mädchen, das sich als Junge ausgibt.

Text: Katharina Manzke

 

documenta-Stadt

„Art’s home is my Kassel“: In ihrem Dokumentarfilm zeigen die Filmemacherinnen Katrin und Susanne Heinz moderne Kunst als Teil einer Alltagspraxis.

Ähnlich wie Wacken in Holstein wird auch Kassel regelmäßig von einer touristischen Invasion heimgesucht. Während sich in Wacken einmal im Jahr 75.000 Metal-Fans versammeln, zieht es alle fünf Jahre das Zehnfache an Besuchern in die documenta-Stadt. Und ähnlich wie die Regisseurin Cho Sung-hyung 2006 in Heavy Metal Village den Clash zwischen Metal-Kulturen und angestammter Bevölkerung in Szene setzte, haben auch die Filmemacherinnen Katrin und Susanne Heinz das hochbedeutsame Event aus einer alltagskulturell „flachen“ Perspektive in Bilder gefasst. Ihre Doku Art’s home is my Kassel macht bekannt mit ganz normalen Dienstleistern zeitgenössischer Kunst: einer Taxifahrerin, die im babylonischen Sprachengemenge die geografische Übersicht bewahrt; einer Kunststudentin, die 180 Mal mit Besuchergruppen den Kunstparcours abschreitet; einer Restauratorin, die nachts die leichten Schäden behebt, die tagsüber an Tacita Deans sensiblen Kreidezeichnungen Fatigues entstehen. Natürlich erringen hierbei die spektakulären Kunstwerke die größte filmische Aufmerksamkeit. Andererseits sorgt dieses „Casting“ für jene Unterhaltungswerte, denen sich moderne Kunst mehrheitlich verweigert.

 

„The Whipping Man“

Der Mann ohne Peitsche: Matthew Lopez‘ Stück über Sklaverei, Schuld und Verantwortung feiert Premiere im English Theatre.

„Haunting, striking and powerful“, urteilte die New York Times über das Stück The Whipping Man von Matthew Lopez, das ab Anfang September im English Theatre aufgeführt wird. Tatsächlich wird darin ein Stoff behandelt, der einen schwer kalt lassen kann: Es geht um einen jungen Mann, der aus den Trümmern seines bisherigen Lebens heraus die Welt vollkommen neu denken muss. Schauplatz ist ein Ort in Virginia zum Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1865. Der junge Caleb DeLeon kehrt vom Schlachtfeld nach Hause zurück und findet dort nur zwei Sklaven vor, die jetzt nach Kriegsende rechtlich als freie Männer gelten. Gemeinsam mit diesen setzt sich Caleb mit der persönlichen und historischen Vergangenheit auseinander. In den USA ist das Stück über die Sklaverei und die Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung ein Dauerbrenner und Matthew Lopez wird als einer der vielversprechendsten jungen Bühnenautoren gefeiert. Schön, dass sein Werk hier in Hamburg in der Originalsprache aufgeführt wird.

Text: Katharina Manke

 

Waldo rappt

Der Newcomer aus Michigan präsentiert die Tracks seines neuen Tonträgers „NSDE/OUTSDE“ im Turmzimmer des Uebel & Gefährlich.

Werft eure Hände in die Luft! Es ist mal wieder Rap-Time im Uebel & Gefährlich. Mit Waldo kommt ein US-amerikanischer Hip-Hop-Newcomer in den Bunker an der Feldstraße. Kamron Robinson, wie Waldo mit bürgerlichem Namen heißt, trat vor knapp zwei Jahren mit seinem viel beachteten Debüt Pick Your Own Poison auf den Plan. Weil dort im Hintergrund gern mal ein Synthie deftig quietschte oder dubstepartige Triolen angewendet wurden, gilt der Mann innerhalb des Hip-Hop-Rahmens als innovativ. Deswegen gleich von Experimentierfreude zu sprechen, ist aber ziemlich übertrieben. Die wirklichen Neuerungen finden anderswo statt (z.B. auf Earl Sweatshirts Doris-Album). Sei’s drum: Waldo sieht super aus, er rappt cool, vermeidet unnötigen Kitsch und die Backing-Tracks schieben auch ganz gut. Beste Voraussetzungen also für einen amtlichen Rap-Abend im Turmzimmer.

 

Max Beckmann

Die Hamburger Kunsthalle zeigt exklusiv über 70 Stillleben, Gemälde und Aquarelle des Malers. Vernissage ist am 4. September.

