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Renten – lasst die anderen für uns arbeiten!

 

Renten müssen, genau wie die Erziehung der Kinder oder das Arbeitslosengeld, immer von denen finanziert werden, die arbeiten. Wenn die Renten also hoch oder, aktueller: „sicher“, sein sollen, gibt es prinzipiell drei Wege, wie das zu erreichen ist. Am besten werden sie alle drei simultan beschritten:

  1. Es ist dafür zu sorgen, dass die, die das Sozialprodukt schaffen, möglichst produktiv sind. Das wird erreicht durch eine hohe Investitionsquote, einen guten Ausbildungsstandard sowie Innovationen und erfordert vor allem eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik, also eine Politik, die eine Fehlallokation von Ressourcen minimiert, also den Wettbewerb fördert und die Infrastruktur im weitesten Sinne ständig verbessert.
  2. Der Input an Arbeit sollte erhöht werden, aber nicht indem man die Leute zwingt, statt 38 Stunden wieder 45 Stunden, oder bis zum Alter von 70 Jahren zu arbeiten, sondern indem man mehr Wahlmöglichkeiten und bessere Rahmenbedingungen schafft. Dazu gehört alles, was zu einer höheren Erwerbsquote der Frauen (Stichwort „Kindertagesstätten“), zu einer längeren Lebensarbeitszeit, zum Abbau der Arbeitslosigkeit, einer steigenden Geburtenrate und mehr Einwanderung beiträgt.
  3. Wenn die heutige Bevölkerung grundsätzlich für eine geringe Kinderzahl optiert, auch wenn die Rahmenbedingungen so kinderfreundlich sein sollten wie heute etwa in Schweden, und wenn eine aggressivere Einwanderungspolitik nicht durchsetzbar ist, gibt es einen Ausweg, über den noch nicht genügend diskutiert wird: Ein Teil der künftigen Renten sollte von schnell wachsenden und zur Zeit noch kapitalarmen Ländern bezahlt werden.

Bevölkerungswachstum und Leistungsbilanzen

Einige, meist kleine Länder mit stagnierender oder schrumpfender Bevölkerung verfolgen eine solche Strategie schon seit Jahren, ob explizit oder implizit. Sie besteht darin, heute in großem Umfang netto Kapital zu exportieren, dadurch Auslandsvermögen anzusammeln und darauf zu setzen, dass man aus dessen Erträgen den künftigen Lebensstandard sichern kann. Das erste Schaubild zeigt, wie hoch die Kapitalexporte einiger Länder bereits sind. Der Saldo der Leistungsbilanz ist definitionsgemäß das Spiegelbild der Nettokapitalströme, denn wenn man netto mehr Güter und Dienstleistungen ausführt als einführt, muss man dem Ausland in Höhe des Saldos Kredit gewähren oder sonstige Forderungen und Aktiva erwerben.

Je größer der Überschuss in der Leistungsbilanz, desto rascher erhöht sich das Auslandsvermögen – und umgekehrt. Die Schweiz, Japan und Schweden, als reiche und relativ rasch alternde Gesellschaften, gehören demnach zu den größten Kapitalexporteuren. Sie erzielen bereits heute bedeutende Einnahmen aus dem Ausland, was sich daran zeigt, dass die Überschüsse in den Handelsbilanzen deutlich kleiner sind als die Salden ihrer Leistungsbilanzen. Andererseits sind junge oder rasch wachsende Länder wie Spanien, die USA, Irland oder Indien Nettoempfänger von Kapital, weisen also große Defizite in ihren Leistungsbilanzen auf.

Wie immer, wenn man zu apodiktisch sein will, kann man sofort auch Gegenbeispiele finden. Ein solches ist Singapur – da wächst die Bevölkerung sehr rasch und trotzdem wird netto in großem Stil Kapital exportiert. Das gilt ebenso für die Energieexporteure Saudi-Arabien oder Norwegen. Die grundsätzliche Gültigkeit der Aussage wird dadurch aber nicht infrage gestellt, denke ich.

