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Fed bleibt (vermutlich) bei Nullzinsen

 

Am Markt steht es noch fifty / fifty, dass die Fed Funds Rate, der Leitzins der US Notenbank, am 17. September von 0,25 auf 0,5 Prozent angehoben wird. Dagegen glauben die meisten amerikanischen Ökonomen an eine Zinserhöhung (laut Bloomberg 77 Prozent). Es wäre die erste seit neun Jahren. Da die Fed die mögliche Reaktion der Märkte immer fest im Blick hat und Schocks vermeiden möchte, wird sie auch diesmal sorgfältig abwägen, was die Folgen wären. Ich vermute, dass ihr die Risiken im Augenblick noch zu hoch sind und sie bis zum Dezember oder darüber hinaus warten wird, je nach Datenlage.

Grafik: FedFundsRate und 10y-Bond-yields ,1965-201507

Was spricht für den Septembertermin? Vor allem das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Zwar war das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal saisonbereinigt und auf’s Jahr hochgerechnet „nur“ um 2,3 Prozent gestiegen, nach 0,6 Prozent im ersten, es ist aber wahrscheinlich, dass das Ergebnis bei der nächsten Revision deutlich nach oben korrigiert wird, vermutlich auf knapp drei Prozent. Nach den Frühindikatoren dürfte für das jetzige, das dritte Quartal mindestens 2,5 Prozent herauskommen. Die Produktionslücke, die im Verlauf der Rezession 2008/2009 entstanden war, schließt sich allmählich.

Dass die Konjunktur gut läuft, zeigt sich zudem an den Zuwachsraten der Beschäftigung, die seit mehreren Jahren bei zwei Prozent liegen, sowie an dem rasanten Rückgang der Arbeitslosenquote auf zuletzt nur noch 5,3 Prozent. Die USA nähern sich der Vollbeschäftigung, wenn man einmal davon absieht, dass sich die sogenannte Erwerbsquote immer noch nicht erholt hat – viele Leute, die gern arbeiten würden, haben die Suche nach einem Job aufgegeben. Es sieht am Arbeitsmarkt nicht so richtig rosig aus, aber die Fed hat vor allem die Arbeitslosenquote im Fokus. Ursprünglich war signalisiert worden, dass ab einer Quote von 6,5 Prozent mit Zinserhöhungen gerechnet werden müsse. Diese Marke ist schon längst passiert.

Grafik: US-ALQ_und_Beschaeftigung_1965-201507

Höhere Zinsen sind auch aus anderen Gründen wünschenswert. Leitzinsen von Null, kombiniert mit QE (quantitative easing) und der sogenannten „Operation Twist“ – Maßnahmen, mit denen die längerfristigen Zinsen reduziert werden sollten –, verzerren die Allokation und die Preise von Krediten und Wertpapieren. Mit anderen Worten, es kann durch eine solche Geldpolitik zu Aktien- oder Immobilienblasen kommen, während gleichzeitig an den Gütermärkten Deflation herrscht. Das unvermeidliche Platzen von Blasen und das folgende „Deleveraging„, also der forcierte Schuldenabbau, bereiten Notenbanken oft unlösbare Probleme. Daher muss möglichst verhindert werden, dass Blasen überhaupt entstehen. Real sollte sich die Fed Funds Rate nicht zu weit und vor allem nicht zu lange von ihren fundamentalen Grundlagen entfernen. Außerdem braucht die Notenbank zinspolitischen Spielraum für den Fall, dass es demnächst wieder einmal eine Rezession gibt. Nach sechs Jahren Aufschwung rückt der Zeitpunkt immer näher. Nur wenn die Zinsen höher sind als Null lassen sie sich senken.

Insgesamt sind das überzeugende Argumente für eine baldige Zinswende. Es gibt allerdings einige gewichtige Gegenargumente.

