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Zschäpe steuert auf lebenslang zu

 

Der NSU-Prozess geht in die Sommerpause, bis zum 4. September ruht das Verfahren. Was passiert danach? Die meisten Angeklagten schweigen weiter – obwohl es für sie nicht gut aussieht.

Wenn im NSU-Prozess eines sicher ist, dann, dass das Verfahren noch lange nicht vorbei ist. Vor wenigen Tagen präsentierte das Oberlandesgericht mögliche neue Prozesstage für die erste Jahreshälfte 2015. Diese Tage können genutzt werden, müssen aber nicht. Wahrscheinlicher ist, dass sie mal wieder nicht ausreichen werden. Und dass das Urteil auch im kommenden Jahr noch nicht fallen wird.

Denn wie viel Arbeit liegt noch vor den Prozessbeteiligten: Rund 300 Zeugen warten noch auf ihre Vernehmung. Zwei psychiatrische Gutachter müssen ihre Expertisen verfassen. Die Bundesanwaltschaft wird ein langes Plädoyer halten, ebenso die Verteidiger aller fünf Angeklagten. Außerdem rund 60 Opferanwälte, möglicherweise alle einzeln. Und wenn all dies erledigt ist, müssen Richter Manfred Götzl und seine vier Kollegen ein buchdickes Urteil verfassen.

Die Indizien, die ihnen dafür bislang vorliegen, sprechen eine deutliche Sprache. In 135 Verhandlungstagen seit Mai 2013 haben sie in weiten Teilen die Anklage bestätigt. Damit liegen Hinweise vor, wie das Gericht entscheiden könnte – auch, wenn noch niemand weiß, wann.

Beate Zschäpe
Beobachtet man Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer, Anja Sturm und Wolfgang Stahl, scheint es, als zweifelten auch sie nicht mehr an der Höchststrafe gegen ihre Mandantin. In ihren vier Befangenheitsanträgen gegen das Gericht bezogen sie sich stets auf Formalien, auch die Fragen an Zeugen wirken häufig blutleer und hilflos – als gebe es nichts mehr zu gewinnen. Dass bei den Anwälten offenbar der Kampfeswille nachlässt, entging Zschäpe nicht und mündete Mitte Juli in einen erfolglosen Antrag auf Entlassung der drei.

Nahezu eindeutig bewiesen ist, dass Zschäpe am 4. November 2011 die Wohnung, die sie mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Zwickau teilte, anzündete und damit eine Nachbarin in Lebensgefahr brachte. Schon wegen dieses versuchten Mordes steuert die Angeklagte auf lebenslange Haft zu. An der Mittäterschaft bei den zehn NSU-Morden lassen sich begründete Zweifel vorbringen, die jedoch vor zahlreichen Indizien verblassen, die dafür sprechen. Können die Anwälte keine plausible Erklärung liefern, warum Zschäpe mit ihren Kameraden so abgeschottet zusammenlebte, wird das Gericht die Anklage bestätigen.

Ralf Wohlleben
Es ist praktisch Gewissheit: Für den Mitangeklagten Wohlleben wird der Prozess mit einem Schuldspruch enden. Diese Nachricht hatten seine Verteidiger dem Strafsenat mit einem Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft abgerungen. Denn das Gericht entschied, dass Wohlleben in Haft bleibt, weil sich die Vorwürfe aus der Anklageschrift bestätigt hätten. Dort heißt es, der heute 39-Jährige habe den ebenfalls Angeklagten Carsten S. beauftragt, die Mordpistole Ceska 83 zu beschaffen und an das Trio zu liefern.

Wohllebens Verteidiger, vor allem der juristisch äußerst versierte Olaf Klemke, waren im Verfahren zunehmend offensiv aufgetreten und meldeten sich immer wieder mit Anträgen zu Wort. Ein milderes Urteil ist jedoch nur zu erwarten, wenn sich ihr schweigender Mandant zum Reden entschließt.

Carsten S.
Für den mutmaßlichen Waffenkurier S. sieht es gut aus – jedenfalls vergleichsweise. Er soll um die Jahrtausendwende eine Pistole gekauft und dem untergetauchten Trio in Chemnitz übergeben haben. Das wertet die Anklage als Beihilfe zum Mord. Zu den Vorwürfen gegen ihn hat er sich als einziger Angeklagter umfassend eingelassen, im Oktober beantwortete er auch Fragen der Verteidigung von Ralf Wohlleben.