Deutschland gehört ganz eindeutig in die Gruppe der alternden und massiv Kapital exportierenden Länder. Das muss nicht unbedingt heißen, dass das inländische Wirtschaftswachstum gering sein muss. Entscheidend ist, dass die Investitionsquote trotz Kapitalexport hoch ist, dass also auch der inländische Kapitalstock kräftig wächst. Schweden macht uns vor, wie das gehen kann, aber auch China und Russland. Zur Zeit gelingt der Spagat von raschem Wachstum und großem Leistungsbilanzüberschuss auch bei uns, weil die Geldpolitik immer noch einigermaßen akkommodierend ist, der reale Wechselkurs auf der Stelle tritt, die Finanzpolitik nicht weiter verschärft und die Bauwirtschaft endlich die Kurve gekriegt hat.

Die zweite Graphik zeigt, dass Deutschlands Nettokapitalexporte wieder in Richtung 5 Prozent des Sozialprodukts steigen. Das hatten wir schon einmal, bevor die Wiedervereinigung gewissermaßen dazwischen kam. Inzwischen ist die zehnjährige Interimsphase vorüber, als wir zum Aufbau Ost Kapital von außen benötigten. Wir sind wieder ein kapitalreiches Land.

Deutsche Nettokapitalexporte

Wenn die Nettokapitalexporte weiterhin bei etwa 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, wird das Nettoauslandvermögen in weniger als 20 Jahren etwa so hoch sein wie das künftige Bruttoinlandsprodukt. Unter der Annahme, dass sich die ausländischen Aktiva mit 5 Prozent verzinsen, steht im Inland ständig 5 Prozent mehr zur Verfügung als an Mehrwert geschaffen wird. Daraus können Zusatzeinkommen für den nicht im Erwerbsleben stehenden Teil der Bevölkerung bezahlt werden. Das bedeutet, die Rentner ernten die Früchte ihrer heutigen Sparsamkeit.

Wie kann das konkret gehen? Da der Staat nur in geringem Maße Kapital exportieren wird, solange das Umlageverfahren in der Rentenversicherung dominiert, läuft die Ansammlung von Auslandsaktiva über den privaten Sektor: Sparer erwerben Investmentfonds, die im Ausland anlegen, oder sie kaufen – billiger – ausländische Aktien direkt; viele dürften auch Immobilien jenseits der Grenzen erwerben; deutsche Unternehmen verlagern einen steigenden Anteil ihrer Investitionen ins rascher wachsende Ausland; Versicherungen und Banken erhöhen ständig den Anteil der Auslandsaktiva an ihrer Bilanzsumme.

Dem normalen künftigen Rentner, der heute vielleicht nicht in der Lage ist, privat vorzusorgen, nützt es nicht direkt, dass Deutschland als Ganzes immer mehr von seinen Auslandsaktiva leben kann. Es ist ein Verteilungsproblem. Ein Teil der Auslandseinkünfte der Unternehmen kann zwar über Steuern abgeschöpft werden und in den Rententopf eingespeist werden, aber da die Körperschaftsteuer langfristig gegen Null zu tendieren scheint, ist das nicht sehr erfolgversprechend. Der Alterungsprozess der Bevölkerung macht es daher immer dringender, dass der Staat einen steigenden Teil seiner Einnahmen im Ausland investiert, so wie das etwa Singapur, Norwegen oder China tun.

Noch wichtiger ist natürlich, dass die Wachstumsrate der Produktivität durch eine gute Wirtschaftspolitik wieder frühere Werte erreicht und dass das Arbeitsangebot zunimmt. Vor allem dadurch werden sowohl diejenigen, die arbeiten, als auch die, die vorwiegend auf die Rentenumlage angewiesen sind, real ständig über signifikant mehr Kaufkraft verfügen. Das Ziel muss sein, dass es beiden Gruppen immer besser geht. Das heißt, es wird vor allem auf die in der Einleitung genannten Punkte eins und zwei ankommen. Einkünfte aus dem Ausland dürften künftig wichtiger sein für die Aufrechterhaltung des Lebensstandards als das den meisten bewusst ist, aber das ist fürs Erste vor allem eine Sache des privaten Sektors.

