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Bilanz eines historischen Prozesses – Das Medienlog vom Dienstag, 30. Dezember 2014

 

172 Prozesstage haben sich bis zum Ablauf des Jahres angesammelt. Viele dieser Tage waren nur schwer erträglich für Zuschauer – etwa, wenn grausige Fotos von Opfern gezeigt wurden oder Zeugen drastische Schilderungen abgaben. „Wie geht man als Journalist mit dem Grusel um?“, fragt der Tagesspiegel-Reporter Frank Jansen in einem Rückblick. Zum einen helfe die Erkenntnis, dass es sich bei dem historischen Prozess um ein Pflichtprogramm handle. Zum anderen: „Es ist auch die Gelegenheit zu einem düsteren Erkenntnisgewinn, vor dem man sich eigentlich fürchtet, der aber den Blick auf das eigene Land weitet.“ Indes sei es oft schwer, eine professionelle Distanz zum Prozessgeschehen einzuhalten.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Wie vor einem Jahr hat die Süddeutsche Zeitung erneut ihre eigenen Protokolle von Gerichtstagen verfilmen lassen – diesmal in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk. Das knapp zweistündige Video, in dem vier Schauspieler ausgewählte Passagen vorlesen, erscheint am 1. Januar, wie das Magazin Meedia berichtet.

Das nächste Medienlog erscheint am Mittwoch, 31. Dezember 2014.

2 Kommentare

  1.   paul

    Jansen fragt “ Warum tue ich mir das an? Warum gehe ich seit Prozessbeginn im Mai 2013 Tag für Tag hierhin und riskiere womöglich, am Ende selbst mit einer latenten Traumatisierung nach Berlin zurückzufahren?“

    Warum? Weil Herr Jansen seinen bezahlten Job macht, zu dem ihn keiner zwingt. Die Larmoyanz ist erstaunlich, scheinbar ist der Journalist ärmer dran als die Opfer.
    Ein wenig mehr professionelle und auch kritische Distanz der Berichterstattung jedoch wäre in der Tat zu wünschen.

  2.   Hr. Schulz

    Schwer erträglich ist nur das Leid. Bei den Angeklagten oder den ihnen vorgesetzten Gegenspielern. Durch diesen Kataklysmus ist der Blick auf das Land keine Erkenntnis, sondern Opferphilosophie. Alles was passiert ist wunderbarstens arrangiert, um jedes eventuell noch rudimentäre Gefühl für Gerechtigkeit abzutöten. Aber in manchen Herzen ist sie noch lebendig und sorgt für manchen menschlichen Moment in diesem kafkaesken Trauerspiel von nunmehr schon 172 Akten.

    MFG

 

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