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Mehr Geld drucken!

 

Monatlich 500 Euro für jeden in der Währungsunion, bis Konsum, Beschäftigung, BIP-Wachstum und Inflation wieder anspringen! Wie wäre es? Die Bilanz des Euro-Systems schrumpft seit zwei Jahren und die Leitzinsen von nunmehr nur noch 0,15 Prozent haben bislang nichts daran ändern können, dass die Haushalte keine neuen Schulden machen wollen. Der sogenannte Transmissionsmechanismus von der EZB zur Endnachfrage funktioniert nicht mehr. Vielleicht ist der Umweg über die Banken einfach zu lang: Sie geben die Impulse der Geldpolitik wegen ihrer Bilanzprobleme, sprich ihrer vielen faulen Kredite, nicht an ihre Kunden weiter.

Grafik: Zentralbankbilanzen seit 2007

Ich weiß, dass das, was ich hier vorschlage, politisch keine Aussicht auf Erfolg hat. Mir ist klar, dass die Europäischen Verträge eine Staatsfinanzierung durch die Notenbank nicht zulassen. Es lohnt dennoch, ein bisschen out-of-the-box zu denken und sich auf das Gedankenexperiment einzulassen. Was würde passieren, wenn die EZB für eine zunächst unbefristete Zeit jedem der 330 Millionen Bürger der Währungsunion über die Finanzämter der Mitgliedsstaaten monatlich 500 Euro überweisen würde? Das wären im Jahr rund zwei Billionen Euro oder rund 20 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts. Um so viel würde die Bilanzsumme des Euro-Systems (der EZB) zunehmen. Wenn das nicht reichen sollte, die Konjunktur in Schwung zu bringen und der Deflationsfalle zu entkommen, müsste einfach weitergemacht werden. Ben Bernanke hat so etwas einst helicopter money genannt.

Da die Kaufzurückhaltung – und damit die wirtschaftliche Stagnation – viel damit zu tun hat, dass vor allem im Süden der Währungsunion viele Verbraucher überschuldet sind, wäre zu überlegen, wie sich diese Schulden vermindern lassen. Die meisten dieser Verbraucher haben zudem Angst um ihre Arbeitsplätze – sehr viele, deutlich mehr als hierzulande, sind zudem arbeitslos. Finanzkrisen ziehen sich bekanntlich deswegen lange hin, weil der Prozess der Entschuldung pro-zyklisch wirkt, also die Nachfrage dämpft. Es darf nicht dazu kommen, dass der Prozess japanische Dimensionen annimmt und noch weitere 15 Jahre dauert. Irgendwann wüsste man dann gar nicht mehr was der Begriff „Wirtschaftswachstum“ bedeutet. Es träte ein, was Ökonomen als Hysteresis bezeichnen – wichtige Fähigkeiten gehen im Laufe der Zeit verloren, wenn Ressourcen ungenutzt bleiben. Der rasche Abbau von Schulden im privaten Sektor ist das Wichtigste, wenn es darum geht, eine tückische Finanzkrise wie die jetzige zu überwinden.

Zurück zu meinem Vorschlag: Wenn beispielsweise eine vierköpfige spanische Familie in den kommenden zwölf Monaten auf einmal 24.000 Euro „geschenkt“ bekäme – und Oma und Opa noch einmal ihre 12.000 Euro dazu täten – könnte sie damit einen großen Schritt in Richtung Schuldenabbau und Schuldentragfähigkeit tun. Die Welt sähe für sie schon viel freundlicher aus; man könnte vielleicht sogar wieder einmal einen Einkaufstrip unternehmen oder einen Kredit beantragen.