Vor allem gibt es zurzeit keinen Grund, Inflation durch eine restriktivere Geldpolitik zu bekämpfen. Es gibt nicht nur keine Inflation, steigende Zinsen würden sogar die Deflationsrisiken erhöhen. Während sie die robuste inländische Nachfrage kaum beeinträchtigen werden – weil nur mit einem langsamen Anstieg zu rechnen ist, wenn überhaupt –, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der reale Wechselkurs des Dollar weiter festigen wird. Der Greenback ist aber schon jetzt sehr teuer.

Grafik: REER_Euro_USD_Yen_Yuan_1994-201507

In den Einfuhrpreisen schlägt sich das am sichtbarsten nieder – sie lagen zuletzt um nicht weniger als 10,4 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. US-Unternehmen, die mit Ausländern konkurrieren, haben es wegen des starken Dollar zunehmend schwer. Er zwingt sie, ihre Preise zu senken. Im Juli betrug die Inflation der industriellen Erzeugerpreise im Vorjahresvergleich minus 2,6 Prozent. In den kommenden Monaten ist mit noch niedrigeren Zahlen zu rechnen. Schon jetzt importieren die USA Deflation. Oft wird eingewendet, dass der Außensektor des Landes im Vergleich zu Euroland oder Japan ziemlich klein ist und die Außenhandelspreise daher keine Rolle spielen. Das stimmt aber nicht mehr. Die Summe aus Exporten und Importen von Gütern und Dienstleistungen beläuft sich mittlerweile auf etwa 30 Prozent des nominalen BIP.

Grafik: US-Importpreise_und_PPI_1991-201507

Ich bin angesichts dieser Zahlen ein bisschen verblüfft darüber, dass die Verbraucherpreise weiterhin leicht steigen. Eine Erklärung könnte sein, dass die reale Kaufkraft der Haushalte vor allem durch die sinkenden Energiepreise so kräftig zugenommen hat, dass sich die Nachfrage nach anderen Gütern und Dienstleistungen ebenso kräftig erhöht hat – was es den Anbietern ermöglicht, ihre Preise anzuheben. Im Juli lagen die Verbraucherpreise um 0,1 Prozent über ihrem Vorjahreswert, bereinigt um die Komponenten Nahrungsmittel und Energie allerdings bereits um 1,8 Prozent darüber, also nahe am Zielwert.

Grafik: US-Inflation_PCE_1991-201506

Die Fed wird sich vermutlich an die Kerninflationsrate halten, und zwar an den bereinigten Deflator der privaten Verbrauchsausgaben (PCE), der für sie die zugrundeliegende Inflationsdynamik am besten widerspiegelt. Er bewegt sich seit einiger Zeit im Vorjahresvergleich bei 1,3 Prozent und ist damit um Einiges zu niedrig. Von daher gibt es keinen Grund für höhere Zinsen. Ich rechne damit, dass sich der starke Rückgang der Einfuhrpreise bald auch in den Kernraten der Verbraucherpreise bemerkbar macht, so dass die 1,3 Prozent so etwas wie ein Deckel sein dürften.

Erfahrungsgemäß sind die Löhne als wichtigste Kostenkomponente entscheidend für die allgemeine Inflation. Da der Arbeitsmarkt brummt, sollte man eigentlich erwarten, dass die Löhne kräftig steigen. Tun sie aber nicht. Der Vorjahresabstand hat sich zuletzt erneut auf unter zwei Prozent vermindert, ein Zeichen dafür, dass sich die Arbeitnehmer in keiner starken Verhandlungsposition befinden. Der Fed gefällt das gar nicht.

Bei genauerem Hinsehen geht von den Löhnen allerdings doch ein beträchtlicher Inflationsimpuls aus. Real, nach Abzug der aktuellen Inflationsrate von 0,1 Prozent, steigen sie um 1,7 Prozent. Da die Beschäftigung mit einer Rate von zwei Prozent expandiert, dürfte die reale Lohnsumme um fast vier Prozent höher sein als vor einem Jahr. Dem Teil der Bevölkerung, der einen Job hat, geht es finanziell ganz gut. Das Volumen des privaten Verbrauchs expandiert daher seit einem Jahr mit einer Rate von rund drei Prozent, einem Wert, von dem man in Euroland nur träumen kann.

