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Kino zum Hören

Die emotionalsten Szenen der Filmgeschichte hätten weit weniger Wucht, wenn die Musik fehlte: Soundtrack-Komponisten wie John Williams, Hans Zimmer oder Alan Silvestri haben das Kinoerlebnis von Millionen Zuschauern entscheidend mitgeprägt. Ihre Beiträge zur Indiana-Jones-Reihe, Inception oder Forrest Gump sowie viele weitere musikalische Highlights der Leinwandgeschichte werden bei der Gala Sounds Of Hollywood imposant zur Aufführung gebracht. Das 70-köpfige City Of Prague Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Nic Raine spielt live im CCH1 die cineastischen Evergreens von Star Trek bis zum Fluch der Karibik, dazu flimmern auf der Großbildleinwand atemberaubende Filmausschnitte. Kompetent durch den Abend führt Moderator und ausgewiesener Filmfan Steven Gätjen.

TEXT: MICHAEL WEILAND

 

Verstörter Querdenker

Ai Weiwei rasselt mit den Ketten. Mal wieder und erneut äußerst laut und in schwieriger Balance zwischen politischer Anklage und eitler Selbstbeschau. Ganz wie in seiner vieldiskutierten Ausstellung Evidence, gerade im Berliner Martin-Gropius-Bau – und auch in der neuen Dokumentation The Fake Case von Andreas Johnsen. Der setzt dort an, wo vorherige Filme wie Never Sorry geendet haben: Nach Ai Weiweis Verhaftung am 3. April 2011, als man den Künstler in Peking überraschend festnahm und ihn 81 Tage lang an einem unbekannten Ort und in Isolierhaft festhielt. Nach der genauso überraschenden Freilassung begleitete der dänische Filmemacher ihn ein ganzes Jahr lang, zeigt wie verstört und gezeichnet Ai von der Haft ist – und wie er langsam wieder Fahrt aufnimmt, sich gegen das Regime zu stellen. Auch wenn Johnsen sich voll und ganz auf Ai konzentriert, ist sein Film gleichzeitig eine spannende Studie chinesischer Politik. Er wird ab dem 8. Mai im Originalton im Studio-Kino gezeigt.

TEXT: SABINE DANEK

 

Wasser lassen

Sehr traurig war es, dass dem Theater N.N. letztes Jahr die Förderung der Kulturbehörde gestrichen wurde. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, machen Dieter Seidel und sein Team ohne festes Haus weiter und spielen an ungewöhnlichen Orten – wie dem Innenhof des Altonaer Rathauses oder im Römischen Garten am Hamburger Elbufer. In Kooperation mit der Minni Oehl Company aus München findet im Museum Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe die nächste Premiere statt. Passenderweise heißt das Stück Aqua Qua Dabra. Es fordert den sensibleren Umgang mit der wertvollen Ressource Trinkwasser: Ein größenwahnsinniger Globalisierungsmensch strebt die Weltherrschaft über das Wasser an, doch das hat seinen eigenen Willen. Der Geist des Wassers spricht mit dem Menschen. Es entstehen „plätschernde Gesänge“ zwischen Wasser und Mensch.

TEXT: HANNA KLIMPE

8.5. (Premiere), weitere Vorstellung: 15.5.
Kartenvorbestellung unter 040 / 38 61 66 88

 

Anti-Pädagogik

Postdramatisches Kindertheater? Was sich vom Konzept her anhört wie verkopfte Lehrstunden, erweist sich bei dem Nachwuchs-Theater-Duo Skart als charmante, laute, Wahrnehmungsgewohnheiten durchbrechende Performance, an der auch Erwachsene ihren Spaß haben. Philipp Karau und Mark Schröppel, die sich im Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen kennenlernten und bisher vor allem multimediale und von Elektromusik geprägte Theaterprojekte inszenierten, verpassen mit Vorliebe alten Geschichten eine anarchistische Moral: In Lucky Strike nehmen sie auf Kampnagel das Grimm’sche Märchen von Hans im Glück als Basis für ein Stück über die kritische Hinterfragung des Materialismus: Was bringt einem die Gier? Macht sie glücklich? Diese Fragen werden allerdings nicht im Sitzkreis, sondern auf einer Hüpfburg gestellt. Lucky Strike entstand in Zusammenarbeit mit Kindern der Neuen Schule Hamburg (Nena). Es ist nach der Kindertheaterproduktion Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen (2012) die jüngste Arbeit der Performer.

TEXT: HANNA KLIMPE

Premiere: 8. Mai – freigegeben ab 9 Jahre

 

Cool Korea

Snowpiercer ist ja nur die Spitze des Eisbergs, mit dem sich Südkorea als das momentan coolste Filmland auf den internationalen Festivals präsentiert. Ähnlich effizient und bildkräftig wie der arktische Politthriller von Bong Joon-ho sind die Arbeiten seines Regisseurkollegen Hong Sang-soo. Bei der Berlinale 2013 war er mit der aparten Fluchtfantasie Nobody’s Daughter Haewon im Wettbewerb vertreten. Das charmante Drama ist das Meisterstück in einem Programm mit aktuellen Autorenfilmen, das nicht nur Kim Ki-duks kapitalismuskritischen Reißer Pieta (10./12.5.) zu bieten hat, sondern mit Forest Dancing (12.5.) auch einen engagierten Dokumentarfilm über ein Urban-Gardening-Projekt in Seoul. Im Metropolis werden bis zum 14. Mai insgesamt sieben Filme aus Asien zu sehen sein. Los geht es am 8. Mai mit neuem koreanischen Kino von Park Jung-Bum im Originalton mit Untertitel: The Journals of Musan.