Für Menschen mit niedrigem Einkommen – Arbeitslose, Rentner, Sozialhilfeempfänger –, auch solche ohne Schulden, wäre das Geld von der EZB so etwas wie das Manna aus der Bibel. Sie würden sich endlich das kaufen oder leisten, was sie sich erträumt hatten. Sie würden das Geld umgehend und vermutlich komplett ausgeben. Auch alle anderen, selbst die Wohlsituierten, würden sich nicht zieren, das Geld anzunehmen und irgendwie unter die Leute zu bringen. Vielleicht befürchten sie, dass die Sache kein gutes Ende nehmen würde, also in eine galoppierende Inflation ausarten könnte. Wenn morgen alles teurer ist, sollten Anschaffungen eher vorgezogen als aufgeschoben werden. Die Angst vor Inflation war noch stets ein probates Mittel gegen Kaufzurückhaltung. Zudem dürften die Bessergestellten, wenn sie wirklich Angst vor Inflation haben, einen Teil ihres Vermögens ins Ausland bringen und so tendenziell den Euro schwächen – das erhöht die Einfuhrpreise und wäre daher zumindest kurzfristig ein wünschenswerter Effekt.

Das alles lässt erwarten, dass sich ein Konsumboom entwickeln wird, vor allem, wenn die EZB von Vornherein klarstellt, dass es mit den monatlichen Überweisungen so lange weitergehen wird, bis die Inflation zwei Prozent erreicht hat, vielleicht sogar drei oder vier Prozent. Eine Anhebung des Inflationsziels hatte Olivier Blanchard, der Chef-Volkswirt des Internationalen Währungsfonds, schon vor einigen Jahren angeregt (damit die gefährliche Deflationsmentalität ein für alle Mal ausgerottet wird). Gleichzeitig müssten angesichts des Nachfrageanstiegs neue Leute eingestellt werden, die dann ihrerseits mehr Geld ausgeben würden. Für die Unternehmen wiederum vergrößerte sich der Spielraum für Preiserhöhungen, auch die Löhne könnten stärker steigen – sie sind auf der Kostenseite die wichtigste Determinante der Inflation. Ob es zudem durch einen schwächeren Wechselkurs des Euro zusätzliche Inflationsimpulse geben wird, lässt sich dagegen nicht mit einiger Zuversicht vorhersagen: Durch den Rückgang des Handelsbilanzüberschusses geht an den Devisenmärkten die Nachfrage nach Euro zurück, durch die Aussicht auf rascheres Wirtschaftswachstum und höhere Zinsen steigt sie, Ergebnis ungewiss.

There is no free lunch – Geschenke gibt es nicht, oder nur sehr selten. An dieser Stelle muss ein bisschen Buchhaltung betrieben werden. Wer wären die Gewinner und Verlierer eines solchen Programms?

Die staatlichen Schulden Euro-Lands belaufen sich brutto in diesem Jahr auf voraussichtlich 96 Prozent des BIP; durch das Sonderprogramm „500 Euro monatlich für Alle“ kämen in einem Jahr 20 Prozentpunkte hinzu. Allerdings würden die bessere Konsumkonjunktur und die anziehende Inflation (über die „kalte“ Progression) mehr Steuern in die Kassen spülen, während die Sozialausgaben langsamer zunehmen würden als erwartet, sodass im Jahresdurchschnitt 2015 vielleicht Schulden von 110 Prozent des BIP zu Buche stehen.

Die zusätzlichen Schulden sind nicht marktwirksam. Es handelt sich um direkte Transaktionen zwischen der Zentralbank und den Mitgliedstaaten – die ihre Verschuldung gegenüber der EZB um zwei Billionen Euro erhöhen. Mario Draghi würde nicht auf eine rasche Rückzahlung drängen und auch keine nennenswerten Zinsen verlangen (angenommen, er dürfte sich überhaupt auf eine Staatsfinanzierung einlassen – er darf es nicht!).

In gesamtstaatlicher Sicht könnte man die Transaktion als „linke Tasche, rechte Tasche“ bezeichnen. In Japan, wo die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen heute bei nur 0,53 Prozent liegen, ist das gängige Praxis. Auch das quantitative easing der Fed war letztlich ein Ankauf staatlicher Papiere. Mit anderen Worten, es ist nicht unbedingt damit zu rechnen, dass die langen Zinsen steigen werden, nur weil die Bruttoschulden des Staates zunehmen.

