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Es kommt alles viel schlimmer – die Wachstumswette für 2010

 

Ist der HERDENTRIEB jetzt erwachsen? Wie viele Prä-Internet-Jahre zählt eigentlich ein Jahr online? Fünf? Dann hätten wir es geschafft. Seit vier Jahren ist dieses Blog am Start. Und da alles mit der famosen Wachstumswette für 2006 begann, wird jeder Geburtstag wieder mit einer Wachstumswette aus meiner Feder gefeiert. Soviel Tradition muss sein, auch im schnelllebigen Netz. Aber zunächst mal Dank an Sie und Euch Kommentatoren und Leser! Was wäre der HERDENTRIEB ohne die ökonomischen Debatten, die in Deutschland ihresgleichen suchen.

Aber jetzt zur Wette: Ich bin pessimistisch, habe das verdammte Gefühl, dass zurzeit überall viel zu viel Optimismus herrscht. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Krise sich so einfach in Wohlgefallen auflöst. Dafür ist das System zu sehr krank. Ich rechne noch mal mit einem ordentlichen Rückschlag bei Banken und am Kapitalmarkt. Woher soll das Wachstum in der Realwirtschaft kommen, außer von Konjunkturpaketen, die langsam auslaufen und noch nicht groß erneuert worden sind? Einzige Ausnahme ist wohl die „grande emprunt“ des Monsieur Sarkozy. Sensationell! Vive la France, kann ich da nur sagen.

Aber in Deutschland? Da wird zum Jahresbeginn lediglich die Steuerlast der Besserverdienenden gesenkt über die Absetzbarkeit der Krankenversicherungsbeiträge und vielleicht das Kindergeld erhöht. Doch damit wird das Wachstum nicht groß stimuliert. Meinen Pessimismus würde nur Folgendes verscheuchen: Ein weiteres Konjunkturprogramm mit zwei Komponenten, nämlich a) einem Ausbau der staatlichen Investitionen und b) einer Abwrackprämie für alte Heizkessel. Beides zusammen würde nicht nur die Binnennachfrage stimulieren, sondern durch die Abwrackprämie auch die Sparquote reduzieren.

Zwei Makro-Schocks lähmen die deutsche Wirtschaft 2010: Die andauernde Bankenkrise sowie die Anpassung der Weltwirtschaft an den Ausfall des US-Konsumenten als Wachstumstreiber. Solange Deutschland an seinem Exportmodell festhält, solange wird es hier langfristig nicht richtig aufwärts gehen können, fürchte ich. Haben wir von unserer tollen neuen Regierung darüber je ein Wörtchen gehört? Und bei den Banken ist erst die Hälfte der Bereinigung durch. Eine Kreditklemme dürfte 2010 sehr wahrscheinlich sein.

Deshalb tippe ich, dass der private Konsum 2010 negativ zu Buche schlagen wird. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, die Lohnsumme fällt durch die Kurzarbeit bereits deutlich. Es ist einfach kein zusätzliches Geld zum konsumieren da. Und die Steuersenkungen/Kindergelderhöhungen, die zu Beginn 2010 greifen, dürften bestenfalls dafür sorgen, dass der Absturz des Konsums ausbleibt.

Die Exporte, die in der zweiten Hälfte dieses Jahres dank der Konjunkturprogramme in China und den USA sich wieder etwas berappelt haben, dürften 2010 keine echte Freude machen, da abgesehen von der grundsätzlich geringeren globalen Nachfrage der kräftige Anstieg des Euro die Exporte auch preislich dämpfen wird.

Die für das Wachstum zentralen Investitionen der Unternehmen sehe ich überhaupt nicht. Zum einen existieren nach wie vor riesige Überkapazitäten, zum anderen werden die Banken die wenigen investitionsfreundlichen Unternehmen ausbremsen. Denn die Banken haben Schwierigkeiten mit ihren Bilanzen und werden auch 2010 sehr restriktiv bei der Kreditvergabe bleiben, wie das folgende Chart zeigt, das stets die Wachstumswette begleitet.

Grafik: Bank Lending Survey - Kreditkonditionen - 09Q3

Auf den ersten Blick erfreulich ist zwar, dass die Banken nur noch leicht ihre Kreditstandards verschärfen. Das mag an dem weit verbreiteten Gefühl liegen, dass das Schlimmste hinter den Banken liegt. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Kreditstandards bislang weiter verschärft werden, es also für Firmen noch schwieriger wird an Kredite zu gelangen, weil entweder die Sicherheiten höher sein müssen, die Risikoaufschläge größer und ähnliches. Erst, wenn die Umfrage eine Lockerung verspricht, sollte das Konjunkturhoffnungen schüren.

