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Opferanwältin verteidigt Angeklagten – Das Medienlog vom Mittwoch, 13. Dezember 2017

 

Bislang folgten alle Plädoyers der Nebenklageanwälte einer klaren Linie: Sie stellten Fehler des Staats heraus und bezeichneten Beate Zschäpe und die anderen Angeklagten als uneingeschränkt schuldig. Am Dienstag durchbrach die Anwältin Angela Wierig dieses Muster und brachte „so manchen Prozessbeobachter zum Staunen“, wie Alf Meier vom Bayerischen Rundfunk berichtet.

Wierig sagte unter anderem, dass die Beweislage zu dem Mitangeklagten Ralf Wohlleben nicht so eindeutig sei wie gemeinhin angenommen. Zudem kritisierte sie die anderen Opfervertreter für ihre These des institutionellen Rassismus. Hinzu kamen Ausführungen zur historischen Verantwortung der Deutschen in Bezug auf den Nationalsozialismus.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

„Es sind unerwartete Sätze“, schreibt dpa-Autor Christoph Lemmer über den Vortrag der Anwältin, die die Schwester des 2001 in Hamburg ermordeten Süleyman Taşköprü vertritt. „Zschäpes Rolle sieht sie dagegen viel schwerwiegender als alle anderen Redner bisher.“ Diese sei nicht nur gleichberechtigtes Mitglied des NSU-Trios gewesen, sondern dessen „Mastermind“.

Den offenen Fragen im NSU-Komplex widmet sich ein weiterer Text des Bayerischen Rundfunks. Zum größten Teil geht es dabei um die Rolle der Geheimdienste.

Dem Thema „Bildgeschichtliche Verantwortung im NSU-Prozess“ widmet sich der Fotojournalist Kaveh Rostamkhani in einem Blogbeitrag. Er kommt zu dem Urteil, dass die Bebilderung des Verfahrens in den Medien „banal“ sei: „Es ist geradezu bizarr, dass Bilder von Beate Zschäpe die Berichterstattung über diese Phase des Prozesses dominieren, während ihre einzige Handlung an dem gesamten beschriebenen Prozesstag das Öffnen eines Tetrapaks Wasser war.“

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 14. Dezember 2017.

8 Kommentare

  1.   Ha ru

    „Mastermind“…Sorry, aber jetzt wirds schauprozessig.

    Insbesondere auch mit Schoten wie „institutionellen Rassismus. Hinzu kamen Ausführungen zur historischen Verantwortung der Deutschen in Bezug auf den Nationalsozialismus „. Da darf man fragen, ob da eine Angeklagte wegen Beihilfe zum Mord vor Gericht steht oder gleich ein gesellschaftliches Schaustück aufgezogen werden soll.

  2.   Frank-Werner

    Opferanwältin verteidigt Angeklagten
    —————-
    Bereits Thomas Fischer stellte in seiner leider eingestellten Kolumne einmal die Frage, was denn nun ein „Opferanwalt“ überhaupt ist. Bis heute wartet diese Frage auf ihre Beantwortung
    Ein Anwalt verhilft seinen Mandanten zur Durchsetzung der ihnen zustehenden Rechte.

  3.   Thorsten W.

    Vielleicht ist diese Anwältin ein trojanisches Pferd. Nach all dem, was man gesehen und gelesen hat, ist alles möglich. Wer weiß, ob die Verantwortlichen, sie und ihre Familie gedroht haben, sodass sie so ein Plädoyer hält. Vielleicht hat sie auch ihre patriotische Gefühle zur Heimat entdeckt und möchte Deutschlands Image mit einem tiefen Nazistaat nicht schaden. Es ist eine Unverschämtheit, dass dieser offensichtliche Fall, einfach ins lächerliche gezogen wird und mit allen Mitteln versucht wird zu vertuschen. Es stinkt bis zum Himmel. Auch der Fall Oury Jalloh ist dafür ein Beispiel.

  4.   Denkerman

    Meine Frage: Darf die das? Nicht ans Drehbuch halten?

  5.   gorin-no-sho

    Der Mastermindhypothese schließe ich mich an. Sie wird durch das Prozessverhalten und die Aussagen der Zeugen zur Durchsetzungsfähigkeit und zum Verhalten in der Gruppe in vollem Umfange bestätigt. Darüberhinaus muss davon ausgegangen werden, dass Zschäpe Ihr gewaltbereitschaft zeitlebens nicht mehr ablegen wird so das ein andauernder Verbleib in Haft geboten ist.

  6.   Frank Musterman

    Zitat:“Zudem kritisierte sie die anderen Opfervertreter für ihre These des institutionellen Rassismus. “

    Also bleibt es an der Anwältin eines der Opfer hängen ein solches Plädoyer zu halten.
    Ein Plädoyer in dem festgestellt wird/indem sie feststellt, das die Mitglieder der brutalsten Deutschen Terroristischen Vereinigung seit der RAF eben wirklich „nur“ Terroristen sind und keine vom Staat legitimierte Untergrund Armee.

  7.   Fortress of Agony

    „Hinzu kamen Ausführungen zur historischen Verantwortung der Deutschen in Bezug auf den Nationalsozialismus.“

    Verstehe ich nicht, was waren denn genau diese Ausführungen? Vom Artikel werde ich nicht schlau.

  8.   ernstmoritzarndt

    Früher hätte man gesagt: „Si tacuisses – philosophus mansises!“ Offensichtlich hat die Dame nicht den Schuß (Verzeihung) gehört.

 

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