88 Kommentare

  1.   Hermann Keske

    Die Idee, den Unterhalt unserer Rentner in Zukunft verstärkt vom Ausland bezahlen zu lassen, ist hübsch, aber doch ganz offenbar eine zeitlich höchst begrenzte Lösungsmöglichkeit. Sollte man nicht lieber nach einem System suchen, dass auf Dauer und ohne das ominöse „Ausland“ die Altersversorgung sicherstellt? Und gibt es dafür etwas anderes als das Umlageverfahren?

    Gerade die öde „Globalisierung“ verbietet doch solche Überlegungen. In der Globalisierung sind wir überall im Inland. Das rettenden Ausland gibt es gar nicht. Über eher kurz als lang kämen wir doch dahin, dass die Brasilianer, die Inder und die Chinesen die stolzen Renten für hunderte Millionen wohlgenährter und aufwendig lebender Angehöriger der jetzigen Wohlstandsstaaten bezahlen müssten – glaubt man wirklich, dass die Chinesen das wollen und genügend lange tun werden?

    Ich glaube das nicht. Ich glaube vielmehr, dass die aufsteigenden Staaten ihren Kapitalbedarf durch eigenen Konsumverzicht decken werden – die Chinesen führen es gerade in besonders brutaler Form vor. Die Annahme, es liessen sich womöglich riesige Kapitalmengen mit Zinsüberschüssen im „Ausland“ unterbringen, könnte sich als grober Irrtum erweisen. Die Chinesen nehmen Zinsen ein – jedenfalls im Verhältnis zu den USA – , sie scheiden deshalb jetzt schon als Quelle für Rentenzahlungen ins Inland aus.

    Wer soll dann unsere Renten bezahlen? Afrika?

  2.   I.I.Oblomow

    Der Artikel zeigt sehr schön den Vorteil einer privaten „kapitalgedeckten“ Altersvorsorge gegenüber dem staatlichen Umlageverfahren: das staatliche Umlageverfahren ist im wesentlichen auf die (steuerliche) Ertragskraft des eigenen Staates beschränkt (Zwangsinvestition zu unklaren bzw. unabsehbaren Bedingungen in eine relativ stark eingeschränkte Assetklasse), die private Altersvorsorge hingegen hat theoretisch die Ertragskraft der ganzen Welt zur Disposition – der Anlagehorizont ist um ein Vielfaches größer und flexibler.

  3.   Saviano

    Ich finde es etwas seltsam, wie personifiziert von „den Chinesen“, „den Amerikanern“ etc. gesprochen wird:“glaubt man wirklich, dass die Chinesen das wollen und genügend lange tun werden?“…

    Wollen wir z.B. den Amerikanern, Kuwaitis oder anderen Anteilseignern an deutschen Unternehmen die „Renten“ bzw. Renditen bezahlen? Wollen oder nicht, ihre Kapitalbeteiligungen bringen ihnen Renditen (ein großer Teil der deutschen DAX-Unternehmen ist in ausländischer Hand und dieser Anteil, meines Wissens, steigt).

    Ich bin der Meinung, dass die Deutschen ihre noch sehr große Kapitalstärke im internationalen Vergleich unzureichend nutzen. Ohne Kapitalinvestitionen im Ausland werden sich die Deutschen am globalen Wirtshaftswachstum nicht beteiligen können, und bleiben auf das nationale angewiesen (und die Rentenumverteilung ist auch daran angewiesen). Das kann natürlich auch sehr gut gehen, solange hierzulande das BIP auch kräftig mit wächst, wie die Optionen oben beschreiben. Dennoch die Tendenz ist zu höheren Wachstumsraten im Ausland.