Grafik: Bank Lending Survey - Kreditnachfrage der Unternehmen - 09Q3

Diese Grafik passt nicht ins Bild und irgendwie auch nicht zu den harten Daten. Dass die deutschen Unternehmen (und es sind in Euroland nur die deutschen) deutlich mehr Kredite nachfragen, ist sonderbar. Es gibt eigentlich nur zwei Erklärungen: Entweder existiert in Deutschland eine ausgewachsene Kreditklemme, die bislang von Bundesbank und Bankenverbänden strikt geleugnet wird. Die Nachfrage ist hoch und steigend, die tatsächlich ausgereichten Unternehmenskredite aber schrumpfen. Dann wäre der Absturz diesen Jahres fast ausschließlich auf die Banken zurückzuführen. Die Unternehmen hätten ja investieren wollen, aber nicht dürfen. Oder an der Umfrage in Deutschland stimmt etwas nicht. Dafür spricht die Plausibilität: Dass die deutschen Unternehmen im vierten Quartal 2008 und ersten Vierteljahr 2009, als die Weltwirtschaft in Schockstarre verfallen war, mehr Kredite nachgefragt haben sollen, halte ich für sehr abwegig. Deshalb ändert diese an sich positive Grafik meinen Pessimismus nicht.

Als letzte Komponente bleiben noch die Ausgaben des Staates. Sie dürften die Konjunktur stützen, wenngleich nichts richtig reißen.

Summa summarum erwarte ich bestenfalls Stillstand und bin deshalb pessimistischer als Sachverständigenrat (plus 1,6 Prozent) sowie das Herbstgutachten der Forschungsinstitute (plus 1,2 Prozent). Ich tippe auf 0,8 Prozent und weniger.

Warum überhaupt Wachstum, wenn ich doch bestenfalls Stillstand erwarte? Ha, das sind die statistischen Geheimnisse der volkswirtschaftlichen Wachstumszahlen. Sie verbergen sich hinter dem schnörkellosen Wort Überhang. Was das ist? Das ist sehr schön im Wirtschaftswunder erklärt: „Es ist ähnlich wie beim Bergsteigen: Wenn ein Wanderer am ersten Tag 1000 Höhenmeter macht und am zweiten Tag eine Ebene durchwandert, ist er an diesem zweiten Tag zu jedem Zeitpunkt natürlich dennoch höher als am Vortag: im Schnitt um 500 Meter. Er beginnt den zweiten Tag quasi mit einem statistischen „Vorsprung“ von 500 Metern. So ist das auch beim Wirtschaftswachstum, da hier de facto die durchschnittliche Leistung eines Jahres mit der des Vorjahres verglichen wird. Wenn jetzt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Jahr Quartal für Quartal gestiegen ist, wird es – reine Arithmetik – zum Ende dieses Jahres bereits deutlich über dem Schnitt des Jahres liegen und mit entsprechendem Vorsprung oder Überhang ins neue Jahr starten. Das ist der statistische Überhang: Bleibt das BIP von da an unverändert, liegt es im Schnitt des neuen Jahres dennoch höher als im alten.“

Unter der Annahme, dass das Wachstum im vierten, gerade laufenden, Quartal 0,4 Prozent nach 0,7 Prozent im dritten beträgt, ergibt sich nämlich ein Überhang von rund 0,8 Prozent. Mehr wird es bestimmt nicht, wetten?

PS: Die Wachstumswette des vergangenen Jahres lautete: Die deutsche Wirtschaft schrumpft 2009 um mindestens 1,5 Prozent, was damals deutlich pessimistischer war als die Prognose des Sachverständigenrates, der auf ein Nullwachstum getippt hatte. Wie wird’s ausgehen? Es werden deutlich mehr als minus 1,5 Prozent, wohl um die minus fünf Prozent!

