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Der deutsche Konjunkturmotor stottert – Zeit, die prozyklische Finanzpolitik zu beenden!

 

Ich bin überrascht, dass es in diesen Tagen fast nur optimistische Äußerungen zur deutschen Konjunktur gibt, denn die Fakten sind keineswegs so gut wie die Stimmung.

Grafik: ifo Geschäftsklimaindex (Geschäftserwartungen und Lageeinschätzung)
ifo-Geschäftsklimaindex (Geschäftserwartungen und Lageeinschätzung)

Ein Warnsignal ist die Arbeitslosigkeit. Im September hatte es gegenüber August saisonbereinigt eine Zunahme um nicht weniger als 25.000 gegeben, auf 2,975 Millionen. Das war viel stärker als allgemein erwartet und bestätigt den ungünstigen Trend, der im Februar 2012 begann. Bislang war der Anstieg nur moderat, aber ein Aufschwung ohne einen Rückgang der Arbeitslosigkeit ist für mich keiner, der diesen Namen verdient. Von Vollbeschäftigung kann keine Rede sein. Es gibt etwa siebenmal mehr Arbeitslose als offene Stellen. Bei Vollbeschäftigung würde ich mindestens Gleichstand zwischen dem Angebot an Arbeit und der Nachfrage nach Arbeit erwarten. Die Unternehmen haben im Allgemeinen kaum Probleme, Mitarbeiter zu finden. Den Löhnen nach zu urteilen, findet kein Bieterwettstreit um die knappe Ressource Arbeit statt. Es gibt vielmehr ein Überangebot und es scheint größer zu werden.

Grafik: Deutscher Arbeitsmarkt: Erwerbstätige und Arbeitslose
Deutscher Arbeitsmarkt: Erwerbstätige und Arbeitslose

Bei der Beschäftigung sieht es nach wie vor ganz gut aus, aber wer die Daten genauer unter die Lupe nimmt, erkennt rasch, dass ihre Zunahme erkauft wird durch einen Rückgang der durchschnittlichen Arbeitszeit: Immer mehr Leute arbeiten immer weniger. Wenn das auf freiwilliger Basis geschähe, würde ich mich freuen – es könnte ein Zeichen zunehmenden Wohlstands sein. Ich habe da aber meine Zweifel. Mindestens ebenso plausibel ist, dass sich die Schere zwischen Gutverdienern und Leuten, die knapp am Existenzminimum leben und Teilzeit arbeiten müssen, ständig weiter öffnet. Wer früher arbeitslos gewesen wäre, ist heute gezwungen, sich mit schlecht bezahlten Jobs durchzuschlagen.

Grafik: Entwicklung der Beschäftigung in Deutschland seit dem 1. Quartal 1991
Entwicklung der Beschäftigung in Deutschland seit dem 1. Quartal 1991

Insgesamt haben wir es immer noch mit einer ausgeprägten Schwäche der Nachfrage zu tun. In diesem Jahr wird das reale BIP nur um 0,4 Prozent zunehmen – 2012 waren es auch nur 0,7 Prozent. Die deutsche Wirtschaft steht nur im Vergleich zu den Nachbarländern in der Währungsunion gut da, für sich genommen schrappt sie am Rande einer Rezession entlang.

Wir sollten uns nicht allein darauf verlassen, dass die EZB mit ihrer extrem lockeren Politik die Wirtschaft schon in Schwung bringen wird. In Deutschland hat bisher lediglich der Bau positiv auf die Zinssignale reagiert, nachdem er lange Jahre darnieder gelegen hatte: Im Baugewerbe übertrafen die realen Auftragseingänge im Juni und Juli ihre Vorjahreswerte um 11,3 Prozent. Dagegen stagnieren die Auftragseingänge in der Industrie seit fast drei Jahren und sind immer noch niedriger als vor der Rezession 2008/2009.

Grafik: Realer Auftragseingang in Industrie und beim Bau
Realer Auftragseingang in der Industrie und beim Bau

Vermutlich hat die Geldpolitik lediglich Schlimmeres verhindert. Besonders wirksam ist sie selbst im angeblich so gesunden Deutschland nicht: Im Juni und Juli übertrafen die Kredite an Unternehmen und Privatpersonen ihren Vorjahresstand lediglich um 0,3 Prozent, was inflationsbereinigt einem Rückgang entspricht. Das geht nun schon seit zwei Jahren so. Im übrigen Euroland war es in den beiden Monaten zu einem nominalen Rückgang von 2,2 Prozent und damit zu einem realen Rückgang von fast vier Prozent gekommen. Die EZB tut ihr Bestes, mit negativen Realzinsen und einem unbegrenzten Angebot an Liquidität, aber die Adressaten ihrer Bemühungen zeigen ihr die kalte Schulter. In einer Krise, in der der Schuldenabbau bei Regierungen und Haushalten in den meisten Ländern der Währungsunion Vorrang hat, kann die Geldpolitik nicht viel ausrichten. Wer unbedingt seine Schulden vermindern will, hat keine Lust auf neue.