Claudio Borio, einer der Vordenker bei der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, hat kürzlich eine Grafik gezeigt, in der eine klare negative Korrelation zwischen stark zunehmenden globalen Schulden und realen Leitzinsen sowie realen Bondrenditen zu erkennen ist. In bestimmten, wenn nicht den meisten Situationen gehen steigende Schulden mit sinkenden Zinsen einher – weil Schulden in der Regel dann zunehmen, wenn die Kapazitäten schlecht ausgelastet sind und die Arbeitslosigkeit hoch ist, wenn das Umfeld also sinkende Inflationsraten und sinkende reale Zinsen begünstigt.

Grafik: Borio - Global debt and interest rates
Quelle: Borio (2014)
 

Durch das anhaltende Verteilen von Geld an die Bevölkerung Euro-Lands springt die Konjunktur an, die Outputlücke wird kleiner, die Inflation wird wiederbelebt. Die reale Schuldenlast vermindert sich rascher als bei der aktuellen Inflationsrate von lediglich 0,4 Prozent (Vorjahresvergleich). Das geht zulasten der Gläubiger, also vor allem der Sparer – ihre Forderungen entwerten sich schneller. Das wäre gewollt.

Die Strategie bewirkt eine temporäre Umverteilung der Einkommen zugunsten der ärmeren Bevölkerungsschichten. Für den Sozialhilfeempfänger, der mit weniger als 1.000 Euro im Monat auskommen muss, sind 500 Euro zusätzlich etwas ganz Anderes als für jemanden, der 5.000 Euro verdient. Anders ausgedrückt, die Maßnahme begünstigt die Armen relativ mehr als die Reichen – das ist ein zusätzlicher Stimulans für die Konsumnachfrage und die Konjunktur.

Die Qualität der EZB-Bilanz bleibt im großen Ganzen erhalten – auf der Aktivseite sind ja Forderungen gegen die 18 Mitgliedsländer hinzugekommen, proportional zur Größe ihrer Bevölkerung. Damit geht der Anteil der Forderungen gegenüber Banken zurück. Selbst schlechte staatliche Schuldner wie Griechenland oder Portugal haben immerhin das Privileg, ihre Verbindlichkeiten durch höhere Steuern zu begleichen; Banken haben das nicht.

Wenn die Inflation eines Tages aus dem Ruder zu laufen droht, muss sich die EZB daran machen, Liquidität durch geringere Zuteilungen bei den Refinanzierungsgeschäften, Verkäufe von Bonds und höhere Mindestreserven abzuschöpfen. Zentralbanken wissen genau, was im Kampf gegen die Inflation zu tun ist.

Sie wissen dagegen nicht so recht, was die angemessene Strategie ist, wenn Deflation droht – Gelddrucken ist vermutlich neben niedrigen Leitzinsen die wichtigste Option. Zuletzt ist es bei der EZB leider in die entgegengesetzte Richtung gegangen. Ihre Bilanz ist stark geschrumpft.

158 Kommentare


  1. @ Dietmar Tischer # 147

    So langsam gehen mir die Ideen aus.

    Ausgangspunkt Ihrer Überlegungen war, wie man garantieren kann, dass geschenktes Geld auch tatsächlich konsumiert wird und nicht auf dem Bankkonto oder im Wäschefach vor sich hin träumt.

    Ihre Idee: Wir müssen dieses Geld mit einem Verfallsdatum versehen, damit es auch tatsächlich ausgegeben wird. Meine These hierzu: Das funktioniert nicht. Vielleicht hilft ja diese kleine Geschichte:

    Dietmar Tischer betreibt eine Ferienpension. Mit Einführung des geschenkten Verfallsgeldes bezahlen seine Kunden ausschließlich mit diesem Verfallsgeld. Das Verfallsdatum ist der 31.12.2014. Weil dieses Geld ja gesetzliches Zahlungsmittel ist, legt Herr Tischer die schönen Verfallsgeldscheine in seinen Tresor, um für die Renovierung seiner Pension zu sparen. Frage: Handelt Herr Tischer rational, wenn er damit rechnen muss, dass diese Verfallseuro eventuell nicht mehr oder nicht in voller Höhe von der EZB umgetauscht werden? Geht Herr Tischer dieses Risiko ein? Und wenn ja, welchen Abschlag auf dieses Verfallsgeld wird er von seinen Gästen verlangen für das Risiko, dass Herr Tischer (oder ein anderer) nun dieses Verfallsgeld in seinem Tresor liegen hat? Ist Herr Tischer ein Zocker, wird er dieses Verfallsgeld wohl als Zahlungsmittel mit einem entsprechenden Abschlag akzeptieren. Ist er es nicht oder der Kunde lässt sich nicht auf einen Abschlag ein, dann wird er auf normaler Zahlung bestehen.

    Verstehen Sie nun, was ich mit Kursrisiko meine? Sie wissen nicht, ob Ihre Einnahmen aus der Vermietung tatsächlich 1:1 umtauschbar sind.

    Sie wollen die Menschen dazu bringen, dass sie wegen des Verfallsdatums ihr Geld schnell ausgeben. Sie müssen aber doch immer mitdenken, dass dann ein anderer dieses Geld in seinen Händen hält und damit auch das Verfallsrisiko. Gibt es dieses Verfallsrisiko nicht, dann muss ich mein Geld auch nicht ausgeben, sondern kann abwerten. Sie wollen aber gerade, dass es ausgegeben wird. Ich behaupte: Kein klar denkender Mensch wird dieses Verfallgeld mit dem aufgedruckten nominellen Wert akzeptieren, da er sich nicht sicher sein kann, welchen Wert dieses Geld am Verfallstag hat. Es sei denn, mit einem entsprechenden Abschlag. Dann gilt aber nicht mehr der Grundsatz des gesetzlichen Zahlungsmittels der da lautet: 1 Euro ist immer 1 Euro.

    Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum Sie hiermit ein Verständnisproblem haben. Oder reden wir aneinander vorbei?

    Es ist ja aller Anstrengungen wert, von Geld als Schuldverhältnis wegkommen zu wollen, aber wenn damit AUCH Nachfragewirksamkeit verbunden sein soll, dann muss die auch begründbar sein.

    Nicht, dass Sie mich missverstehen. Ich halte unser Schuldgeld prinzipiell für eine gute Sache und möchte auch nicht davon wegkommen. Ich möchte nur einen kleinen Teil an schuldfreiem Geld hinzufügen, der für einen permanenten Umverteilungsprozess sorgt, den unser Steuersystem nicht leisten kann bzw. nicht leisten will, um zu verhindern, dass sich unser System aus saldenmechanischer Sicht selber stranguliert. Es ist in gewisser Weise auch ein Substitut für mangelnden politischen Handlungswillen. Damit werden keine Wunder vollbracht sondern lediglich Schlimmeres verhindert. Die strukturellen Reformen werden so aber erst überhaupt auf demokratischem Wege möglich sein, ohne hier direkt in den absoluten Pessimismus von keiner im anderen Thread zu verfallen.

    LG Michael Stöcker

  2.   Dietmar Tischer

    @ Michael Stöcker # 145

    >In einem einheitlichen Währungsraum gilt immer der Grundsatz: 1 Euro ist 1 Euro, egal ob als Banknote oder Münze im Geldbeutel oder als Zahl auf dem Bankkonto. Es gibt also grundsätzlich keinen Bewertungsunterschied zwischen Buchgeld und Bargeld und ich kann jederzeit zwischen Bargeld und Buchgeld wechseln.>

    Das ist KEINE Antwort auf das, was ich dargelegt habe und was Sie widerlegen müssen – Sie behaupten immer nur, legen Sie doch einmal dar, dass Verfallsgeld NICHT funktioniert.

    So kommen wir nicht weiter.

    Und:

    Wo ist denn beim Verfallsgeld FUNKTIONAL ein Unterschied, ob ich mit 1 EUR Banknote, Münze oder Abbuchung auf dem Bankkonto BEZAHLE.

    Bargeld bleibt Bargeld, Buchgeld bleibt Buchgeld und 1 EUR ist immer 1 EUR.

