Das Hamburger Dark-Chanson-Trio um den Sänger und Gitarristen Phil Taraz präsentiert sein neues Album, „10 Lieder für Freunde“, live in der Astra-Stube.
Phil Taraz ist ein Musiker und Filmemacher aus Hamburg. Mit seiner Band Der Rest schreibt er romantische Lieder, die sich stilistisch zwischen Chanson und düsterem, britischen New-Wave-Punk (vom Schlage Sisters of Mercy, der mittelfrühen The Cure o. ä.) einordnen lässt. Mit sanft verzerrten Shoegazer-Riffs, einer sonoren Stimme und ernsten Worten wird der Hörer hier in meist ziemlich schattige Welten entführt. Textprobe: „Deine Wut kann dich erdrücken / oder dich befreien / zu tun, was du gern möchtest / sollte alles für dich sein / das Universum atmet / darum atme mit / dieses eine Leben / ist alles, was wir sind.“ Nicht ganz frei von Schwermut ist auch die Musik von Telomer, die am 23. August mit Der Rest in der Astra-Stube gastieren. „Kalte Analysen der Welt in unterschiedlichen Erregungszuständen: Nervosität, Verzweiflung, Zynismus, Aufbegehren unter dem Vorbehalt der Vergeblichkeit,“ heißt es recht eloquent in ihrem Info. Na dann, hinein gestürzt in ein Samstagabend der etwas melancholischeren Art.
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Flirrendes Verwirrspiel: Multimedial inszeniert und sehr frei interpretiert kommt Shakespeares Klassiker im Monsun Theater auf die Bühne.
Multimediale Inszenierungen sind das Markenzeichen des Hamburger Regisseurs Torsten Diehl. Im Monsun Theater sind regelmäßig Stücke des Schulleiters des Instituts für Schauspiel Drama und Film (ISDF) zu sehen. So wird er auch in der ersten Premiere nach der Sommerpause mit bildgewaltigen Video- und Soundinstallationen aufwarten. Auf die Bühne kommt eine sehr freie Interpretation des Shakespeare-Klassikers Ein Sommernachts traum. Die Handwerker sind eine Mädchenclique; der Herzog von Athen, Theseus und der Elfenkönig Oberon sehen sich erschreckend ähnlich, und der Zeremonienmeister Philostrat hält sich für einen DJ. Außerdem kracht es böse, irgendwo zwischen Elfen- und Menschenwelt. Das überirdische Paar Oberon und Titania hat einen schlimmen Ehestreit und Lysander und Demetrius sind nun plötzlich beide in Helena verliebt. Das herrlich schräge Verwirrspiel, das die Grenzen zwischen Liebe und Täuschung, Traum und Wirklichkeit zum Flirren bringt, wird auch in dieser Inszenierung verzaubert. Mit den wunderbarsten Mitteln der modernen Technik.
Illusion, Psychologie und unlogisches Denken: Die Zaubernächte im Hamburger Sprechwerk zeigen Faszinierendes, ohne gleich alles zu erklären.
Kopfschütteln und Staunen, was anderes bleibt uns unwissenden Muggels (Begriff aus dem Harry-Potter-Wortschatz für nicht der Magie befähigte Leute) nicht übrig bei den Hamburger Zaubernächten im Sprechwerk. Irgendwie wird all das, was da auf der Bühne passieren wird, zwar erklärbar sein, aber erklärt wird bestimmt nicht alles. Zum Beispiel die brachialen Paradekunststücke mit abgesägtem Unterleib und durchbohrtem Auge von Markus Zink, kurz ZINK! (22.8.). Der Magier aus sagenhafter fünfter Zaubergeneration konzentriert sich in seinem Job auf Schrott. Ein bisschen mehr auf die im Verborgenen greifenden Prinzipien lässt sein Kollege Wittus Witt (24.8.) blicken. Er zeigt in seinem Programm: Beim Zaubern geht es weniger um Fingerfertigkeit als um Psychologie und ein unlogisches Denken. Cool, smart und sehr erfolgreich ist Sebastian Nicolas (24.8.). Sich selbst bezeichnet der aus Landshut stammende Künstler als „Spieler“. Humor und Zauberkunst vermischt Peter Honegger (23.8.) in seiner Show. Er bietet philosophisch-komische Anleitungen zum Glücklichsein, liest die Zukunft, bietet Instantheilungen an. Niemals, ohne sich selbst dabei freundlich zu karikieren.
Der „Street Arts Melting Pot“ macht nach einjähriger Pause die Gegend um den Altonaer Bahnhof zu einer großen, bunten Festival-Meile.