Grafik: US_Loehne_und_ULC

Auch an den sogenannten Lohnstückkosten lässt sich ablesen, dass die Löhne durchaus die amerikanische Inflation antreiben. Sie stiegen nämlich in den vergangenen vier Quartalen mit einer Rate von 2,15 Prozent und damit deutlich rascher als die Verbraucherpreise. Bislang ist die moderate Lohninflation nicht durch ein ähnlich hohes Produktivitätswachstums kompensiert worden. Insgesamt wird im Inland von der Lohnseite her Inflation generiert, nicht viel, aber immerhin – und der Ausgleich kommt über den Wechselkurs und sinkende Weltmarktpreise zustande.

Die Fed macht sich Sorgen, dass es an den Märkten für Aktien und Bonds nach der Zinswende zu einer Panik kommen könnte. Für Aktien gilt das mehr als für Bonds, weil sie nach den üblichen Bewertungsmethoden ziemlich teuer sind, bei recht bescheidenen Gewinnaussichten. Ein Crash kann nicht ausgeschlossen werden. Sollte der einen neuen Deleveraging-Prozess auslösen, könnte es zu konjunkturellen Problemen kommen. Die dürften sich aber im Rahmen halten, weil es diesmal ja nicht gleichzeitig eine Blase an den US-Immobilienmärkten gibt.

Die Kurse von Anleihen werden vermutlich deswegen nur wenig unter Druck geraten, weil die realen Renditen bereits sehr hoch sind. Nominal bringen etwa zehnjährige Treasuries heute 2,2 Prozent, während die aktuelle Inflation, wie erwähnt, bei nur 0,1 Prozent liegt. In Deutschland ist das Verhältnis übrigens aus Anlegersicht deutlich ungünstiger: 0,64 Prozent und 0,2 Prozent. Bei steigendem Zinsniveau sind Bonds außerdem dadurch etwas geschützt, dass die Kuponzahlungen zu höheren Sätzen wiederangelegt werden können – das verlangsamt ihren Kursverfall, wenn die Leitzinsen steigen.

Dabei haben die Marktteilnehmer Zeit gehabt, sich auf eine Zinswende vorzubereiten. Sie wird kommen. Dass die Renditen von Mitte Juli bis heute von 2,46 auf 2,2 Prozent gesunken sind, zeigt aber, dass die Anleger keine Angst vor der Fed haben. Die Notenbank braucht sich um sie keine Sorgen zu machen und muss sich nicht von ihnen bremsen lassen.

Weswegen sie am Ende den Zinsschritt doch hinausschieben dürfte, hat vor allem mit China zu tun. Dort scheint sich das Wirtschaftswachstum stärker abzuschwächen als gedacht. Die überraschende Abwertung des Yuan von 6,21 je Dollar auf 6,40 ist ein deutliches Indiz dafür. Das Land hat sich in den vergangenen Monaten immer mehr als Nachfrager von den Rohstoffmärkten zurückgezogen, wodurch die Preise von Erdöl, Gas, Kohle, Eisenerz und fast allen anderen Rohstoffen inzwischen im freien Fall sind. Für die USA bedeutet das weiter rückläufige Einfuhrpreise, was sich über Kurz oder Lang in erneut sinkenden Verbraucherpreisen bemerkbar machen wird – das Deflationsrisiko nimmt wieder zu.

Die Fed kann kein Interesse an einem noch festeren Dollar haben – weil sie keine De-Industrialisierung der amerikanischen Wirtschaft will. Es geht nicht an, dass die ganze Welt gegenüber dem Dollar abwertet. Sie muss also abwägen, was mit dem Dollar geschieht, wenn sie die Leitzinsen erhöht. Unter anderem dürfte ihr klar sein, dass die Unternehmen in den Schwellenländer zunehmend Probleme haben, ihre Dollarschulden zu bedienen. Vor allem in Lateinamerika droht eine neue Finanzkrise.

