‹ Alle Einträge

Die verräterische Postkarte – Das Medienlog vom Mittwoch, 23. September 2015

 

Seit zwei Jahren sitzt André E. schweigend auf der Anklagebank im NSU-Prozess – genauso wie die Hauptangeklagte Beate Zschäpe. Zu ihr wie auch zu ihren Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten E. und seine Frau ein sehr enges Verhältnis. Belege dafür lieferte der 229. Prozesstag. So geht aus einem Parkschein, der bei Mundlos und Böhnhardt gefunden wurde, hervor, dass sie E. nach einem schweren Sturz im Krankenhaus besucht hatten, wie Wiebke Ramm auf Spiegel Online berichtet.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

E. soll mehrmals Wohnmobile für das NSU-Trio gemietet haben. Zudem steht er offenbar in Verbindung mit der Herstellung des zynischen Bekennervideos der Terrorgruppe.

Weitere Hinweise auf die enge Beziehung zwischen dem Ehepaar und dem Trio gab ein Polizist, der als Zeuge aussagte: Als der NSU das Wohnmobil anmietete, in dem sich Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011 erschossen, war offenbar E.s Frau Susann mit dabei. Demnach schrieb sie ihrem Mann eine SMS mit dem Inhalt „Ich fahr grad lisl und geri wohin“ – wobei es sich um Tarnnamen von Zschäpe und Böhnhardt handelt.

Ein weiterer Aspekt der Befragung: Böhnhardt und Mundlos könnten rund ein halbes Jahr vor dem Mord an Mehmet Kubaşık den Tatort in Dortmund ausspioniert haben. Das Indiz dafür ist eine Postkarte, die in dem niedergebrannten NSU-Haus in Zwickau gefunden wurde. Der Inhalt: „Viele liebe Grüße, das Wetter ist schön. Tschüß“, geschrieben in Böhnhardts Handschrift.

Abgestempelt wurde sie im September 2005. Kubaşık wurde am 4. April 2006 erschossen. Die Beamtin, die das Dokument ausgewertet hatte, habe ihm „eine brisante Bedeutung gegeben“, heißt es beim Bayerischen Rundfunk. Denn sie kombinierte das Beweisstück mit dem Wissen, dass der NSU zur gleichen Zeit ein Wohnmobil gemietet hatte. Dies diente womöglich einzig einer Tour zum Ausspähen des Tatorts.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 24. September 2015.

3 Kommentare

  1.   klaus

    Eigentlich ist dieser blog keine Betrachtung mehr wert, das konnte man schon in der Vergangenheit beobachten. Es wird wahrscheinlich auch mein letzter Kommentar bei ZEIT online sein. Leider muss ich feststellen, dass entweder:
    1. unerfahrene Blogschreiber mit wenig Gespür für den zu erörternden Sachverhalt( im besten Fall)
    2. eindeutige Fehlinformationen mit tendenziell manipulativem Charakter gepostet werden.

    Ich sehe die hiesige Berichterstattung im NSU Prozess als gescheitert an. Die zahlreichen eingeflochtenen Bewertungen (verräterische Postkarte, Maske des Schweigens usw usf) verraten mir, dass es nicht um eine tatsächliche Aufarbeitung des geschehenen geht. Es geht hier um Stimmungsmache, um das benennen eine Sündenbocks.

    Sehr schade um die gute alte ZEIT!!!!

  2.   Fliegenklatsche

    Da kann ich Klaus nur voll und gnaz zustimmen.
    Die Überschriften und das wie es dargestellt wird ist telweise sehr bedenklich.
    Leider werden in den Kommentaren zu viel beiträge gelöscht so das es für einen aussenstehenden nicht nachvollziehbar ist was leser denken oder beitragen können.

  3.   Mich würde interessieren, wie alt der Richter ist

    Bleibt es bei dem gegenwärtigen Tempo, schafft er es vielleicht, dass Verfahren bis zu seinem Ruhestand hinzuziehen!

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren