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Ziemlich weit hergeholt

Der deutsch-türkische Hamburger Cenk Bekdemir liest in der KulturWerkstatt Harburg aus seinem Kurzgeschichtenband „ziemlich weit hergeholt“.

Der Autor, Weinberater und Musiker trägt als Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter zwei Kulturen in sich. Er gibt in seinen Texten Einblicke in seine Wahrnehmung der Umwelt, die durch sein binationales Bewusstsein auf besondere Weise geprägt ist. Dabei ergreift er weder Partei noch steckt er seine Protagonisten, Mitmenschen oder sich selbst in Schubladen. Bekdemir hält den Menschen eher eine Art Spiegel vor – auf humorvolle Weise, aber manchmal auch anklagend und immer versöhnlich, um so ein Band zu mehr Verständnis und Verständigung zu knüpfen. Am 25. August liest er in der KulturWerkstatt im Harburger Binnenhafen aus seinem im April 2012 erschienenen Band ziemlich weit hergeholt und aus Texten, die in der Zeit danach entstanden sind.

Text: Katarina Wollherr

 

Zeit für Zorn

Die Türsteher Viktor Hacker, Mark Büttner und Henning Geisler erzählen Geschichten vom Hamburger Kiez – aus ungewöhnlicher Perspektive.

Als Türsteher auf dem Hamburger Kiez lernt man das Nachtleben in seiner ganzen Blöße und Skurrilität kennen: Viktor Hacker, Mark Büttner und Henning Geisler geben auf der MS Classic Queen im Rahmen der Lesungsreihe Zeit für Zorn einen unterhaltsamen Einblick in diesen Berufsstand. Ein Leben als Türsteher beinhaltet mehr, als die Leute einfach nur wegzuschicken oder reinzulassen. Man weiß nie, was in einer Schicht passiert oder auf wen man trifft. Von seltsamen Dialogen und absurden Situationen, lustigen und traurigen Szenen können Viktor, Mark und Henning aus ihrem Arbeitsalltag und jahrzehntelanger Erfahrung in verschiedenen Kiez-Etablissements noch und nöcher erzählen. Auf der MS Classic Queen und mit viel Humor, (Selbst-)Ironie sowie Sarkasmus lassen sie ihr Publikum das Hamburger Nachtleben aus einer anderen Perspektive betrachten.

Text: Katarina Wollherr

 

Hamburger Ziegel

Karen Köhler, Herbert Hindringer, Friederike Gräff und Harald Martenstein verwandeln die Magellan-Terrassen der HafenCity in eine Lesebühne.

Das Literaturkontor veranstaltet seit zehn Jahren die Lesebühne Hamburger Ziegel – an drei Sonntagen im Sommer geben junge und etablierte Autoren ihre Werke zum Besten. Der Ziegel ist die umfangreichste Anthologie der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und präsentiert die Hamburger Literaturszene. Das Hamburg Jahrbuch für Literatur – so die offizielle Bezeichnung – erscheint alle zwei Jahre und hatte einst die Maße eines sogenannten Hamburger Ziegels, heute ähneln Gewicht und Format dem Ziegel noch immer. Am 24. August lesen Karen Köhler, Herbert Hindringer, Friederike Gräff und Kultkolumnist Harald Martenstein als Special Guest mit der schönen Hafenkulisse im Hintergrund aus ihren Beiträgen. Bei Regen findet die Veranstaltung in der Kühne Logistics University statt (Großer Grasbrook 17).

Text: Katarina Wollherr

 

HHer Küchensessions

Die Hamburger Küchensessions laden am späten Sonntagnachmittag zum Musikschmaus mit Bernhard Eder und Jürgen Ufer & die Dinge im Fluss auf den Knust-Vorplatz.