Mit anderen Worten, weil sich die Weltwirtschaft in einer prekären Situation befindet, zögert die Fed, das zu tun, was aus inländischer Sicht vielleicht angebracht wäre. Sie wird abwarten wollen, wie es von hier an international weitergeht.

30 Kommentare

  1.   Solkar

    Es ist sehr aufschlussreich, die US-Fundamentaldaten in dieser Form verdichtet zu sehen; das hierzulande meist nur fragmentiert wahrgenommene Bild der US-Wirtschaft weicht doch z.T. erheblich von den realen US-Wirtschaft ab.

    Zusätzlich zu den on Ihnen genannten Varianten
    I) 0.25 -> 0.5 im September
    II) postponement bis mindestens Z2015

    hätte die Fed auch noch die Möglichkeit, die +0.25 Anhebung in mehreren kleineren Schritten, etwa a +0.1, zu implementieren, und ich denke, dass es mit Rücksicht auf die Aktienmärkte auch so ablaufen wird

    Auf Wochenbasis (A)
    tradingview.com/x/ZttMu6No/
    hat der DOW recht deutlich bei den letzten Highs bearish divergiert,

    und rechts oben bildet sich auf Tagesbasis (B)
    tradingview.com/x/fCMAsMd9/
    eine umgekehrte Untertasse aus.

    Es stellt sich somit für die FED die unangenehme Situation, dass sowohl eine zu ruckartige Zinserhöhung durch sie als auch eine weitere Welle von Asia/Pacific angst den DOW am rechten Rand der Untertasse sprunghaft nach unten bringen könnte.

    Wenn die FED jetzt abwartend bleibt, „wartet“ sie aber somit auf das einstweilige Ausbleiben eines bearishen Einflusses aus Asia/Pacific, und zwar ohne viel Zins- und somit Gestaltungsspielraum in der Hinterhand.

    Wenn die FED jetzt aber selber die Aktienmärkte durch ihre Zinspolitik selber leicht weiter dämpft, so könnte der DOW auf sanftem Wege ein noch hohes Niveau finden, auf dem eine Bodenbildung erfolgen könnte; als Kandidat für Bodenbildung bis etwa Ultimo 2016 fällt dabei in (A) das Niveau von ~14000 von vor der Krise von 2008 auf; und darüber noch der, historisch schon etwas getestete, Bereich von 16000 für kürzere Perspektiven.

    Meiner Ansicht nach gibt es aufgrund der Charttechnik für die FED jetzt durchaus noch schlüssige Möglichkeiten für crashfreie sukzessive kleine Zinserhöhungen, und ich denke, dass die FED sich, gerade in Hinblick auf die, mindestens indifferente, Konjunkturlage in Asia/Pacific, auch neuen Gestaltungsspielraum schaffen wollen wird.

  2.   Hermann Keske

    „Vor allem das robuste Wachstum der US-Wirtschaft.“

    Da bin ich immer ganz begeistert, wenn ich von dieser unsterblichen US-Wirtschaft etwas in der Zeitung lesen kann. Als das letzte Mal geradezu inflationär davon berichtet wurde, wie robust die US-Wirtschaft beschaffen sei, da stand gerade der Ausbruch die Krise unmittelbar bevor – das war in der Tat eine robuste Krise. Soviel Robustheit wünscht man sich doch öfter.

