Die BIP-Prognosen sind zu pessimistisch

In den vergangenen Wochen hatten sich die Ökonomen von Ifo, von der EU-Kommission und der Bundesregierung darauf eingeschossen, dass das reale BIP Deutschlands in diesem Jahr im Durchschnitt nur ein halbes Prozent höher sein wird als 2018. Nach den Zahlen, die jetzt vom Statistischen Bundesamt für das erste Quartal 2019 veröffentlicht wurden, dass es nämlich im Vorquartalsvergleich einen Anstieg von 0,4 Prozent gegeben habe, müsste das reale BIP in den folgenden drei Quartalen jeweils um weniger als 0,1 Prozent zunehmen, damit am Ende für das Gesamtjahr eine Zuwachsrate von 0,5 Prozent herauskommt.

Das ist im Grunde die Prognose einer Rezession und es wäre dann nicht unwahrscheinlich, dass die Arbeitslosigkeit nach vielen Jahren des stetigen Rückgangs wieder einmal steigt. Ich halte das aber für viel zu pessimistisch. Weiter„Die BIP-Prognosen sind zu pessimistisch“

 

Danke, SPD!

Die SPD hat ein neues – und zwar sehr gutes – Sozialstaatskonzept vorgestellt. Das enthält nicht nur eine Reihe von wichtigen Einzelmaßnahmen, um den Sozialstaat gerechter und besser zu machen. Vor allem bricht die SPD mit dem Weltbild, das der Reform- und Agendapolitik zugrundelag. Man könnte sagen, dass sie damit wieder ein bisschen mehr Willy Brandt wagt, auf jeden Fall aber sehr viel weniger Gerhard Schröder. Weiter„Danke, SPD!“

 

Warum die osteuropäische Auswanderung die Spannungen innerhalb der EU verschärft

In den meisten mittel- und osteuropäischen Ländern ist es in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem massiven Rückgang der Bevölkerung gekommen, während es im Westen eine nicht weniger kräftige Zunahme gab. Auf beiden Seiten spielten dabei grenzüberschreitende Wanderungen eine große Rolle (einen guten Überblick gibt die Website European Demographic Data Sheet 2018).

Die Migration ist sowohl im Westen als auch im Osten des Kontinents zu einem zentralen Thema in der öffentlichen Diskussion geworden und wird von Politologen wie dem Bulgaren Ivan Krastev für die Erfolge der fremdenfeindlichen Parteien verantwortlich gemacht („The metamorphosis of Central Europe“, in International Politics and Society, Januar 2019, sowie „After Europe“, University of Pennsylvania Press 2017). Genauso wie Freihandel nicht immer, nicht überall und nicht für jedermann etwas Positives ist, kann auch die internationale Mobilität erhebliche und unerwartete Probleme bereiten, vor allem dann, wenn sie zu sehr zunimmt. Sie kann einen wirtschaftlichen Schock in den Ländern des Ostens auslösen, deren Bevölkerung stark schrumpft, und sie kann den Integrationswillen in den aufnehmenden Ländern des Westens überfordern. Vollkommen offene Grenzen für den Produktionsfaktor Arbeit darf es nicht geben – Migration muss gesteuert werden, damit die staatlichen Institutionen nicht überfordert werden. Weiter„Warum die osteuropäische Auswanderung die Spannungen innerhalb der EU verschärft“

 

Je stärker das Wachstum, desto größer die Risiken

Alle offiziellen Wirtschaftsprognosen sind sich in Einem einig: Die Expansion des realen Sozialprodukts wird in diesem Jahr zwar etwas geringer ausfallen als 2017, aber sie wird insgesamt auf absehbare Zeit ziemlich robust weitergehen, in den Schwellenländern mit durchschnittlichen Raten von etwa fünf Prozent, und mit rund 2,3 Prozent in den reicheren Ländern. Kein Grund zur Klage also, wenn man mal von den Krisenländern Venezuela, Argentinien, Brasilien und Türkei absieht.
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Die Erde erwärmt sich weiter

Im Mai 2017 hatte die High-Level Commission on Carbon Prices unter der Leitung der Professoren Joseph Stiglitz und Lord Nicholas Stern festgestellt, dass der größte Teil der von den Menschen emittierten Treibhausgase nicht oder viel zu niedrig besteuert sei. Wenn die Pariser Klimaziele bis 2020 erreicht werden sollen, müsste jede Tonne CO2, die freigesetzt wird, bis 2020 mit mindestens 40 bis 80 Dollar belastet werden, und dann bis zum Jahr 2030 mit mindestens 50 bis 100 Dollar. Ich denke sogar, dass die Karbonsteuern noch höher sein müssten, wenn die gesamten negativen Effekte durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe abgegolten werden sollen.
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Das Bond-Ankaufprogramm der EZB läuft aus – insgesamt eine erfolgreiche Strategie