S. muss sich nicht vorwerfen lassen, er habe nicht alles Menschenmögliche getan, um seinen Anteil an den NSU-Taten aufzuklären. Zudem wird er wahrscheinlich nach den Vorschriften des Jugendstrafrechts verurteilt, weil der heute 34-Jährige zur Tatzeit Heranwachsender war. Damit ist eine Bewährungsstrafe denkbar. S. könnte sich dann mithilfe des Zeugenschutzprogramms ein neues Leben aufbauen – was ihm mit dem Ausstieg aus der rechten Szene schon einmal geglückt war.

André E.
Es war eine Geste brüderlicher Liebe: Vor dem Gerichtsgebäude reckten der Angeklagte André E. und sein Zwillingsbruder Mike die rechte Faust nach vorn und stießen sie aneinander. Maik E. hatte aus der Sicht des mutmaßlichen NSU-Unterstützers alles richtig gemacht: Bei seiner Vernehmung Ende Juli hatte er die Aussage verweigert und sogar Richter Götzl mit ein paar patzigen Sprüchen geärgert. Im Januar hatte sich bereits E.s Frau Susann auf ihr Schweigerecht berufen. Solange sein Umfeld die Kooperation verweigert, kann er sich auf der Anklagebank zurücklehnen.

Dreimal soll E. ein Wohnmobil für das Trio gemietet haben – genau in die Mietzeiträume fielen zwei Banküberfälle und die Vorbereitung des ersten Bombenanschlags in Köln von 2001. Auch hielt er bis zuletzt Kontakt. Seine Verteidiger könnten allerdings argumentieren, E. habe sich mit anderen Erklärungen abspeisen lassen und von den Tatplänen nichts gewusst. Umso wichtiger ist es für die Anklage, E.s rechte Gesinnung herauszuarbeiten – doch das machen die Zeugen der Bundesanwaltschaft schwer.

Holger G.
Die Verteidigung von Holger G. spielt höchstes Risiko: Zu Prozessbeginn verlas der Angeklagte eine Erklärung, in der er die Vorwürfe gegen ihn zum Teil abstritt. Andere ignorierte er. Ein solches Verhalten nennen Juristen Teilschweigen – und das wird einem Angeklagten fast immer nachteilig ausgelegt. Schließlich drängt sich die Frage auf, was hier geheim gehalten werden soll.

G. soll dem NSU-Trio unter anderem seinen Führerschein und seinen Reisepass überlassen haben – mit den Dokumenten mieteten die drei immer wieder Autos und Wohnmobile. Von den Morden will er jedoch nichts gewusst haben. Was G. in der Erklärung verschwieg, das puzzelten Richter Manfred Götzl und die Anwälte der Nebenklage zusammen: nämlich, dass er sich lange mit großer Anstrengung in der rechten Szene engagiert hatte. Nachdem er 1997 aus Jena nach Hannover gezogen war, knüpfte er offenbar Kontakte zu dem niedersächsischen Neonazi-Anführer Thorsten Heise. Bis zum Schluss traf sich G. mit dem Trio – was dafür spricht, dass er die Morde zumindest ahnte. Sollte er sich nicht später noch dazu äußern, kann er nicht auf ein mildes Urteil hoffen.

74 Kommentare

  1.   Karl Müller

    @ 60.,

    reine Wunschvorstellung für die es keine Anhalte gibt, außer es handelt sich um einen Versuch das LfV in positiverem Licht erscheinen zu lassen.

    Wenn irgendwo Details über die „Döner – Morde“ vorgangsmäßig einsehbar war dann bei den Polizeien und Verfassungsschutzämtern!

    Das LfV ist ohne Exekutivbefugnisse eigentlich verpflichtet in solchen Fällen das LKA zu bemühen!

