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Verfassungsschützer wirft weiter Fragen auf – Das Medienlog vom Dienstag, 9. Juni 2015

 

Kann eine weitere Vernehmung des ehemaligen Verfassungsschützers Andreas T. Klarheit in den mysteriösen Mord an Halit Yozgat von 2006 bringen? Die Wahrscheinlichkeit ist gering – doch das Gericht will es noch einmal versuchen. Thema bei seiner nächsten Befragung ist auch ein Telefonat mit seiner Frau, das Fragen aufwirft. Dieses verstärke „die Zweifel, dass sich Andreas T. im Oberlandesgericht München wahrheitsgemäß zum Mord an Yozgat geäußert hat“, merkt Frank Jansen im Tagesspiegel an.

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Drei Wochen nach dem Mord hatte die Polizei das Telefonat mitgeschnitten. Darin beklagt sich die Frau von T. darüber, dass T. immer mit Plastiktüten durch die Gegend laufe. Im Prozess hatte T. bisher angegeben, in dem Internetcafé keine Tüte dabei gehabt zu haben. Zeugen beschrieben das später anders.

So banal die Geschichte von der Frau klingt, verstärke sie doch die Zweifel, dass sich T. wahrheitsgemäß zum Mord an Yozgat geäußert hat, schreibt Jansen. Und das Gericht werde auch wissen wollen, was sich in der Tüte befunden hat, die T. offenbar ins Internetcafé trug. Der Zeuge, der den hochgewachsenen Mann gesehen hat, will „was Eckiges“ erblickt haben. Der Gegenstand sei schwer gewesen und habe die Tüte nach unten ausgebeult.

Gleichwohl gebe es keine Hinweise, dass T. mit einer Waffe in das Internetcafé gekommen wäre, in dem der Inhaber Yozgat erschossen wurde – auch, wenn der Zeuge mit seinen häufig schwer zu glaubenden Angaben „reichlich Unbehagen“ verursacht habe. Sein Fall habe dem Verfassungsschutz, in der NSU-Affäre ohnehin ins Zwielicht geraten, zusätzlichen Schaden zugefügt.

Auch andere Medien griffen in den vergangenen Tagen die Fragen um Andreas T. auf, darunter die Freie Presse oder der Sender RT: Dazu gehört auch jene nach den Schmauchspuren an den Handschuhen des Sportschützen. Sie passen zu dem Treibstoff, den auch die Munition der Mordwaffe enthielt.

Das nächste Medienlog erscheint am Mittwoch, 10. Juni 2015.

20 Kommentare

  1.   ichkönntekotzen

    Götzl tut als würde er Fragen stellen, der Zeuge will aber nicht reden. IN U-Haft geht er auch nicht, obwohl das belastende Material gegen iihn für zweitausend Verurteilungen reicht. Götzl macht aber brav weiter, Pseudofragen zu stellen;vielleicht hat er Angst um seine Pension oder davor, an einer nicht diagnostizierten Diabetes zu sterben?

    Seien Sie gespannt auf die nächste Folge im NSU-Schmierentheater.

    Kleiner Tipp am Rande, das Netzwerk, Teil dessen Andreas T. war, exisitert mit hoher Wahrscheinlichkeit immer noch. Leute wie Ziercke und Bouffier, bis hin zum Generalbundesanwalt, machen sich also nicht nur der Strafvereitelung in einem Mordfall schuldig sondern der UNterstützung einer terroristischen Vereinigung. Warum, aus Karrieregründen, aus Überzeugung, oder haben die auch Schiß davor, an Selbstmord zu sterben?

  2.   Matthias Petersbach

    Irgendwie glaubt an der Räuberpistole doch mittlerweile niemand mehr auch nur EIN Detail. Vom Doppelselbstmord bis zu den Aussagen der Staats“schützer“.

    Die Wahrheit wird – vielleicht- in 20 Jahren auf den Tisch kommen.

