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Neue Beweisstücke sollen Umfeld ausleuchten – Das Medienlog vom Donnerstag, 4. September 2014

 

Bei gewissenhafter Vorbereitung hatten die Prozessbeteiligten wenig Freizeit in der vierwöchigen Sommerpause, die heute endet: Der Strafsenat hat mehrere Schriftstücke als Beweise in das Verfahren eingeführt, darunter einen Roman, wie dpa-Autor Christoph Lemmer berichtet. Dabei soll es auch um Kontakte ins NSU-Umfeld gehen. Der Autor des antisemitischen Machwerks, der US-Neonazi William Pierce, soll einem verurteilten Rechten aus Thüringen Unterschlupf gewährt haben.

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Als erster Zeuge nach der Sommerpause sagt ein Ermittler des Thüringer Landeskriminalamts aus, der sich mit angeblich von Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt platzierten Bombenattrappen beschäftigt hatte. Mit den Ermittlungen um die Sprengstoffaktivitäten des NSU beschäftigt sich ein Artikel der Thüringer Allgemeinen von Kai Mudra.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 5. September 2014.

2 Kommentare

  1.   the bad koppp

    Zum Beweisstück „Turner Diaries“, der Autor William Pierce hielt sich Ende der 90er mehrfach in Deutschland auf. Er besuchte Ende ’97 den JN-Kongress in Nürnberg-Fürth, Anfang ’98 den NPD-Kongress in Passau, und Ende ’99 dann nochmal einen JN-Kongress, diesmal in Falkenberg, alles in Bayern. Dann gewährt er dem untergetauchten thüringer Neonazi Hendrik Möbus, bekannt als der „Satansmörder“ bei sich in den USA Unterschlupf. Das müsste auch noch ’99 gewesen sein.
    In dem Jahr wurden die Nagelbombenanschläge in London ausgeführt, der Täter bezog sich auf die „Turner Diaries“.
    Die Suche nach Möbus wird als Grund dafür angegeben, das man weniger intensiv nach dem Trio suchte. Möbus kannte so wie das Trio Mitglieder der B & H-Jugendorganisation White Youth, ausserdem hatte er mit zwei V-Männern zu tun. Mit Tino Brandt, und mit Mirko H, dem Anführer der (ost)sächsischen Hammerskins. Dieser hatte zusammen mit chemnitzer B & H-Mitgliedern, die als Unterstützer des Trios gelten, den Vertrieb mit CD’s der Band Landser übernommen. Und H beteiligte einen weiteren V-Mann am CD-Geschäft, Toni S. Jener soll wiederum laut Aussage von Thomas M, einem Taxifahrer und V-Mann, Uwe Mundlos ein paar Tage vor dem NSU-Mord in Dortmund in der Stadt getroffen haben.
    Grosses Nazi-Dorf.


  2. Die oben verlinkte dpa-Quelle berichtet zum Nazi-Roman:

    „Der US-Roman, dem das Gericht jetzt Relevanz zumisst, (…) erzählt in teilweise ausufernden Gewaltschilderungen einen „Rassenkrieg“ gegen Juden und Nichtweiße, der mit dem Sieg einer „arischen“ Organisation endet, nachdem sie die Zentren des „Systems“, New York und Tel Aviv, mit Atombomben verwüstet hat. Dieser Roman wurde auf den Festplatten der beiden Mitangeklagten Ralf Wohlleben und André E. gefunden. Eine Analyse des Bundeskriminalamtes kommt zu dem Ergebnis, dass es durchaus Parallelen zwischen dem Roman und der Mordserie des NSU gebe.“

    Entsprechend dieser Erkenntnis muss nach meiner persönlichen Analyse unbedingt weitere Literatur als Beweis ins Verfahren eingeführt werden:

    Insbesondere das berüchtigte Opus „Hänsel & Gretel“ der ebenso berüchtigten Grimm Brothers (nomen est omen!). Wer muss bei der in den Ofen gestoßenen Hexe nicht an den brennenden Uwe-Wohnwagen und die brennende Wohnung denken?

    Oder Agatha Christies meistverkaufter Krimi, der 1939 unter dem Titel „Ten Little Niggers“ erschien und später politisch korrekt in „And Then There Were None“ umbenannt wurde? Die Ähnlichkeiten sind verblüffend, sowohl mit dem gleichnamigen deutschen Zählreim, als auch mit der NSU-Serie!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Und_dann_gabs_keines_mehr
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13887699/Wenn-Zehn-kleine-Negerlein-einfach-verschwinden.html

    Die vielen Prozess-Termine bis 2015 wollen mit Inhalt gefüllt werden. Aber ob nach Ende der Märchenstunden wieder (oder erstmals?) harte Beweise vorgelegt werden?

 

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