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DNA-Beweise stützen Anklage gegen Zschäpe – Das Medienlog vom Donnerstag, 24. September 2015

 

Bisher hatte sich der NSU-Prozess fast nur mit Zeugen beschäftigt – am Mittwoch kamen nun „harte“ Beweise dazu: Der Forensiker Carsten Proff vom Bundeskriminalamt stellte eine Analyse von DNA-Spuren vor, die an Gegenständen aus dem Besitz des NSU hafteten. Weil Proff Hunderte Asservate untersucht hatte, wird seine Aussage wohl mehrere Tage dauern. Die Erkenntnisse des ersten Tags „stärken in weiten Teilen die Annahmen der Bundesanwaltschaft“, schreibt Tim Aßmann vom Bayerischen Rundfunk. Sie waren zwar in weiten Teilen bereits bekannt, sind nun aber offiziell in den Prozess eingeführt.

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Das wohl plastischste Asservat, zu dem Proff vortrug, war eine Jogginghose, die Uwe Mundlos offenbar beim Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 getragen hatte. Bei der Entdeckung des NSU, 2011, lag die ungewaschene Hose im Haus von Mundlos und Uwe Böhnhardt. Das Blut auf der Hose hatte der Gutachter der Polizistin zugeordnet, Taschentücher und ein Haar zu Mundlos.

Auf Waffen aus dem NSU-Besitz fanden sich Spuren von Mundlos und Uwe Böhnhardt, aber auch von einer nicht identifizierten Person. „Seine Angaben nähren den Verdacht, die Terroristen könnten von Komplizen unterstützt worden sein, die immer noch unbehelligt herumlaufen“, bilanziert Frank Jansen vom Tagesspiegel. DNA-Anhaftungen von Beate Zschäpe fanden sich allerdings auf keiner der am Mittwoch besprochenen Waffen.

„Einen ultimativen Beweis gegen den NSU gibt es offenbar nicht“, folgern wir auf ZEIT ONLINE daraus. Dennoch wurde die Indizienkette an diesem Tag noch etwas deutlicher – etwa im Fall des mutmaßlichen Unterstützers André E. So stellte sich heraus, dass Zschäpe sich ihre Schuhe von E.s Frau Susann geliehen hatte, bevor sie sich bei der Polizei gestellt hatte. E. selbst hatte Zschäpe am Tag ihrer Flucht aus Zwickau zum Bahnhof gefahren. Insofern wurde erneut deutlich, wie groß die Unterstützung der E.s für Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos war.

Bei der Analyse handelte es sich um hochwissenschaftlichen Stoff. „Der Gutachter macht es den Zuhörern im Saal nicht leicht, ihm zu folgen“, resümiert Wiebke Ramm auf Spiegel Online. Zschäpe habe allerdings sehr wach gewirkt. „Wenn sie damals glaubte, damit alle Spuren vernichtet zu haben, wurde sie an diesem Tag einmal mehr vom Gegenteil überzeugt“, schreibt Ramm.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 25. September 2015.

18 Kommentare

  1.   Botticelli

    „… die Uwe Mundlos offenbar beim Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 getragen hatte. Bei der Entdeckung des NSU, 2011, lag die ungewaschene Hose im Haus von Mundlos …“
    Merkwürdig unprofessionell. Warum sollte Mundlos ein Beweisstück 4 Jahre lang in seiner Wohnung aufbewahren bzw. seine Hosen 4 jahre lang nicht waschen ?

  2.   warumnichtso

    Einer gewissen Skepsis kann ich mich nicht ganz verwehren: DNA-Spuren im „Fall Kiesewetter“ – da war doch was (Wattestäbchen). Mal sehen.

  3.   Gasleitung

    Eine Hose, die 2007 bei einem Mord getragen wurde, lag also bis 2011 ungewaschen in dieser Wohnung.

    Alles klar.

