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Die Demontage der Geldmenge

 

Ist die Europäische Zentralbank im Innersten doch avantgardistischer als ich zu hoffen vermochte? Die 4th ECB Central Banking Conference mit dem schönen Titel „The role of money: money and monetary policy in the twenty-first century” war auf jeden Fall ein Hochgenuss – und eine Demontage der Geldmenge. Und das alles nur fünf Monate nach dem Abgang von Otmar Issing, dem ideologischen Schwergewicht der ersten acht Jahre Euro. Die erste Schlappe musste Issing allerdings schon im Mai 2003 einstecken, als die Geldmenge von der ersten Säule zur zweite Säule degradiert wurde. Auch damals habe ich bereits gejubelt.

Ich wette, dass in den kommenden Tagen und Wochen eine neue Schlacht um Sinn und Unsinn der Geldmenge als Inflationsindikator toben wird. Hier vor allem die deutschen Ökonomen und die Bundesbank, die seit den 70er Jahren treu und fest zu einem wie auch immer gearteten Geldmengenaggregat stehen. Dort die modernen Ökonomen, die nichts gegen die Geldmenge aus ideologischen Gründen haben, aber ganz pragmatisch schon lange eingesehen haben, dass man aus der Geldmenge keine Rückschlüsse auf die künftige Inflation ziehen kann. Zumindest keine Rückschlüsse von unmittelbarer Relevanz. Langfristig mag der Zusammenhang halbwegs gesichert sein. Aber langfristig sind wir alle tot. Für die monatlichen Zinsentscheidungen ist die Konjunktur wichtiger, sind Outputlücken, Lohnentwicklungen und Frühindikatoren über die Stimmung unter Unternehmen und Verbrauchern relevanter.

Zwei Paper, die auf der Konferenz vorgetragen worden sind, sind sehr lesenswert. Zum einen das Papier der EZB-Forschungsabteilung selbst unter Lucrezia Reichlin. Es zeigt zum einen, dass sich die EZB in den acht Jahren ihres Bestehens fast ausschließlich an der ersten Säule, den Konjunkturindikatoren, bei ihren Zinsentscheidungen orientiert hat. Und es zeigt, was für die künftige Debatte noch wichtiger sein wird, dass die Geldnachfrage instabil ist. Dass die EZB das freimütig einräumt – endlich, möchte man hinzufügen – ist der eigentliche Todesstoß für die monetäre Säule. Auch schön, der Satz, den Reichlin aussprach, als sie sich mit massiver Kritik aus dem Publikum am Geldmengenkonzept der EZB ausgesetzt sah. „Wir haben in dem Paper dargestellt, wie die EZB in den vergangenen Jahren Geldpolitik gemacht hat, nicht, wie die EZB Geldpolitik machen sollte.“ Das saß.

Das andere Paper, das im Publikum auf sehr viel Beifall stieß, kam von Michael Woodford von der Columbia University. Er zeigte ziemlich klar, dass die Verschmelzung der beiden Säulen der EZB die einzig sinnvolle Alternative ist. Dieser Meinung schlossen sich aus dem Publikum die Weltelite der monetären Forschung an. Etwa Ben Friedman aus Havard, Lars Svensson aus Princeton, Jordi Galí (Pompeu Fabra) sowie Harald Uhlig (Humboldt Uni). Willem Buiter, ehemaliges Mitglied im Rat der Bank of England und heute Professor an der LSE konstatierte: „Diese Sitzung war verheerend für die Trennung der beiden Säulen der EZB.“

Als beim großen Dinner am Donnerstag Abend auch Lucas Papademos, der EZB-Vize, die Verschmelzung beider Säulen in Aussicht stellte, wenn die neuen Modelle der EZB beides, Konjunktur- und Geldmengenindikatoren integrieren könnten, da war mir klar, dass die Ära Issing endgültig beendet war.

