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So naiv dachten die Ermittler – Das Medienlog vom Mittwoch, 4. November 2015

 

Heute vor vier Jahren flog der NSU auf, als sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einem gescheiterten Banküberfall in einem Wohnmobil erschossen und Beate Zschäpe das Haus des NSU in Zwickau anzündete. Doch trotz tiefgehender Ermittlungen sind zu der Terrorzelle, die für zehn Morde verantwortlich sein soll, noch immer etliche Fragen offen. Damit beschäftigen sich aktuelle Presseberichte. „Geld, Unterstützer, ideologisches Rüstzeug – das alles habe gefehlt, anders, als bei der linksextremen RAF“ – das war die naive Denkweise der Ermittler, wie ein Bericht von dpa-Autor Christoph Lemmer nachzeichnet.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Als Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt im Jahr 1998 untergetaucht waren, sei die Stimmung „ähnlich angespannt wie heute“ gewesen, schreibt Lemmer: Es gab Anschläge gegen Asylbewerber und rechtsextreme Demonstrationen. Von der Gefahr ahnte offenbar dennoch niemand etwas – die Dimension des Verbrechens wurde auch nach der Entdeckung der Terrorzelle nur langsam klar. „In den vier Jahren seit dem Ende des NSU hat der Staat immensen Aufwand getrieben, um nachzuarbeiten und Lehren aus der Terrorserie zu ziehen“, heißt es. Dennoch hätten die weiterhin tagenden Untersuchungsausschüsse noch immer viel zu tun.

Den Rätseln nach dem 4. November 2011 widmet sich auch Andreas Förster in einem Bericht für die Stuttgarter Zeitung. Sein Fazit zu den Ereignissen nach dem Banküberfall: „Auch zwei Untersuchungsausschüsse haben sie nicht aufgehellt.“ In den Ermittlungsarbeiten seien etliche Widersprüche zutage getreten, manche Sachverhalte seien gar nicht richtig aufgeklärt worden.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 5. November 2015.

 

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