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Turbulente Vernehmung einer NPD-Politikerin – Das Medienlog vom Donnerstag, 14. Mai 2015

 

Stand eine der bekanntesten deutschen Rechtsextremistinnen in Verbindung mit dem NSU? Edda Schmidt, Mitglied im Landesvorstand der baden-württembergischen NPD, bestritt am Mittwoch, in der Szene Informationen über das Trio gestreut zu haben. Bei ihrer Vernehmung ging es teils turbulent zu. Der Tag zeigte, wie schwer es ist, Informationen über Kontakte in rechten Kreisen zu gewinnen. „Brauchbare Aussagen dazu zu erhalten, gleicht im Münchner NSU-Prozess immer wieder der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“, kommentiert Mira Barthelmann vom Bayerischen Rundfunk.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Schmidt soll einem anderen NSU-Zeugen auf einer Schulungsveranstaltung im Jahr 2000 einen Mann vorgestellt haben, der etwas zum Aufenthaltsort des 1998 untergetauchten Trios aus Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wusste. Von den dreien will sie jedoch nie etwas gehört haben. Unklar ist allerdings, „ob Schmidt dem Gericht etwas verschweigt – wie die überwiegende Zahl von Zeugen aus der rechten Szene“, merken wir auf ZEIT ONLINE an. Mehrmals beanstandete sie Fragen von Anwälten der Nebenklage – für Zeugen eher ungewöhnlich. Somit zeigte sich, dass Schmidt „auch in juristischen Aspekten versiert“ ist.

„Spätestens da wurde klar, dass sie sehr gut auf den Prozess vorbereitet war“, heißt es in einem Kommentar von Ina Krauß beim BR. Sie sei „sehr bestimmt“ vor Gericht aufgetreten.

Auch beschäftigte sich das Gericht mit einem der Banküberfälle, mit denen der NSU sein Leben im Untergrund finanzierte. Im September 2003 sollen Mundlos und Böhnhardt eine Filiale in Chemnitz überfallen haben. Eine der Zeugen, eine Bankangestellte, schluchzte zu Beginn ihrer Aussage. Der Täter hatte ihr bei dem Raub ins Gesicht geschlagen. Mundlos und Böhnhardt gingen bei den Überfällen „äußerst rabiat vor, waren aber nicht immer besonders erfolgreich“, schreibt Frank Jansen vom Tagesspiegel. Die Zeugin hatte vor den Tätern behauptet, der Tresor lasse sich nicht öffnen, sodass diese mit einigen hundert Euro aus der Schalterkasse flüchten mussten.

Die Tat lasse sich „ziemlich eindeutig dem NSU zurechnen“, analysiert Krauß vom BR. So fanden sich in der Brandruine der letzten Wohnung des NSU-Trios in Zwickau Kappen und Tücher, die die Täter ausweislich des Überwachungsvideos getragen hatten, zudem Turnschuhe, deren Abdruck zu Fußspuren vom Tatort passte.

Das nächste Medienlog erscheint am Montag, 18. Mai 2015.

8 Kommentare

  1.   aufmerksamer NSU-Beobachter

    „Unklar ist allerdings, „ob Schmidt dem Gericht etwas verschweigt – wie die überwiegende Zahl von Zeugen aus der rechten Szene“, merken wir auf ZEIT ONLINE an. “

    …woher wissen Sie das? Was verschweigen die Zeugen?


  2. Die Neo-Nazis spielen mit dem Gericht Katz und Maus und man lässt es geschehen.

    Wieso liefern BND/NSA keine Beweise? Vielleicht wegen fehlender Selektoren?

    Als Bürger wundert man sich da nur noch.

  3.   Peter

    Jetzt kann man ja auch noch mehrfach unterstellen, mutmaßen, annehmen …. wissen tut man trotzdem nichts, auch wenn man gerade so tut als könnte man da etwas erklären.

    Im Übrigen ist es sehr gut, wenn man sich auf Gerichtstermine vorbereitet, selbst als Zeuge. Das mindert den Stress.
    Zur Wortwahl – ich glaube nicht, dass die Vernehmung turbulent war, nur weil die Zeugin bestimmt auftrat.

  4.   Orwell

    Was konnte die NPD-Politikerin über staatliche Dienste und ihre Taten wissen?
    Man denkt, einige CDU-Politiker und CDU-Politikerin wissen darüber viel mehr als das was in der Presse erscheint.

  5.   Upageya

    Mal wieder ein wenig Volksverdummung betreiben?

    Eine rechtsradikale Frau ist also möglicherweise rechtsradikal?

    Auch wenn unsere Medien es noch so oft verdrehen oder verschwiegen, was wir, die Bürger wissen wollen ist, wie tief unser Verfassungsschutz da verwickelt ist…
    Und wenn man schon dabei ist, zu dem Oktoberfest Attentat, hätte so mancher von uns Bürgern auch gerne gewusst, was da in Wirklichkeit abgelaúfen ist…

    Keine Chance? Dacht ich mirs doch…

  6.   Paul

    „Mundlos und Böhnhardt gingen bei den Überfällen „äußerst rabiat vor, waren aber nicht immer besonders erfolgreich“, schreibt Frank Jansen “

    Jansen ist der Prototyp des modernen Meinungsjournalisten. Alles was seiner Menung und Überzeugung entspricht wird als Tatsache verkauft, der Rest ist nicht der erwähnung wert. Tatsachen und Fakten werden nur aufgegriffen wenns keine Arbeit macht (sprich von Dritten frei Haus geliefert wird) und ins vorgefertigte Bild passt. Unschuldsvermutung, nicht nachgewiesene Vorwürfe …. gibts nicht.

    Da wundert es schon nicht mehr, dass die Indizien auch hier nur kruder aber wundersam als passgenau behaupteter Kleinkram sind, Kappen und Tücher (sicher identifiziert per auf Überwachungsvideo!) und Turnschuhe (deren Abdrücke nach Jahren immer noch beweiskräftig zu Tatortspuren „passen“) und das alles haben die Verdächtigen mal wieder über 7 Jahre (!!) in ihrer Umgebung aufbewahrt.

  7.   irene ruhnke

    Die Bundeskanzlerin hat Aufklärung versprochen

  8.   fliegenklatsche

    „ob Schmidt dem Gericht etwas verschweigt – wie die überwiegende Zahl von Zeugen aus der rechten Szene“, merken wir auf ZEIT ONLINE an.

    Woher weis „Die ZEIT ONLINE“ das etwas verschwiegen wurde?
    Wenn die Zeit mehr weis warum teilt sie es nicht mit?

 

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