21 Kommentare

  1.   Freiwirt

    Was dem Menschen völlig abgeht ist sein Gefühl für langsam ablaufende Vorgänge. Und gerade das passiert gerade. Krise heisst ja nicht, alles und jedes bricht sofort zusammen. Es ist ein langsam aber kontinuierlicher Prozess. Es werden immer mehr Menschen arbeitslos, die Löhne sinken, nun kann plötzlich weniger gekauft werden und erschwerend dazu vorher waren die Märkte auch schon weitgehend gesättigt. Nun braucht die Wirtschaft plötzlich nicht mehr investieren, es wird eh nur eingeschränkt gekauft. Die Stimuli der Staaten sind nichts weiter als ein „Schuss“ der Droge Neuverschuldung. Machen wir uns nichts vor, die Häuser die ja Sicherheit in Amerika stehen sind Pappmasche und nach 5 Jahren Unbewohntheit abrissreif. Die ganzen Verbriefungen (eine riesige Blase) bricht zusammen. Der Kreditkartenmarkt schwächelt auch extrem und dann noch die Derivate von 650 Billionen. (Welt BIP 54Billionen!!!) Das Ganze vor dem Hintergrund von Peak Oil, Cantarell in Mexico, zweit größte Erdölquelle der Welt kollabiert gerade. Ein Wirtschaftssystem was auf exponentiellen Wachstum aufsetzt, sorry, ist zum Tode verurteilt, keine Chance der Rettung, wir betreiben lediglich Frischzellenkur an einem sterbenden. Hierzu die Filme von Bernd Senf unter dailymotion.de unbedingt ansehen. Der Kommunismus ist gescheitert und der Kapitalismus scheitert gerade. Jetzt müssen wir nur noch die Neoliberalen davon jagen und neue Gedanken zulassen. Prost auf den Sterbenden.


  2. @ Freiwirt

    Den Menschen geht das Gefühl für langsam ablaufende Prozesse ab, das stimmt gewiss. Ich denke, die meisten Menschen versuchen „Weltwirtschaftskrise“ an einem singulären Ereignis festzumachen – die Lehman-Pleite oder der Börsencrash etwa. Dass „Weltwirtschaftskrise“ ein kumulativer Prozess ist und was es konkret bedeutet, wenn er sich, vom gegenwärtigen Zeitpunkt aus gesehen, fortsetzt, das ist dagegen schwer vorstellbar. Vielleicht ist das die Begründung dafür, warum – zumindest in Deutschland – die Krise bei den meisten Menschen gedanklich schon wieder abgehakt ist. Aber vermutlich spielt auch Verdrängung eine Rolle – die Medien machen dies mit den vielen rosa-rot angepinselten Meldungen auch leicht.

    Dass viele (vor allem globale Volumen-)Märkte schon vor der Krise eindeutig Sättigungs- und auch (marktstrukturell bedingte) Verkrustungstendenzen aufwiesen, ist augenfällig. Es müsste den politischen Akteuren deswegen eigentlich längst klar sein, dass man dagegen mit Konjunkturprogrammen nichts ausrichten kann und auch neue Regeln alleine keine Lösung darstellen. „Deficit Spending“ hilft bei konjunkturellen Krisen, das heißt, wenn dem „Wirtschaftsmotor“ der Sprit ausgeht. Sie helfen jedoch nicht, wenn es schwerwiegende strukturelle Probleme (Sättigung in Kombination mit Marktverkrustungen) gibt bzw. wenn ein „Motorschaden“ vorliegt. Die Problemlösung wird damit lediglich in die Zukunft verschoben und man handelt sich ein neues großes Problem ein – übermäßige Staatsverschuldung.

    Ich finde es deswegen zwar richtig, wenn Krugman in den USA vor Massenelend warnt – vielleicht werden dadurch ein paar Leute wach -, aber völlig falsch, wenn er suggeriert, mit neuen, noch größeren Konjunkturprogrammen ließen sich die schwerwiegenden wirtschaftsstrukturellen Probleme lösen. Das ist Alchemie.

  3.   EuroOptimist

    Richtet sich dieser Text an uns?
    Diese Eingangsbehauptung jedenfalls trifft auch den einen oder anderen Kommentator hier:
    „Since markets bottomed in March, most newspapers … have been full of commentary warning the general public against investing in shares.“
    Der Weltuntergang bleibt eben unsicher.

  4.   Robert von Heusinger

    @Wihe
    Ja, Wihe, Sie haben recht: Die Dax-Wette war viel zu pessimistisch und die Wachstumswette schaut auch schlecht aus, wenn man die Jubel-Artikel über den Ifo liest. Aber wir versuchen ja hier mit relativen Erfolg etwas über den ganz kurzfristigen Horizont hinauszuschauen und dann kommen einem manchmal die Märkte mit ihren Übertreibungen dazwischen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das kranke System mit son bisschen Staatshilfe so rasch gesundet. Und wenn der Dax am Jahresende über 6000 steht, dann fällt er halt nächstes Jahr wieder unter 4000.