  4.   Kramladen

    @ Keske

    So einfach ist es ja nicht: es sind ja nicht die armen Schwellenländerarbeiter, die uns fette Alte finanzieren. Es geht ja darum, dass wir überschüssiges Kapital exportieren, weil in Schwellenländern die Renditen höher sind. Wenn es sieben Prozent Rendite für ein Projekt gibt und wir unser Kapital für fünf Prozent verleihen, bekommen wir die fünf Prozent – vielleicht höher als inländische Investitionen -, den Schwellenländern bleiben dann noch zwei Prozent (Zahlen sind nur ein Beispiel, weiß nicht genau, die Renditen werden wohl höher liegen). Es ist also eine Win-Win-Situation, weil ohne unser Kapital die Rendite in den Schwellenländern gar nicht möglich gewesen wäre.

    @ Oblomow

    Stimmt schon, nur ist das Problem

    a) wie Herr Wermuth schon geschrieben hat, dass eben nur diejenigen privat sparen können, die sich das leisten können, weil sie die Mittel dazu haben, während es die anderen nicht können und

    b) das die Anlagemöglichkeiten natürlich größer sind, aber auch das Risiko. Das Umlageverfahren hat einige Wirtschaftskrisen überstanden, das Kapitalverfahren in einigen Ländern nicht (zum Beispiel vor einigen Jahren in den Niederlanden, aber auch vielfach in den USA). Lassen Sie die Börsen in China und anderen Schwellenländern kollabieren und aus ist es mit der hohen Rendite. Denn höhere Rendite bedeutet auch ein höheres Risiko. Denken Sie nur zurück an die Finanzkrisen der 90er Jahre in Lateinamerika und Südostasien.

    Nichts gegen einen Zusatz an privater Vorsorge, nur sollte man die Vorzüge des stabilen und krisenresistenten Umlageverfahrens nicht kleinreden.

    @ Saviano

    Aber Herr Wermuths 2. Graphik zeigt doch genau, dass die Deutschen in hohem Ausmaß Kapital exportieren und damit internationale Wachstumschancen nutzen! Das ist doch genau der Trick mit dem Leistungsbilanzüberschuss: Weil wir mehr exportieren als wir importieren, geben wir dem Ausland Kapital. Das ist übrigens ein Indikator dafür, dass wir unter unseren Verhältnissen leben, weil wir weniger konsumieren als wir eigentlich könnten.

    Deutschland ist eines der globalisiertesten Länder überhaupt: Wir profitieren von unseren Kapitalanlagen im Ausland und von der starken ausländischen Nachfrage: Das ist doch das eigentliche Problem, dass wir so abhängig vom Weltkonjunkturzyklus sind und uns zu wenig um die Binnennachfrage kümmern!

    Grüße,

    Kramladen

  5.   Bernd

    Dieser Beitrag ist sehr interessant und reizt uns zu einem Dialog auf unserer Seite. Wir möchten hier nur einen Hinweis bringen, uns erscheint das der wichtigste Fehler dieser Überlegungen ( wir machen einen klaren Link zwischen umlagefinanzierter Rente und Wirtschaftswachstum ):
    1. Unternehmer stellen dann Leute ein, wenn sie der Meinung sind, auf der Basis der Vertriebszahlen, dass nachhaltig ein Volumenzuwachs möglich ist; hire and fire ist in D nicht allzu einfach möglich!
    2. Es konzentriert sich die Stimmungslage auf die Frage „nachhaltig“. Hier wird, das zeigen die Zahlen, zunächst einmal in die Überstunden gefahren, also nur moderat neue Leute eingestellt. Damit steigt nicht das Vermögen der Rentenkasse.
    3. Durch die Globalisierung wird zunehmend auch die Exportquote sinken, weil die Schwellenländer in die Lage kommen, ihre Eigenproduktion zu verbessern, um damit zur Währungsstabilität beizutragen.

