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Nebenkläger wollen Germanenkult des NSU untersuchen – Das Medienlog vom Dienstag, 26. Mai 2015

 

Sechs von zehn NSU-Morden wurden mittwochs verübt, zudem der Kölner Bombenanschlag von 2004. Grund dafür könnte der Glaube an heidnische Götter sein, spekuliert die Nachrichtenagentur dpa. Anwälte der Nebenklage bereiteten derzeit Beweisanträge vor, in denen es um den angeblichen Germanenkult des NSU geht, heißt es. Das Trio aus Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt habe sich mit einer Zeitschrift beschäftigt, in der dem Germanengott Wotan gehuldigt wird. Diesem ist der Mittwoch gewidmet. Die Häufung der Taten an Mittwochen hatte auch die Bundesanwaltschaft bemerkt, der Spur jedoch keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

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Das nächste Medienlog erscheint am Mittwoch, 27. Mai 2015.

17 Kommentare

  1.   Paul

    Falls eine Mehrzahl der Taten jeweils nicht an den heiligen Tagen Samstag oder Sonntag begangen wurden, ist dass dan auch eine Spur der man nachgehen muss? Um den Mittwoch und Wotan prozessrelevant werden zu lassen, muss man wohl mehr haben als eine Beschäftigung mit einer Zeitung zum Wotanskult, man müsste nachweisen dass dieser Glaube so stark das Leben der vermeintlichen Täter bestimmte, dass er tat- oder zumindest tatzeitbestimmend war. (Nebenbei steckt etymologisch im deutschen Mittwoch gar kein Wodan mehr.)
    Viel Erfolg kann ich da nur sagen, zumal der Prozess sich ja schon mit deutlich präziseren Fragen etwas schwer tut.
    „Spekuliert“ ist da das richtige Wort und nächstens versucht man dann medial wieder, „Verschwörungstheorien“ mit dem mehrfachen Tatsachengehalt abzulehnen nur weil dies so unbequem sind.

  2.   Thomas Melber 0622

    Mittwoch – ist doch logisch: am Montag Rausch ausschlafen, Dienstag Tat vorbereiten und Anfahrt, Mittwoch Tatausführung und Rückfahrt, Donnerstag Nachbesprechung und Planung der nächsten. Ab Freitag: zünftiges Begießen der letzten Tat.

  3.   bekir_fr

    Am Mittwoch haben (wenigstens auf dem Lande) alle Verkäuferinnen Nachmittags frei – wird dieser „Spur“ auch schon nachgegangen?

    Und wenn schon germanische „Göttergewalt-Verherrlichung“, dann bitte wenigstens als 3-Tage-Woche:
    Der germanische Obergott Wotan (Mittwoch) wird nämlich eingerahmt vom Kriegsgott Tyr / Ziu (röm. Mars) am Dienstag und dem Gewittergott Donar (Gedenktag Donnerstag). Da aber laut Wikipedia ausgerechnet der Mittwoch im Volksglauben als Unglückstag galt, wird das Gericht bestimmt etliche Gutachter und Sachverständige für germanische Theologie bemühen müssen, um diese knifflige Frage zu lösen.

    Wenn alles nichts hilft, könnte evtl. das „deutsche Stonehenge“ (die Externsteine am Teutoburger Walde) astronomisch-astrologische Erkenntisse zum „richtigen Zeitpunkt“ liefern?

    Ach ja, da war ja noch die Frage nach den fehlenden Bekenner-Briefen, Hakenkreuzen etc. an den Tatorten. Aber der „Glaube an heidnische Götter“ der echten (Neo-)Germanen braucht vermutlich keine Bekenner-Briefe. Ihre Runen kann eh niemand lesen, womöglich nicht mal sie selber.


  4. In Skandinavien heißt Mittwoch, Onsdag = Odens Tag. Dienstag, Tisdag eller Tirsdag, von Tyr. Donnerstag, Torsdag, tag des Donnergottes.

  5.   7 Tage, 7 Nächte

    Die Hälfte der Taten fand an anderen Tagen statt, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Das ist wieder einmal ein Scheingefecht der Nebenklage!

  6.   the good kkkop

    Astrologisch gesehen schwer zu toppen :

    “ Unheimliche Spur: Sollten die NSU-Tatorte diese Rune bilden?…Dr. Joachim Stamp, FDP-Obmann im nordrhein-westfälischen NSU-Untersuchungsausschuss, alarmierte sofort die Generalbundesanwaltschaft sowie den Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht in München. “
    http://www.mopo.de/politik—wirtschaft/neues-raetsel-unheimliche-spur—sollten-die-nsu-tatorte–diese-rune-bilden-,5066858,30541122.html

    Ich denke die Aufmerksamkeit, die insgesamt zur Verfügung steht ist begrenzt. Mal sehen ob seitens RA Narin da noch was kommt…

  7.   Allyfletsch

    Wer auf Deutschlands Autobahnen reisen will und zwar ohne Staus nimmt wenn er keine andere Verpflichtungen hat den Mittwoch zum Reisen. Dann sind die Autobahnen am leersten. Hier haben die Uwes oder Andere Täter diese Erfahrung genutzt. Jetzt will man mit Wotan und anderen Blödsinn neue Beweise suchen. Der Prozess wird immer unglaubwürdiger.