Insgesamt kommt daher der Finanzpolitik eine viel wichtigere Rolle zu, als es die meisten Kommentatoren und Politiker wahrhaben wollen. Das gilt auch für Deutschland: Dass es nicht so richtig läuft mit der Konjunktur, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass trotz der niedrigen Kapazitätsauslastung so viel Wert auf die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte gelegt wird. Da sich die Outputlücke wegen des unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums weiter vergrößert, hat die Reduktion des staatlichen Haushaltssaldos von -0,8 Prozent des BIP im Jahr 2011 auf voraussichtlich +0,1 Prozent in diesem Jahr einen beträchtlichen restriktiven Effekt auf die Konjunktur. Er wird nur dadurch etwas abgemildert, dass die langfristigen Realzinsen, anders als in den Krisenländern der EWU, seit einiger Zeit in der Nähe von null liegen.

Grafik: Finanzierungssalden der öfffentlichen Haushalte in Deutschland
Finanzierungssalden der öfffentlichen Haushalte in Deutschland

Die neue deutsche Regierung wird angesichts der Haushaltslage ausreichend finanziellen Spielraum für Wachstum und Arbeitsplätze haben. Eine Umstrukturierung des Steuersystems ist überfällig, weil sich die Prioritäten geändert haben, aber es wäre für die Konjunktur Gift, wenn versucht würde, die Steuern insgesamt anzuheben, ohne gleichzeitig die Ausgaben zu erhöhen. Es geht aber nicht nur um die Konjunktur, noch wichtiger ist, dass die Produktivität endlich wieder zunimmt – weil sie die Basis für den künftigen Wohlstand ist. Zudem muss die Energiewende zügig vorangetrieben werden. Die Solar- und Windbranche hat sich inzwischen zu einem Jobmotor entwickelt: Es entstehen dort mehr neue Arbeitsplätze als in der traditionellen Energiewirtschaft wegfallen. Die erneuerbaren Energien sind Deutschlands Silicon Valley.

Sehr beunruhigend ist, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion je Stunde, also die Produktivität, zuletzt nicht höher war als im ersten Quartal 2008, vor der Rezession. In den zehn Jahren zuvor hatte sie im Durchschnitt um jährlich 1,6 Prozent zugenommen. Mit anderen Worten: Sie liegt gegenwärtig um etwa 7,7 Prozent unterhalb ihrer alten Trendlinie. Die Outputlücke, die Differenz zwischen aktuellem und potenziellem BIP, bewegt sich im Übrigen in einer ähnlichen Größenordnung (-5,5 Prozent). Noch anders ausgedrückt: So lange so viele Kapazitäten ungenutzt bleiben, verzichtet Deutschland jährlich auf ein Einkommen von rund 150 Milliarden Euro. Dagegen verblasst alles, was in Berlin über neue Steuern und Haushaltskonsolidierung diskutiert wird.

Grafik: Entwicklung der Produktivität der deutschen Wirtschaftt seit 1970
Entwicklung der Produktivität der deutschen Wirtschaft seit 1970

Vor allem die Rentenversicherung ist darauf angewiesen, dass der mittelfristige Wachstumspfad wieder steiler wird. Auf einen Beschäftigten entfallen immer mehr Rentner. Damit die aktive Bevölkerung nicht unzumutbar belastet wird, muss das reale Einkommen dauerhaft wieder kräftiger zunehmen. Der drohende Verteilungskonflikt zwischen Jung und Alt lässt sich nur vermeiden, wenn die zunehmenden Lasten für die Alten aus steigenden Einkommen bestritten werden. Mit anderen Worten, die neue Regierung muss in dieser Hinsicht dringend etwas tun. Das bedeutet, endlich ernst zu machen mit der Umsetzung des immer wieder laut verkündeten Ziels, mehr Ressourcen in die Bildung und die Forschung und Entwicklung zu leiten. Der Kuchen muss größer werden – das ist auf mittlere Sicht wichtiger, als ihn etwas anders aufzuteilen (obwohl das für sich genommen ebenfalls wichtig ist und nicht nur der Gerechtigkeit, sondern vermutlich auch dem Wachstum dient).

Sechs Quartale lang waren die deutschen Bruttoausrüstungsinvestitionen gefallen, ehe sie im zweiten Quartal erstmals wieder leicht gestiegen sind. Damit lagen die realen Ausrüstungsinvestitionen, auf die es insbesondere ankommt, immer noch um 16,6 Prozent niedriger als um die Jahreswende 2007/2008. Die Investitionsquote liegt inzwischen weit unter den Werten, die früher üblich waren. Vor allem die Nettoanlageinvestitionen sind auf ein erschreckend niedriges Niveau gesunken (2,6 Prozent des BIP). Im internationalen Vergleich ist das einer der niedrigsten Werte überhaupt. Hier liegt die wichtigste Erklärung, warum die Produktivität so langsam zunimmt und so viel Wohlstand verschenkt wird.

