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Rückschlag für Zschäpes Anwälte – Das Medienlog vom Mittwoch, 27. Juni 2018

 

Zum Schluss geht es überraschend schnell: Nach einer erneuten kurzen Beweisaufnahme steht der NSU-Prozess kurz vor dem Urteil. Für den kommenden Dienstag sind die letzten Worte der Angeklagten geplant, Mitte Juli sollte das Verfahren zum Abschluss kommen. Bis auf den Mitangeklagten André E. wollen alle die Gelegenheit zu einer Stellungnahme nutzen – einschließlich Beate Zschäpe.

„Dieser Prozess bleibt auch in seiner Finalphase voller Überraschungen“, kommentieren Annette Ramelsberger und Wiebke Ramm von der Süddeutschen Zeitung. Denn zuvor war völlig unklar, wie es im Verfahren weitergehen wird. Für Konfliktstoff hatte die Vernehmung eines Brandgutachters gesorgt, der auf Antrag von Zschäpes Altanwälten geladen worden war.

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Der Sachverständige des bayerischen Landeskriminalamts gab Einschätzungen zum Brand des Hauses in der Zwickauer Frühlingsstraße ab, den Zschäpe am 4. November 2011 entfacht hatte, bevor sie ihre Flucht antrat. Die Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm wollten mit seinen Angaben nachweisen, dass die Angeklagte durch die Brandstiftung keine Menschen in Gefahr gebracht hat. Doch der Gutachter kam zum gegenteiligen Ergebnis: Das Feuer hatte demnach das Potenzial, das Haus mit sämtlichen Wohnungen in Flammen aufgehen zu lassen.

„Seine Aussage ist ein Eigentor für Zschäpes Altverteidiger. Eines, dass sie sich hätten sparen können an einem Tag, an dem der Senat auf einmal zeigte, was er vorhat: Dieses Mammutverfahren endlich zu Ende zu bringen“, merkt Julia Jüttner auf Spiegel Online an. Von einem Eigentor spricht auch Christoph Arnowski vom Bayerischen Rundfunk. „Heer und seine Kollegin Sturm stehen inzwischen allein auf weiter Flur“, während sich Anwalt Stahl offensichtlich von den beiden entfernt habe. Er habe „völliges Desinteresse an der Strategie seiner Kollegen“ bewiesen.

„Für die Anklage wirkt die Ladung des Sachverständigen wie ein Geschenk – wenn es denn nach fünf Jahren Prozess überhaupt noch mehr Belege gebraucht hätte“, heißt es auch bei uns auf ZEIT ONLINE. Für die Verteidiger hingegen waren die Angaben demnach „ein Rückschlag“. Frank Jansen spricht den Anwälten im Tagesspiegel „einen Teilerfolg“ zu.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 28. Juni 2018.

19 Kommentare

  1.   Gonzales1

    „Für die Anklage wirkt die Ladung des Sachverständigen wie ein Geschenk – wenn es denn nach fünf Jahren Prozeß überhaupt noch mehr Belege gebraucht hätte“

    Unverschämtheit, was sich die Freie Juristen erlauben, auf kosten der Stadt-Kasse,
    überhaupt dieser Prozeß ist ein Flop, und zugleich Goldgrube für Juristen, man zieht das Extra Lang wie Gummi, was kostet das jetzt über 5 Jahre Prozeß?

  2.   ilovekuchen

    Lebenslänglich und besondere schwere, alles andere wäre eine Überraschung.

    So schlecht wird es für sie nicht werden, Fans hat sie bestimmt genug drinnen und draussen nur raus darf sie nie wieder.