  3.   Paul

    „Sie passen zu dem Treibstoff, den auch die Munition der Mordwaffe enthielt.“
    Es wäre wünschenswert, sich zumindest auch mit den verbalen Grundlagen der Themen zu beschäftigen, über die man schreibt. Munition enthält keinen Treibstoff (damit fährt das Auto) sondern Treibmittel oder eine Treibladung.

    „auch, wenn der Zeuge mit seinen häufig schwer zu glaubenden Angaben „reichlich Unbehagen“ verursacht habe.“
    Noch mehr Milde kann man bei der Bewertung kaum walten lassen, allerdings sollte man fairerweise diese auch allen anderen Zeugen gegenüber zeigen …. und könnte dann den Prozess erheblich straffen, weil man keinen mehr befragen muss..

  4.   Fragezeichen

    Leider muss ich mal wieder wahrnehmen, dass der schlimmste Verfassungsfeind oft der vermeintliche Verfassungsschützer ist. Der Staat ist bestenfalls ZUschauer mit seinen Maßnahmen, die angeblich dem Schutz der Verfassung dienen und schlimmstenfalls Mittäter.

    Der Verfassungsschutz sollte abgeschafft werden und jede Straftat von der Polizei aufgedeckt udn zwingend verfolgt werden. Dann kann der braune Supmpf viel leichter ausgerottet werden. Denn was wir hier sehen, ist eher eine Infiltration und Erkrnkaung derjenigen, die der Abwehr dienen sollten. Es ist eine Art AIDS der Sicherheitsdienste.

  5.   Optimist

    Wie könnte Götzl den Verfassungsbruchschützer T. als Mordverdächtigen beim Kasseler Ceska-Mord in Erwägung ziehen? Auf diese Weise die Täterschaft von Böhnhhardt und Mundlos abbröckeln zu lassen, ist ihm garantiert nicht erlaubt.

  6.   Karl Müller

    @ 3

    Wobei nicht nur die „Treibstoffformulierung“ ein Missgriff ist, sondern auch die Tatsache das Schmauch hauptsächlich aus den Umsetzungsprodukten der Zündsätze und nur rudimentär aus denjenigen des Treibmittels besteht.
    Es müsste einfach mal ermittelt werden, ob die Spuren am T. Anzeichen für einen primären Schmauchantrag aufweisen, oder was für einen Sekundärantrag spricht.

    Im ersteren Falle war der T. sehr dicht an der Tatwaffe bei der Schussauslösung, im zweiten könnte er dieses Tatmittel transportiert haben…

  7.   MARION Schulz

    Was muss der Verfassungsschutz mitteilen? Ermitteln? Ich glaube an die Unschuld. Wieso soll die eigene Frau den V. belasten? Er kann Tintengefaess austauschen. Freundschaftsdienst. Vielleicht hat er sich noch was angeschaut?
    Verletzung?


  8. Frage zu 3.

    Zitat: „Es wäre wünschenswert, sich zumindest auch mit den verbalen Grundlagen der Themen zu beschäftigen, über die man schreibt. Munition enthält keinen Treibstoff (damit fährt das Auto) sondern Treibmittel oder eine Treibladung.“

    Meinen Sie terminologische statt verbaler Grundlagen?

  9.   Orwell

    @1.
    “ Leute wie Ziercke und Bouffier, bis hin zum Generalbundesanwalt, machen sich also nicht nur der Strafvereitelung in einem Mordfall schuldig sondern der UNterstützung einer terroristischen Vereinigung.“ –> Diese Leute sind die höche staatlichen Beamten gewesen und bleiben es. Was ist mit der politischen Führung der BRD (CDU, SPD, Kanzler…)?

  10.   tacheles

    Wenn die Hauptangeklagte Z. mit den gleichen Maßstäben wie T. gemessen würde wäre der Prozess schon längst beendet worden!

 

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