Issings Erbe teilen sich nämlich Papademos (Forschung) und Jürgen Stark (Volkswirtschaft). Schade, dass niemand das Gesicht von Stark fotografiert hat, als Papademos den Satz mit der Zusammenlegung der Säulen im Beisein aller Konferenzteilnehmer, einschließlich Ben Bernanke, dem Fed-Chef, aussprach: Stark fiel die Kinnlade herunter. Ehrlich.

Auch als ich Axel Weber, den Bundesbankpräsidenten, am nächsten Tag im Publikum poltern hörte, dass die Konferenz ja einen viel zu engen Fokus habe, spürte ich, dass die Revolution wahrscheinlich nicht mehr zu stoppen ist. Pech für Weber, der als einer der Fünf Weisen, im Sachverständigengutachten 2003 (S. 403ff.) die Trennung der Säulen noch stark kritisierte, jetzt aber als Bundesbankchef konvertiert ist und sich zu einem glühenden Verfechter der Geldmengensäule gewandelt hat. Wäre er mal seiner Linie treu geblieben.

Was ich nicht genau weiß, ist, wie die Position von Jean-Claude Trichet aussieht. Er schrieb zum Auftakt der Konferenz noch einen großen Beitrag für die FT und FTD, in dem er die herausragende Rolle der Geldmenge in der EZB-Strategie lobte und die von vielen als zu früh kritisierte Zinserhöhung im Dezember letzten Jahres genau mit der Geldmengensäule rechtfertigte. Hinterher ist die Kritik an der frühen Zinserhöhung in Wohlwollen bis Lob umgeschlagen, weil Euroland dieses Jahr überraschend stark gewachsen ist. Auch am Freitag bemühte sich Trichet sichtlich, die Geldmenge zu verteidigen, erzählte von dem erfolgreichen Experiment Euro-Einführung und fragte, ob das nicht das Verdienst von M3 sei. Naja, ein bisschen komisch war diese Argumentation schon. Ein so kritisches Publikum habe er noch nie erlebt, sagte Trichet sichtlich irritiert.

Schön auch die Offenbarung von Christian Noyer, dem ersten Vize-Präsidenten der EZB, der inzwischen Präsident der Banque de France ist. Auch er versuchte irgendwie der Kritiker Herr zu werden und sagte dann sinngemäß Folgendes – ohne die Bundesbank explizit zu nennen: Als wir den Euro eingeführt haben, hatten wir nichts, starteten von Null. Da lag es nahe, das Konzept zu übernehmen, was die erfolgreichen Vorgängerwährungen jahrelang verwendet haben und das am Markt und bei den internationalen Investoren Vertrauen genoss.

Ja, genau so war das. Und deshalb darf auch eine moderne und erfolgreiche EZB ihre geldpolitische Strategie ändern.

Die Konferenz war der Startschuss. In den nächsten Wochen wird eine heiße Debatte in den Zeitungen und unter den Chefvolkwirten der Banken geführt werden und dann wird erstmal Ruhe einkehren. Die EZB wird zunächst so tun, als wäre nichts gewesen, aber hinter den Kulissen wird das Dynamit zusammengetragen, was dann eines Tages die zweite Säule zum Einsturz bringt. Denn mir kann niemand erzählen, dass die EZB eine so kritische Konferenz vorbereitet, nur um alles beim Alten zu belassen. Aber was heißt schon die EZB. Es war Reichlin, die die Konferenz organisiert hat – ihr Chef ist Papademos. Die beiden wussten, was sie taten.

Ich hätte auch schon das Thema für die nächste Konferenz: Wie eng darf man Inflationsziele fassen? Denn es ist jedem pragmatischen Volkswirt klar, dass das EZB-Ziel, nahe, aber unter zwei Prozent, sprich 1,9 Prozent, viel zu eng ist. Mit einem symmetrischen Ziel um zwei Prozent, sagen wir 1,5 bis 2,5 Prozent führe die EZB besser, führe Eurolands Wirtschaft viel besser. Es wäre eine Chance für mehr Wachstum, mehr Jobs und mehr Wohlstand.

Und es wäre das definitive Ende der Herrschaft der Bundesbank über Euroland.