Am Donnerstag hat die EZB das Ende des Bond-Ankaufprogramms verkündet, außerdem ihre Absicht, die Leitzinsen bis Ende des Sommers 2019 unverändert zu lassen, also bei ihrer Nullzinspolitik und der sehr expansiven Geldpolitik zu bleiben. Von Oktober 2014 bis Ende Dezember 2018 wird sie dann netto Anleihen in Höhe von 2,6 Billionen Euro erworben und ihre Bilanz von zwei Billionen auf etwa 4,7 Bill. Euro verlängert haben. Sie musste das tun, denn wenn die Zinsen einmal an der Nullgrenze angekommen sind, gibt es praktisch keinen Spielraum mehr für weitere Senkungen. An dem Punkt müssen andere Instrumente ins Spiel gebracht werden, wenn die expansive Ausrichtung der Geldpolitik beibehalten werden soll, wenn also das Ziel einer Inflationsrate von dauerhaft knapp unter zwei Prozent weiter verfolgt wird. Die neuen Instrumente der EZB waren zum Einen das Ankaufprogramm von Aktiva (das Asset Purchasing Programme APP auch Quantitative Easing QE genannt) sowie klare Aussagen über die künftigen Leitzinsen (forward guidance). Weiter„Das Bond-Ankaufprogramm der EZB läuft aus – insgesamt eine erfolgreiche Strategie“

 

Anzeichen für eine neue Finanzkrise

Wenn ich mir die jüngsten Prognosen von EU-Kommission, OECD und Internationalem Währungsfonds anschaue, könnte es kaum besser laufen: Das Wachstum ist robust, die Inflation niedrig, die Löhne steigen etwas rascher als in den letzten Jahren und die Geldpolitik dürfte sehr expansiv bleiben. Das gilt global, für die USA und für Euroland. Andererseits weiß ich, dass es diesen Organisationen nie gelingt, eine Rezession vorherzusagen, geschweige denn eine Finanzkrise. Wenn alle zuversichtlich sind, dann geht es los – dann kommt es zu dem ominösen „Minsky Moment“, dem großen Ausverkauf von Aktien, Immobilien und Rohstoffen, manchmal jedenfalls. Oft hält die Euphorie länger an als das skeptische Beobachter wie ich für möglich halten, aber irgendwann kippt die Sache dann doch. Nur: wann? Weiter„Anzeichen für eine neue Finanzkrise“

 

Kleines deutsches Produktivitätswunder

Von einer säkularen Stagnation, wie sie für die USA von Ökonomen an die Wand gemalt wird, kann in Deutschland keine Rede sein. Die Produktivität nimmt wieder sehr kräftig zu, dank des Hineinwachsens des realen BIP in die reichlich vorhandenen Kapazitätsreserven und des Anspringens der Ausrüstungsinvestitionen. Der Nachfrageboom bewirkt inzwischen Wunder auf der Angebotsseite. Das schafft Spielräume für höhere Lohnsteigerungen, ohne dass dadurch unmittelbar Gefahren für die Preisstabilität drohen. Weiter„Kleines deutsches Produktivitätswunder“

 

Euroland braucht weiter niedrige Leitzinsen

Heute gab es die deutschen Inflationszahlen für den Februar: Die Verbraucherpreise (HVPI) waren um 1,2 Prozent höher als vor einem Jahr, nach 1,4 Prozent im Januar, so dass es für Euroland insgesamt ebenfalls zu einer Inflationsrate von 1,2 Prozent, wenn nicht sogar von 1,1 Prozent kommen dürfte. Diese Zahlen gibt am Mittwoch.
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Ein Insolvenzverfahren für Staaten wäre schlecht für Europa

Jüngst haben 14 prominente deutsche und französische Ökonomen und Ökonominnen einen Vorschlag zur Reform der Eurozone gemacht, der auf großen Widerhall bei den Regierungen in Paris und Berlin gestoßen ist. Das Interessante daran: Die 14 Wissenschaftler versuchen die französischen und die deutschen Positionen zur Zukunft der Währungsunion unter einen Hut zu bringen. Die französische Vorliebe für eine stärkere europäische Wirtschaftsregierung und mehr europäische Risikoteilung soll mit der deutschen Vorliebe für nationale Strukturreformen und möglichst hoher Risikovermeidung verbunden werden. Konkret sollen einerseits auf europäischer Ebene Fonds eingerichtet werden, die den Ländern in einer Krise Geld zum Investieren geben; und auf der anderen Seite sollen die Länder stärker an die Kandare genommen werden, wenn sie sich nicht ans europäische Regelwerk „guten Wirtschaftens“ halten. Weiter„Ein Insolvenzverfahren für Staaten wäre schlecht für Europa“