Grafik: Nettoanlageinvestitionen in Deutschland seit 1970 (in Prozent des BIP)
Nettoanlageinvestitionen in Deutschland seit 1970 (in Prozent des BIP)

Der Grund für diese miesen Werte sind nicht die Löhne, um das einmal klarzustellen: Auf Stundenbasis waren sie seit dem letzten zyklischen Hoch vor knapp fünfeinhalb Jahren im Durchschnitt jährlich nur um 2,3 Prozent gestiegen, verglichen mit einem durchschnittlichen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,5 Prozent. Real war das zwar mehr als in den Jahren zuvor, aber trotzdem deutlich unter dem mittelfristigen Anstieg der Produktivität (siehe oben), an dem sich die Lohnabschlüsse ausrichten sollten. Die Politik der Gewerkschaften ist ganz auf die Sicherung der Beschäftigung ausgerichtet und könnte moderater nicht sein. Seit dem Tiefpunkt der Rezession im Frühjahr 2009 nehmen andererseits die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen rasant zu (+30,2 Prozent). An den Gewinnen kann es also auch nicht liegen, dass es bei den Investitionen nicht läuft. Im Ausland wird allerdings weiterhin kräftig investiert: Dort sind die Grenzerträge wegen der Kapitalknappheit höher als im Inland. Möglicherweise handelt es sich hierbei um einen strukturellen Faktor. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss von fast sieben Prozent des BIP, der die Netto-Kapitalexporte des Landes widerspiegelt, legt eine solche Sicht der Dinge ebenfalls nahe. In der noch kapitalreicheren Schweiz liegt die Quote sogar bei knapp zwölf Prozent und in Schweden und den Niederlanden sind die Kapitalexporte ähnlich hoch wie in Deutschland.

Ich bin hin- und hergerissen, ob die niedrige Investitionsquote tatsächlich ein Problem ist und ob der Staat etwas dagegen unternehmen sollte. Für die Investitionsneigung wäre es jedenfalls gut, wenn die Nachfrage der Haushalte und des Staates kräftiger zunehmen würde als bisher. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre in dieser Hinsicht auf alle Fälle kontraproduktiv, ebenso wie eine weitere forcierte Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Die Mehrwertsteuer müsste eigentlich gesenkt werden. Wenn die Steuereinnahmen nicht zurückgehen sollen, wäre eher an eine höhere Mineralölsteuer oder eine Steuer auf die Emission von CO2 zu denken. Die Energiewende bleibt ein lohnendes Projekt, nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch wegen der beträchtlichen positiven Terms-of-Trade-Effekte (importierte Energie wird relativ billiger – was dem allgemeinen Wohlstand zugutekommt), sowie der vielen neuen Jobs, die im Handwerk und in der Industrie entstehen.

Die Binnennachfrage muss auch deswegen ganz oben auf die politische Prioritätenliste gesetzt werden, weil sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft seit etwa einem Jahr deutlich verschlechtert. Vor allem die europäischen Krisenländer versuchen mit aller Macht, durch niedrigere Löhne und produktivitätssteigernde Entlassungen gegenüber Deutschland aufzuholen. Das Exportieren ist daher nicht mehr so leicht. Neuerdings wertet sich der Euro zudem gegenüber dem Dollar auf und damit gegenüber dem größten Währungsraum der Welt. Auch das dürfte die Exporte zunehmend erschweren. An den Devisenmärkten ist offenbar nicht unbemerkt geblieben, dass Euroland in diesem Jahr in der Leistungsbilanz, die mittelfristig als wichtigste Determinante des Wechselkurses gilt, einen gewaltigen Überschuss erzielen wird. Er reflektiert vor allem die Rezession und die großen Kapazitätsreserven der Währungsunion sowie die Tatsache, dass das BIP im Rest der Welt real mit der immer noch beachtlichen Rate von etwa drei Prozent zunimmt.

Grafik: Realer Wechselkurs des Euro für Deutschland
Realer Wechselkurs des Euro für Deutschland

Außerdem wird den Politikern Eurolands zunehmend abgenommen, dass sie den Euro nicht scheitern lassen werden. Statt mit Kapitalflucht haben wir es offenbar seit einiger Zeit wieder mit einer Rückkehr der Anleger in die Wertpapiermärkte der Krisenländer zu tun. Das hat unter anderem dazu geführt, dass die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen auf 4,2 und 4,3 Prozent gesunken sind; vor einem Jahr waren es noch 5,8 und 6,1 Prozent. Die Renditen sind immer noch gefährlich hoch, aber sie bewegen sich in die „richtige“ Richtung. Der Nachteil ist allerdings, dass der feste Euro die internationale Konkurrenzsituation verschlechtert. Das ist ein weiteres Argument mehr für eine expansivere Finanzpolitik in den Überschussländern der Währungsunion. Eine Aufwertung dürfte im Übrigen die Inflation, die schon jetzt weit unterhalb ihres Zielwerts liegt, weiter dämpfen.

312 Kommentare

  1.   alterego

    @149
    * Ja, wir leben hier alle auf einer Wohlstandsinsel.