Frau Reichlin, Herr Papademos, bleiben Sie weiter so mutig.

Give growth a chance!

30 Kommentare

  1.   greenjg

    @Sven,

    „Was produziert denn bitte die DEUTSCHLAND AG?“

    Sicherheit, Bildung, Infrastruktur, Bürokratie, Versicherungen, Autos, Maschinen …

    „Wer sind die Kunden?“

    Menschen im In- und Ausland?

    „Sind wir Uebernahmekandidat?“

    Wenn wir unser eigenes Kapital nicht aufbringen können bzw. unser Kapital ins Ausland (USA) verschleudern anstatt hier im Inland zu investieren könnte es so weit kommen … ja … Russland, Taiwan, USA lassen grüssen …

    „Wer ist Eigentuemer?“

    Menschen im Inland und im Ausland!

    „Kann ich meine Anteile verkaufen, falls ich welche besitze?“

    Sie können Aktien und Anleihen verkaufen ….

    „Wer erhaelt die Rendite?“

    Momentan gibt es keine!

    „In der tollen von Ihnen verlinkten “Bilanz”, die Deloitte sich aus den Fingern gesaugt hat, fehlen uebrigens zahlreiche Erlaeuterungen (vielleicht wurden diese ja in einem dazugehoerigen Artikel erwaehnt). Unter Forderungen versteht Deloitte wahrscheinlich soviel wie ‘Kredite ans Ausland’. Das Steueraufkommen kann ja nun nicht gemeint sein; ich hoffe naemlich, es ist doch etwas hoeher, als 64 Mrd Eur.
    Steuern sind aber ganz konkrete Forderungen des Staates, die er selbst festlegen kann (innerhalb gewisser Parameter). Allein deshalb macht eine solche “Bilanz”, wie sie Deloitte hier aufstellt, ueberhaupt keinen Sinn. Ich hoffe, die nehmen ihre Kunden nicht mit aehnlichem Mist auf den Arm.“

    Was wollen Sie denn für „Erläuterungen“ … entweder können Sie eine Bilanz lesen oder sie können es nicht … aber hier helfe Ihnen auf die Sprünge … Die jetztige Generation muss einen Kredit finanzieren in Höhe von ca. 1,3 Billionen Euro, der über die Lohnzusatzkosten finanziert wird! Für diesen Kredit hat es nie einen Vermögensposten gegeben … der Kredit finanziert im wesentlichen den Konsum der Rentner! Alles klar? Wahrscheinlich nicht … aber man will eben halt nicht verstehen .. aber eines Tages bricht der gesamte Laden zusammen und dann werden Sie sich an meine Worte errinern!

    „Natuerlich fehlen Investitionen, allenvoran oeffentliche Investitionen. Ich haette nichts dagegen, wenn der Bund morgen verkuendete, 100 Mrd Eur in die Bildung pumpen zu wollen.“

    Ach ja … „pumpen“ … bitte nähere Erläuterung! Meinen Sie Schulen und Unis auf Pump finanzieren!?

    „Was das alles mit Geldmenge und Inflation zu tun hat, weiss ich nicht. Aber vielleicht koennen Sie mich ja aufklaeren.“

    Wenn Sie den Faktor arbeit defacto mit einem Kredit (Rentenversicherungsbeiträge + Steuerzuschuss des Bundes) belasten und der zu teuer wird, dann steigt die Arbeitslosigkeit, die Nettolöhne fallen, die Investitionen fallen, die Preise steigen, die Zentralbank senkt die Zinsen … flutet die Wirtschaft mit Geld dessen Menge schneller steigt als die Realwirtschaft … das Geld bleibt in den Kapitalmärkten hängen und finanziert im besten Fall die Verlagerung von Jobs ins Ausland. Denn der wertschöpfende Part des Inlands ist mit Krediten überhäuft! Und warum das Alles … weil die Preise erstmal sehr stark steigen (Stagflation -> und genau das haben wir seit Jahrzehnten!) müssen bevor die summierte Kosten von Investitionen (Löhne + Zusatzkosten + Staatskosten + Steuern + Kaptialkosten) eine brauchbare Rendite abwerfen!