    Und dann der Arbeitsmarkt, über den regelmäßig isoliert positiv berichtet wird. Ein paar lästige Angaben fallen einfach weg. Erstaunliche Zahlen über neu geschaffene Arbeitsplätze wecken Bewunderung. Leider fehlen immer die Angaben dazu, wieviel Zuwanderung denn in derselben Periode stattgefunden hat, sodaß niemand spontan erkennen kann, ob es insoweit einen positiven oder negativen Saldo gibt. Naürlich fehlen auch Angaben dazu, wieviel Personen als vormals gezählte Arbeitslose schlicht in die Kategorie der „Not in Labor Force“ gewandert sind, weil sie sich in den letzten vier Wochen nicht aktiv um einen neuen Arbeitsplatz bemüht haben. Not in labor force – 2003 waren es ungefähr 76 Millionen, jetzt haben wir die 93 Millionen überschritten. Das nenne ich robuste Daten über einen boomenden Arbeitsmarkt.

    Und dann das Wachstum. Da macht keiner den Amerikanern etwas vor – und das angesichts des Umstandes, daß die unteren 90 % der Bevölkerung seit 1971 oder so keinen realen Einkommenszuwachs mehr hatten. Nur die oberen 10 % haben in den letzten 44 Jahren ordentlich zugelegt. Das ist doch sensationell. Gibt es da noch keine Studie? Vermutlich kommt die moderne Marktwirtschaft ganz ohne die unteren 90 % der Bevölkerung aus und erzeugt doch robusten Wohlstand und robustes Wachstum.

    Die Wohlstandsmaschinerie rödelt, speziell in den USA und zum Vorbild der ganzen Welt. Wieviel Lebensmittelkartenempfänger gibt es derzeit? So ungefähr 47 Millionen? Davon soll es bei uns bald eine Variante geben, sagt man. Bei den Flüchtlingen. Denen wird man auch sagen müssen, was sie verbrauchen dürfen und was nicht.

    Das beste an der großartigen US-Wirtschaft aber sind die Leistungsbilanzen – eine einmalige Situation. Kumuliert haben unsere guten Freunde nun 10 Billionen (in Zahlen 10.000.000.000.000 $) Defizit zusammengetragen. Das nenne ich Können. Deutschland ist auch dabei, mit bald einer Billion, ungefähr.

    Und so erklärt sich der US-Wohlstand wenigstens ein bißchen. Unsere Freunde tauschen unentwegt grün bedrucktes Papier gegen reale Ware. Das rechnet sich. Die Herstellung des Papiers ist nicht sehr kostenintensiv, der Wertunterschied zur getauschten Ware ist folglich ganz immens. So macht man Geschäfte unter Freunden und lädt sie ein, den Handel doch zu inensivieren.

    Zum Schluß hoffen wir alle, daß die FED sich seit ihrer letzten gelungenen Geldpolitik eine modernere Kristallkugel zugelegt hat. Sie sollte die derzeit herrschende Gläubigkeit nicht gefährden und keine Zweifel daran schüren, daß dies alles rational und ökonomisch-wissenschaftlich begründet sei. Wenn hier mal jemand schreit, der Kaiser sei ja nackt, dann Gnade uns Gott.

  3.   tm

    @Keske
    Die Zahl „not in labor force“ scheint nun in den einschlägigen Krisen ein Modethema zu werden, ohne dabei offenbar die Zahlen und die Methodik zu kennen. Seit dem Krisentief sind 12 Mio. Jobs entstanden,e s gibt heute 4 Mio. mehr Jobs als auf dem Vor-Krisen-Hoch. 2010 gab es 130 Mio. stellen für 185 Mio. Menschen zwischen 20 und 64, heute gibt es 142 Mio. Jobs für 192 Mio. Menschen in der Altersklasse.

    Auch die „Food Stamps“ sind offenbar so ein Reizwort in bestimmten Kreisen. Einerseits beklagt man sich über den fehlenden Sozialstaat jenseits des Atlantiks, aber da wo er existiert wird genau das zum Vorwurf. Die Food Stamps sind eine sachgebundene Hilfe, ähnlich der früheren Sozialhilfe in Deutschland, die Unterstützung beträgt im Schnitt 110 USD im Monat. Die Zahl der Empfänger ist alleine in den letzten zwei Jahren um 2 Mio. gesunken.

