So funktioniert Kapitalismus

Deutschland, eine Jobmaschine

Von 31. Januar 2007 um 12:34 Uhr

Erwerbstätige und Arbeitslose in Deutschland

Das Erfreuliche an den Arbeitsmarktzahlen, die gerade herauskamen, ist der Anstieg um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im November. Es entstehen neue Jobs – und es sind nicht nur Billigjobs.

Für Dezember haben wir bereits die Ergebnisse für die Beschäftigung insgesamt: es gab nicht nur einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent, auf 39,362 Mill., sondern, saisonbereinigt, auch gegenüber dem November, und zwar um nicht weniger als 43.000. Wenn das so weiterginge! Im Zeitraum Februar bis Dezember hat die Anzahl der Jobs mit einer Jahresrate von 1,56 Prozent zugenommen, was fast nach Hochkonjunktur aussieht. Deutschland, eine Jobmaschine?

Im Januar, für den nur die Arbeitslosenzahlen vorliegen, nicht dagegen die für die Beschäftigung, ging es weiter mit den guten Nachrichten: Danach waren saisonbereinigt 3,976 Mill. Menschen ohne Job, was einer Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent entspricht. Im März 2005, also vor weniger als zwei Jahren, war die Arbeitslosenquote noch bei 12,1 Prozent, die absolute Zahl der Jobsucher bei 5,017 Mill.

Die jüngsten Zahlen sind natürlich durch das sehr freundliche Winterwetter geschönt, trotzdem ist klar, dass der Aufschwung auch im Jahr 2007 weitergeht. Ob er bereits an Breite gewonnen hat und sich selbst zu tragen beginnt, ist allerdings noch nicht sicher. Es sieht nämlich danach aus, als ob im 4. Quartal der bei weitem wichtigste Impuls erneut vom Außenhandel gekommen ist. Die Einzelhandelsumsätze lassen nach wie vor zu wünschen übrig, obwohl man doch wenigstens wegen der Mehrwertsteuer einen sichtbaren Anstoß hätte erwarten können. War nicht. Immerhin scheint die Bauwirtschaft, die ein Jahrzehnt lang wie ein Klotz am Bein der Konjunktur hing, in Schwung gekommen zu sein, so dass wir jetzt doch zunehmend optimistischer sein dürfen.

Es könnte aus den genannten Gründen sein, dass wir für das vierte Quartal gegenüber dem dritten Quartal einen Anstieg des realen saisonbereinigten Sozialprodukts um 1 Prozent bekommen, was, aufs Jahr gerechnet, einer Rate von über 4 Prozent entspricht. Die erste Schätzung wird Mitte Februar veröffentlicht.

Diese Entwicklungen werden allerdings die EZB bei ihrem Vorhaben bestärken, die Zinsen im März von 3,5 Prozent auf 3,75 Prozent anzuheben. Tendenziell dürfte das zudem den Euro stärken.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Hallo,

    die Grafik der Arbeitsargentur ist sehr ungeschickt gemacht. Weder ist ersichtlich welche Skala zu welcher Kurve gehoert, noch stellt die gewaehlte Form der Darstellung, zwei Skalen, die sich um fast einen Faktor 10 unterscheiden, eine geeignete Vergleichsmoeglichkeit dar. Mir ist nicht bekannt, ob das durch das Ausschneiden der Grafik entstanden ist, oder ob die Arbeitsargentur ihre Grafiken eher schlampig erstellt, gutes Vorgehen ist es so oder so nicht. Die Grafik ermoeglicht also nur den Vergleich des Trends, nicht der absoluten Werte und ist deswegen irrefuehrend gestalted. So koennte man auf den ersten Blick auf die Idee kommen, 2005 haette es mehr Arbeitslose als Erwerbstaetige gegeben.
    Hochachtungsvoll

    J.Donnert

    Antworten

    • 31. Januar 2007 um 14:21 Uhr
    • julius
  2. 2.