    Es gibt ein weiteres Problem .. wenn die Geldmenge stark steigt und zwar schneller als das Wirtschaftwachstum … dann steigen die Preise für Kapitalmarktprodukte (allen voran Aktien) … ohne nennenswerte wertschöpfende Investitionen. Das bedeutet, das Unternehmenführer, die Ihr Erfolg am Aktienkurs messen … werden ohne nenneswerte Investitionen zufrieden sein … schauen Sie sich Siemens an! Bestes Beispiel GE! Verdient den grössten Teil seines Geldes mit Kreditgeschäften … der Industriesektor ist bescheiden! Investitionen fliessen nur spärlich und wenn dann sind sie M&A! Und das ist warhlich keine Investition! Die Einzigen Unternehemen die substantiell gewachsen sind und sehr gute Erträge erwirtschaften und einen niedrige Schuldenquote haben, sind just die, die massiv investiert haben und Arbeitsplätze geschaffen haben und die Produktivität nach vorne gepeitscht haben! Beispiel breite Teile des Mittelstandes (Nischenmarktführer Weltweit!!!), Porsche, Toyota, BMW … übrigens .. die Meisten dieser Unternehmen bezahlen Ihre Führungskräfte nicht nach dem Aktienkurs, sondern nach dem Gewinn und der Nachhaltigkeit des Unternehmens!!!!!!!

    Haben Sie sich schon mal gefragt warum wir diese ganze Unterschichtsdebatte und Arbeitslosenproblem haben … warum wir als hochproduktives Land eine steigende Schere zwischen Arm und Reich haben? Warum alles verrottet und Autos zB. im Schnitt 9 Jahre alt sind, obwohl die Autoindustrie (VW und Opel) vor die Hunde geht und Investitionen ausbleiben und dabei steigen die Börsen! Ich habe früher so gedacht wie sie … dabei störten mich aber die „Schandflecken“ in der Theorie … bis ich dann in die Geschichte herumgekrammt habe … und frappierende Ähnlichkeiten mit der Gegenwart gefunden habe … sowohl Ökonomische als auch Kulturelle als auch Soziale!

    Übrigens … Deutschland ist nicht der Einzige mit diesem Problem! Nur einer von vielen … Deutschland hat aber das grundübel bis heute nicht gelöst! Nämlich die Lohnzusatzkosten. Wir müssen diese auf die Mwst. verlagern .. damit verbilligen wir Investitionen und können steigende Preise (importierte Inflation) bekämpfen … die Konsequenz wäre ein fallender Zins bei abnehmender Geldmengewachstum!!!!!! Der Euro steigt … Importe (Rohstoffe) werden billiger und die Investitionsdynamik beschleunigt sich … der komperative Kostenvorteil Asiens und Osteuropas schwindet und das dient der Unterschicht! Die Staatskasse wir Prall, denn die massiven Ersparnisse werden zunehmend in D investiert und schlagen sich früher oder später in die Staateinnahmen und dann können Sie die Schulen und Unis ausbauen … die Wirtschaft wird nachhaltig!

    Alles klar?

    mfg,

    greenjg

    P.S.: Kredite müssen zurückgezahlt werden …. damit sie weitere Investitionen finanzieren können … Kredite die nicht zurückgezahlt werden können (Konsum) haben inflationäre Wirkung und eine verherrende Generations- und gesellschaftsschichtsverteilende Wirkung! Investitionen müssen deflationäre Tendenzen auslösen .. durch Rationalisierung von Ressourcen die wir nicht haben … Personal haben wir en Mass (Arbeitslosigkeit) … Energie zB nicht … also müssen wir die Investitionsfähigkeit in diesem Bereich verbessern .. und unsere Investitiosfähigkeit steigt bei fallender Lohnbelastung!!!! Belastet die Wertschöpfung am Ende und nicht während Ihrer Entstehung! 😉 Ich kann Ihnen einen Beispiel hierfür geben, der durch die verbilligung des Zinses erreicht wurde! Falls Sie Interesse haben!