  3.   Rayfaro

    Christoph Arnowski vom Bayrischen Fernsehen hat auch mal den Quatsch erzählt, dass sich die Beklagte äußern müsste. Sollte sich das jetzt auf die Brandstiftung reduzieren, sind das max. 10 Jahre Strafe.
    Habe mal versucht der Frage nachzugehen, wer die ersten Pflichtverteidiger Sturm, Stark & Heer ausgesucht hat, deren Namen so gut zu der Nazi-Tussi passen. Zum Glück war es nicht das Gericht. Das wäre dann der erste Grund zur Revision. Die Auswahl soll bei der Erst-Vernehmung in Thüringen getroffen worden sein. Da kannte jemand Einen, der Einen kennt. Jedenfalls reichlich komisch

  4.   Durex

    Für mich werden hier eher persönliche Animositäten zum Vorschein getragen, nicht nur dass Zschäpe, aus welchen Gründen auch immer, ihre Pflichtverteidiger ablehnt, nein auch die Pflichtverteidiger scheinen sich untereinander nicht zu mögen.

    Das ist wie in einer Trgödie – und aufgrunddessen wird es auch wohl sehr tragisch für Zschäpe ausgehen, obwohl Heer und Sturm voll für sie argumentieren und ihre Sache aus meiner Laiensicht gut zu machen scheinen, bis auf den Sachverständigen.

  5.   Ich bin so froehlich so froh

    Die war doch schon verurteilt, bevor überhaupt der Prozess begann.

    Was für eine Farce.

  6.   Halbschwabe

    Ich würde nicht vorschnell urteilen. Nur die Anwälte wissen, welche Strategie sie damit verfolgen oder welche Psycho-Spielchen sie veranstalten.

  7.   15Hefti

    Was wird hier wieder nur geschrieben? Sinnfrei und ohne Begründungen o.ä. werden wieder Sachen behauptet.

    „Gonzales1“ z.b. „Prozeß ist ein Flop, und zugleich Goldgrube für Juristen“. Gerade der Typ will fähig sein, dies (Flop) zu beurteilen. Und Goldgrube? Echt, stellen sie mal die Vergütungen da.

    „Rayfaro“ wollte mal gar nichts beitragen und einfach nur was schreiben. Er hat sich was ausgedacht „war es nicht das Gericht. Das wäre dann der erste Grund zur Revision.“ und man braucht auf diesen „Quark“ nicht einzugehen, weil er merkt, dass seine Grundannahme schon falsch ist. Oder anders gesagt, er hat überhaupt nichts mitzuteilen.

    Aber „Ich bin so froehlich so froh“ der selbstverständlich kein rechter Geselle ist und diese rechte Verbrecherin verteidigen will. Nein, blanker Zufall, dass er die exakt die rechte Verschwörungslinie fährt. Keine Ahnung vom Thema, kein sinnvolles Argument,….aber alles ist eine Verschwörung. „Ist vorverurteilt, eine Farce….“… Oder anders gesagt: Verschwörung.

  8.   cocainrausch

    Ich bin erschüttert über das Niveau der Diskussionen. Was denken Sie sich bei diesem Stammtischlevel?
    Gibt es denn keinerlei Hoffnung auf reflektierten, unsere Verfassung achtenden Austausch? Meine Güte …

  9.   15Hefti

    Lieber „Halbschwabe“,

    sie Strategie im Prozess wurde mehrfach klar und mehrfach haben sich die unterschiedlichen Anwälte gegenseitig an den Karren gefahren.

    Klar, werden wohl einige oder ein Anwalt eine Strategie dahinter sehen (nämlich seine), dass er damit aber die Strategie der anderen Anwälte ev. untergräbt spielt für diesen ja gerade keine Rolle.

    Welches „Psycho-Spielchen“ erwarten sie denn? Oder anders gesagt, was soll denn die große Überraschung sein? Ein vollständiges Geständnis? Ok, dass wäre was. Aber was noch?

    Wie gesagt, die Strategie wurde ja über die Jahre sehr gut von allen Prozessbeobachtern klar dargestellt. Und dass die Verteidigung kein Team ist, keine einheitliche Linie fährt, man sich auch vollkommen bewusste gegenseitig an den Karren fährt…. ist doch alles kein Geheimnis.

    Deshalb, wenn sie von „nicht vorschnell urteilen“ schreiben, was erwarten sie denn?

  10.   15Hefti

    @ cocainrausch:

    Kleiner Tipp: Hier gibt es keine Zitierfunktion. Ergo, auch sie müssen denjenigen direkt ansprechen, d.h. namentlich zitieren.

 

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