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Die Macht der Illusion

How your eyes trick your mind

Illusionen sind so alt wie die Menschheit. Bereits vor mehr als 2.000 Jahren beschrieb der Philosoph Aristoteles die „Wasserfalltäuschung“: Wer lange einen Wasserfall betrachtet und seinen Blick danach auf etwas Unbewegliches – beispielsweise die Felsen in der Umgebung – richtet, wird eine entgegengesetzte Dynamik wahrnehmen. Die Felsen scheinen sich wie von selbst nach oben zu bewegen. Es hat lange gedauert, um diese Sinnestäuschung, Bewegungsnacheffekt genannt, auch wissenschaftlich zu definieren. Für Nicht-Wissenschaftler hat nun die BBC diese und andere bekannte optische Illusionen anschaulich erklärt.

Wir wollen nichts vorwegnehmen, aber so viel sei gesagt: Nicht jede Sinnestäuschung kann entschlüsselt werden. Das menschliche Auge fängt so viele Informationen ein, dass das Gehirn, um sie alle zu verarbeiten, größer sein müsste als ein Gebäude, sagte Susana Martinez-Conde, Neurowissenschaftlerin am Barrow Neurological Institute Arizona, der BBC. Immerhin können mittels Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomographie bestimmte Prozesse des Gehirns beim Betrachten von Illusionen dargestellt werden. Doch seien wir ehrlich: Manchmal ist es ganz schön, Illusion Illusion sein zu lassen.

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Hier stimmt die Chemie

TED Periodic Videos

Ordnungszahlen, Symbole, Elektronenkonfigurationen, Haupt- und Nebengruppen … Das Periodensystem bestand für Sie im Chemie-Unterricht nur aus Fragezeichen statt aus Elementen? Doch so komplex ist das System nicht – zumindest, wenn es anschaulich vermittelt wird. TED Education macht es vor: Für ihr interaktives Periodensystem produzierten die Redakteure in Zusammenarbeit mit der Universität Nottingham für jedes der 118 Elemente jeweils ein Erklärvideo. So lässt sich das Periodensystem wieder neu entdecken und erlernen. Kennen Sie etwa …

Polonium? Es spielte eine wichtige Rolle bei der Detonation der ersten Atombomben.

Molybdän? Ohne dieses Spurenelement könnten weder Menschen noch Pflanzen leben.

Ytterbium? Es kann Goldhamstern eine zusätzliche Rippe wachsen lassen.

Profi-Tipp: Falls Sie das TED-Ed-Periodensystem immer parat haben möchten, sollten Sie sich diese Postervorlage ausdrucken. Sie ist mit QR-Codes bestückt, über die Sie mit Ihrem Smartphone direkt zu den individuellen Videos gelangen.

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Wörterbuch der obskuren Sorgen

Sie wissen es eigentlich, tief in Ihrem Innern: Sie sind nicht einzigartig. Alles, was Sie machen, hat schon eine andere Person vor Ihnen getan – auf dieselbe Art, an demselben Ort, besser, schlechter. Sie sind nur eine/r von Vielen. Sehr Vielen. Spüren Sie dieses Unbehagen? Begleitet es Sie eventuell schon längst durch den Alltag? Dann leiden Sie wahrscheinlich an „Vemödalen“, der Angst davor, dass alles, was man selbst macht, bereits gemacht worden ist.

Na gut, wir geben es zu: „Vemödalen“ ist kein reales Leiden. Es ist im Dictionary of Obscure Sorrows gelistet, einer Sammlung moderner, fiktiver Alltagssorgen. Lassen Sie also Schwermut Schwermut sein und probieren Sie es mal mit „Liberosis“ – der Sehnsucht danach, dass einem alle Sorgen egal sind.

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Heute hör ich Plattencover

Predominant.ly

Bücherrücken nach Farben sortieren? Das ist doch schon wieder aus der Mode gekommen. Ordnen Sie lieber Plattencover nach Farbcodes – zumindest virtuell auf predominant.ly. Das Onlinetool sortiert Alben in Apples iTunes-Bibliothek nach Farbtönen und kann sogar Hörproben der Songs abspielen. Wer blau machen will, sollte es vielleicht mit Alben in Deep Blue probieren.