  8.   bekir_fr

    Es gibt Leute wie Andreas T. im Kasseler Internetcafé, die nur Sekunden vom Todesschuss trennten und nur wenige Zentimeter von der Leiche und die vom Richter aus nachvollziehbaren Gründen als unglaubwürdig betrachtet werden, trotz Beamtenstatus und eines evtl. dienstlichen Aufenthalts am Tatort.

    Solange jedoch das Gericht Leute wie ihn dennoch unverdrossen als „Zeugen“ behandelt und nicht mal erwägt, ihn zum „Tatverdächtigen“ oder gar „Angeklagten“ zu befördern, müssen wir uns halt mit alternativen Täter-Suchmethoden beschäftigen.

    Ich befürchtete schon, Astrologie und Kaffeesatz-Lesen würden als ernsthafte Untersuchungs-Methoden verkannt. Da bin ich aber beruhigt, dass ein promovierter FDP-Obmann im U-Ausschuss mutig alles Denkbare versucht, jetzt eben mit „Malen nach Zahlen“, was wir ja alle seit unserer Kindheit kennen und lieben.

    Dr. Stamps Argumentation hat leider eine kleine Schwäche: Magdeburg blieb ohne Tatort, wodurch das ins „N“ und „U“ verschmelzende „S“ ersatzlos verschwindet und das „U“ zu einem „L“ verkümmert. Statt „NSU“ bleibt also nur ein „NL“ übrig, wie „national-liberal“.
    Ähm … hatte nicht mal die FDP einen Flügel dieses Namens?
    Geführt vom FDP-Mann Alexander von Stahl, damals vom Amt des Generalbundesanwalts zurückgetreten, weil nie ganz geklärt werden konnte, wie Linksterrorist Wolfgang Grams denn nun genau seinen Suizid begangen hatte, so dicht unzingelt von ebenfalls ratlosen GSG-9-Beamten?

    Aber das NSU-Trio war damals erst an der Schwelle zur Volljährigkeit, daher wird dies Spur wohl auch nicht weiterführen …

  9.   Fliegenklatsche

    @8 Nun ob Zeuge oder Tatverdächtiger ist doch eigentlich erstmal unrelevant, so lange nichts bewiesen werden kann.
    Für eine Anklage müssen doch schon bessere beweise da liegen als das man in eine „Honigtopf“-Falle getreten haben könnte, oder?

    @6 Nicht schlecht, die Theorie unterstreicht einen weiteren Ansatz.
    Nur warum suchen was schon lange da ist man aber nie bekommen kann?
    Jedenfalls ist es eine bemerkenswerte Leistung, das ein Dr. es geschafft hat diese zufälligkeiten(?) so zu erkennen.


  10. @9:
    Innenminister (jetzt Ministerpräsident) Bouffier war oberster hessischer Chef sowohl der Verfassungsschützer (damals somit von Andreas T.) als auch der Polizei, die den Herrn T. zunächst in U-Haft nahm. Dass die Polizei letztlich von ihm abließ, lag mitnichten daran, dass keine Leiche oder keine „bessere beweise da liegen“. Es war der merkwürdige Schutz, den man sich in einem Rechtsstaat eigentlich nicht so recht vorstellen kann und mag.

    Nicht nur die eigene Behörde schützte Andreas T.: Laut U-Ausschuss des Bundestags „hat auch der damalige hessische Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier, den Verfassungsschutz-Mann protegiert. Er soll demnach in letzter Instanz entschieden haben, dass die Polizei nicht an T. herankommt.“
    http://www.n-tv.de/politik/Mitarbeiter-an-Mord-beteiligt-article6655961.html

    Da in Deutschland die Staatsanwälte keine „richterliche Unabhängigkeit“ genießen (wie z.B. in Italien), sondern weisungsgebunden sind, unterstehen sie also letztlich der Exekutive, d.h. der Regierung, obwohl sie Teil der Judikative, d.h. Rechtspflege sind.
    Dadurch bekommt das alte Sprichwort „Wo kein Kläger da kein Richter“ eine besondere Bedeutung: Anzuklagen ist nämlich nicht Aufgabe des Gerichts und wenn die Regierung eine Anklage nicht will, was ist dann wohl zu befürchten?

    Bei den Tatort-Verbindungen auf der Landkarte und folglich „Runen“ als „weiteren Ansatz“ sollten Sie die Ironie der Beiträge nicht übersehen.
    Wenn der Herr Doktor von der FDP es ernst meint (und als U-Ausschuss-Mitglied kann er ja schlecht herumkaspern), dann ist das schon traurig genug.

    Ein Blick in Wikipedia zeigt schon mal, dass im „NSU“-Signet, wie man es von der Pink-Panther-CD kennt, die Buchstaben nichts mit echten Runen zu tun haben. Manche vermeintlichen Runen sind mehr Raunen / Geraune, aber die gemeinsame Wortwurzel dieser Bezeichnungen ist kein Ersatz für die fehlende Verwandtschaft der bezeichneten Gegenstände. Schon allein das (echte) Runen-„U“ sieht aus wie ein auf dem Kopf stehendes „V“.
    Da müsste man die „Theorie“ des Dr. Stamp schon erweitern auf Vexierbilder und die Tintenklekse des Rohrschachtests. Wobei wir wieder fast beim Lesen aus dem Kaffeesatz sind.

 

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