Sollte auch der Sonntag noch an dem Wetter der letzten Tage festhalten, können wir dem ausnahmsweise dennoch Gutes abgewinnen. Denn auch unter großen Schirmen kann es auf dem Knust-Vorplatz sehr gemütlich sein und sollte uns bei dem anstehenden Programm eine Träne die Wange runterlaufen, können wir erklären, dass wir selbstverständlich nicht weinen, es bloß der Regen ist. Wieso es dazu kommen sollte? Naja, Bernhard Eder, einer der wohl aktuell besten englischsprachigen Songwriter des Landes, spielt bei den Hamburger Küchensessions auf dem Lattenplatz und bringt sein aktuelles Album mit, das ein Trennungsalbum ist wie es in der Fibel der Popgeschichte gelehrt wird. Weinende Gitarren, messerscharfe Worte und das beim Hörer hinterlassene Gefühl, dass nun nur noch auf Knien vorgetragene Liebesschwüre Leben retten können – unabhängig davon, ob der oder die Liebste lächelnd neben einem sitzt. Dass das Programm noch um die mal feinlinige, mal rockige Poesie von Jürgen Ufer & Die Dinge im Fluss erweitert wird, könnte die Stimmung wieder etwas heben. Spätestens aber die Erkenntnis, dass das ein sehr lohnenswerter Konzertabend war.

 

20 Jahre Selig

Auf 20 Bandjahre können die Hamburger nun schon zurückblicken. Brutto. Da darf man schon mal in seligen Erinnerungen schwelgen, im Stadtpark zum Beispiel.

1994 veröffentlichten Selig ihr erstes selbstbetiteltes Album und waren von dem Punkt an Teil des kollektiven Musikbewusstseins. Wenn es denn so etwas gibt. Denn gleich auf diesem ersten Album war der Titel enthalten, den wohl noch heute jeder als erstes mit den fünf Hamburgern in Verbindung bringt: Ohne Dich. 20 Jahre, fünf Alben, eine neunjährige Bandpause und eine Reunion später, feiern sie nun ihr 20-jähriges Jubiläum, zu welchem man inzwischen auf eine ganze Reihe solcher Songs zurückblicken kann, die mal euphorisch, mal selig (Entschuldigung: Wortalberei) in Ohrwurmschleifen wieder und wieder erklingen. Genau diesem Umstand widmet sich die Band dann auch zum Geburtstag, hat im eigenen Vermächtnis gewühlt und das beste vom Besten gekürt – ganz ohne halbgare Abstimmungen übrigens. Die Auswahl wurde neuverpackt und arrangiert und wird nun dort präsentiert, wo sich die Band schon immer am wohlsten fühlte: auf der Bühne, in diesem Fall der Stadtparkbühne. Wir glaubens, das wird … – ach, lassen wir das.

Text: Miriam Mentz

 

Soul im Hafen

Am Samstag feiert ein neues Festival seine Geburtsstunde. Beim Soul im Hafen spielen u. a. Wyclef Jean, Joss Stone und Aloe Blacc.

Gerade erst haben die Dockville-Besucher auch den letzten Fingernagel vom Festival-Staub befreit, da bietet sich schon die nächste Gelegenheit, der Wilhelmsburger Halbinsel einen feierlichen Besuch abzustatten. Denn am Samstag öffnet erstmalig das Tagesfestival Soul im Hafen seine Pforten. Auf der vorherigen Hauptbühne des Dockville Festivals widmet man sich einem Programm aus nationalen und internationalen Soul- und Popkünstlern, das sich gleich einmal in der ganz großen Namenskiste bedient hat. So hat man sich für die erste Runde den haitianischen Musiker, Produzenten und Tausendsassa Wyclef Jean geladen, der wohl schon mit so ziemlich jedem internationalen Chartsstürmer der letzten Jahre kooperiert hat. Dazu spielt die wohl erfolgreichste Soulstimme dieser Zeit, Joss Stone, ihr einziges Konzert des Jahres beim Soul im Hafen, der Kalifornier Aloe Blacc bringt seinen Top-10-Platin-Ohrwurm I Need A Dollar mit, und Nneka, Fetsum und Rebecca Ferguson komplettieren das über sechsstündige Programm zu einem wahren Auflauf der Soul-Superstars.

 

Die Goldenen Zitronen

Zum Ende des internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel kümmern sich noch einmal Die Goldenen Zitronen um die Verdichtung der Nacht, gemeinsam mit Kid Koala und Shannon.

