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Polizei findet verschollene NSU-Bilder wieder – Das Medienlog vom Donnerstag, 19. November 2015

 

Am 4. November 2011 erschossen sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einem Wohnmobil in Eisenach, das sie zuvor in Brand gesetzt hatten. Die ersten Fotos vom Tatort machten Feuerwehrleute – doch die Bilder verschwanden bei den Ermittlungsarbeiten. Nun sind die Beweisstücke bei einer Suchaktion der Polizei in Gotha wiederaufgetaucht, ebenso wie eine 400-seitige Ermittlungsakte eines Bankraubs, wie unter anderem Alf Meier vom Bayerischen Rundfunk berichtet. Es handelt sich um die einzigen Bilder, die direkt am Tatort gefertigt wurden. Sie könnten für den NSU-Prozess relevant sein: „Sollte sich etwa die Lage der Leichen verändert haben, müsste man eventuell zu einer neuen Bewertung kommen.“

Gesucht wurden die Fotos, weil im Thüringer Untersuchungsausschuss zum NSU Zweifel aufgekommen waren, dass dem Gremium alle Fotos mit Relevanz für den Tatkomplex vorgelegt worden waren. Daraufhin begann die Recherche bei der Gothaer Polizei, deren Leitender Polizeidirektor Michael Menzel damals für die Aufklärung der Raubserie zuständig war. Hinter der Serie steckten die NSU-Mitglieder Mundlos und Böhnhardt. Das Thüringer Innenministerium informierte nach dem Fund der Beweismittel die Bundesanwaltschaft, die beim Prozess die Anklage führt, wie die Thüringer Allgemeine berichtet.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 20. November 2015.

8 Kommentare

  1.   Egal

    Wenn die noch weiter suchen finden sie vielleicht sogar das Bernsteinzimmer. Das erinnert leider stark an die 15 Jahre (!) lang verschollene Pistole aus dem Schmücker-Prozess:

    [ https://de.wikipedia.org/wiki/Schmücker-Prozess ]

  2.   Lampyridae

    Ich verstehe das nicht.
    In der Ermittlungsakte, die, die auch im Internet frei zugänglich ist mit 1000+x Seiten über den Tatbefund in Eisenach, sind auch mehrere Bilder, die den Tatort bzw. das Wohnmobil in Stregda vor dem Abtransport zeigen.
    Die Bilder fielen durch eine andere, hellere Belichtung (wegen dem fehlenden, weggebrannten WoMo-Dach) auf.
    U.a. wird dort auf mehreren Bildern die orginale Position der Leichen gezeigt.
    Darüberhinaus ließ sich die orginale Position der Leichen auch Anhand von Rußablagerungen an Kleiderschrank und Badtür erkennen, wo die Leiche Mundlos ursprünglich anlag.
    IIRC hatte der User „Nerazberiha“ darauf schon vor Monaten hingewiesen.
    Insbesondere konnte dadurch die Behauptung entkräftet werden, dass da im Wohnmobil durch den Hochzug auf die Transporterrampe die Leichen durcheinandergeflogen seien.

    Anscheinend sind sowohl Presse wie auch PUA in Sachen NSU-Aufklärung NOCH dilettantischer und unfähiger als die Polizei!

  3.   Pro Vernunft

    In der Anstalt wurden die Ermittlungspannen sarkastisch und treffend vorgestellt. Da wollten wohl einige Beamte die rechte Szene weitgehend ausblenden.

  4.   izquierd

    „Es handelt sich um die einzigen Bilder, die direkt am Tatort gefertigt wurden. Sie könnten für den NSU-Prozess relevant sein: “Sollte sich etwa die Lage der Leichen verändert haben, müsste man eventuell zu einer neuen Bewertung kommen.”“
    Es gibt hier noch einen anderen Aspekt, den man unbedingt erwähnen sollte, warum die Fotos der Feuerwehr am Tatort in Eisenach extrem relevant für die gesamte Bewertung des NSU-Komplexes sind. Es steht hier ja noch die Aussage der Feuerwehrleute im Raum, welche letztlich den Angaben der Polizei widerspricht, dass sie im Wohnmobil keine Waffen gesehen haben. Und diese hätten sie an den angeblichen Fundorten einfach gesehen haben müssen. Es sind ja auch erst die im Wohnmobil gefundenen Waffen, welche überhaupt erst den Bezug zu der dem NSU vorgeworfenen Mordserie herstellten. Die Fotos, welche ja dann noch direkt am Tatort (wahrscheinlich rechtwidrig?!) von der Polizei konfisziert wurden, könnten nun in dieser für den gesamten NSU-Komplex relevanten Frage endlich Klarheit bringen. Je nach Ergebnis steht damit natürlich auch die gesamte Anklage der GBA auf dem Spiel.
    Dann hoffen wir mal, dass auch noch wirklich alle Fotos, welche die Feuerwehr zu Beweissicherung angefertigt hat, noch vorhanden sind und sie nicht noch – natürlich dann nur ganz zufällig – irgendwie verloren gehen.
    Aber es ist schon sehr bezeichnend, dass die Feuerwehr am Tatort in Eisenach Fotos zur Beweissicherung angefertigt hat und die Polizei nicht!

  5.   FrauHuber

    Das erinnert an wandernde Festplatten, Lagarde-Listen,….

  6.   Pälser

    Ich werde einfach nicht den Verdacht los, dass epochal, getrickst,. gelogen, manipuliert wurde und das von staatlichen Stellen und Institutionen. Vorwiegend im Osten
    der Republik, aber auch in Hessen und BW.

  7.   bx16v

    Da die Photos nun sehr lange „irgendwo“ herumlagen sollten sie von Experten sehr sorgfältig überprüft werden!

  8.   Brigitte

    Seit Jahren wird in diesem Prozess der gesunde Menschenverstand vorgeführt! Dass die beiden (Mundlos und Böhnhardt) erschossen wurden, steht mich für mich von Anfang an ohne Zweifel fest! Deshalb auch die unsäglichen Vertuschungsversuche. Kein Zur-Verantwortung-ziehen von denen, die von Anfang an wie Dilettanten Tatort und Spuren verändert, Akten geschreddert oder das Haus des Trios abgerissen haben. Man winkt bei jeder neuen Ankündigung im Prozess nur noch ab. Ich schäme mich für die „tolle“ Aufarbeitung der NSU-Morde in unserem Land. Die Beachtung, die Frau Zschäpe erfährt, lässt nur einen Schluss zu: die Hintermänner sind nach wie vor frei und in hohen Positionen. Die „Rechte Szene“ ist so gut durchorganisiert, dass es einen grausen kann.

 

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