    Wenn ich aus dem Verfallsgeld nicht Buchgeld machen kann, dann ist das zwar eine funktionale EINSCHRÄNKUNG, aber kein Bewertungsunterschied, was den Tauschwert Geld gegen Ware betrifft.

    >Wenn Sie nun schreiben, dass ich am Verfallstag DAFÜR in gleicher Menge neues bekomme, stellt sich die Frage, was diese Übung soll? So etwas passiert normalerweise nur dann, wenn ein Geldschein optisch nicht mehr den Qualitätsanforderungen (sauberes/knitterfreies Geld = ordentliches/verlässliches/stabiles Geld) entspricht.>

    Die Übung sorgt dafür, dass es weitergeht, evtl. auch mit Faktoren >1 oder > 1. Natürlich kann die Notenbank auch aufhören damit, dann war es eine einmalige Übung, was ja wohl auch die ursprünglichen Überlegungen von M. Friedman war.

    Was NORMALERWEISE passiert, interessiert hier nicht, weil wir mit Verfallsgeld nicht beim Normalen sind. Das ist kein Argument.

    Es gibt aber Gründe, die gegen eine KONTINUIERLICHE Ausweitung der Verfallsgeldmenge sprechen. Ich habe auch einen entscheidenden genannt: die Praktikabilität in unserer Wirtschaftswelt.

    Ich will auch gar nicht für das Verfallsgeld kämpfen, sondern nur darlegen, dass es HINREICHENDE Gründe geben muss, um Geld, wie immer es in die Welt kommt, mit BESTIMMTHEIT nachfragewirksam werden zu lassen.

    Es ist ja aller Anstrengungen wert, von Geld als Schuldverhältnis wegkommen zu wollen, aber wenn damit AUCH Nachfragewirksamkeit verbunden sein soll, dann muss die auch begründbar sein.

    Allein die Tatsache, dass den Leuten Geld geschenkt wird, leistet diese Begründung nicht.


  3. @ oX Triangle # 140

    Er sollte sich z.B. mal mit Prof. Fr. Hörmann unterhalten, weil Herrn Flassbeck z.b. alternative Buchungsmethoden völlig unbekannt sind, die eine ganze Kette an von ihm benannte Probleme beheben würden.

    Das wäre völlig vertane Zeit, da die alternativ-albernen Buchungsmethoden eines Prof. Hörmann nur eins bekunden: Er hat unser Geldsystem nicht verstanden und ist noch nicht einmal in der Lage beim Thema Geld zwischen Stocks- und Flows zu differenzieren; und das als Professor für Rechnungswesen. Hörmann und seine Adepten sind der intellektuelle Tiefpunkt in der Geldsystemdebatte (obwohl er ansonsten durchaus viele richtige Dinge sagt und schreibt).

    Hörmann ist für eine ernsthafte Diskussion über unser Geldsystem sogar schädlich, weil der den Befürwortern des Status quo mit seinen buchhalterischen Eseleien wunderbare Sachargumente liefert, dass die Geldsystemkritiker auf dem Holzweg sind.

    Tut mir leid, aber in diesem Forum werden Sie keinen ernst zu nehmenden Diskutanten finden, der sich mit Prof. Hörmanns Info-Money auseinander setzt. Auch wenn er unter dem Motto ex nihilo pro omnes in Anlehnung an die Fiat-Geld-Kritiker seine Ideen verbreitet, gilt doch immer noch der Grundsatz von Aristoteles: Ex nihilo nihil fit.

    Das Thema ist lange abgehakt. Wenn Sie wissen wollen warum, dann lesen Sie doch mal diese beiden Beiträge inkl. aller Kommentare:

    soffisticated.wordpress.com/2013/10/10/von-substanzbehafteten-luftnummern/

    soffisticated.wordpress.com/2012/07/01/was-ist-clearing/

    LG Michael Stöcker


  4. @ Dietmar Tischer # 138

    Dies insbesondere auch deshalb, weil Sie meine Darlegungen, dass klar denkende Menschen das Verfallsgeld akzeptieren – Sie hatten das bestritten – mit keinem Wort zu entkräften suchen:

    Sie stehen davor und sehen es doch nicht, obwohl Sie selber die Argumentation für meine Sicht auf die funktionale Problematik eines Verfallsgeldes liefern bzw. bestätigen. Sie schreiben:

    Es geht hier um eine ZUSÄTZLICHE sich im Umlauf befindende Bargeldmenge einer Währung. Wo ist für wen hier ein Risiko? Welcher Kurs ändert sich?

    Was verfällt, wenn ich altes Geld der Bank einreiche und DAFÜR in gleicher Menge neues bekomme?

    Was die Faktoren >1 und < 1 angeht, ist das in der Tat nicht ganz unproblematisch. Das kann die Zentralbank verstetigen und sie muss klar kommunizieren. Dann ist das m. A. n. schon handhabbar.

    In einem einheitlichen Währungsraum gilt immer der Grundsatz: 1 Euro ist 1 Euro, egal ob als Banknote oder Münze im Geldbeutel oder als Zahl auf dem Bankkonto. Es gibt also grundsätzlich keinen Bewertungsunterschied zwischen Buchgeld und Bargeld und ich kann jederzeit zwischen Bargeld und Buchgeld wechseln. Für den Bürger besteht hier kein Unterschied. In beiden Fällen erfolgt die Zahlung einer Geldschuld schuldbefreiend mit ZB-Geld (auch im zweiten Fall, auch wenn das von den Hörmännern dieser Welt immer wieder bestritten bzw. nicht verstanden wird).

    Wenn Sie nun schreiben, dass ich am Verfallstag DAFÜR in gleicher Menge neues bekomme, stellt sich die Frage, was diese Übung soll? So etwas passiert normalerweise nur dann, wenn ein Geldschein optisch nicht mehr den Qualitätsanforderungen (sauberes/knitterfreies Geld = ordentliches/verlässliches/stabiles Geld) entspricht.

    Der Grund liegt also doch eher in dem folgenden Absatz, indem Sie den Grundsatz 1 Euro ist 1 Euro durch die ZB aushebeln wollen und ihr dann auch noch die nicht erfüllbare Aufgabe zukommen lassen wollen, dies zu verstetigen und klar zu kommunizieren. Wie sollte diese Art der Verstetigung und Kommunikation aus Ihrer Sicht erfolgen, wenn Sie den Grundsatz 1 Euro ist 1 Euro aufheben möchten?

    LG Michael Stöcker

  5.   Dietmar Tischer

    @ Michael Stöcker #135

    Danke für den link zu Buiter.

    Habe seine Darlegungen überflogen und finde seine folgenden Bedingungen, die für helicopter geld erfüllt sein müssen, damit es NACHFRAGEWIRKSAM ist, interessant:

    >There are three conditions that must be satisfied for helicopter money as
    defined here to always boost aggregate demand. First, there must be benefits from holding fiat base money other than its pecuniary rate of return. Only then will base money be willingly held despite being dominated as a store of value by nonmonetary assets with a positive risk-free nominal interest rate … Second, fiat base Money is irredeemable: it is view as an asset by the holder but not as a liability by the issuer. This is necessary for helicopter money to work even in a permanent liquidity trap, with risk-free nominal interest rates at zero for all maturities. Third, the price of money is positive.>

    Ich bemerke dazu, dass das Verfallsgeld, für das ich hinsichtlich einer nicht hinreichend belegten Nachfragewirksamkeit von „geschenktem Geld“ argumentiere, es damit aber nicht empfehle, die drei Bedinungen von Buiter erfüllt.

    Die erste Bedinung – „benefits for holding it“ – wird durch den Verfall erfüllt:

    Wenn dieses Geld nicht in Nachfrage umgesetzt wird, ist sein Nutzen verloren und ihn nicht zu verlieren, ist eben the benefit for holding it als Zahlungsmittel.

    Weist Ihr Geldsystem einen gleichermaßen ZWINGENDEN Grund für Nachfragewirksamkeit aus Sicht der mit dem Geld Beschenken auf?