    Insgesamt zeigt sich für uns: es sieht alles nicht so rosig aus, wie man in Berlin posaunt. Wir unterschreiben manchen Aufruf von Wirtschaftsökonomen, dass die wirklichen Globalisierungsverlierer ihre Größenordnung der Verluste noch nicht annährend kennen.
    Damit fehlt es auch an Nachhaltigkeit bei den Renteneinzahlungen; damit wird in wenigen Jahren das Thema Rentenreform wieder auf der TO stehen ( Glos: „Rente mit 70“ … ).
    Wir kommen zu demselben Schluß wie Oblomow: nur eine kapitalgedeckte Rente kann uns aus der Misere helfen. http://www.deutschland-debatte.de/?p=125 und http://www.deutschland-debatte.de/?p=106.

  6.   Frage

    Schon jetzt stehen 26 Millionen Sozialversicheungspflichtig Beschäftigten 20 Millionen Rentner gegenüber.
    Es gibt keinen Grund die Renten durch das Ausland finanzieren zu lassen.
    Immerhin liegen die Verwaltungskosten bei privaten Renten bei 20 % der Beitragseinanhmen.
    Das staatliche Umlageverfahren kostet nur 1,2% der Beitragseinnahmen.

  7.   Hermann Keske

    Mir geht es um das System, um die langfristige Perspektive. Ich halte es für keine gute Idee, die Altersvorsorge, die doch regelmässig eine zeitliche Spanne von Jahrzehnten hat, von kurzfristigen Renditeerwägungen abhängig zu machen.

    Ganz abgesehen von dem schon angesprochenen Aspekt, dass es eine riesige Zahl von Leuten gibt, deren Einkommen nicht so gestaltet ist, dass sie problemlos Konsumverzicht leisten und Kapital wo auch immer ansammeln könnten, müssen wir doch einfach ganz aktuell konstatieren, dass gar keine brauchbare Aussicht darauf besteht, für weiter anzusammelndes Kapital einigermassen sichere Renditen zu erwirtschaften.

    Die Kapitallebensversicherer sind doch jetzt schon an einem Punkt angelangt, der das ganze Geschäft fragwürdig macht. Die Garantie, die noch gegeben wird, macht real weniger als zwei Prozent aus. Die tatsächlichen Renditen von Policen aus jüngster Zeit liegen vermutlich demnächst unter der Umlaufrendite – alles zusammen ganz gewiss keine fröhliche Aussicht auf eine stabile Altersvorsorge, denke ich. Nun stelle man sich vor, in dieses System würde noch einmal gewaltig Geld gepumpt, etwa durch eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge. Bald werden wir den Kapitalsammelstellen eine Vergütung dafür bezahlen müssen, dass sie unser Geld aufbewahren und verwalten.

    Wir können natürlich auch die Schleusen öffnen und den Versicherern gestatten, mit den Kundengeldern in den Zockerbetrieb „Börse“ einzusteigen. Diejenigen, die jetzt schon investiert sind, werden sich freuen. Die real erwirtschafteten Renditen werden sich dramatisch verringern.

    Derselbe Effekt tritt ein, wenn nun Millionen von neuen Käufern direkt auf dem Börsenparkett erscheinen – das wird dann voraussichtlich die grösste Vermögensumverteilung aller Zeiten. Ein Schneeballsystem mit -zig Millionen Teilnehmern und Einsätzen in dreistelligen Milliardenbeträgen hatten wir noch nicht. Den Ausgang allerdings kennen wir. Man muss schon gewaltig närrisch sein, wenn man auf diesem Wege seine eigene Altersarmut produziert.

    Und das Ausland – ich wiederhole mich – ist allenfalls vorübergehend tauglich für „wir lassen andere für uns arbeiten“. Am Ende lassen dann alle nur noch andere für sich arbeiten. Kann man annehmen, dass diese Prinzip funktioniert? Und könnte es Sinn machen und irgendeinen positiven Effekt für das Problem der Altersvorsorge bedeuten, dass die Daimler-Arbeiter die Renten für die chinesichen Shareholder ihres Unternehmens erwirtschaften müssen und die chinesichen Arbeiter im dortigen VW-Werk für die deutschen Shareholder von VW?

