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Verübte der NSU Anschläge in Berlin? – Das Medienlog vom Montag, 10. Oktober 2016

 

Beate Zschäpe spähte möglicherweise eine Synagoge in Berlin aus, wie in einem Antrag der Nebenklage vermutet wird. Nun kommt ein weiterer Verdacht hinzu: Der NSU könnte für Anschläge auf einen jüdischen Friedhof in Berlin verantwortlich sein, wo 1998 und 2002 Bomben explodierten. Die Ruhestätte in der Heerstraße war auf einer von der Terrorzelle geführten Adressliste verzeichnet, berichtet der Tagesspiegel. Angesichts der Erkenntnisse über eine mögliche Ausspähung scheint der Verdacht „nicht abwegig zu sein“.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Wegen der möglichen Verbindungen zum NSU hält der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, es für „sehr dringlich, da Licht reinzubringen“. Im Prozess könnte das am Widerstand des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl scheitern, heißt es in dem Bericht: „Dass Götzl nun den Appell Nachamas erhört und Zschäpe zu Berlin befragt, ist allerdings unwahrscheinlich.“

Der Prozess, in dessen Zusammenhang diese Erkenntnisse zutage treten, läuft nun seit bald dreieinhalb Jahren. Viele sind empört ob dieser Dauer. Dabei ist sie tatsächlich ein gutes Zeichen, meint Frank Jansen im Tagesspiegel. Durch den neuen Antrag werde „wieder einmal deutlich, welche Bedeutung eine akribische Aufklärung hat“. Zwar nervten „die taktischen Manöver einiger Prozessparteien, die manchmal kleinkariert erscheinenden Befangenheitsanträge und die oft schwergängigen, dummdreisten Aussagen rechter Zeugen“ oft. Doch sei der Prozess, weil er sorgsam und vernünftig geführt werde, „eine Erfolgsgeschichte“.

Viele Spuren zum NSU führen in den Knast – so das Ergebnis einer Recherche von René Heilig im Neuen Deutschland. Unter Gefängnisinsassen und deren Verbündeten ließen sich zahlreiche Verbindungen aufzeigen, die der NSU genutzt haben könnte. So saß der V-Mann Carsten Sz. alias Piatto über Jahre in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg. Dort habe er das Heft Der Weiße Wolf gedruckt, herausgegeben von einem NPD-Kader – an das Magazin übersandte der NSU 2002 eine Geldspende. Für das Blatt habe auch der Zeuge Thomas S. geschrieben.

Das nächste Medienlog erscheint am Dienstag, 11. Oktober 2016.

4 Kommentare

  1.   Jeb-Lee

    In einem brandenburger Knast wird eine Neonazi-Postille gedruckt und vertrieben.

    Unglaublich

  2.   Otto2

    In dem ganzen NSU-Komplex wird sowieso mehr vertuscht als aufgeklärt. Denken Sie nur an die „Schredder-Konzerte“.

  3.   Otto2

    Hoppla Redaktion,
    ich habe einen Kommentar geschrieben, der erscheint aber nicht.
    Haben Sie eine Idee, woran das liegen könnte?

  4.   Tom Sundermann

    Alle Kommentare müssen vor Veröffentlichung freigeschaltet werden, was bisweilen etwas dauern kann.

 

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