    * Ich gehe davon aus, dass das weltweite Beschäftigungsvolumen im Trend ansteigt. Und dass das globale Bevölkerungswachstum mit steigendem globalen Wohlstand – und der steigt – in der noch überschaubaren Zukunft zum Stillstand kommen wird.

    * Die Summe der Einkommen, das Volkseinkommen, entspricht grosso modo der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Ohne Wertschöpfung, keine Einkommen, und je höher diese ausfällt, desto höher die Einkommen. Die Einkommen reichen daher prinzipiell aus, die „erzeugten Güter zur letzten Verwendung“, die im Wert der Wertschöpfung und damit dem Volkseinkommen entsprechen, zu konsumieren und zu investieren, also zu ge- und verbrauchen. Ein Teil dieser Güter wird ins Ausland verkauft. Im Gegenzug werden andere Güter aus dem Ausland importiert. Das System ist sozusagen in sich stimmig.

    Wie schon geschrieben: Was geklaut und geraubt wurde, ist zwar im Besitz des Diebes oder Räubers, aber definitionsgemäß nicht dessen Eigentum. Umgekehrt ist rechtmäßig erworbenes Eigentum nichts Geklautes oder Geraubtes. Und Unternehmens- und Vermögenseinkommen beruhen grundsätzlich nicht auf Diebstahl oder Raub. Der Produktionsfaktor Kapital hat genau so wie die Arbeit einen Anspruch auf Entlohnung. Ohne Befriedigung desselben keine Produktion, keine Arbeitsplätze und keine Einkommen.

    Es gibt sehr wohl ein globales Eigentumsrecht. Dies ist ein in der Menschenrechtskonvention der VN verankertes Menschenrecht. Der im deutschen Recht formulierte Entschädigungsanspruch im Falle einer Enteignung ist sofern eine rechtlich zwingende Konsequenz.

    * Es wird auch niemand in die abhängige Beschäftigung gezwungen. Jeder hat grundsätzlich die Freiheit, einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachzugehen oder auch gar nichts zu tun, wenn er jemanden findet, der ihn ohne Gegenleistung an den Früchten seiner Arbeit teilhaben lässt.

    * Was die Armutsghettos innerhalb unserer wohlhabenden Gesellschaften angeht: Sie beruhen wesentlich auf der unzureichenden Qualifikation der betroffenen Menschen und der Unfähigkeit unserer Gesellschaften, die dieses Phänomen erzeugenden und stabilisierenden Milieus gar nicht erst entstehen zu lassen (Einwanderungspolitik) oder aufzulösen (Integrationspolitik). Wie schon erwähnt: In unseren Gesellschaften wird es immer weniger Arbeitsplätze für Nicht- und Geringqualifizierte geben, weil im Zuge des technischen Fortschritts einfache Tätigkeiten zunehmend von Maschinen übernommen werden.

    * “ Die künstliche Lebensverlängerung von unproduktiven juristischen Personen durch Freistellung von Besteuerung, damit Abwälzung des unternehmerischen Risikos auf Staat und Haushalte,“ lehne ich entschieden ab.


  2. @149 und 151
    „künstliche Lebensverlängerung“

    Das schreibt sich so einfach. Was ist künstlich und wann ist es sinnvoll?

    In der Medizin wird diese Diskussion schon lange und immer noch geführt. Da ist Reanimation, Intensivtherapie mit Beatmung und Herz-Lungen-Maschine nichts Ungewöhnliches.
    Und es es ist auch klar, dass es keinen Sinn macht, wenn nicht am Ende ein selbständiges Überleben ohne diese ganzen Intensivmaßnahmen möglich erscheint.

    Das Problem ist, zum Zeitpunkt der Entscheidung zu wissen wie es ausgeht. Das ist in der Medizin genauso schwer wie in der Wirtschaft.

    Darum ist die Forderung keine „künstliche Lebensverlängerung“ zwar wohlfeil, hilft aber in der Praxis kaum weiter, weil es keine verlässlichen Vorhersagemöglichkeiten für die Überlebenschancen gibt.

    In der Medizin probiert man es meist aus und hört auf, wenn es aussichtslos erscheint.
    Im Vergleich Medizin und Wirtschaft stellt sich damit die Frage,wie ein gerettetes Menschenleben im Vergleich zu einer geretteten Firma mit geretteten Existenzen einzuschätzen ist.

    Oder kurz: Wie schnell soll man den Stecker ziehen?

  3.   Michael Stöcker

    @ alterego # 151

    Ohne Wertschöpfung, keine Einkommen, und je höher diese ausfällt, desto höher die Einkommen. Die Einkommen reichen daher prinzipiell aus, die “erzeugten Güter zur letzten Verwendung”, die im Wert der Wertschöpfung und damit dem Volkseinkommen entsprechen, zu konsumieren und zu investieren, also zu ge- und verbrauchen. Ein Teil dieser Güter wird ins Ausland verkauft. Im Gegenzug werden andere Güter aus dem Ausland importiert. Das System ist sozusagen in sich stimmig.