    So long,

    Ihr Robert Heusinger

  5.   W. Breuer

    Eine mögliche Erklärung für die nicht abnehmen wollende Kreditnachfrage aus Sicht der Banken (wichtig!) könnte wie folgt aussehen:
    Unternehmen U fragt bei Bank A nach einem Kredit über x EUR nach (Kreditnachfrage aus Sicht der Banken: x). Bank A lehnt den Kredit ab (aufgrund verschärfter Kreditkonditionen, s. auch Abbildung 1). Unternehmen U fragt daraufhin bei einer anderen Bank B nach x EUR Kredit (Kreditnachfrage aus Sicht der Banken: 2*x EUR (x EUR bei Bank A + x EUR bei Bank B)).
    Die Erklärung für Abbildung 2 (Kreditnachfrage) könnte also schon in Abbildung 1 (Kreidtkonditionen) enthalten sein.

  6.   EuroOptimist

    @ WIHE
    „Wenn Sie Herr Heusinger mit ihrer Wette genauso richtigig liegen wie mit Ihrer Wette auf den Stand des DAX am 31.12.2009, dann verlieren Sie…“
    Gemach, gemach, bis zum 31.12. sind es noch satte 5 Wochen!

  7.   WIHE

    An Eurooptimist,

    in fünf Wochen kann viel passieren.
    Und Dubai hatte ich bislang gar nicht auf
    der Rechnung.

    Trotzdem, ich bin stur.
    Ich verkaufe nichts, schon gar keine Aktien.

    Da müsste ich mir ja irgendwann neue kaufen.
    Und bei denen müsste ich den Veräußerungsgewinn
    versteuern.

    Bei den tausenden von Aktien, die ich jetzt besitze,
    muss ich da in Zukunft nichts versteuern.
    Wenn es keine Gewinne gibt, nun gut.
    Aber über Steuern würde ich mich ärgern.

    Ich gehe davon aus, dass bis an mein Lebensende
    die Welt noch nicht untergeht.

    Also muss ich mich nicht beunruhigen lassen

  8.   KL

    Sorry, some nitpicking.
    Nur, weil es hier um Erklärung für Laien geht.

    Daß der statistische Überhang „schön erklärt“ sei, scheint mir ein Irrtum zu sein, dem wohl Leser leicht erliegen, die eh schon wissen, worum es geht. Den Laien muß diese nicht ganz gelungene Illustration verwirren, die ihm doch eine Brücke vom praktischen Hausverstand zu einem nicht anschaulichen Problem bilden soll.

    Denn wenn behauptet wird, der Bergwanderer beginne den zweiten Tag mit einem Vorsprung von 500 Metern, dann ist der, der sich den Berg, die Hänge, die Ebene, den Weg und den Streckenverlauf plastisch vorstellen kann, ratlos. Man mißt den Ausgangsstand des zweiten Tages, der hier „Vorsprung“ genannt wird, plausiblerweise entweder zum Beginn oder zum Ende des vorangegangenen Tages – dann ist diese Differenz entweder 1000 Meter oder Null, aber keinesfalls 500. Auch ist der Wanderer am zweiten Tag nicht „zu jedem Zeitpunkt“ „im Schnitt 500 Meter“ höher als am Vortag. Bei solchen Formulierungen läuft das Statistikerdenken mit dem gesuchten anschaulichen Bild etwas planlos ineinander und vernebelt, was anschaulich vorstellbar gemacht werden soll.