Der Clou: Alle Farb-Sets mit Bezeichnungen wie Wild Strawberry, Bangladesh Green und Black Bean können individuell per URL geteilt werden. Die exotischen Namen hat Predominantly einem Experiment des Wissenschaftlers und Comiczeichners Randall Munroe (xkcd) entlehnt, der seine Leser dazu aufrief, Farben neu zu benennen. Unsere Empfehlung für diesen grauen Tag: Dusty Lavender.

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Nordkoreas IP-Armut

Weltweite Verteilung der IP-Adressen
Klicken Sie auf das Bild, um zur Infografik zu gelangen.

IPs, genauer Internet-Protocol-Adressen, sind wie Hausnummern: Über sie lässt sich der Standort eines mit dem Internet verbundenen Geräts ermitteln, sei es ein PC oder ein Smartphone. Beim jüngsten Sony-Hack spielten sie eine wichtige Rolle. So behauptete die US-Regierung zunächst entschlossen, der Angriff auf den japanischen Konzern sei aus Nordkorea erfolgt. Beweismittel seien die verwendeten IP-Adressen der Hacker.

Ein Blick auf diese Infografik der Washington Post zeigt, dass Nordkorea lediglich über 1.024 IP-Adressen verfügt – bei einer Bevölkerungszahl von über 25 Millionen. Wer in der Grafik ganz nach unten scrollt, sieht erst: 24.440 Einwohner teilen sich (zumindest theoretisch) eine einzige IP.

Zum Vergleich: Ein Einwohner besitzt in Südkorea ungefähr zwei IP-Adressen, in Deutschland „nur“ eine, in den USA gar fünf. Für eine Mehrzahl der afrikanischen Länder sind IPs hingegen knapp. Auch so zeigt sich mal wieder: Die Verteilung der ca. 4,3 Milliarden IP-Adressen korreliert mit dem weltweiten ungleichen Zugang zum Internet.

Eine unerklärliche Kuriosität bleibt in der Karte jedoch verborgen: Die meisten IP-Adressen pro Kopf gibt es auf den Seychellen – und im Vatikan.

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Alltagsklänge, konserviert

Nicht nur Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Auch Klänge verschwinden. Genauer gesagt: Klänge unserer Umgebung, die einst die Industrialisierung hervorgebracht hat. Geräusche, die den Alltag in der Vergangenheit prägten, dies noch immer tun – oder in Zukunft nicht mehr existieren werden. Die mechanischen Anschläge auf einer Nachkriegsschreibmaschine, zum Beispiel, das Quietschen einer fast ausrangierten Straßenbahn, das Hochfahren eines 1980er-Jahre-Computers.

Das Projekt Work With Sounds sammelt diese und andere Geräusche in einem Online-Archiv, um sie vor dem kollektiven Vergessen zu bewahren. Neben unkomprimierten Audio-Dateien finden sich im Archiv auch Videos, die den Geräuschen eine Kulisse geben. An Work With Sounds beteiligen sich sechs Museen aus Europa. Das von der EU geförderte Projekt läuft noch bis Ende September dieses Jahres. Wie viele Sounds die Macher bis dahin wohl noch zusammenbekommen? Die Zielsetzung jedenfalls liegt bei 600.

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Wikipedia als Klangkosmos

Screenshot von "Listen To Wikipedia". Klicken Sie auf das Bild, um zur Klanginstallation zu gelangen.
Screenshot von „Listen To Wikipedia“. Klicken Sie auf das Bild, um zur Klanginstallation zu gelangen.

Ein weiches Zupfen, hin und wieder das Brummen eines alten Synthesizers – was klingt wie ein neues Ambient-Album von Brian Eno, ist eine Klangkreation, deren Töne vollkommen zufällig im Browser entstehen. Basierend auf Wikipedia. Jeder Eintrag, der in der Internetenzyklopädie neu eingestellt oder bearbeitet wird, jeder Benutzer, der sich registriert, wird auf Listen To Wikipedia gleichzeitig in einen wohligen Klang umgewandelt.

Der Clou: Zu jedem Sound wird angezeigt, welcher Wiki-Artikel gerade bearbeitet wurde. Ideal für jeden, der gerne Randwissen anhäuft (während unserer Listening-Session konnten wir uns unter anderem in die Rituale der Orphiker, die Lebensaltersbestimmung bei Dinosauriern und die Liste der Baudenkmäler in Oberschleißheim einlesen). Wer möchte, kann sich die Wiki-Sounds auch als App installieren (bis jetzt leider nur für Apple-Smartphones erhältlich).

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