Stillleben ziehen sich durch das gesamte Werk von Max Beckmann (1884-1950). Verblühende Blumen, erloschene Kerzen und andere Sinnbilder der Vergänglichkeit, aber auch reife Früchte und prächtige Meerestiere gehören zu seinen Motiven. Mit mehr als 70 Exponaten (Abb: Großes Fisch-Stillleben, 1927) widmet die Hamburger Kunsthalle diesen Arbeiten jetzt eine erste umfassende Ausstellung, die von zwei wichtigen Beckmann-Werken im Bestand der Hamburger Kunsthalle ausgeht und die am 4. September eröffnet wird. Zu sehen sind Gemälde und Aquarelle aus den Jahren 1906 bis 1950, darunter auch viele selten gezeigte Werke aus internationalen Sammlungen Europas (beispielsweise aus der Staatsgalerie Stuttgart oder der Pinakothek der Moderne München), der Schweiz und der USA (The Baltimore Museum of Art, The Museum of Fine Arts Boston). Die Ausstellung wird ausschließlich in der Hamburger Kunsthalle zu sehen sein – und zwar bis zum 18. Januar 2015.

Text: Sabine Danek

 

 

Hasenschaukel reloaded

Der Club in der Silbersackstraße eröffnet nach langer Sommerpause mit gewohnt charmanter Musik vom Freigeist Eugene Chadbourne.

Avantgardist mit Humor: Der Improvisator und Erfinder des elektrischen Rechens stattet dem Kiez-Club einen Besuch ab.  Was ist von Eugene Chadbourne, diesem seit jeher unberechenbaren Freigeist zu erwarten? Vielleicht ist er milde gestimmt und schöpft aus seinem reichhaltigen Repertoire von Cover-Versionen, das von US-amerikanischen Folk-Klassikern bis zu Nazi Punks Fuck Off! von den Dead Kennedys reicht. Vielleicht wird er zu viel Kaffee getrunken haben und sich in der Hasenschaukel als High-Speed-Virtuose an seinem Banjo abarbeiten, den von ihm selbst erfundenen und konstruierten elektrischen Rechen traktieren oder einfach nur eine ausrangierte und mit Kontaktmikrophonen präparierte Schaufensterpuppe mit einem Schlagbohrer durchlöchern… Egal, was passiert: Die Performances von Eugene Chadbourne haben immer auch etwas Humoristisches. Knochentrockene, kaputt-akademisierte, „seriöse“ Avantgarde findet man woanders. Im Anschluss debütiert die neue Reihe Record Store Thursday mit Plattenneuigkeiten, vorgestellt von Michelle Records.

 

Loui Vetton

Ist das noch Ska? Das Hamburger Quintett feiert sein zehnjähriges Bestehen mit neuer Platte und neuem Sound im Logo.

Neue Platte in der Pipeline, neue Website im Aufbau – da versucht jemand noch einmal durchzustarten. Die Hamburger Band Loui Vetton lädt zum Konzert anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens ins Logo, das wiederum in diesem Sommer seinen 40. Geburtstag feiert. Das Quintett, das sich in den letzten Jahren als ausgelassen rockende Ska-Punk-Band einen guten Ruf erspielen konnte und dessen Mitglieder sich ganz nach Ramones-Manier allesamt Vetton mit Nachnamen nennen, bringt im September sein drittes Album heraus. „Ist das noch Ska?“, fragt die Band ironisch auf ihrer Website – und liefert die Antwort natürlich gleich mit: „Nein. Aber das ist schon o.k. so.“ Und recht haben sie. Die neuen Songs klingen vielleicht etwas weniger nach London und Jamaica. Dass sie dafür aber mehr Pop-Elemente eingebracht und am Songwriting gefeilt haben, steht Loui Vetton ganz gut. Und dass sie live nichts anbrennen lassen, dürfte sich am 4. September einmal mehr im Logo zeigen.

 

Der Tod …

… und das Mädchen: Den Nachklang eines zerstörten Lebens inszeniert Hans-Peter Kurr für das Hamburger Sprechwerk – nichts für schwache Nerven.

Das Motiv „Der Tod und das Mädchen“ taucht in der Kulturgeschichte immer wieder auf. In Form von Kunstliedern, Gedichten, Kompositionen setzen sich Künstler mit dem traurigen Thema eines jungen, gerade erblühten Lebens auseinander, das ein jähes Ende findet. Der chilenische Autor Ariel Dorfman verlieh dem Stoff eine besonders grauenhafte Dimension: Sein Theaterstück Der Tod und das Mädchen erzählt die Geschichte von Paulina Salas, deren bürgerliches Leben von einem schrecklichen Trauma überschattet ist. Als junge Frau wurde sie von Soldaten verschleppt und gefoltert. Auf der Suche nach Erlösung nimmt sie Rache an ihren Peinigern … 1994 verfilmte Roman Polanski das Stück mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle, auf eine Art und Weise, dass einem das Grauen noch Tage später in den Knochen sitzt. Ziemlich harter Tobak, den Hans-Peter Kurr auf die Bühne im Hamburger Sprechwerk bringt. Eindringlich zeigt er eine Realität auf, die leider besteht: Gewisse Dinge, die Menschen anderen Menschen antun, sind so furchtbar, dass sie ein Leben zerstören können, auch wenn dieses weitergeht.

Text: Katharina Manzke