    Es wäre vielleicht ’schöner‘ erklärt, wenn man sagte, daß der Bergwanderer im Beispiel etwas tut, was kein echter Bergwanderer tut: den erreichten Höhengewinn zu einem bestimmten Zeitpunkt („x Uhr y“) von heute mit dem Zustand zur selben Uhrzeit gestern zu vergleichen. Dann ist er in der ersten Minute des heutigen, zweiten Wandertages natürlich 1000 Meter höher und in der Mitte dieses Tages noch 500 Meter, am Abend null Meter höher als er zur selben Uhrzeit des Vortages gewesen ist. Daraus ergibt sich nachträglich, nach Absolvieren des ganzen zweiten Tages ein „Durchnitt“ des Höhenunterschieds.
    Wenn man übrigens nun versucht, festzustellen, an welchem Basispunkt dieser ‚durchschnittliche Unterschied‘ gemessen wird, dann beschleichen einen noch mehr Zweifel. Tun Ökonomen so etwas ? Denn so zu reden, hieße, zu sagen: am ersten Tage sei der Wanderer insgesamt durchschnittlich 500 Meter höher gewesen als beim Start der Wanderung, und am zweiten Tage noch einmal durchnittlich 500 Meter höher als „am ersten Tag durchschnittlich“. Was wollte man mit einer solchen Aussage anfangen ? Hier mißlingt der Anschluß an das bildlich-praktische Verständnis und die Erklärung wird schwerer verständlich als das Problem selbst. (Da die Behauptung, er sei am zweiten Tag „zu jedem Zeitpunkt“ „im Schnitt“ 500 Meter höher, überdies auch noch in Statistikersprache falsch ist – entweder man fixiert den Durchschnitt oder die konkrete Differenz zu einem bestimmten Zeitpunkt; es gibt keinen „Durchschnitt“ für einen Punkt einer Zeitreihe -, schleppt man vielleicht hier den zusätzlichen Fehler in die ganze Bebilderung ein.)

    Worauf es ankommt, ist doch, daß der Wanderer am Ende des ersten Tages 1000 Meter Höhenunterschied zum Ausgangspunkt gemacht hat. Und, zweite wichtige Annahme, weil er diesen Unterschied durch kontinuierliches Wandern über den ganzen Tag erarbeitet hat, war er schon mittags höher als morgens und abends noch höher als mittags. Am nächsten Tag fängt er von dem Stand an, den er abends hatte – und den nun mit dem vorigen Morgen zu vergleichen, bringt die ‚Überraschung‘, daß er höher als am Vortag ist, obwohl er die ganze Nacht geschlafen hat; genauso wie es ‚überraschend‘ scheint, daß er heute mittag höher ist als gestern mittag, obwohl er seit dem frühen Morgen auf einer planen Ebene wandert. Am Abend hat sich das alles aufgeklärt. Wenn das dem Wanderer überhaupt aufgeklärt werden müßte.

    Ein erstes Stagnationsquartal (von vieren=ein Jahr) wird mit dem Stand eines Quartals verglichen, auf das noch mehrere Quartale Wachstum folgten, so daß die Stagnation auf einer ‚Hochebene‘ stattfindet. Daß es eine ist, sieht der Wanderer sofort, der Statistiker erst am Abend – d. h. am Ende des Jahres, wenn das BIP-Wachstum auch „yoy“ 0% ist. (Natürlich sieht es auch der Statistiker früher, wenn er das Wachstum „qoq“ betrachtet).

    Es ist wohl gar nicht so leicht, für nichtpraktisches, wissenschaftliches, Denken ein alltägliches Bild zu finden, ohne zugleich wechselseitig Bild und Denken durcheinanderzubringen.

    Grüße,
    KL

  9.   Locke1

    Die Erklärung für Ihre 0,8% Wachstum verstehe ich nicht: Wenn dieses Jahr die Wirtschaftsleistung um 5% sinkt, dann ist bei Stagnation doch mit einem deutlichen Minus (im linearen Fall: -2.5%) zu rechnen, oder?

  10.   WIHE

    Die Erklärung für Ihre 0,8% Wachstum verstehe ich nicht: Wenn dieses Jahr die Wirtschaftsleistung um 5% sinkt, dann ist bei Stagnation doch mit einem deutlichen Minus (im linearen Fall: -2.5%) zu rechnen, oder?<

    Es geht nicht um die absolute Größe des BIP sondern um die relative Veränderung zum Vorjahr.
    Und in 2010 wird das BIP am Ende des Jahres wohl höher liegen als am Ende des Jahres 2009.
    (Das BIP misst die gesamte über das Jahr erbrachte Wertschöpfung einer Volkswirtschaft in Euro.)

    Aber am Ende des Jahres 2010 wird das deutsche BIP gemessen in Euro immer noch deutlich niedriger liegen als am Ende des Jahres 2008.
    Selbst wenn die Wirtschaftsleistung das gesamte Jahr 2010 über nur so hoch so bleibt wie im dritten und vierten (?) Quartal des Jahres 2009, wird das BIP am Ende von 2010 immer noch deutlich höher liegen als am Ende des Jahres 2009, was daran liegt, dass das Wachstum in 2009 sehr ungleichmäßig war, erst der massive Einbruch, dann leichtes relatives Wachstum zu den Vorquartalen in der zweiten Hälfte des Jahres.

 

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