    Es scheint so, als hätten Sie einige zentrale Erkenntnisse aus der Diskussion ab # 45 wieder ad acta gelegt. Was die betriebswirtschaftlich/unternehmerische Sicht anbelangt, bin ich ja völlig an Ihrer Seite. Aber woher nehmen Sie bitte schön auf aggregierter Ebene das Geld zur Räumung aller Lager, ohne zusätzliche Schulden zu machen oder als traurige Alternative in eine Deflationsspirale zu rutschen? Damit Sie die einzelnen Schritte nicht zusammensuchen müssen, habe ich die wichtigsten Passagen hier noch einmal zusammen gefasst:

    Da in gesättigten Märkten Renditen schrumpfen, Faktoreinkommen aber für die Nachfrage so hoch sein müssen, dass die Lager geräumt werden, gibt es ein Spannungsfeld zwischen angestrebten Unternehmensgewinnen (Mindestverzinsung des Kapitals) sowie den zu zahlenden Löhnen (=Kosten für Unternehmen, aber eben auch Voraussetzung für den Absatz der vorproduzierten Güter). In einer Volkswirtschaft mit nur noch homöopathischen Wachstumsaussichten wird das Risiko der unternehmerischen Tätigkeit nur noch sehr gering entlohnt und/oder es fehlt das potenziell nachfragewirksame Faktoreinkommen.

    Die systemischen Grundprobleme verschärfen sich, wenn Unternehmen in der Vergangenheit sehr erfolgreich waren (sieht man u. a. an hohen Cash-Beständen bei Apple, Siemens und Co.), jetzt aber, wegen mangelnder Nachfrage, keine weiteren sinnvollen Verwertungsmöglichkeiten mehr für ihr Geld (nicht ihr Kapital!) finden. Das Geld lagert dann, wie im Falle Siemens, bei der Bundesbank (sorgt bei Deflation sogar für Kapitalmehrung) oder wird an Aktionäre ausgeschüttet.

    Wenn dann aber der 6. Ferrari in der Garage steht, bleibt irgendwann auch im Luxussegment die Nachfrage aus. Wenn es dann auch noch wegen mangelnder Nachfrage zu breiten deflationären Tendenzen kommt, können die Unternehmen mit fehlender Nachfrage und geringen Cash-Beständen ihre Kredite nicht mehr bedienen und müssen wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Als Folge ergeben sich eine Vernichtung des Kapitalstocks sowie eine Entwertung von menschlichem Wissen, Können sowie der eigenständigen Existenzgrundlage jenseits staatlicher Alimentation.

    Damit dies nicht passiert, haben die Banken in Interessenunion mit den Unternehmen neue Absatzfinanzierungsinstrumente kreiert, mit dem dieser Selbstzerstörungsprozess noch etwas hinausgezögert werden kann. Unterstützt wurde dies durch das populäre Deficit-Spending der Staaten (die Entwicklung der Staatsverschuldung spricht Bände und die Krugman-Jünger sollten nicht zu früh jubeln).

    Die schönen Wachstumszahlen der letzten Jahre basieren also vor allem auf kreditfinanzierter Konsumnachfrage.

    Solange sich die Geldvermögen (bitte den bilanziellen Unterschied zwischen Vermögen und Kapital beachten) bei einer kleinen Unternehmens- und Personenanzahl konzentrieren, wird es aber nicht zu einer steigenden Nachfrage kommen und damit auch nicht zur Kredittilgung.

    Warum sind die Geldvermögen bei einigen immer weiter angestiegen? Nun, solange noch systemisches Wachstumspotenzial vorhanden ist, fließt durch wachsende Verschuldung immer noch genügend neues Geld nach, das in den ersten Verwertungsstufen noch zu weiterer Nachfrage führt. Aber auf jeder Transaktionsstufe kommt es wegen der Gewinnkalkulation (kalkulatorische Zinsen) zu einer weiteren Vermögenskonzentration, die bei Marktsättigung wegen fehlender Nachfrage (musste ja für Gewinne abgezweigt werden) zu einer Investitionsverweigerung der Unternehmen führt (führen MUSS). Das Geld findet wegen fehlender Nachfrage keine weitere sinnvolle Verwertung mehr und aus der Wachstumsspirale wird eine deflationäre Schrumpfungsspirale und der wie von Zauberhand geschaffene kreditinduzierte Wachstumszyklus bricht in sich zusammen.

    Es ist nicht die Kapitalakkumulation im Marx‘schen Sinn, die zur Krise des Kapitalismus führt, sondern die Geldakkumulation ist es, die zur Krise des Finanzkapitalismus führt. Die vollständige Analyse findet sich hier: http://zinsfehler.wordpress.com/2013/10/13/neun-masnahmen-fur-ein-europa-in-frieden-freiheit-und-wohlstand/

    Woher nehmen Sie also die Sicherheit, dass die Einkommen „prinzipiell“ ausreichen? Was verstehen Sie unter prinzipiell? Reichen die Einkommen nun, wenn die Cashbestände von Apple nicht angerührt werden und für Dividendenzahlungen neue Kredit aufgenommen werden oder reichen sie nicht?