  8.   I.I.Oblomow

    @ Kramladen

    ad a) „…nur diejenigen privat sparen können, die sich das leisten können, weil sie die Mittel dazu haben, während es die anderen nicht können“

    Dem ist entgegenzuhalten:

    1) Sparen kann man immer, sobald man nur irgendein Einkommen hat. Natürlich bedeutet Sparen bei wenig Einkommen: Harter Verzicht selbst auf Kleinigkeiten.

    2) Im Umlageverfahren wird zwangsgespart zu Konditionen, die für manche Generationen recht günstig und für andere Generationen recht ungünstig sind. Wer nicht zwangsweise in das Umlageverfahren einzahlen muß, hat dieses Geld für private Vorsorge zur Verfügung.

    Natürlich ist klar, daß die heutige Situation ein Dilemma darstellt: durch das staatliche Umlageverfahren (und verschärft durch politischen Wählerstimmenkauf) wurden gigantische Rentenansprüche geschaffen, die nun irgendwie bedient werden sollen/müssen. Dieses System, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde, kann man nicht von heute auf morgen zurückfahren, das braucht wiederum Jahrzehnte, um es auf ein vernünftiges Maß zurückzufahren.

    Um Mißverständnissen vorzubeugen: ich bin keineswegs für eine Abschaffung des staatlichen Umlageverfahrens, sondern für ein duales System: staatliches Minimalsystem und der größere Rest durch private Vorsorge – deren Gestaltung jedem völlig frei stehen sollte.

    ad b) „…das die Anlagemöglichkeiten natürlich größer sind, aber auch das Risiko.“

    Das Risiko kann sogar geringer sein. Beispielsweise hat beim staatlichen Umlageverfahren ein heute ca. 20-50jähriger wahrscheinlich eine negative Rendite zu erwarten – im Gegensatz zu einem breit gestreuten Kapitalmarktinvest.

    Bei der privaten Vorsorge ist natürlich jeder seines Glückes Schmied. Wenn das staatliche Umlageverfahren das beste sein soll, dann könnten die Leute ja freiwillig in dieses System optieren. Nur würde dann das Umlageverfahren eben im Wettbewerb stehen….

    „… die Vorzüge des stabilen und krisenresistenten Umlageverfahrens…“

    Na, das würde ich nicht so euphorisch sehen.

  9.   Dieter Wermuth

    @ Bernd

    Es ist nichts falsch an der umlagefinanzierten Rente, solange man, wie beschrieben, das Wachstum der Produktivität ständig hoch hält und andererseits durch verschiedenste Anreize das Arbeitsangebot steigert. Zentral für den Erfolg einer eher inlandsorientierten Umlagestrategie ist allerdings, dass die Wirtschaftspolitik die Auslastung der Kapazitäten auf einem hohen Niveau hält. Wie das gehen kann, haben uns, zumindest bis heute, die USA vorgemacht.

    Beste Grüße, DW

  10.   Dieter Wermuth

    @ Saviano

    Wie uns die Schweizer, Briten oder Luxemburger vormachen, ist es gar nicht so riskant, im Ausland oder in inländischen Unternehmen anzulegen, die im Ausland erfolgreich sind. Der Aspekt „wir kriegen unser Geld von den Ausländern doch nie wieder“ ist aller Erfahrung nach kein k.o.-Argument gegen Kapitalexporte.

    Dass ein immer größerer Teil der DAX-Unternehmen in ausländischer Hand ist, muss ja nicht stören – es kommt beim Nettokapitalexport auf den Saldo an: Wenn Deutschland mehr ausländische Aktien kauft als Ausländer deutsche, kommt es zu dem angestrebten Kapitalexport, der uns hilft, den Lebensstandard zu sichern, auch wenn nicht mehr viele arbeitsfähige junge Leute da sein sollten. Wann haben wir schon mal eine echte Zahlungsunfähigkeit eines OECD-Landes oder eines solide geführten multinationalen Unternehmens erlebt? Man ist ja als Anleger nicht hilflos, kann also Risiken vermeiden, wenn man ein bisschen ein Auge auf seinen Anlagen hat.

    Beste Grüße, DW

 

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