  2.   the good kkkop

    @50 :
    Zur Ergänzung zu meinem Beitrag 52, das BKA selbst zeigte bezüglich dem Schweizer Anton G, dem letzten legalen Besitzer der Mordwaffe, nicht mehr den Elan mit dem Richtung türkische OK ermittelt wurde( PUA S.837 ). Trotzdem gab es Streitigkeiten mit der BAO über die Bewertung der Luxik-Spur, infolge dessen wurde die Zusammenarbeit 2010 eingestellt und das war es dann mit den Ermittlungen.
    Im PUA-Bericht steht dazu auf S.599 : “ In der Steuerungsgruppe war im Vorhinein einvernehmlich beschlossen worden, dass zwar die Möglichkeit, jedoch keine erhöhte Wahrscheinlichkeit bestünde, dass die Tatwaffe sich unter den acht bis dato nicht ermittelbaren Waffen aus dem Luxik-Kontingent befinde. Ohne jegliche Absprache habe jedoch das BKA sowohl auf der eigenen Webseite als auch im Schweizer Fernsehen von einer „hohen Wahrscheinlichkeit“ gesprochen. “
    Aus meiner Sicht ist es nicht nachvollziehbar weshalb die BAO diese Spur entwertet hat. Panne scheint mir dafür keine ausreichende Begründung zu sein.

    @53 : Carsten S will eine schallgedämpfte Pistole im jenaer Szeneladen „Madley“ beschafft haben, die mutmasslichen Zwischenhändler bestreiten ihre Beteiligung. Aber es ist jedenfalls klar das die Waffe die im Brandschutt gefunden wurde zu denen gehört die in der Schweiz verkauft wurden.

  3.   the good kkkop

    @57 :
    In ihrem Beitrag 49 hatten sie noch geschrieben “ das sich nur undeformierte Projektile vergleichen lassen „, nun schreiben sie, das “ schnell Mess- und damit Vergleichsgrenzen erreicht “ sind. Gehen sie davon aus, das bei allen oder bei bestimmten Projektilen, die jener Ceska zugeordnet werden, diese überschritten wurden ? Können sie dazu konkrete Angaben machen ? Halten sie generell Gutachten für unbrauchbar, in denen Projektile verglichen werden, oder gehen sie speziell beim Pfoser-Gutachten deshalb davon aus, und wenn ja, warum ?

    Zum SD, da die Waffe abgefeuert wurde während sie sich in einer Plastiktüte befand kann doch eigentlich sowieso nicht über die Visierung gezielt worden sein, oder ? Bei der Art der Durchführung der Anschläge, also kurze Entfernung, überraschende Angriffe, würde ich nicht erwarten das es eine Rolle gespielt hat. Fällt ihnen für den Alu-Antrag eine andere mögliche Erklärung als so eine Kombination ein ?

    @59 :
    Gibt es aus ihrer Sicht Anzeichen dafür, das Hülsen die nicht aus der verwendeten Tatwaffe stammen an den Tatorten abgelegt wurden ? Sowas scheint mir unnötig kopmpliziert zu sein, denn dann sollte der Täter ja zwei Waffen haben, also auch diejenige, auf die er den Verdacht lenken will. Wozu sollte so ein Vertausche gut sein ?
    Fehlen asservierte Geschosse, vermuten oder wissen sie das ?

  4.   nicht links-nicht rechts=geradeaus

    Carsten S. soll: „Tatpistole gekauft und an die „Täter“ übergeben haben=Beihilfe zum Mord; aber „..er hat alles Menschenmögliche getan, um seinen Anteil an den NSU-Taten aufzuklären“ etwas anders, direkter formuliert, aber dem Sinn entsprechend, nimmt er die aus dem engl./USA Strafrecht in unser Strafrecht übernommene sog. „Kronzeugenregelung“ – ein juristisch nicht unumstrittenes Konstrukt zu Abkürzung von Gerichtsverfahren (Kostenreduzierung) und einem „Ablasshandel“ nicht unähnlich, in Anspruch.
    „Zudem wird er wahrscheinlich nach dem Jugendstrafrecht verurteilt, weil er zur Tatzeit Heranwachsender war“ „Damit ist eine Bewährungsstrafe möglich..und er könnte sich dann mit Hilfe des Zeugenschutzprogramms ein neues Leben aufbauen“
    Ähnlich wie der vielfache Mafia-Auftragsmörder, der in den deal freudig einwilligte, den ihm die Staatsanwaltschaft und das zuständige italienische Gericht vorschlugen: „Sag uns was wir wissen wollen und Du wirst ungeachtet deiner Mordtaten, von jedweder Strafverfolgung befreit – Du bekommst einen PERSILSCHEIN..“
    Was ist eine Aussage wert, wenn einer der Hauptverdächtigen, da „Beihilfeleistender zum Mord“- quasie vom Gericht und der Staatsanwaltschaft – anstatt einer Haftzelle, direkt in ein „betreutes Wohnen“=Zeugenschutzpro-
    gramm geführt wird…?!
    Gleiches Recht für alle Beschuldigten und diese perfide Ausweitung des Jugendstrafrechts auf das „Heranwachsenden Alter“ (bis z. 24. Lebensjahr ?),
    ist ebenfalls ein merkwürdiges Konstrukt juristischer Spitzfindigkeit(en).
    Was bleibt von dem „Mammut“ oder auch „Jahrhunderprozess“, so betitelt von Tageszeitungen, übrig ?
    100 % ein bereits vor Beginn des Prozesses festgelegtes „mehrfach Lebenslänglich mit Sicherheitsverwahrung“ für die „NAZI-BRAUT“ B. Szchäpe (so das Titelblatt der Zeitung mit den vier großen Buchstaben). Angesichts der „Nichtkooperation der übrigen rechten Straftäter“ = Aussageverweigerung, werden die mit sehr langen Haftstrafen rechnen müssen.
    Im Gegensatz zur ausdrücklicher Schonung des Kronzeugen Carsten S. s.o., eine weitere Farce der deutschen Rechtsprechung wird unter frenetischem Applaus der gleichgeschalteten Journaille durchgewunken werden..
    Wird diese (ungute) Praxis der „Rechtsfindung und Rechtsprechung“ nicht einer unguten Legendenbildung Vorschub leisten ?

    Zur Erinnerung: die Unstimmigkeiten einiger wichtigen Zeugenaussagen in den Baader-Meinhof Prozessen, sowie die „Vermutungen die sich zu Tatsachenbehauptungen“ umkehrten („da den Angeklagten die Taten aufgrund ihrer politischen Gesinnung zuzutrauen sind“), führten bei einigen der Angeklagten zur Haft im extra für diese gebauten Stammheimer Hochsicherheitstrakt.
    Das Ende der Verurteilten „Baader-Meinhof-Bande“ ist bekannt: EXITUS mittels einer in ein Hochsicherheitsgefängnis eingeschmuggelten Waffe…weder deren Herkunft noch das wie und wann und durch wen, wurde jemals nachhaltig untersucht und auch die Schüsse wurden von niemanden zur Tatzeit zur Kenntnis genommen…waren „schalldicht“ die Zellen….und all das schnellstens zu den Akten gelegt; mit dem Vermerk: ungeklärte Strafsache..vermutlich (erwiesener) Banden-Selbstmord

    Think-Tank ? Nazi ? NEIN DANKE kann noch immer selbständig denken

  5.   Karl Müller

    @ 63,

    Geschosse neigen konstruktionsbedingt zu Deformation, d.h. zu permanenten Verformungen in allen Richtungen.

    Für Vergleichszwecke sind natürlich möglichst unveränderte Geschosse optimal,

    Da dabei auch Messungen wie Zug- Feldeindrücke vorgenommen werden, darf der Deformationsgrad nicht zu groß sein; darauf wollte ich nochmal hinweisen. Eine weitere Schwäche der Untersuchungsmethode ist bei Munitionsteilen die teilweise nötige Reinigung von Anhaftungen zu Erkennen der Waffenspuren. Denn man braucht schon eindeutig erkennbare Systemspuren die dann über zu stark abweichende Messerwerte wie unterschiedliche Zugbreiten hinweghelfen.

    Im Pfoser Gutachten wird m.E. der jeweilige Deformationsgrad nicht messtechnisch belegt, oder hab ich da etwas übersehen?

    Genauso wie der Al-Antrag nicht ausreichend untersucht ist, um Kenntnis über ggf. verwendete Alulegierungen zu erlangen. Um dazu mehr sagen zu können, müsste ich die Objekte selbst untersuchen.

    Und was die Verwendung angeht, entgegen populärer Ansicht ist es schon nicht einfach mit einer Kurzwaffe über die Visierung ordenlich zu treffen wenn auch nur etwas Dynamik, wie ein sich bewegendes Ziel, im Spiel ist.

    Un die Hülsen können sonstwo her stammen, dazu werden nicht zwei Waffen benötigt. Ansonsten müsste ich auch die selbst untersuchen um dazu mehr sagen zu können.

    Meine mich zu erinnern das asservierte Geschosse fehlen, weiß aber nicht mehr wo ich das gelesen habe. Eigentlich sollten im Pfoser Gutachten alle Geschosse nachgewiesen sein.

  6.   Optimist

    @RolfS
    #46
    „Oder die Täter haben die Fotos nach der Tat gemacht und dann zu einem Video verarbeitet…“
    Dass die Täter selbst die Videos gemacht haben, habe ich nicht ausgeschlossen, aber es können (etwas allgemeiner) auch Leute gewesen sein, denen sie die Fotos gegeben haben. Die Fotos wären selbstverständlich von den Tätern unmittelbar nach der Tat gemacht. Dazu brauchten sie aber sehr gute Nerven. Nach den vorliegenden Berichten waren die Täter bei vielen der Mundlos und Böhnhardt zugeschriebenen Banküberfälle nicht besonders nervenstark, sondern traten in einigen Fällen bei Schwierigkeiten den schnellen Rückzug an.
    #56
    „Der Mord in Kasse war nicht der letzte Mord der NSU…“
    Kassel war der letzte der sogenannten Ceska-Morde, beim Polizistenmord in Heilbronn wurden andere Waffen verwendet, es gab erstmals zwei Opfer, die auch mit den früheren Opfern keine Gemeinsamkeiten hatten: einfach alles war ganz anders. Das ist neben Kassel der 2. Schlüsselfall:
    1. Es gibt eine Fülle von Zeugenaussagen und Ermittlungsergebnissen, die zugunsten der NSU-Anklage aus dem Verfahren herausgehalten werden (weil sie die Anklage nicht stützen, sondern ihr in eklatanter Weise widersprechen). Auch vor dem Auftauchen des NSU wurde die Ermittlungsarbeit an diesen Spuren immer wieder in merkwürdiger Weise (u.a. aus der weisungsgebundenen Staatsanwaltschaft) behindert.
    2. Die unglaubliche Suche nach dem „Phantom von Heilbronn“ (2007-2009) hat dazu beigetragen, die Öffentlichkeit daran zu gewöhnen, dass hier ein Ermittlungserfolg evtl. nicht zu erwarten sei.
    3. es gibt eigentlich nur ein ernstzunehmendes Indiz in Richtung einer Täterschaft der 2011 auf der Szene erschienen Mundlos und Böhnhardt: die Dienstwaffen, die deshalb natürlicherweise unter dem Verdacht stehen, „rote Heringe“ zu sein. Merkwürdige Einzelheiten nähren diesen Verdacht.
    4. Es gibt deutliche Spuren in Richtungen, die eine hohe politische Brisanz haben, zur Sauerlandgruppe und zur Anwesenheit in- und ausländischer Geheimdienste am Tatort.
    5. In diesem Fall sterben potenzielle Zeugen wie Florian Heilig und der V-Mann Corelli plötzlich und unerwartet. Diese Todesfälle, die Polizeiarbeit und die offiziellen Verlautbarungen dazu würden in jedem Horrorfilm für besondere Gruselmomente sorgen.
    Sie sehen: wohin Sie den Blick auch lenken, die Merkwürdigkeiten nehmen einfach kein Ende.

  7.   bekir_fr

    Zur Spezifizierung der Tat-Ceska (in der Zeit vor Auftauchen der Brandschutt-Ceska):

    Wenn das BKA – ohne jegliche Absprache mit der BAO bzw. entgegen Beschlüssen der (gemeinsamen?) Steuerungsgruppe – gegenüber der Öffentlichkeit plötzlich von einer „hohen Wahrscheinlichkeit“ der Schweizer Spur gesprochen hat (#62), dann muss man doch erst mal die Gründe des BKA hinterfragen und dann erst die der BAO.
    Warum machen sie es umgekehrt?