    Das Leistungsbilanzdefizit ist auf 2,3% des BIPs geschrumpft und liegt damit niedriger als etwa in Kanda, Australien und zahlreichen anderen Staaten.

    Alles in allem nicht perfekt, aber die Krise haben die USA offenkundig deutlich besser gemeistert als die Eurozone.

  4.   tm

    not in labor force:
    bls.gov/cps/faq.htm#Ques6

    Many who are not in the labor force are going to school or are retired. Family responsibilities keep others out of the labor force.

  5.   rjmaris

    @3,4: gallup.com/opinion/chairman/181469/big-lie-unemployment.aspx

    Right now, we’re hearing much celebrating from the media, the White House and Wall Street about how unemployment is „down“ to 5.6%. The cheerleading for this number is deafening. The media loves a comeback story, the White House wants to score political points and Wall Street would like you to stay in the market.

    None of them will tell you this: If you, a family member or anyone is unemployed and has subsequently given up on finding a job — if you are so hopelessly out of work that you’ve stopped looking over the past four weeks — the Department of Labor doesn’t count you as unemployed. […] Right now, as many as 30 million Americans are either out of work or severely underemployed. […] If you perform a minimum of one hour of work in a week and are paid at least $20 — maybe someone pays you to mow their lawn — you’re not officially counted as unemployed …

    […]

    Gallup defines a good job as 30+ hours per week for an organization that provides a regular paycheck. Right now, the U.S. is delivering at a staggeringly low rate of 44%, which is the number of full-time jobs as a percent of the adult population, …

    1:0 für Keske.

  6.   tm

    @ rjmaris
    🙂 achso, 1:0 ?? *LOL

    Also ich habe aufgezeigt, dass die von ihm genannten, ominösen 93 Mio. „not in labor force“ keine aussagekräftige Zahl sind, dass die Zahl der Food Stamp Bezieher sinkt und ohnehin nicht die Aussage hat, die gewisse Kreise gerne da hinein interpretieren und dass das Leistungsbilanzdefizit der USA sehr moderat ist. Also alle drei Argumente des Mitforisten widerlegt.

    Und Sie kommen nun also mit einem Gallup-Artikel, in dem eine ganz eigene Definition vorgenommen wird. Nun ist die Zahl der Vollzeit-Beschäftigten alleine seit Januar 2014 von 118,4 Mio. auf 121,6 Mio. gestiegen, seit 2010 von 111,8 Mio. Also auch diese Kennziffer zeigt eine wirtschaftliche Erholung an.

    Was also ist nun Ihr Punkt?

  7.   Hermann Keske

    # 3 tm

    „Die Zahl „not in labor force“ scheint nun in den einschlägigen Krisen ein Modethema zu werden, ohne dabei offenbar die Zahlen und die Methodik zu kennen.“

    Wer sind denn Ihre „einschlägigen“ Kreise? Wenn Sie sagen wollen, ich hätte mich zu „not in labor force“ geäußert, ohne die Zahlen und Methodik zu kennen, dann sagen Sie es doch direkt – dann kann ich Ihnen auch passend antworten.

    Einerseits beklagt man sich über den fehlenden Sozialstaat jenseits des Atlantiks, aber da wo er existiert wird genau das zum Vorwurf.

    Kann es sein, daß Sie schlichten Unfug reden? Meinen Sie wirklich, die Existenz rudimentärer Sozialleistungen sei Gegenstand eines Vorwurfes? Nicht stattdessen der Umstand, daß im reichsten Land der Welt fast jeder siebte bis achte Bürger auf Lebensmittelzuteilung angewiesen ist? Das nämlich ist das Hauptproblem, zu dem Sie allerdings nichts sagen. Ist das für Sie nun einmal so im amerikanischen Kapitalismus, der sich wohltuend von Europa abhebt?