 

Handy-Ensemble

Wie auch bei den letztjährigen Ausgaben des blurred-edges-Festivals stehen auch diesmal wieder zahlreiche Konzerte und Performances auf dem Programm, die die üblichen Hörgewohnheiten und Vorstellungen darüber, was Musik ist und mit welchen Mitteln sie zu entstehen hat, gründlich über den Haufen werfen. Zum Beispiel die Komposition für 1-n Smartphones des Hamburger Bassisten und Experimentalmusikers Guy Saldanha, bei dem sich alle anwesenden Smartphone-Besitzer als „Instrumentalisten“ mit einbeziehen lassen können. In den Worten des Komponisten: „Die Handys spielen eine algorithmische Komposition, bei der Klänge nach einem Satz von Regeln stochastisch in Raum und Zeit verteilt werden. Zusammen bilden die mobilen Geräte eine Lichtinstallation.“ Statistik, Wahrscheinlichkeit und Zufall bestimmen, was am Ende herauskommt. Klingt nach einem spannenden und erhellenden Abend.

TEXT: MICHELE AVANTARIO

 

Der Klezmer-Clan

Das Wort „Mischpoke“ stammt aus dem Hebräischen und steht sinngemäß für „Familie“, „Bande“, „Verwandtschaft“ oder „Clan“. Während das Wort ursprünglich wertneutral verwendet wurde, hat es heute und hierzulande eher einen abwertenden Unterton – was angesichts einer gewissen antisemitischen Tradition nicht weiter verwundern will. Umso löblicher also, dass die Hamburger Musikgruppe Mischpoke sich diesen Begriff als Bandnamen ausgesucht hat. Mischpoke bestehen aus fünf gestandenen MusikerInnen, die ihr Herz an die Klezmer-Musik verloren haben und seit geschlagenen 15 Jahren damit das (nicht nur) Hamburger Publikum erfreuen. Die aktuelle CD des Quintetts um den Gitarristen Frank Naruga heißt Dos Lebn iz a Krayz. Auszüge daraus werden Mischpoke bei ihrem Auftritt am Mahnmal von St. Nikolai vortragen.

TEXT: MICHELE AVANTARIO

 

Brain-Storm

Unterhaltsame Kurzpräsentationsformate als Wettbewerb sind angesagt und die Grundprinzipien immer gleich: Nacheinander präsentieren Menschen in einem festen Zeitrahmen ihre Arbeiten – seien sie lyrischer (Poetry Slam), musikalischer (Song Slam) oder wissenschaftlicher (Science Slam) Natur. Am Ende kürt die Publikumsjury einen Sieger. Am 7. Mai gastiert der deutschlandweite Science Slam im Ballsaal des Uebel & Gefährlich. Studierende und Nachwuchswissenschaftler, die sonst in ihren Laboren und Büros tüfteln, versuchen dann, ihre Forschungsarbeiten, verpackt in einen unterhaltsamen 10-Minuten-Vortrag, für Laien verständlich zu machen. Das klappt mal mehr und mal weniger gut. Alle verfügbaren Hilfsmittel sind erlaubt: Die Forscher nutzen Power-Point-Präsentationen, Requisiten und natürlich Live-Experimente, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen. Ein gutes Training für den Hörsaal!

TEXT: LENA FROMMEYER

 

Die Logistik der Idee

Wie kommt die Kunst in den Kopf? Über diese Frage streiten sich Kulturschaffende seit jeher. Divergent sind auch die Erklärungsversuche des Prozesses, wie es zu einem künstlerisch wertvollen Einfall kommt: Ist es der Zufall, eine erwerbbare Kompetenz oder eine innere, vielleicht sogar spirituelle, womöglich göttliche Eingebung, die ein Werk entstehen lässt? Ulrich Greiner, Präsident der Freien Akademie der Künste forscht nach der Ursache, nach dem Auslöser für Kreativität und konzentriert sich dabei auf eine Grundfrage der Kunst: Was ist Inspiration? Ziel der Veranstaltung ist es, dem Publikum zu vermitteln, „dass Kunst nicht allein das Gemachte ist, sondern tiefere Wurzeln hat“. Zum Abschluss der Reihe Inspiration am 7. Mai sucht Greiner das Gespräch mit der 39-jährigen Schriftstellerin Juli Zeh, die anhand eigener Texte seine Fragen beantworten wird.

TEXT: LENA FROMMEYER

 

Laut und leise

Keine Ahnung, was an einer Mischung aus Alternative Rock und Indie-Pop „rätselhaft“ sein soll, wie es die Presseinfo der jungen Baseler Band mit dem nicht gerade Suchmaschinen-kompatiblen Namen End behauptet. Beiden Genre-Begriffen ist seit langer Zeit jegliche Substanz abhanden gekommen (wenn „Alternative Rock“ jemals welche hatte), was nicht bedeuten soll, dass man nicht trotzdem ambitioniert Musik machen kann, obwohl man sich auf ausgetretenen Pfaden bewegt. Die fünf Schweizer bemühen sich in ihren Songs um herzergreifende Momente, die gelegentlich von explosiven Ausbrüchen konterkariert werden – die gute, alte Grunge-Masche also – in diesem Fall aber noch durchdrungen von britisch anmutendem Power-Emo-Glam á la Muse und Placebo. Als lokaler Support ist das Hamburger Trio The Age of Sound mit von der Partie.

TEXT: MICHELE AVANTARIO