    Oder mal hinterfragen, ob und wie der Dissens fachlich begründet wurde. Falls es keine fachlichen Gründe gab:
    Inwieweit spielte bei BKA oder BAO (oder bei beiden?) eine Erwartungshaltung vorgesetzter Stellen („Wunschergebnis“, „einheitliches Erscheinungsbild“ etc.) eine Rolle?

    Denn dass sich im öffentlichen Bewusstsein letztlich die Position des BKA durchgesetzt hat, lässt sich nur auf den 1. Blick und nur nachträglich damit rechtfertigen, die aufgetauchte Brandschutt-Ceska habe ein Gewinde und gehöre daher zur Schweizer Tranche. Wir wissen ja nicht mit Sicherheit, ob Brandschutt-Ceska und Tat-Ceska wirklich identisch sind, da erstere nicht mehr beschießbar ist und letztere „allein aus sich heraus“ (d.h. ohne Gleichsetzung mit ersteren) eben nicht eindeutig „der Schweizer Spur“ zugeordnet werden kann.

    Hierbei bräuchte man noch nicht einmal die Möglichkeit einer platzierten Brandschutt-Ceska bemühen. Allein schon, wenn es bisher nicht als erwiesen anzusehen ist, dass in allen 9 Fällen ein und das selbe Ceska-Exemplar verwendet wurde (#59), kann eine „Schweizer“ Ceska in der Brandwohnung nicht ausschließen, dass auch (oder evtl. sogar nur?) mit z.B. einer zweiten Ceska 83 gemordet wurde. Von der wir nicht wissen, kam sie aus der Schweiz oder z.B. aus den Stasi-Beständen?

    Selbst wenn Carsten S. den beiden Uwes wirklich eine „Schweizer“ Ceska übergeben haben sollte (was alles andere als gesichert ist, siehe #50), wissen wir also nicht, ob und wie viele der 9 Toten genau durch dieses eine Exemplar ermordet wurden.

    Es ist daher eine fast völlig wertlose Erkenntnis, wenn der Verbleib der restlichen 55 Ceskas nur „weitgehend geklärt“ (#53) ist und nicht restlos.

  8.   the good kkkop

    @65 :
    Also nehmen sie von ihrer absoluten Aussage “ das sich nur undeformierte Projektile vergleichen lassen „, die sie im 49sten Beitrag gemacht haben, Abstand ? Jetzt sagen sie ja lediglich das Deformationen allgemein den Vergleich erschweren, und das es dann auch Grenzen gibt ?
    Aber ob diese im Pfoser-Gutachten überschritten wurden wissen sie nicht ?

    Ob in dem Gutachten der Deformationsgrad messtechnisch belegt wurde weiss ich nicht, ich kenne da nur die Zusammenfassung zum 83sten Verhandlungstag auf nsu-watch, da ist davon die Rede das zu Munition von allen Tatorten Elektronenrastermikroskop-Aufnahmen verglichen wurden. Die Frage ist ja aber ob sie es nun wissen oder nicht, wenn sie das Gutachten deshalb anzweifeln. Es wäre aber jedenfalls notwendig, da sind sie sicher ?

    Zum Zielen über Visierung, der SD wurde ja bei den Ceska-Morden Fünf bis Neun nachgewiesen. Das erste mal als der SD nachweislich zum Einsatz kam wurde das Opfer, Mehmet Turgut, anscheinend am Boden festgehalten und dann erschossen. Beim nächsten Mord wurde Ismail Yasar zuerst von einem Streifschuss an der Wange getroffen, das wäre also nicht gut gezielt. Beim siebenten Mord wurde Theodoros Boulgarides ins Gesicht geschossen. Den letzten beiden Opfern, Mehmet Kubasik und Halit Yozgat, wurde jeweils in die rechte Schläfe geschossen. Demnach stellt sich die Frage nach Zielen und Dynamik nur beim siebenten Mord, wobei der Schuss aus kurzer Entfernung abgegeben worden sein dürfte und die Tüte wahrscheinlich das Einschätzen der Situation erschwert hat. Ich sehe nicht wieso man bei den SD-Morden von zielen über Visierung ausgehen müsste.