Warum sie das machen? Warum sie hier all diese Lautsprecher aufstellen? Na, sie versuchen an den Stimmen vorbeizukommen, denen mit den Ankündigungen. Sie versuchen an den Botschaften vorbeizukommen, an den radikalen Zeichen, an den Transportern und Zeichenmachern. Daran hat sich auch im 30. Bandjahr der Goldenen Zitronen nichts geändert. Wieso sollte es auch? Noch immer sind sie die gerufenen oder einfach gekommenen Spezialisten für Fälle, die einer Verdichtung bedürfen. Für die Momente, wo jemand mal etwas auf den Punkt bringen muss. Zum Abschluss des internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel haben sie sich zudem einem speziellen Programm angenommen. Gemeinsam mit Mitgliedern der Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ wird so mit absehbarer Sicherheit eine besondere Nacht entstehen. Gerahmt von dem Turntable-Virtuosen Kid Koala und der New Yorkerin Shannon Furchess. Wenn das Sommerfestival auf Kampnagel schon eines Endes bedarf, dann doch bitte genau ein solches.

Text: Miriam Mentz

 

Certain Ideas

Flankierend zur Ausstellung in der Sammlung Falckenberg zeigen die Zeise Kinos sieben Kurzfilme des italienischen Avantgardisten Gianfranco Baruchello.

„Seine Arbeiten sind im deutschsprachigen Raum wenig bekannt,“ heißt es fast schon lakonisch auf Wikipedia über den 1924 geborenen italienischen Künstler Gianfranco Baruchello. Eine große Retrospektive, die seit Juni dieses Jahres in der Sammlung Falckenberg der Deichtorhallen zu sehen ist, könnte das ändern. Als Vertreter der europäischen Nachkriegsavantgarde gehören neben abstrakten Bildern auch Objekte, Collagen, Texte, Schaukästen und Assemblagen zum Werk von Baruchello – ebenso wie der Film. Flankierend zur Ausstellung, die noch bis Ende September in Hamburg-Harburg zu sehen ist, zeigen die Zeise Kinos sieben Filme von Baruchello, die zwischen 1965 und 2008 entstanden und zwischen zwei und 30 Minuten lang sind. Erklärende Worte gibt es vorher in einer Einführung von Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow.

 

Diplomatie

Geschichtsstunde als Action-Kino: Das Abaton zeigt Volker Schlöndorffs neuen Film in der Preview und in Anwesenheit des Regisseurs.

Wie die Zerstörung der französischen Hauptstadt durch die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg abgewendet wurde, ist ein Krimi für sich. Und als solchen hat der Regisseur Volker Schlöndorff die historischen Ereignisse nun auch für die Leinwand inszeniert. Im August 1944 versucht der schwedische Generalkonsul, den deutschen Wehrmachtsgeneral zu überreden, sich den Befehlen Hitlers zu verweigern. Sehr schön zeigt das Kammerspiel, dass Schlöndorff sein Handwerk als Assistent des französischen Krimi-Altmeisters Jean-Pierre Melville gelernt hat. Denn den (fiktiven) Dialog der beiden unversöhnlichen Männer zelebriert er als Action-Kino: „Es ist vergleichbar mit einem Boxkampf über fünf oder sechs Runden. Jeder bereitet sich gewissenhaft auf den nächsten Schlag vor, aber es gibt keine Knock-outs.“

 

Boy Division Orchestra

Covern ohne Furcht und Tadel – und vor allem ohne Hemmungen: Das Hamburger Quartett spielt in erweiterter Besetzung auf Kampnagel.

Der eine von denen hat mal in einer Band gespielt, an die sich heute mit Sicherheit niemand mehr erinnert. Sie hieß Fino alla morte (zu deutsch: Bis zum Tode) und deren Sänger Olli Hörr pflegte die Auftritte der Band mit den Worten zu eröffnen: „Wir sind Fino alla morte und wir entschuldigen uns für nichts.“ Diese Ansage könnte auch das Motto von Herrn Hörrs aktueller Band sein, die sich in Anlehnung an eine wegweisene nordenglische Post-Punk-Band Boy Division nennt, seit 1997 existiert, ausschließlich Coverversionen spielt, mehrere Besetzungswechsel durchgemacht hat und sowieso vor nichts und niemandem zurückschreckt – nicht vor Releasepartys bei Saturn und auch nicht vor Songs von Chris Isaak, Beach Boys oder The Police. Hat schließlich niemand jemals behauptet, dass die Nummern am Ende wieder zu erkennen sein müssen, oder …?