  4.   alterego

    @152
    „Oder kurz: Wie schnell soll man den Stecker ziehen?“

    Die Frage stellt sich erst, wenn man bereits den Stecker in eine (Rettungs)Dose gesteckt hat. Das aber lehne ich grundsätzlich ab. Es gehört zu den Grundprinzipien der Marktwirtschaft, dass Unternehmen, die sich in ihr nicht behaupten können, zugunsten anderer oder neuer Unternehmen untergehen. Ich finde es richtig und sinnvoll, dieses wirken zu lassen.


  5. @154
    „Die Frage stellt sich erst, wenn man bereits den Stecker in eine (Rettungs)Dose gesteckt hat.“

    Wenn es um Unternehmen geht, die nur mit Eigenkapital operieren: JA.

    Aber die meisten Unternehmen haben ja in irgendeiner Form Fremdkapital und sei es nur ein einfacher Kontokorrentkredit bei der Sparkasse oder Verbindlichkeiten bei Lieferanden. Die haben dann schon den Finger in der Steckdose, wenn der Kurzschluß droht. Meine Überlegungen gelten für diese Situationen genauso.

  6.   Michael Stöcker

    @ rjimaris # 130

    Hier nun meine Einschätzung, warum auch Prof. Flassbeck den Kreditgeldkapitalismus nicht in Gänze richtig verstanden hat.

    Flassbeck ordnet sich ja selber eher der keynesianischen Denkschule zu, versucht dabei aber zugleich nicht dogmatisch zu argumentieren. Das macht ihn erst einmal sympathisch. Zudem erkennt er ganz gut, dass die Märkte wohl nicht immer so toll funktionieren, wie es uns die neoklassischen Modelle vorgaukeln (aber immerhin kann man mit solch steilen Thesen einen Nobelpreis zugesprochen bekommen).

    Zudem erkennt er richtig, dass es in Deutschland ein Nachfrageproblem gibt. Soweit so richtig. Nur seine Begründung, warum dies so ist, die ist nicht schlüssig hergeleitet. Er spricht von den Lohndrückungsorgien in Deutschland vergisst dabei aber, dass Deutschland unter hoher Arbeitslosigkeit litt. Höhere Löhne waren wegen der Kapitalmobilität (im Sinne von Anlagevermögen) aber kaum durchsetzbar. Die rasanten Entwicklungen der letzten 20 Jahre (Globalisierung) haben durch die hohe Faktormobilität die gewohnten Verteilungsmuster aufgemischt. Wie immer, bestimmen eben auch die Knappheitsverhältnisse die Preise. Kapital war plötzlich wieder knapp, Arbeitskräfte im Überfluss vorhanden (Osteuropa, China, Indien…). Höhere Löhne hätten daher gerade bei den einfachen Tätigkeiten zu einer weiteren Verlagerung gen Osten geführt. Goldene Zeiten für Kapitalisten, magere für wohlstandsverwöhnte Deutsche.

    Und dann kam der Euro zu einem Zeitpunkt, als Deutschland noch immer nicht die Folgen von Globalisierung plus Einheit verarbeitet hatte (kranker Mann Europas). Um so etwas machen Investoren doch eher einen großen Bogen und suchen ihr Heil in den prosperierenden Ländern jenseits der Grenze. Und damit kommt das Geld ins Spiel. Dies ist aus meiner Sicht der Punkt, den Flassbeck unzureichend berücksichtigt. Es ist das Geld, das in einem ersten Schritt einen Kaufvertrag ermöglicht und damit eine Kette von weiteren Transaktionen anstößt (manche sprechen hier von Umlaufgeschwindigkeit, wobei mir schleierhaft ist, weshalb hierfür Begrifflichkeiten der Astronomie/des Rummels herhalten müssen). Wenn es kein Geld gibt, dann kann ich eben nichts kaufen. Es sei denn, es leiht mir jemand.

    Und dies passierte sehr großzügig durch deutsche Kapitalexporte. Entweder direkt oder aber eben auch sehr stark indirekt über Frankreich(die TARGET Position bleibt unberührt). Durch das zufließende Geld erhöhte sich zugleich die Möglichkeit der südlichen Banken, weitere Kredite zu vergeben. Wenn das alle Banken schön gleichmäßig machen und sich alle vertrauen (es brummte ja in Spanien), dann können Banken eine ganze Menge an Buchgeld aus dem Nichts buchen und die Kreditparty ist am Laufen. Dies ging eine ganze Weile gut und der kreditinduzierte Wachstumsschub sorgte für steigende Löhne und steigende Preise. Wenn man jetzt aber nicht investiert, sondern konsumiert hat (Griechenland) oder aber Fehlinvestitionen getätigt hat (spanische Bauruinen) oder viele ausländische Güter damit gekauft hat (LB-Defizite), dann gehen die Lichter plötzlich aus, die Party ist aus und alle gehen nach Hause (und da müssen dann auch viele bleiben).