  2.   greenjg

    @Jengre,

    „Der “Staat” im Sinne des Verwaltungsapparates ist ein Wirtschaftssubjekt, ein Unternehmen, wenn Sie unbedingt wollen, aber eine Volkswirtschaft ist eben nicht ein Unternehmen.“

    Sobald Sie eine Einteilung mit verschiedenen Regeln, haben Sie eine Unternehmung! Und eine Volkswirtschaft ist eine Unternehmung. Die Volkswirtschaft hat einen Vorstand (Bundeskabinett). 😉

    „Es gibt keine “Deutschland AG”, die mit China im Wettbewerb um die niedrigsten Löhne, Steuern, Sozial- und Unweltstandards etc. wäre. Lernen Sie, Behauptungen zu erkennen, die einem politischen Zweck dienen.“

    Ach nee? Deutschland steht klar im Wettbewerb, um Resourcen … Kapitalinvestitionen! Deutsche Bürger können Ihren Arbeitsplatz an einen Chinesischen Bürger verlieren und zwar weil der Lohn (angeblich) zu hoch ist … der wesentliche Unterschied ist … in China diktiert der Markt die Löhne die „bezahlt“ werden in Deutschland die Sozialsysteme (Zusatzkosten) der Volkswirtschaft unter Führung des Staates … der dieses mit dem Gewaltmonopol durchsetzt!

    Damit die Volkswirtschaft die Rolle einnimmt, den Sie Ihr geben wollen, müssten Sie den Sozialstaat abschaffen und eine freie Marktwirtschaft einführen ohne Diktat … und den Staat nur auf seine Kernkompetenzen zurückstutzen (Sicherheit und Vertragseinhaltung) … dann hätten Sie Recht! Sie könnten natürlich wie schon erwähnt die Sozialstaatlichen Kosten externalisieren (Alles auf die Mwst verlagern!).

    mfg,

    greenjg

  3.   Jengre

    @greenjg:

    Sie bestätigen mich schon wieder, ohne es zu merken. Genau: Deutsche Arbeitnehmer stehen mit chinesischen im Wettbewerb (und das oft in einem Unternehmen), nicht Deutschland mit China. Und das Unternehmen hofft, die chinesischen Steckverbinder in einem nominell tschechischen Auto dann an Deutsche zu verkaufen, die hoffentlich noch irgendwo in Lohn und Brot sind. – Der Sozialstaat wird in Deutschland mit staatlicher Gewalt durchgesetzt? Wie furchtbar! Dann lieber ab nach China, wo eine Diktatur, die sich immer noch kommunistisch nennt, die Sozial- und Umweltstandards investorenfreundlich hält. Vielleicht ist das das Modell der Zukunft. Ein Sozialstaat über die Mehrwertsteuer ist es nicht – es sei denn, die Unternehmen sind bereit, für die Befreiung von den Lohnnebenkosten mit deutlich niedrigeren Umsätzen zu bezahlen.

  4.   greenjg

    @Jengre,

    „Ein Sozialstaat über die Mehrwertsteuer ist es nicht – es sei denn, die Unternehmen sind bereit, für die Befreiung von den Lohnnebenkosten mit deutlich niedrigeren Umsätzen zu bezahlen.“

    Unternehmen interessieren sich nicht für Umsätze, sondern für Gewinne und die UmsatzENTWICKLUNG!

    „Der Sozialstaat wird in Deutschland mit staatlicher Gewalt durchgesetzt? Wie furchtbar!“

    Finden Sie es gut, wenn der Sozialstaat die Wertschöpfung eines Landes zerstört?

    „Sozial- und Umweltstandards“

    Die werden nicht vom Staat gefordert, sondern vom Bürgern … nur bezahlen will es keiner! Wer kauft denn sonst den Chinaplunder? Genau das ist das verlogene an der Diskussion. Wenn man den Menschen klar machen will, dass ein Volkswagen aus Wolfsburg unter hohen Umwelt- und Sozialstandards gebaut wurde und deshalb 20% teuer ist, dann grinsen die und finden es toll .. wenn es darum geht ihn zu kaufen, rennen die zu KIA und kaufen den Chinaplunder weil er schön billig ist … das ist die unangenehme Wahrheit .. der Unterschied zwischen Theorie und Realität!

    „Deutsche Arbeitnehmer stehen mit chinesischen im Wettbewerb (und das oft in einem Unternehmen), nicht Deutschland mit China“

    Der deutsche Standort steht in Konkurrenz mit dem Chinesischen … ob nun ein Auto in China oder Deutschland gebaut wird … entscheidet das Unternehmen nach den Kosten … und die sind in Deutschland massgeblich durch den Sozialstaat bestimmt … auch wenn Sie das nicht akzeptieren wollen. Wenn Sie nun Deutschland als eine geographische Grössenordnung definieren … dann akzeptiere ich Ihre Meinung .. aber es geht nicht um Geographie sondern um den Standort und seine „Subjekte“!

    mfg,

    greenjg


  5. […] Die Demontage der Geldmenge Die EZB scheint sich von einem aus Dogma, dem Glauben an die Geldmenge als Inflationsindikator, zu lösen. Mit der neuen Strategie ist eine lockerere Geldpolitik möglich. Denn den Falken im EZB-Rat, die bislang unter Hinweis auf die Geldmenge trotz Konjunkturschwäche gegen eine weitere Zinssenkung waren, fehlt nun ein wichtiges Argument. Quelle: ZEIT-Blog […]

  6.   scotty55

    Könnte es nicht noch einen ganz anderen Grund geben, warum der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation nicht mehr so eindeutig ist, wie man früher mal dachte?

    Die Spekulation hat nämlich ein gigantisches Maß angenommen, und das Geld, das dort herumkreist, wird dem „normalen“ Markt entzogen und taucht daher auch in keiner Inflations-Statistik auf.

    Könnte dies nicht auch der Trick sein, mit dem der frühere FED-Chef Greenspan den Wert des Dollars künstlich aufrecht hielt, obwohl die Geldmenge schon jedes sinnvolle Maß überstieg? Indem enorme Mengen davon in astronomischen Spekulationsblasen geparkt wurden und werden?

    Und was machen wir, wenn die Stunde der Wahrheit kommt und die Blasen platzen? Einfach wieder neues Geld drucken?

  7.   greenjg

    @scotty55,

    Bingo!

    mfg,

    greenjg

  8.   Fars

    On topic:
    Ein Einwand gegen das gemeinsame Geldmengenziel der EZB ist auch der Umstand, dass sich die Geldmengen in den einzelnen Volkswirtschaften der Eurozone nach wie vor sehr unterschiedlich entwickeln.

    Off topic:

    Hallo, greenjg,

    eine Volkswirtschaft ist mit einem Unternehmen nicht vergleichbar.
    Wieviel Prozent der Autos, die bei Volkswagen tagtäglich vom Band rollen, werden an die eigene Belegschaft verkauft? Höchstens ein Prozent. 99 Prozent gehen also in den „Export“, werden an Dritte verkauft.
    Die deutsche Volkswirtschaft hingegen konsumiert ca. zwei Drittel ihres BIP selbst und nur rund ein Drittel geht in den Export. Nicht anders sieht es bei den Importen. Nur rund ein Drittel der uns zur Verfügung stehenden Güter (ebenfalls in Geld ausgedrückt) verdanken wir dem Ausland. Dagegen muss ein einzelnes Unternehmen praktisch alles „importieren“, was es für sein Wirtschaften benötigt: Einbringungsmenge (Input), Arbeitskraft, Fremdmittel etc.
    Im Gegensatz zu einem einzelnen privaten Haushalt oder Unternehmen ist eine Volkswirtschaft also weitgehend Selbstversorger. Dem entsprechend ist der Wettbewerb zwischen Volkswirtschaften weitaus geringer als der Wettbewerb zwischen Unternehmen. Außerdem kann sich eine Volkswirtschaft von der Weltwirtschaft abschließen, die Grenzen hochziehen und die Autarkie anstreben. Dann spielt der internationale Standortwettbewerb keine Rolle mehr. Ein Unternehmen hat diese Option nicht, ein Abbruch seiner Beziehungen zur wirtschaftlichen Umwelt käme seiner Liquidierung gleich.

    Die ständig steigenden Exporte Deutschlands strafen all jene Lügen, die behaupten in Deutschland seien die Lohnkosten (incl. Lohnnebenkosten) zu hoch. Denn wenn in Deutschland hergestellte Güter angeblich zu teuer sind, warum lassen sie sich im Ausland so gut absetzen?
    Zweitens, die Lohnkosten sind nur ein Standortkriterium unter vielen. Die Lohnkosten machen bei den meisten Unternehmen höchstens ein Viertel der Gesamtkosten aus. (Jeder, der fähig ist, einen Dreisatz zu rechnen, kann ja mal ausrechnen, welche Gesamtkostenersparnis es brächte, senkte man die ständig beschworenen Lohnnebenkosten um einen oder meinetwegen auch um zehn Prozentpunkte. ;-))
    Drittens, auch Unternehmen achten auf das Preis-Leistungsverhältnis. Es mag ja sein, dass ein deutscher Arbeiter absolut wie nominal teurer ist als ein chinesischer, aber er leistet ja auch mehr, er ist produktiver.
    Viertens, der vörderste Grund dafür, warum ein x-beliebiges Unternehmen sich im Ausland niederlässt, ist nicht die Erschließung alternativer oder neuer Produktionsstandorte sondern die Erschließung neuer Absatzmärkte.

    Erst erwirtschaften, dann verteilen?
    In einer Volkswirtschaft geschehen Erwirtschaftung und Verteilung praktisch simultan. Wer wieiviel vom Erwirtschafteten bekommt, ist schon lange im Voraus gesetzlich oder vertraglich festgelegt.

    Überbordende Staatsverschuldung?
    Mit seiner Staatsverschuldung in Höhe von rund 68% des BIP liegt Deutschland im Mittelfeld der OECD. Japans öffentlicher Schuldenberg beträgt sogar über 160% des BIP. Belgien reduzierte dieses Verhältnis von 135% auf 94% in elf Jahren. Wo ist das Problem? Die Hyperinflationen im Zusammenhang mit den beiden Weltkriegen war weniger durch die öffentliche Verschuldung bedingt, sondern weit mehr durch die Kriege selbst und die dadurch bedingte Transformation von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft. Ein Vergleich mit heute, ist abwegig.

    Manche vergleichen die künftigen Rentenansprüche mit den Rückstellungen in einer Unternehmensbilanz. Nun, die Natur einer Bilanz ist, dass Aktiva und Passiva gleich groß sein müssen. Wer also behauptet, die rentenbedingten Rückstellungen seien so und so groß, der behauptet automatisch, dass diesen Rückstellungen entsprechende Aktiva gegenüberstehen, etwa Forderungen gegenüber Rentenbeitragszahlern. Fallen die Forderungen geringer aus (Lohnnebenkostensenkung! *grins*), dann müssen auch die Rentenansprüche auf der Passivseite verringert werden. Klar, denn der Staat kann nur so viel ausgeben, wie er durch Abgabenaufkommen und Kreditaufnahme einnimmt.
    Die Posten in dieser Bilanz sind also alles andere als fix sondern höchst variabel.

    MfG Fars


  9. […] Nicht spannend? – Nun, die spannenden AUswikungen lassen sich etw bei Herdentrieb nachlesen (Die Demontage der Geldmenge). […]


  10. […] “Die Demontage der Geldmenge“ über die bedeutenden Bewegungen hinter den Kulissen der Europäischen Zentralbank in Bezug auf das so genannte Zwei-Säulen-Modell der EZB-Geldpolitik (das nun eher auf eine, gemeinsame und dann wohl sinnvollere Säule übertragen werden soll). […]

 

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