    Sie haben geschrieben :
    “ Un die Hülsen können sonstwo her stammen, dazu werden nicht zwei Waffen benötigt. “
    Ich denke schon. Können sie ein Beispiel nennen ?

    @67 :
    Wenn alle sichtbaren Bälle in Topf A das Merkmal X haben, und die in Topf B haben es nicht, und ich habe nun einen Ball mit dem Merkmal X, was meinen sie, ist dann die Wahrscheinlichkeit höher das der aus Topf A kommt als aus Topf B, oder nicht ?
    Fragen sie da lieber die BAO.
    Sie schrieben :
    “ Wir wissen ja nicht mit Sicherheit, ob Brandschutt-Ceska und Tat-Ceska wirklich identisch sind, da erstere nicht mehr beschießbar ist “
    Sie wurde beschossen
    “ und letztere “allein aus sich heraus” (d.h. ohne Gleichsetzung mit ersteren) eben nicht eindeutig “der Schweizer Spur” zugeordnet werden kann. “
    Sie werden gleichgesetzt

  9.   karl Müller

    @ 68,

    dazu hätte ich wohl besser „..sich fehlerfrei vergleichen lassen“ geschrieben.

    Ob die Grenzen der Formänderung zu weit überschritten wurden ist tatsächlich bei Pfoser nicht angeführt.
    Zur Methodik:

    Wird Munition in einer Schusswaffe durchgeladen oder gezündet, so wirken metallische Waffenteiel auf diese ein und können dabei deren Oberfläche verändern. Die entstehenden WAffenspuren erlauben ggf. sowohl den Rückschluss auf ein Waffensystem (d.h. die Familie aller derjenigen Waffenmodelle, die die bezüglich der auf Munitionsteilen hinterlassenen „Systemspuren“ ununterscheidbar sind), als auch auch den NAchweis oder Ausschluss eines gemeinsamen Spurenverursachers anhand von Individualspuren. Letzteres beruht auf der Erfahrung das diese meschanischen Vorgänge zumindest bereichsweise reproduzierbare Individualspuren zurücklassen.
    Üblicherweise werden nach der Sichtung mit optischen Verfahren(Auflichtmikroskop/Komparator) im REM die Individualspuren untersucht. Dazu kommt dann auch die Prüfung von Fremdmaterialanträgen (Zündhütchenprodukte etc) mit der Eelementanalyse der am REM angebauten RFA. In einem vertiefenden Schritt wird dabei dann mit sogen „Bremsstrahlung“ eine höher Nachweisempfindlichkeit erzielt (dieser Schritt fehlt im P. Gutachten.
    Auch wurde der SD nicht auf Zünd- oder Treibmittelrückstände untersucht! Das geht garnicht, da so kein Vergleich zwischen Schmauchantrag auf der Waffe und am Geschoss möglich ist!
    Und der gezeigte SD hat eine Klemmhalterung, kein Gewinde!
    Da offenkundig weder Befestigungsart noch ein übereinstimmendes Spurenbild auf Waffe, SD und Geschossen untersucht wurde, ist es vermessen zu behaupten dieser SD sein als Tatmittel verwendet worden.

    Zielen allein bringt noch keinen Treffer, Yasar kann versucht haben auszuweichen!

    Ihre Frage zu den Hülsen verstehe ich nicht.

  10.   bekir_fr

    @68:
    „Sie wurde beschossen“ – ja, im Rahmen der Zulassungsprüfung.
    Das Amt behält aber beim Bestehen wohl keine Hülsen und Projektile zurück, um künftige kriminalistische Vergleiche bzw. Identifizierungen zu ermöglichen!
    Bringt uns hier also nicht weiter.

    Nach dem Brand war die gefundene Ceska dagegen nicht mehr beschussfähig, hätte es aber sein müssen, um ihre Hülsen und Projektile mit den Tatort-Asservaten vergleichen zu können.

    Die Beschusszeichen des Amtes waren bei den Schweizer Luxik-Ceskas nicht auf dem Verschluss angebracht, sondern über dem Abzug am Griffstück – .
    bei der Zwickauer Ceska war es hingegen auf dem Verschluss.
    Wo die Beschusszeichens bei den 1984er STASI-Ceskas waren, müsste das BKA wissen.
    (…)
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