    Hallo Herr Donnert,

    die Schlampigkeit geht auf mein Konto. Die Grafik stammt nicht von der Arbeitsagentur. Ich habe vergessen in der Grafik den Hinweis einzufügen, welche Skala zu welcher Reihe gehört. Ich werde das gleich ändern. Vorab: Die linke Skala bezieht sich auf die Zahl der Erwerbstätigen und die rechte Skala auf die Zahl der Arbeitlosen. Es werden also schon die absoluten Werte beider Reihen dargestellt. Und beachten Sie, dass beide Skalen einen Bereich von 3 Mill. abdecken. Von daher sollte eine gute Vergleichbarkeit gegeben sein.

    Beste Grüße
    Uwe Richter

    Antworten

    • 31. Januar 2007 um 15:31 Uhr
    • Uwe Richter
  3. 3.

    Ist ja ganz begeisternd hervorragend, dass es “nicht nur” Billig-Jobs sind. Geht’s auch etwas genauer? Also ich sage: Her mit dem Mindestlohn von MINDESTENS 7,50 – dann wird sich schnell zeigen, wie das fabulöse Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage darauf reagiert. Kombilöhne und der andere 1Euro-Kram sind nur schlecht kaschierte Subventionen, von denen wir schon wissen, wer die Gewinne einstreicht. Jetzt. Zukünftig nicht mehr. Die Beggar-Nummer hat eine Halbwertszeit, international, national, überall…

    gruss von Edicius

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    • 31. Januar 2007 um 21:09 Uhr
    • edicius
  4. 4.

    Soll dies ein Witz sein? “Jobmaschine Deutschland”? Erzaehlen Sie dieses einmal einen der nach wie vor 4 Mio Arbeitslosen. Hier setzt sich wohl der Ueberschwang des letzten Sommers wieder durch. Man moechte wieder wer sein in Deutschland – und der Wunsch scheint Vater des Gedankens zu sein.

    Halten wir die Fakten fest: 9.5% Arbeitslosenquote in Deustchland – einer der hoechsten in der EU. Von weltweiten Vergleiichen einmal ganz abgesehen (z. Bsp. USA: 4.8% Arbeitslosenquote, ueber 7 Mio neue Jobs seit der letzten (2 monatigen Mini-) Rezession, fast durchschnittlich 3-4% Wirtschaftwachstum pro Jahr seit 4 Jahren, leicht abschwaechend in letzter Zeit nach diesem Boom) .

    Mir scheint, dass Nachrichten zu diesem, wie anderen Themengebieten so lange so schlecht in Deustchland waren, dass man nun bei den geringsten Positivnachrichten, wie beim Fallen der Arbeitslosenquote um ganze 2 Prozentpunke auf immer noch satte 9.5% heute, in Deutschland schon den Kopf verliert.

    Lassen Sie die Kirche im Dorf, und sehen Sie sich an was in anderen Laendern schon seit Jahren Gang und Gebe ist. Der derzeitige Aufschwung in Deutschland geht – dank Exporten – ausschliesslich auf das Konto schon seit Jahren boomender Aussenwirtschaften, innerhalb der EU und besonders auch ausserhalb (USA, Japan, China, andere in Asien). Das dieser Weltkonjunkturaufschwung es so lange brauchte nach Deutschland zu kommen, ist eher bedenklich. Noch immer hinkt Deutschland in Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenzahl anderen Laendern z. T. weit hinterher.

    Dr. Juergen Mueller
    Pasadena, CA

    Antworten

    • 1. Februar 2007 um 02:22 Uhr
    • Juergen Mueller
  5. 5.

    Die Grafik ist zwar mittlerweile relativ gut verständlich, leidet vermutlich aber noch unter einem anderen Problem, welches tendenziell aber wohl eher einen noch positiveren Verlauf darstellen würde: Die Art der statistischen Erfassung der Zahl der Arbeitslosen – jetzt wohl eher ehrlicher – wurde Anfang 2005 geändert (Der dort sichtbare steile Anstieg hat damit zu tun). Damit sind die Zahlen vorher und nachher aber nicht direkt vergleichbar. Eine zusätzliche Linie, die die alte Zählweise zur Information nachbildet, würde diesen Mangel beheben.