    Hat das ursächlich etwas mit Lohndrückerei in Deutschland zu tun? Nein, dies hat etwas mit besinnungsloser Kreditvergabe zu tun. Und die Hidden Champions und Global Player zahlen nun wirklich keine Hungerlöhne. Die Hungerlöhne werden in den unproduktiven Dienstleistungsbereichen mit geringer Qualifikation gezahlt, die selbstverständlich auch bei Porsche als externe Dienstleister anderen Tarifverträgen unterliegen. Dies mag man bedauern, ist aber betriebswirtschaftlich rational, führt aber gesamtwirtschaftlich zu dem von mir adressierten Dilemma der systemimmanenten Selbstzerstörung.

    Wäre das Geld nicht in den Süden geflossen, sondern in Deutschland investiert worden (wie z. Z.), dann hätte es keinen Boom-Bust-Zyklus gegeben, die Lohndifferenzen hätten nicht so stark zunehmen können, die Gewinne der Unternehmen wären schon früher rückläufig gewesen und wir hätten nicht die enormen Spannungen, die wir jetzt haben. Man kann es auch positiv darstellen: Durch den kreditinduzierten Investitionsboom im Süden wurde der systemimmanente Destruktionsmechanismus durch zusätzliche Verschuldung noch etwas hinausgezögert.

    Ist aber einmal die Verschuldungsgrenze einer Volkswirtschaft in toto erreicht, dann bricht der Geldzufluss ab und kehrt sich um. Der drohende Abschwung erhält plötzlich eine Eigendynamik und die Zentralbank kann als lender of last resort nur noch die Scherben einer solchen Kreditblase zusammen kehren. Das Ergebnis sind in diesem Fall die TARGET Salden, die uns in Deutschland einer Vollgeldsituation näher gebracht haben. Schön für die Kreditgeber, denen der Ar… gerettet wurde, nur wissen wohl viele nun nichts sinnvolles mehr mit ihrem geretteten Geld anzufangen, klagen aber zugleich über die Niedrigzinsen und fabulieren von Enteignung der Sparer. Aber als nettes Gesellschaftsspiel können wir ja regelmäßig Aktien kaufen und verkaufen und fühlen uns bei steigenden Kursen dann immer reicher. Willkommen in der selbstreferenziellen MATRIX.

    Eine Forderung nach höheren Löhnen betrifft nun aber nicht gerade solche Branchen und Unternehmen, die vor Kraft nur so strotzen, sondern es sind oftmals die kleinen Mittelständler, die über geringe Cashbestände sowie wenig Eigenkapital verfügen. Solange die aber keine höheren Preise am Markt durchsetzen können, haben sie oftmals auch kein Lohnerhöhungspotenzial.

    Wenn ich diesen Prozess der Lohnerhöhung aktivieren möchte, sich das private Geldkapital aber wegen unsicherer Aussichten scheut zu investieren, dann muss ich eben von außen Geld hinzuführen, um die gebunkerten Cashbestände unter Aktivitätsdruck zu setzen. Und wenn ich das schaffe, dann werden auch die Löhne folgen (im Süden hat’s doch auch geklappt). Die Liquiditätsfalle kann man eben mit weiteren Schulden bekämpfen (deficit spending) oder aber eben mit einem Geldregen à la Friedman („dropping money out of a helicopter.“).

    Money makes the world go round! It’s that simple.

  7.   alterego

    @155
    Die Gläubiger, insbesondere die öffentlich rechtlichen wie zum Beispiel die gesetzlichen Krankenversicherungen, sind diejenigen, die erst einmal dafür sorgen, dass der Patient ins Krankenhaus (Inslovenz anmelden) muss. Der Insolvenzverwalter versucht dann zu operieren. Diese Operation endet häufig in einer Entnahme funktionsfähiger Organe, die anderen Unternehmen eingepflanzt werden, und für den Patienten letal. Künstliche Lebensverlängerungen auf Kosten des Steuerzahlers sind vom System her nicht vorgesehen und sollten grundsätzlich unterbleiben.

  8.   Marlene

    @156

    Erst stimmen sie Flassbeck zu, dass in Deutschland Nachfrage knapp war/ist.

    Dann behaupten sie plötzlich dass Kapital knapp ist.

    Und durch die Senkung der Löhne mehr in Deutschland investiert wird.

    Also das Angebot (bei gleichzeitiger knapper Nachfrage???) ausgeweitet wurde.

    Schaut man auf die Empirie kann ich nicht erkennen dass die Investitionen durch die Agenda 2010 in Deutschland davongaloppiert sind.

  9.   rjmaris

    Gut, ursprünglich schrieben Sie „(an alle Flassbeck-Jünger: auch er hat leider den Kreditgeldkapitalismus nicht verstanden)“. Jetzt fügen Sie noch ein: „in Gänze richtig (verstanden)“. Das klingt schon mal ganz anders. Denn die ursprüngliche Formulierung klang ein bisschen danach, als ob seine genaue Auffassung zu „Schöpfung aus dem nichts“ (Bsp. Creutz/Kreutzer-Streit).

