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NSU-Spur soll ins Hells-Angels-Milieu führen – Das Medienlog vom Donnerstag, 28. April 2016

 

Eine neue Spur im NSU-Komplex könnte ins Rockermilieu führen – und gleichzeitig eine Verbindung zwischen mehreren Punkten des Terrorfalls sein: Laut einem Bericht der Bild (hinter Bezahlschranke) wird in einem Antrag eines Nebenklageanwalts die Vernehmung eines Mitglieds des Motorradclubs Hells Angels gefordert. Dieser soll einem Zeugen aus der organisierten Kriminalität in Jena zufolge in den neunziger Jahren mit Uwe Böhnhardt zusammengearbeitet haben. Dabei soll er ihn auch zu Straftaten angewiesen haben. Zudem soll er Kontakt mit Menschen aus dem Umfeld der 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter gehabt haben.

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In der 279. Verhandlung am Mittwoch beschäftigte sich das Gericht erneut mit der Pistole Ceska 83, die bei neun NSU-Morden zum Einsatz gekommen war. Gekauft worden war sie laut den Aufzeichnungen des Waffenhändlers in der Schweiz von einem Einheimischen. Die Berner Staatsanwaltschaft hatte dazu auch die Frau des Käufers befragt. Ein Richter berichtete im Münchner Prozess von der Vernehmung. „Er habe den Eindruck gehabt, dass es der Zeugin nicht ganz recht gewesen sei, dass sie noch einmal ‚mit der ganzen Sache‘ behelligt worden war“, bilanziert Ina Krauß vom Bayerischen Rundfunk. Es habe sich um komplizierten Prozessstoff gehandelt. Vernehmungen wie diese dokumentierten „die manchmal sehr mühsame Suche des Gerichts nach der Wahrheit“.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 29. April 2016.


5 Kommentare

  1.   ad libitum

    Was wenn die Ursprungstheorie, dass es sich bei den Morden um kriminelle Auftragsmorde handelt (und beiden vermutlichen Täter nur keine Hemmungen dazu hatten weil es „nur“ Ausländer waren), doch die richtige war?

  2.   J. Peter

    Mich würden die Untersuchungsergebnisse bezüglich der mutmaßlichen Tatwaffe sowieso sehr interessieren. Die Czeska 83 verfügt über einen Polygonlauf. Die meisten Handfeuerwaffen haben einen gezogenen Lauf, was bedeutet, dass auf abgefeuerten Projektilen ein individuelles Muster verbleibt. Bei Polygonläufen ist auf dem Projektil im Normalfall kein solches Muster vorhanden und die Rückverfolgung zu einer einzelnen Pistole ist stark erschwert bis unmöglich. Gerade deswegen werden die NSU-Täter oder wer auch immer die Morde begangen hat auch dieses Modell ausgewählt haben. Da es eine ehemalige Dienstwaffe der Polizei und des Militärs der CSSR war, müsste die Pistole auch während dem Zerfall des Ostblocks sehr günstig und einfach zu beschaffen gewesen sein.

  3.   rotiz

    @ J. Peter
    und wie kann man dann behaupten, dass eben diese Waffe bei neun Morden verwendet wurde? Das kann ja wohl nicht sein…

  4.   Hückel-Ra

    Und da ist sie wieder, die ominöse Mordwaffe. Und wieso gerade dieses wundersam im Zwickauer-Brandschutt aufgetauchte verschmorte/verklumpte Schießgerät tatsächlich die Mordwaffe gewesen sein soll in den 9 Fällen konnte einem bisher nicht schlüssig erklärt werden.
    Die vergleichende Patronenhülsentheorie des vor Gericht als zeugender Sachverständiger aufgetretenen „Waffenexperten“ kam mir sehr dürftig daher.

  5.   Hückel-Ra

    @ rotiz

    genau, denn das erscheint mir auch ein Schlüsselproblem in der Beweiskette des Prozesses zu sein. Und die Patronenhülsentheorie des vor Gericht zeugenden Waffenexperten kam mir nicht so richtig beweiskräftig vor, dass dieses verschmorte und verklumpte Schießgerät tatsächlich in den 9 Mordfällen die Tatwaffe gewesen sein soll.

 

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