    Antworten

    • 1. Februar 2007 um 08:17 Uhr
    • Lange
  6. 6.

    @ Jürgen Müller

    Wenn eine Menge neue Jobs entstehen, heißt das doch nicht, dass wir Vollbeschäftigung haben. Sie haben recht, und ich betone das ja auch die ganze Zeit, dass wir immer noch bei 9,5 Prozent Arbeitslosenquote sind und daher noch ein langer Weg vor uns liegt. Warum bestreiten Sie aber, dass die Fortschritte am Arbeitsmarkt ganz beachtlich sind. Wir brauchen etwa noch vier Jahre mit Zuwachsraten bei der Beschäftigung von 1 1/2 Prozent jährlich, also wie seit Februar 2006, bis wir eine so niedrige Arbeitslosenquote haben wie die Amerikaner. Deswegen plädiere ich ja auch die ganze Zeit für eine nicht zu restriktive Zinspolitik, gegen weitere Steuererhöhungen und zunehmend für eine kräftigere Zunahme der Löhne nach der Formel “Produktivität mal Inflationsziel” (wird sich wohl 2007 immer noch nicht durchsetzen lassen).

    Im Übrigen ist ziemlich es egal, wo das Wachstum herkommt, solange man das dem Markt überlässt. Der Staat hat nur darauf zu achten, dass die Rahmenbedingungen für neue Jobs stimmen, dass Wettbewerb herrscht, und dass er seine Politik entsprechend der Auslastung der Kapazitäten fährt. Das heißt gegenwärtig immer noch, dass er expansive Impulse aussenden sollte (er hat allerdings seit Jahren pro-zyklisch agiert, was ein Grund für das schwache Wachstum war – anders als die US-Regierung übrigens).

    Die Konjunktur ist zur Zeit gut in Fahrt, aber der Weg zu Vollbeschäftigung ist noch lang. Hoffen wir, dass die EZB nicht übertreibt, die Staaten Eurolands auf einen konjunkturneutralen Kurs einschwenken und der Euro nicht zu sehr aufwertet. Die Einkommensverteilung ist derart dramatisch zugunsten der Gewinne verändert worden, dass wir durchaus vor einem investitionsgetriebenen, also langanhaltenden Aufschwung stehen könnten. Dann wäre die deutsche (und die europäische) Wirtschaft nicht nur eine Jobmaschine – sie könnte es auch bleiben.

    Beste Grüße, DW

    Antworten

    • 1. Februar 2007 um 10:11 Uhr
    • Dieter Wermuth
  7. 7.

    @ Lange

    Danke für den Hinweis – nur wo gibt es noch die Reihe auf alter Basis? Was wäre die Aussage? Dass wir nach alter Rechnung eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit hätten, vermute ich. Nach ILO ist das ohnehin schon der Fall.

    Beste Grüße, DW

    Antworten

    • 1. Februar 2007 um 10:17 Uhr
    • Dieter Wermuth
  8. 8.

    @ DW

    Die Einkommensverteilung ist derart dramatisch zugunsten der Gewinne verändert worden, dass wir durchaus vor einem investitionsgetriebenen, also langanhaltenden Aufschwung stehen könnten. Dann wäre die deutsche (und die europäische) Wirtschaft nicht nur eine Jobmaschine – sie könnte es auch bleiben.

    Sofern die Gewinne beschäftigungswirksam investiert werden. Man kann sie ja auch ausschütten, zur Übernahme von Mitbewerbern verwenden, zu weiterer, kapazitätsneutraler, Rationalisierung einsetzen, also zum JobABbau, oder man kann auch einfach Blasen damit aufpumpen…

    schönen Gruß, Edicius

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    • 1. Februar 2007 um 16:52 Uhr
    • edicius
  9. Kommentar zum Thema

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