    So aber ist wenig einzuwenden. Flassbeck weiß sehr wohl um Kredite als Bais für Wirtschaften überhaupt. Ein relativ aktualles zweitteiliger Artikel seine „Sekundanten“ Spiecker unterstreicht dies.

    Übrigens recht herzlichen Dank für Ihre ausführliche Erläuterung!
    Gerne gebe ich meinen Senf dazu. Man muss schon fragen, wieso das Kapital gen „Süden“ floss. Aus einem Spiegel Artikel zu Richard Koo: “ In den ersten Jahren des Jahrtausends musste die EZB die Zinsen niedrig halten, weil die Wirtschaft in Deutschland lahmte. Für den Rest der Euro-Zone waren die Zinsen eigentlich zu niedrig (1), was in diesen Ländern zu vielen neuen Krediten und somit zu einer rasch wachsenden Geldmenge führte“ (2). Ich verstehe Flassbeck aber auch nicht so, dass er um 2003 herum „Lohndrückungsorgien“ sah, sondern eher ab etwa 2004. Und tatsächlich tat sich etwas, aber wie Sie und Koo übereinstimmend meinen, war der Kapitalfluss verantwortlich für hohe Inflation in den Südländern. Auch dies kan man relativ betrachten, genauso wie der Wettebwerbsfähigkeit auch ein relativer Begriff ist. Sicher sind viele Löhne in Deutschland tatsächlich nicht zu niedrig, sondern im Süden zu hoch (zumindest bis etwa 2012). Was aber für Deutschland zu bedenken gibt: Heute ein Medianeinkommen von 16.000 EUR. Das ist nicht viel.
    Fazit: Für Flassbeck ist die unterschiedliche Inflationsrate das größte Problem (3). Danach kommen die Löhne (meine Perzepion von Flassbeck).

    „die gebunkerten Cashbestände unter Aktivitätsdruck zu setzen“: Das ist in meinen Augen das wichtigste Ziel überhaupt.

    (1) Regional ausdifferenzierte EZB Zinsen: siehe oekonomenstimme.org/artikel/2012/10/die-maer-von-den-nordischen-sparern-und-den-suedlichen-verschwendern/ , Rainer Maurer: „Die Europäische Zentralbank muss deshalb ihr Verständnis einer „einheitlichen Geld- und Währungspolitik“ ändern: An die Stelle „einheitlicher Refinanzierungsbedingungen“ für die Geschäftsbanken muss sie „einheitliche Inflationsraten“ in den Mitgliedsländern setzen. Die Refinanzierungsbedingungen der Geschäftsbanken müssen entsprechend differenziert werden.“
    Und die Geschäftsbanken hätten frühzeitig Risikoprämien aufschlagen müssen, siehe auch J. Stark in einem Interview: dradio.de/dkultur/sendungen/tacheles/2072303/
    (2) spiegel.de/wirtschaft/soziales/hartz-reform-volkswirt-will-erfolg-bewiesen-haben-a-893186.html
    (3) Für Sie offenbar nur eine Teilwahrheit, lt. Kommentar acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.de/2013/10/iwf-warnt-vor-deflationsdruck-im-euro.html (den ich wiederum kommeniert habe).

  10.   Dietmar Tischer

    @ Michael Stücker # 156

    Stimme vielem zu.

    Flassbeck gegenüber würde ich so argumentieren:

    Einmal ANGENOMMEN, es gab Lohndrückerei, warum haben wir denn dann Kapital exportiert statt es bei uns zu investieren? Niedrigere Löhne heißt doch schließlich geringere Kosten und damit höhere Kapitalrendite.

    Flassbeck kann das nicht erklären.

    Abgesehen davon, dass das Kapital nicht knapp war, ist Ihre Erklärung ist m. A. n. richtig:

    Das Kapital wurde dorthin exportiert, wo die Löhne niedriger als bei uns waren, also z. B. nach Osteuropa für INVESTITIONEN dort.

    Es wurde darüber hinaus in die Peripherie exportiert, um u. a. als NACHFRAGE nach unseren Top-Produkten wirksam zu werden.

    Das war die TRAUMKONSTELLATION für Unternehmen und Kreditgeber hierzulande (solange gekauft werden konnte und Zinsen bezahlt wurden).

    Was sollen dagegen höhere Löhne in Deutschland ausrichten, wenn sie Beschäftigten zukommen, die sich keine teuren Produkte leisten können (auch wenn sie sich bei höheren Löhnen besser stellen, aber immer noch vergleichsweise gering bezahlt werden) ODER schon so warengesättigt sind, dass sie das zusätzliche Einkommen vermutlich sparen würden?

    Höhere Löhne hätten nur die Produktion verteuern und tendenziell mehr Arbeitslosigkeit produziert.

    Die deutschen Gewerkschaften wissen das und die meisten ihrer Mitglieder begreifen, dass es für sie VORTEILHAFTER ist, einen relativ sicheren Arbeitsplatz zu haben (bei nicht ausgereizter Vergütung) als sich mit kräftigen Reallohnsteigerungen in die Arbeitslosigkeit zu begeben.

 

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