Das Streetart-Festival STAMP findet nach einjähriger Pause wieder auf Altonaer Pflaster statt, rechtzeitig zum 350-jährigen Stadtjubiläum. Drei Tage lang machen Urban Art, Hip-hop-Kultur und Straßentheater die Fußgängerzonen um den Bahnhof Altona zur Festivalmeile. Auf acht Bühnen wird der Stadtteil zum Street Arts Melting Pot. Mit dabei ist unter anderem das französische Ensemble Retourament, das mit seiner schwindelerregenden Show Les Ondes Gravitationelles am Freitagabend für den ersten Höhepunkt sorgt: Ein an der Gebäudewand befestigtes Gerüst wird zur dreidimensionalen Bühne für die Tänzer, zu sehen und zu hören ist eine faszinierende Mischung aus Architektur, Sound, Projektionen und Bewegung (22.30 Uhr, Goethepark). Viele spannende Künstler verschiedenster Stilrichtungen sind an den folgenden beiden Tagen zu sehen, und wenn vor ihnen ein Hut auf dem Boden steht: gerne einen kleinen Obulus reinwerfen. Macht man so.
Text: Michael Weiland
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Seit dem Jahr 2009 heißt es mit aller Regelmäßigkeit „Komm in die Gänge“ – jetzt begehen die AktivistInnen des Gängeviertels den fünften Geburtstag ihres Projekts.
Es war eine Sturzgeburt mit einer geschätzten Lebensdauer von 24 Stunden: Eigentlich sollten hier schicke, renditesichere Büroriegel entstehen. Doch ein Trupp aus Künstlern und Handwerkern setzte 2009 seine Energie in den Erhalt der Gemäuer – und gewann den Kampf gegen Investoren und städtische Fehlentscheidungen. Mittlerweile dient das Gängeviertel nicht nur in Deutschland als „Role model“ für ähnliche Selbstbehauptungen. Der Komplex wird inzwischen genossenschaftlich (selbst)verwaltet und saniert. Im August wird das Gängeviertel fünf Jahre alt. Zeit für die Aktivistinnen und Aktivisten, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Ergründung der Gemeinschaft, die verrückt genug ist, sich einer Sache ohne Lohn hinzugeben. Aber: Sie sind ja nicht allein. In Hamburg haben sich verschiedene Initiativen unter dem Motto „solidarische Raumnahme“ zusammengefunden. Europaweit gibt es ähnliche „gallische Dörfer“. Aus diesem Grund liegt der zweite Schwerpunkt der Feierlichkeiten auf dem Austausch mit diesen Projekten. Es wird in die Vergangenheit geschaut und in die mögliche Zukunft dieser engagierten Menschen.
Indie, Rock, Hip-hop, Pop, Oldies und Trash: Bei der Kopfhörerparty im Molotow-Exil kommen alle auf ihre Kosten – ganz ohne Bass im Bauch.
Keinen Bass im Magen, keine Vibrationen unter den Füßen und trotzdem alle am Durchdrehen – willkommen auf der Kopfhörerparty. Für alle, die Abwechslung in ihrer allwöchentlichen Ausgehroutine suchen, gibt es Hamburgs wohl skurrilste Partyreihe. Das Prinzip ist einfach: Statt einer fetten Anlage mit nur einer Musikrichtung bekommt jeder Besucher ein Paar Funkkopfhörer mit zwei Musikkanälen. Auf Kanal eins legt DJane Sparkles eine Mischung aus Indie und Rock auf, auf Kanal zwei laufen Hip-hop, Pop, Oldies und Trash von DJ Demian und DJ Sloeten. Das Ergebnis sind wild aneinander vorbeitanzende Menschen, in ihrer eigenen Welt und doch vereint. Nimmt man die Kopfhörer ab, hört man das Grundrauschen einer Party, wenn man die Musik weglässt: jauchzende, kreischende und mitsingende Menschen. Allein dafür lohnt sich das Kommen.
Das literarische Stadtführungs-Entertainment von Sven Amtsberg präsentiert dieses Mal: „Die Wahrheit über das Karoviertel“. Zumindest fast.
Wer meint, bei der Veranstaltungsreihe „Die Wahrheit über …“ von Autor und Moderator Sven Amtsberg an einer spröden Sightseeing-Tour durch einen Stadtteil Hamburgs teilzunehmen, wird eines Besseren – und Lustigeren – belehrt. Sogar unbeteiligte Passanten mögen zuweilen verwirrt sein, wenn sie im Vorbeigehen statt Gähnen Gelächter aus der Gruppe vernehmen. Denn bei diesen Stadtführungen stehen Fantasie, Humor und etwas satirische Würze auf der Tagesordnung. Die Geschichten über Orte und Ereignisse sind nicht ganz ernst zu nehmen, könnten aber durchaus wahr sein. Sven Amtsberg wird bei seinen Rundgängen stets von wechselnden Autoren unterstützt.
Am 21. August spürt er zusammen mit Slammerin und Autorin Johanna Wack die ganz eigenen Geschichten an vielen Ecken im Karolinenviertel auf, an denen man sonst wohl eher unachtsam vorbeigehen würde. Das bekannte Quartier auf St. Pauli wird begrenzt durch Messe, Schlachthof und Heiligengeistfeld sowie die umliegenden Landmarken Fernsehturm und Bunker. Und hat das Karoviertel nicht einst Tarot-Viertel geheißen, da hier vor allem Hexen und Wahrsagerinnen lebten, die den Menschen mittels Tarot-Karten oder Kristallkugeln die Zukunft vorhersagten?
Das Metropolis Kino zeigt Jay Bulgers Dokumentation über einen der eigenwilligsten Drummer der Rock-Geschichte: Ginger Baker.
„Wenn Du ein Problem mit mir hast, komm‘ her und hau‘ mir auf die Nase. Ich werde Dich dafür nicht verklagen, aber Du kriegst es zurück …“ Er gilt als einer der manischsten und eigenwilligsten Rock-Drummer der Geschichte. Er ist bekannt dafür, es weder sich selbst noch anderen Menschen leicht zu machen. Und er liebt den Rausch. Was davon heute noch zutrifft – keine Ahnung. Aber was Ginger Baker über nahezu vier Jahrzehnte als Musiker geleistet hat, macht ihn heute zum Monument seiner selbst. Und dass der Amerikaner Jay Bulger 2012 eine Dokumentation über den mittlerweile 75-Jährigen gemacht hat, muss man dem Regisseur ebenso hoch anrechnen, wie man Baker dafür danken muss, dass er überhaupt jemanden so nah herangelassen hat (so nah, dass er ihm mit seinem Gehstock eine verpassen konnte). „Es gibt keinen Mythos um Ginger. Er ist genau das, was er ist. Und das ist das, was wir an ihm schätzen,“ sagt Bakers ehemaliger Weggefährte Eric Clapton, während der Cream-Bassist Jack Bruce schlicht zusammenfasst: „Ich liebe ihn.“ Absolut sehenswert.
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… zu wem ich gehöre: Eine Revue über den kleinen Unterschied feiert ihre Premiere am 21. August im Ernst Deutsch Theater.
„Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre …“ – diesen Chanson von Friedrich Hollaender sangen schon viele schillernde Bühnenfiguren. Udo Lindenberg zum Beispiel, und Marlene Dietrich, diffus erotisch mit rauchiger Stimme und weitem Hosenanzug. Das Lied, das gleichermaßen Unentschlossenheit und Unabhängigkeit feiert, ist Titelgeber einer Gemeinschaftsproduktion des Berliner Renaissance-Theaters und des Ernst Deutsch Theaters. Das Grüblerische des Liedes wird in der Revue auf das Verhältnis der Geschlechter übertragen. Was ist der Unterschied zwischen Frau und Mann? Bestimmen Gene oder Gesellschaft, was wir sind? Was wäre, wenn wir tauschen könnten? Neben weiteren Chansons von Friedrich Hollaender werden Lieder von Georg Kreisler und Günter Neumann, Elvis Presley und Udo Lindenberg sowie Texte von Goethe, Shakespeare und Wedekind zu Rate gezogen. Ob es Antworten gibt? Oder läuft die ganze Fragerei am Ende doch nur auf eine Antwort hinaus: „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre, ich glaub, ich gehöre nur mir ganz allein.“
Zwei Hamburger Bands und ein reanimiertes DJ-Duo machen das Kanalspielhaus Flora auf Kampnagel für eine Nacht unsicher.
Für legendäre Techno-Tanztreffen sorgten die DJs Harre und Henry alias LINK in den neunziger Jahren in der Roten Flora, unterstützt vom Visualteam dura lux (1993-2005). In der kleinen Flora, die im Zuge des internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel am Osterbekkanal aufgebaut wurde, findet nun das einmalige Veteranentreffen “LINK (reloaded)“ statt. Wer damals nicht dabei war, kann dies jetzt nachholen. Bevor das DJ-Duo an die Decks tritt, gibt es an selber Stelle noch zwei Bands zu sehen: Helgoland existieren seit 1993, sind zurzeit zu zweit (Bass + Schlagzeug) und spielen eine Variante von Primzahlenjazz, die erst noch erfunden werden muss. Hallo Werner Clan sind im Kern eigentlich auch ein Duo, das aber in letzter Zeit (und auch am 21.8. auf Kampnagel) in der “unplugged“ Version, unterstützt durch Kontrabass, Schlagzeug und Perkussion, auftritt, und dessen Dada-Hop Dich ganz foufou machen wird. Fast besser als Drogen nehmen …
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