    Das Leistungsbilanzdefizit ist auf 2,3% des BIPs geschrumpft und liegt damit niedriger als etwa in Kanda, Australien und zahlreichen anderen Staaten.

    Soll das die Antwort sein auf die kumulierten 10 Billionen Leistungsbilanzdefizit? Das wäre wenigstens witzig – „Klar schulden wir 10 Billionen, aber zur Zeit nimmt das gar nicht mehr so schnell zu wie früher schon mal“. Na, das ist doch schon mal sehr beruhigend.

    Alles in allem nicht perfekt, aber die Krise haben die USA offenkundig deutlich besser gemeistert als die Eurozone.

    Das wollen wir doch alle hoffen und erwarten. Schließlich waren doch die amerikanischen Banken diejenigen, die den gigantischen, bisher nicht gekannten Massenbetrug mit undurchsichtigen Wertpapierbündelungen und der eigennützigen triple-a-Bewertung durch US-Ratingagenturen in Szene gesetzt und sich damit bereichert haben – irgendwo muüssen doch die gewaltigen Gewinne geblieben sein.

    Natürlich nicht bei den 90 % der Amerikaner, die seit mehr als viezig Jahren am Wohlstandszuwachs kaum noch beteiligt sind, sondern bei den verbleibenden 10 %. Die sind in der Tat besser durch die Krise gekommen als viele Europäer, da haben Sie recht.

  8.   tm

    @Keske
    Was ist denn nun Ihr Argument? Die Zahl „not in labor force“ sagt praktisch nichts über den Zustand des Arbeitsmarktes aus. Worauf wollen Sie mit der Nennung der Zahl also hinaus? Mir ist aufgefallen, dass die in letzter Zeit regelmäßig in Foren auftaucht und zwar immer aus der gleichen Richtung.

    Und genau das meine ich: Nein, in einem der reichsten Länder der Welt ist – wie ich dargelegt habe – nicht jeder 17. auf Lebensmittelmarken „angewiesen“. Es gibt eine Unterstützung von etwas über 100 USD. Sind in Deutschland alle Familien, die Kindergeld erhalten darauf angewiesen? Zudem sinkt die Zahl, widerspricht also keineswegs der Aussage eines Aufschwungs.

    Und was hat das kumulierte LB-Defiit überhaupt mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation zu tun? Die Nettoauslandsposition beträgt -6,8 Bio. USD und damit bei 38% des BIPs. Wo genau sehen Sie da ein Problem?

    -) ja und nun noch die üblichen Vorwürfe… spanische RMSB gab es nicht und die deutschen Landesbanken wurden alle zum Kauf von CDOs gezwungen… Hauptsache ein bisschen USA-Bashing.

    Also nochmals: Was sind Ihre Argumente gegen einen derzeitigen Aufschwung in den USA? Keiner Ihre Punkte ist valide, ja im Grunde ist nichtmal klar, weshalb Sie diese Punkte überhaupt anführen.

  9.   tm

    @Keske
    „Naürlich fehlen auch Angaben dazu, wieviel Personen als vormals gezählte Arbeitslose schlicht in die Kategorie der „Not in Labor Force“ gewandert sind, weil sie sich in den letzten vier Wochen nicht aktiv um einen neuen Arbeitsplatz bemüht haben. Not in labor force – 2003 waren es ungefähr 76 Millionen, jetzt haben wir die 93 Millionen überschritten.“

    Sie zeigen recht deutlich, dass Sie die Zahl nicht wirklich kennen.

  10.   tm

    vermutlich hat Zero Hedge diese Zahl thematisiert.

    Kein Wort dazu, dass die Zahl der über 64jährigen auch in den USA stark steigt.

    Wie von mir aufgezeigt, der Anteil der 20-64jährigen mit Job ist nun klar höher als auf dem Tiefpunkt der Rezession 2009. Die Zahl der Vollleitstellen ist deutlich gestiegen. Das sind doch die Fakten.

 

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