  4.   Immernoch keine Beweise ?

    Die Überschrift verspricht was der Artikel nicht halten kann; Auch wenn der Autor krampfhaft versucht es so aussehen zu lassen; wieder einmal konnten keine eindeutigen und unwiederufflichen Beweise für die Täterschaft Zschäpes präsentiert werden. Wie immer schwingt im Subtext des Artikels ein verurteilender Tonfall gegenüber der Hauptangeklagten mit, den die Faktenlage schlichtweg nicht hergibt. Doch spürt man auch die Angst (gerade in solchen Formulierungen wie „Einen ultimativen Beweis gegen den NSU gibt es offenbar nicht“ – man sollte meinen, dass ein „normaler“ Beweis doch erst einmal ausreichen würde) , die in Artikeln über Zschäpe oft mitschwingt: Die Angst, dass der Otto-Normal-Bürger auf den Trichter kommt, dass vielleicht ganz andere Personengruppen hinter den „Dönermorden“ stecken als die „Zwickauer Terrorzelle“, um das klischeehafte Sprachrepertoire der Massenmedien zu bedienen.

  5.   Seeman

    4 Jahre nach dem Mord an Frau Kiesewetter liegt die Jogginghose,
    welche der Taeter trug, noch ungewaschen bei diesem zu Hause
    herum. Beim besten Willen aber das erscheint so unglaublich. Ich
    meine kaum jemand laesst eine Hose ueber Jahre ungewaschen
    herum liegen. Tun das dann Moerder mit Tatkleidung? Der
    Wohnungsbrand bei dem sogar Metall in der Wohnung geschmolzen
    ist hat der Hose auch nichts angehabt. Ich weis nicht. So gut es
    waere die Täter (auch nach deren Tod) zu ueberfuehren scheinen
    (mir) die Indizien irgendwie konstruiert.

  6.   Zivilisationswächter

    >“Seine Angaben nähren den Verdacht, die Terroristen könnten von Komplizen unterstützt worden sein, die immer noch unbehelligt herumlaufen”, bilanziert Frank Jansen vom Tagesspiegel.<

    Nuuuun…hat schon mal einer bei diversen Verfassungs"schutz"behörden nachgefragt?

  7.   cimaere

    Mitarbeiter eines Amtes, dass sich „Verfassungsschutz“ schimpft, schreddern kurz nach Bekanntwerden des Falles wichtige Akten, die jetzt nicht mehr als Beweismittel zur Verfügung stehen. Bis jetzt ist die Anwesenheit mindestens eines Verfassungsschützer während eines sogenannten „Dönermordes“ am Tatort erwiesen. Und uns will man hier mit solcher Art „Beweisen“ klar machen, dass nur das Trio für die Taten verantwortlich sein kann. Die zahllosen Widersprüche und Ungereimtheiten dieser Sache, lassen jedoch ganz andere Szenarien wahrscheinlich erscheinen.

  8.   Fensterrahmen

    „Warum sollte Mundlos ein Beweisstück 4 Jahre lang in seiner Wohnung aufbewahren bzw. seine Hosen 4 jahre lang nicht waschen ?“

    Vielleicht hat es ja noch andere Gründe gegeben.
    Spontan denke ich aber an Überheblichkeit und Lust an der Trophäe.

  9.   BPecuchet

    Man fragt sich, warum man diese Deppen nicht schon früher geschnappt hat. Ich vermute, dass keiner nach ihnen gesucht hat.

    Das passt für mich zum Bild, dass die sächsische Polizei auch aktuell noch liefert. Bei Ausschreitungen gegen Asylbewerberheime oder bei Übergriffen von Pedigisten gegen Schüler in Dresden „gelingt“ es irgendwie nie, Straftäter festzunehmen oder Beweise und Zeugenaussagen zu sichern. Es sind immer gerade zu wenig Leute vor Ort oder sonst etwas hat nicht geklappt. Dafür ist es aber gelungen, einen Prozess gegen einen nachweislich unschuldigen Jugendpfarrer zu entfachen, dem man fälschlich vorgeworfen hatte, er hätte zur Gewalt aufgerufen.

    Die Brandstifung von Frau Zschäpe diente wohl in erster Linie dazu, Beweise zu vernichten. Dies ist anscheinend nicht gelungen, es bleibt eben doch immer etwas übrig. Das finde ich erfreulich!

  10.   Mike

    Ein zweites Celler Loch darf nicht auskommen. Anders kann ich mir geschredderte Akten und Volker Bouffiers Verhalten nicht erklären.

 

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