    Die zweite Bedingung wird sehr nachdrücklich seitens der Zentralbank erfüllt:

    Indem die Zentralbank das verfallene Geld gegen Geld mit neuer Gültigkeit tauscht, DOKUMENTIERT sie für jeden erkennbar, dass das ausgegebene Bargeld keine Verbindlichkeit seiner Inhaber darstellt.

    Man kann sagen:

    Da Verfallsgeld die erste Bedingung sehr stark erfüllt, muss auch die zweite stark erfüllt sein – und das ist sie mit dem Geldtausch der Zentralbank.

    Noch ein Punkt:

    Eine Diskussion, welches Geldsystem mit welchen Gesetzen kollidiert, sollte kein Kriterium für ihre Bewertung sein. Buiter jedenfalls sieht, dass der ECB die Legitimität fehlt, seinen Vorschlag umzusetzen:

    >Again, although we have not been able to find clauses in the
    Treaties prohibiting helicopter money drops by the ECB, other good deeds or
    infrastructure spending beyond its own organizational needs, the political
    legitimacy of such actions would appear to be questionable. Central Bank
    resources are public resources – tax-payers money. An unelected body like the
    ECB would appear to lack the input legitimacy to decide how to spend public
    resources over and above what is necessary to implement its mandate.>

    Wenn Sie dennoch auf Konformität mit Legitimitätserfordernissen bestehen, sollten Sie diese nicht für Verfallsgeld, sondern auch für IHR Geldsystem fordern.

    Buiter wäre übrigens nicht Buiter, wenn er nicht eine Lösung finden würde:

    >If the only way to pursue this primary objective of price stability is to engage
    in helicopter money drops, and if Article 123 of the TFEU is deemed to rule out a joint monetary-fiscal policy stimulus by the ECB and …. national fiscal authorities, then one could argue that the Treaty not only permits but demands helicopter money drops from the ECB. Output legitimacy may trump the lack of input legitimacy. >

    Das ist das Denken der Ökonomen:

    Ökonomische Erfordernisse MÜSSEN juristische Hindernisse negieren dürfen.


  6. Die Ideen des Autors sind zweifellos sehr interessant und bemerkenswert kreativ. Daher möchte ich mich zunächst voller Respekt für den Artikel bedanken, gleichzeitig aber auch im Voraus schon entschuldigen für meinen nun folgenden Verriss:

    Kann man die im Artikel dargestellten Ideen und Gedanken wirklich ‚Out-of-the-box‘ nennen?

    Aus der Perspektive des politisch-ökonomischen Mainstream in der EU, vielleicht ja. Aber ausschließlich in Hinblick auf die vorgeschlagene Intervention.

    Denn was die angestrebten Ziele dieses Geldregens anbelangt – der Autor möchte verursachen, dass ‚Konsum, Beschäftigung, BIP-Wachstum und Inflation anspringen …‘ – in anderen Worten also den Wohlstand in der EU weiter vorantreiben, diese Ziele sind EU-Konsens, Mainstream, also absolut ‚In-the-box‘.

    Schade. Denn genau an dieser Stelle, bei den scheinbar alterativlosen, selbstverständlichen Zielen, müßte endlich viel mehr ‚Out-of-the-box‘ – Denken stattfinden!

    Es tut mir weh zu beobachten, wie -zunehmend unbewusst- rein ökonomische Ziele unser Denken und Handeln diktieren.
    Motto : Wirtschaft gut, alles gut.

    Aber gleichzeitig wird kollektiv verdrängt, dass unser ‚Wohlstand‘ in der EU zu einem sehr großen Teil auf der brutalen Ausbeutung von Menschen und Ressourcen auf anderen Kontinenten basiert.

    Wir Menschen in Europa konsumieren bereits exzessiv und rücksichtslos. Ich weiß nicht, soll man dieses Verhalten mit monatlichen 500,-EUR Zahlungen an alle EU-Bürger noch weiter verstärken ?
    Ich vermute wie der Autor, dass sich eine solche Maßnahme auf die EU-Wirtschaft und unsere Lebensqualität in Europa kurz- und mittelfristig positiv auswirken würde.

    Aber langfristig und global betrachtet – davon bin ich überzeugt, – beschleunigt diese Haltung des ‚Mehr davon‘ nur unseren Weg in eine globale Katastrophe.

  7.   Gutschein

    Der Vorschlag ergäbe vielleicht kurzfristig Luft zu Lasten der Zukunft. Bei der nächsten Krise dann 1000 Euro für jeden und der Schuldenstand auf 200% BIP usw.? Unverantwortlich.
    Zurückführen der Liquidität? Dass ich nicht lache.
    Wer daran glaubt, glaubt auch an das mechanische perpetuum mobile, denn nichts anderes wäre dies auf das Geld übertragen.

  8.   A.B.

    „Die Strategie bewirkt eine temporäre Umverteilung der Einkommen zugunsten der ärmeren Bevölkerungsschichten. Für den Sozialhilfeempfänger, der mit weniger als 1.000 Euro im Monat auskommen muss, sind 500 Euro zusätzlich etwas ganz Anderes als für jemanden, der 5.000 Euro verdient. Anders ausgedrückt, die Maßnahme begünstigt die Armen relativ mehr als die Reichen – das ist ein zusätzlicher Stimulans für die Konsumnachfrage und die Konjunktur.“

    Netter Gedanke, aber da sollte sich der Autor mit dem SGB2 beschäftigen. Vielleicht hat ihn einer der Vorposter ja schon darauf hingewiesen.
    Sozialhilfeempfänger, die solch einen Betrag bekommen würden, müssten ihn eins zu eins direkt an das Sozialamt (heute: Arbeitsagentur bzw „Service“center) abgeben. Denn Einkommen, das nicht durch eigene Arbeit erworben wurde, wird zu 100% auf die Sozialhilfe angerechnet.
    So schön der Vorschlag ist, er würde vor allem der sogenannten Mittelschicht zugute kommen, nicht den finanziell Ärmsten unserer Gesellschaft. Sie würden schlicht keinen Cent davon zu sehen bekommen.

  9.   oX Triangle

    @Michael Stöcker

    Mir ist schleierhaft warum Sie wiederholt Herrn Flassbeck lückenhafte Schlußfolgerung als unausweichliche Konsequenz betrachten.
    Es fängt schon allein damit an, daß seine Überlegungen nur die über Erwerbstätigkeiten erfaßten Volumina betrachtet. Eine fast doppelt so große Volumina der nicht bezahlten Tätigkeiten übergeht er geflissentlich.
    Ab da ist die Lücke bereits so groß, daß ein Widerlegen unnötig ist,
    da sein Nachweis noch nicht einmal vollständig (GENUG) ist und sich eher
    als Rattenfänger für Ökonomen gewohnter Gedankenkonstrukte entlarvt.
    Es ist auch noch nicht einmal nötig ihn zu widerlegen, da Herrn Flassbeck es erst einmal gelingen müßte, seine lückenhaften Schlußfolgerungen für abweichende und gegenläufige Tendenzen aufzufüllen, die sich sogar in nicht ökonomischen Bereichen als reale Gegebenheiten für jeden Nicht-Ökonom klar erkennbar ergeben. Er sollte sich z.B. mal mit Prof. Fr. Hörmann unterhalten, weil Herrn Flassbeck z.b. alternative Buchungsmethoden völlig unbekannt sind, die eine ganze Kette an von ihm benannte Probleme beheben würden.
    Man könnte seine Schrift eigentlich doch noch genießen, wenn er wenigstens in seinen fokussierten Überlegungen zum Grundeinkommen nicht auf dermaßen eingeschränkte Methoden ihrer Finanzierungsquellen zurückgegriffen hätte nur um seine Unkenntnisse ausserhalb seine gewohnten Makroökonomie nicht zu offenbaren. In Ihrem Sinne ist zu empfehlen, neue Modelle mit einem anderen Geldwesen unterlegt neu zu betrachten.

  10.   Marlene

    Wie wirkt sich der nach unten geprügelte Euro auf die Kaufkraft aus?

    Sinken die Reallöhne weiter?

 

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